Claus Biederstaedt

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Claus Biederstaedt (2010)

Claus Biederstaedt (* 28. Juni 1928 in Stargard in Pommern) ist ein deutscher Schauspieler und Synchronsprecher.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Biederstaedt wurde als einziger Sohn eines Studienrats für Musik und Geschichte geboren, der auch als Dirigent und Organist tätig war. Dessen ursprünglicher Berufswunsch war Opernkapellmeister. Bei ihm erlernte er das Orgelspiel und sang in dessen Chor mit. Seine Mutter war sehr kunstinteressiert und musikalisch. Sie übernahm wiederholt Solopartien, z. B. im Messias oder im Weihnachtsoratorium. Als Kind bewunderte er Ernst Udet, mit dem er einmal mitfliegen durfte, weil dieser indirekt mit Biederstaedts Eltern bekannt war. Daraus entwickelte sich eine Schwärmerei für den Beruf des Piloten.[1]

Als Schüler wurde er als 16-Jähriger während des Zweiten Weltkrieges an die Ostfront einberufen. Nachdem seine Mitschüler alle gefallen waren, gelang es ihm gerade noch, mit einem verletzten Kameraden vor den heranrückenden sowjetischen Truppen in Richtung Westen zu fliehen. Biederstaedts Mutter, ebenfalls auf einem Treck nach Westen unterwegs, war aufgrund der desolaten Lage der festen Überzeugung, ihr einziger Sohn Claus sei gefallen und verübte daher Suizid.[2]

Nachdem er wieder mit seinem Vater zusammengetroffen war, zogen beide nach Hamburg. Dort besuchte er das Wilhelm-Gymnasium, um sein Abitur nachzuholen.[3] Nebenbei sang er im Chor seines Vaters mit. Einer seiner Mitschüler am Gymnasium war Joachim Kaiser. Biederstaedt entschloss sich zu einem Medizinstudiums, um Arzt zu werden. Im vierten Semester erkannte er jedoch, dass er dafür nicht geeignet war.[4] Als er mit seinem Chor bei einem Theaterstück auf der Bühne stand, lernte er Will Quadflieg kennen und schätzen. Dieser gab ihm an der Schauspielschule des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg Unterricht und geriet zu seinem Vorbild.[1][5] Unterrichtet wurde er auch durch Joseph Offenbach und Josef Dahmen. Unter Offenbach war er zeitweise als Regieassistent tätig. Er erlernte das Fechten, rhythmische Gymnastik, Kostümkunde, Literaturgeschichte, Sprechtechnik und das Rollenstudium. Nach der Abschlussprüfung vor der Genossenschaft deutscher Bühnenangehöriger[1] spielte er als Theaterschauspieler unter anderem an den Bühnen in Hamburg, Berlin, München, Köln und Wiesbaden.[2]

1952 gab Biederstaedt in Die große Versuchung sein Filmdebüt und erhielt dafür den Deutschen Filmpreis als Bester Nachwuchsschauspieler.[3] Fortan war er einer der beliebtesten Darsteller des deutschen Films, immer nett und artig, ein typischer Vertreter des deutschsprachigen Kinos der fünfziger Jahre. In späteren Jahren trat Biederstaedt auch häufig im Fernsehen auf, unter anderem spielte er 1963 an der Seite von Heidelinde Weis die männliche Hauptrolle in der zwanzigteiligen Fernsehserie Meine Frau Susanne.[6]

Seit 1960 arbeitete Claus Biederstaedt als Synchronsprecher. So lieh er seine Stimme häufig Marlon Brando (u. a. in Der letzte Tango in Paris oder Queimada), James Garner (deutsche Standard-Synchronstimme seit Detektiv Rockford – Anruf genügt), Peter O'Toole (Wie klaut man eine Million?), Peter Falk (Columbo), Vittorio Gassman (u. a. Das Leben ist ein Roman oder Verliebt in scharfe Kurven) und Yves Montand (u. a. César und Rosalie oder Vincent, François, Paul und die anderen).[2] In der Fernsehserie Raumpatrouille (1966) sprach er den Einführungstext „Was heute noch wie ein Märchen klingt...“. Als Erzähler aus dem Off kam er unter anderem in der TV-Produktion Es muss nicht immer Kaviar sein (1977) zum Einsatz. Seine Stimme war auch in der Werbung zu hören. Der bekannteste Werbespot mit Biederstaedt war Anfang der 1990er der für das Audi Procon-ten System.

Biederstaedt arbeitete auch als Theaterregisseur und inszenierte unter anderem 1985 Des Teufels General, 1986 Der Hauptmann von Köpenick und 1993 Gerhart Hauptmanns Vor Sonnenuntergang. Er stand mehr als 1000 Mal gemeinsam mit den Schauspielerinnen Karin Dor und Angélique Duvier in dem Stück Der Neurosenkavalier von Gunther Beth auf der Bühne, zuletzt 2008 in Essen.

Im Alter von 83 Jahren musste er seine beruflichen Engagements aufgeben. Eine Krebserkrankung wurde diagnostiziert, die zahlreiche Operationen erforderlich machte und zum Verlust des größten Teils seiner Zunge führte.[4]

Claus Biederstaedt ist in zweiter Ehe verheiratet und hat einen Sohn aus erster Ehe.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1952 – Bundesfilmpreis als bester Nachwuchsschauspieler

Audio[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Filmografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hörspiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Claus Biederstaedt im Gespräch mit Wolfgang Binder (PDF-Datei; 53 KB). In: Bayerischer Rundfunk vom 12. Dezember 2003, auf: br.de
  2. a b c Gerhard Fischer: „Ich bin dankbar, dass ich die goldenen Zeiten miterleben durfte“. In: Süddeutsche Zeitung vom 22. Juni 2018, auf: süddeutsche.de
  3. a b Andreas Zemke: 1972: Interview mit Claus Biederstaedt. In: Deutsche Welle vom 18. September 2013, auf: dw.com
  4. a b Heinz Fiedler: Der Dauer-Bräutigam im Unterhaltungskino. In: Sächsische Zeitung vom 11. März 2017, auf: sz-online.de
  5. „Aber in München passiert ihnen das nicht“. In: Stimme vom 25. Juli 2007, auf: stimme.de
  6. Serien-Klassiker "Meine Frau Susanne" ist nun auf DVD erhältlich, buch-film.com, 22. Mai 2016