Conrad Gesner

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Conrad Gesner (1516–1565), Stich von Conrad Meyer, 1662

Conrad Gesner (* 16. oder 26. März 1516 in Zürich; † 13. Dezember 1565 ebenda; auch: Konrad Gessner, Konrad Geßner, Conrad Gessner, Conrad Geßner, Conrad von Gesner, Conradus Gesnerus) war ein Schweizer Arzt, Naturforscher und Altphilologe. Sein offizielles botanisches Autorenkürzel lautet „Gesner“. Die Schreibweise mit ss/ß bürgerte sich erst ab 1824[1] ein.[2]

Gesner gilt als einer der bedeutendsten Gelehrten der Schweiz, da er sich nicht mehr ausschließlich auf die tradierten Erkenntnisse der Antike und des Mittelalters verließ, sondern seine eigenen Naturbeobachtungen höher wertete. Die Qualität der Darstellung in seinen Veröffentlichungen unterschied ihn von seinen Fachkollegen, da er wegen seines überdurchschnittlichen Zeichentalents nicht darauf angewiesen war, professionelle Künstler für seine Buchillustrationen heranzuziehen.[3]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Denkmal im alten Botanischen Garten Zürich

Conrad Gesner wurde als eines von acht Kindern im März 1516 in Zürich geboren. Sein Vater war der Kürschner Urs Gesner. Seine Familie war mittellos. Im Alter von fünf Jahren kam er zu seinem Onkel Johannes Frick, ein Grossmünster-Kaplan, da seine Familie kein Geld mehr hatte um ihn zu ernähren. Dort wurde seine lebenslange Liebe zur Botanik im Garten seines Onkels geweckt. Er besuchte die Deutsche Schule, die er aber nach drei Jahren für die Lateinschule des Grossmünsters Zürich verliess.

1526 kam Gesner zu seinem Lehrer Oswald Myconius, bei dem er für drei Jahre lebte, bevor er dann 1529 in das Haus von Johann Jakob Ammann zog. Gleichzeitig wechselte er an die reformierte Hochschule Huldrych Zwinglis, wo er weiteren Sprachunterricht bekam und auch die theologischen Veranstaltungen Zwinglis besuchte.

1531 wurde das erste und einzige im 16. Jahrhundert in altgriechisch gesprochene Theater in Zürich vorgetragen und Gesner spielte, als bei weitem jüngstes Mitglied der Gruppe, gleich zwei Rollen, was seine ausserordentliche Griechischkenntnisse zeigt. Noch im selben Jahr starben sowohl Gesners Vater wie auch Huldrych Zwingli im 2. Kappelerkrieg, was Gesner hart traf.

1532 zog Gesner nach Strassburg zum Hebraisten Wolfgang Capito, wo er Hebräisch lernte und auch den deutlich älteren Buchdrucker Wendelin Rihel in Altgriechisch unterrichtete. Es folgten mehrere Jahre des ständigen Wohnortwechsels und Medizinstudiums. 1534 heiratete Gesner Barbara Singysen, eine Entscheidung die von seinem Umfeld sehr missbilligt wurde. 1537 wurde Gesner Griechischprofessor in Lausanne. 1541 erlangte er dann den Doktortitel an der Universität Basel und kehrte nach Zürich zurück und wurde Professor der Naturwissenschaften an der Hohen Schule und war auch als Arzt tätig.

1541 veröffentlichte Gesner seine Bibliotheca universalis, die ihn auch im Ausland einen gewissen Bekanntheitsgrad einbrachte.

Von 1551 bis 1558 folgte dann die Historia animalium, sein wohl bedeutendstes Werk.

1554 wurde Gesner zum Stadtarzt von Zürich, als Nachfolger des Handwerkschirurgen und Theatermachers Jakob Ruf ernannt. In dieser Zeit schrieb er wahrscheinlich auch seine Historia plantarum, die er allerdings nie beenden konnte.

1559 ging Gesner zu Kaiser Ferdinand I. nach Augsburg und 1564 erhielt er von diesem auch einen Wappenbrief.

1565 starb Conrad Gesner an der Pest, nachdem er im selben Jahr auch den Reformator Heinrich Bullinger behandelt hatte.

Gesner starb als weltbekannter und selbst vom katholischen Kaiser Ferdinand I. geachteter Gelehrter. In Zürich erinnern ein Denkmal und der «Gessner–Garten» an sein Werk, ein mittelalterlicher Kräutergarten im alten Botanischen Garten «zur Katz». Conrad Gesner gilt neben Ulisse Aldrovandi als einer der Begründer der modernen Zoologie. Er gründete in Zürich den ersten Botanischen Garten sowie eine bedeutende Naturaliensammlung, die aber bereits kurz nach seinem Tod verloren ging.

Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das bekannteste Werk Gesners, der versuchte, das rasch wachsende Wissen seiner Epoche systematisch zu sichten und zu erschließen, ist seine vierbändige Historia animalium, welche postum um einen fünften Band ergänzt wurde. Das Werk erschien zwischen 1551 und 1558 respektive wurde als «Thierbuch» 1565 von der Druckerei Froschauer veröffentlicht.[4] 1669 bis 1670 wurde es übersetzt und als Allgemeines Thierbuch herausgebracht. Bei der Gliederung orientierte sich Gesner an den Vorgaben des Aristoteles (Historia animalium) und Albertus Magnus (De animalibus). In dem Buch ist eine Reihe von Tieren aufgeführt, die heute als Fabeltiere gelten, etwa das Einhorn, deren Existenz aber auch von Gesner kritisch betrachtet wird. Das Werk ist inwie folgt gegliedert:

  1. Quadrupedes vivipares. 1551.
  2. Quadrupedes ovipares. 1554.
  3. Avium natura. 1555.
  4. Piscium & aquatilium animantium natura. 1558.

Als 5. Band folgte 1587 ein Band zu den Schlangen, in der deutschen Übersetzung 1634 ein weiterer über Insekten aus seinem Nachlass. Diese Werke dienten fast 300 Jahre später noch Charles Darwin als Standardwerk. Die Folianten sind mit Holzschnitten bebildert, darunter das weltberühmte Rhinocerus von Albrecht Dürer sowie die Giraffe aus Bernhard von Breydenbachs Peregrinatio in terram sanctam. 65 Tafeln legte Gesner selbst an. Das bedeutende botanische Werk Stirpium historia beschreibt die Bedeutung von Pflanzenteilen, insbesondere der Blüten und Früchte für die Systematik der Pflanzen. In Corpus Venetum de Balneis (1553) publiziert er Analysen von Heilquellen. Das Werk Thesaurus Euonymi Philiatri,… (1552) stellte das Wissen über Chemie, Arzneimittel und Medizin zusammen.

1565 verfasste er De Omni Rerum Fossilium Genere mit einer systematischen Einteilung der Fossilien und Minerale in 15 Klassen. Zudem gilt er als Erstbeschreiber des Minerals Cerussit.[5] Das Eisenerz Siderit bezeichnete er als „Stahlreich Eisen“.[6]

Ausserdem wurde Gesner mit seiner Bibliotheca universalis bekannt. Sein Ziel war, die gedruckte und ungedruckte Buchproduktion in Latein, Griechisch und Hebräisch zu verzeichnen, damit in Zukunft die Kenntnis der Bücher vor ihrem Verlust, ihrer Vernichtung (Büchersturm), schützen werde. Im ersten, 1545 von Christoph Froschauer publizierten Teil bibliographierte Gesner auf über 1000 Seiten rund 10'000 Werke mit Inhaltsangaben; er legte damit die Grundlagen des Bibliographierens. Im zweiten Teil wurden die Bücher nach Wissenschaften aufgeschlüsselt: Zu diesem Zweck verwendete er eine Systematik von 21 Fachgebieten, wie sie sein Lehrer Konrad Pellikan am Buchbestand der Stiftsbibliothek Grossmünster (Zentralbibliothek Zürich) seit 1532 erprobt hatte. Die Abteilungen 1-19 erschienen 1548 unter dem Titel Pandectae sive Partitionum universalium, beginnend mit der Grammatik. Die 20. Abteilung über Medizin kam aus Geldmangel – das Werk verkaufte sich nicht so gut wie erwartet – nicht heraus, und die 21. Abteilung über Theologie unter dem Titel Partitiones theologicae, 1549 ebenfalls bei Froschauer publiziert, beschloss das Werk.[7] Gesner brauchte die Technik des Arbeitens mit bibliographischen Zetteln, die er als erster beschreibt.[8]

In seinem letzten Lebensjahrzehnt plante Conrad Gesner eine umfangreiche botanische Enzyklopädie, die Historia Plantarum. Die Arbeit blieb unvollendet; sie wurde von Joachim Camerarius dem Jüngeren aus dem Nachlass gekauft und vervollständigt, um es mit dem Kräuterbuch von Pietro Andrea Mattioli neu herauszugeben. Das Buch wurde ab 1586 gedruckt und war ein grosser Erfolg, weil es die medizinischen Schriften Mattiolis mit den revolutionären Pflanzendarstellungen Gesners verband.[9] Gesners Historia Plantarum wurde 1750 erstmals veröffentlicht.[10] Sein umfangreiches Pflanzenwerk wurde 1972 bis 1991 unter dem Titel «Conradi Gesneri Historia Plantarum» wieder herausgegeben.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Charles Plumier benannte ihm zu Ehren eine Gattung Gesnera[11] der Pflanzenfamilie der Gesneriengewächse (Gesneriaceae). Carl von Linné änderte später diesen Namen in Gesneria.[12][13]

Die 50er-Note der sechsten/siebten CHF-Banknotenserie von 1976/1984 war Conrad Gesner gewidmet.[14]

Schweizer 50-Franken-Banknote

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Originalausgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sanitatis tuendae praecepta. Tiguri 1560. Digitale Fassung der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
  • De Omni Rerum Fossilium Genere, Gemmis, Lapidibus, Metallis, Et Huiusmodi, Libri Aliquot. Tiguri 1566, Digitale Fassung der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden
  • Der … Theil des köstlichen und theuren Schatzes Euonymi Philiatri / erstlich in Latein beschrieben durch Euonymum Philiatrum, vnd neuwlich verteutscht durch Joannem Rudolphum Landenberger. Geßner, Zürich 1583 Digitalisierte Ausgabe der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf
  • Conradi Gesneri Opera Botanica : Per Duo Saecula Desiderata Vitam Avctoris Et Operis Historiam Cordi Librvm Qvintvm Cvm Adnotationibvs Gesneri In Totvm Opvs Vt Et Wolphii Fragmentvm Historiae Plantarvm Gesnerianae Adivnctis Indicibvs Iconvm Tam Olim Editarvm Qvam Nvnc Prodevntivm Cvm Figvris Vltra CCCC. Minoris Formae Partim Ligno Excisis Partim Aeri Inscvlptis Complectentia. Seligmann / Fleischmann, Norimbergae 1754 (Digitalisierte Ausgabe)

Nachdrucke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinrich Zoller, Martin Steinmann (Hrsg.): Conrad Gesner: Conradi Gesneri Historia plantarum. Gesamtausgabe. Urs-Graf-Verlag, Dietikon-Zürich 1987/1991
  • Konrad Geßner: Gesnerus De Serpentibus Oder Schlangen-Buch … durch … Jacobum Carronum vermehrt und in diese Ordnung gebracht: anitzo aber mit sonderem Fleiß verteutschet, Frankfurt am Main (bei Wilhelm Serlin) 1662 bzw. 1671, Neudruck Hannover 1994
  • Reinhard Oberschelp: Alte Vogelbilder: Aus dem Altbestand der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek. ISBN 3-8271-8834-2. Farbige Abb., Name latinisiert zu „Conradus Gesnerus“: S. 16 Waldrapp (Erstveröff. 1551–1558); S. 17 Seidenschwanz ebd.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Angela Fischel: Gessner, Conrad (Konrad) in Sikart
  • Conrad Gessner, 1516–1565: Universalgelehrter, Naturforscher, Arzt. Mit Beiträgen von Hans Fischer u. a. Orell Füssli, Zürich 1967.
  • Matthias Freudenberg: Ges(s)ner, Konrad. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 15, Bautz, Herzberg 1999, ISBN 3-88309-077-8, Sp. 635–650.
  • Eduard K. Fueter: Gesner, Konrad. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 6, Duncker & Humblot, Berlin 1964, ISBN 3-428-00187-7, S. 342–345 (Digitalisat).
  • Götz Gessner: Conrad Gessner – De omni rerum fossilium genere. 1996.
  • Wilfried Kettler: Untersuchungen zur frühneuhochdeutschen Lexikographie in der Schweiz und im Elsass. Strukturen, Typen, Quellen und Wirkungen von Wörterbüchern am Beginn der Neuzeit. Peter Lang, Bern 2008, ISBN 978-3-03911-430-6, S. 626–776 (Die Wortsammlungen von Conrad Gesner).
  • Urs B. Leu: Gessner, Konrad im Historischen Lexikon der Schweiz.
  • Urs B. Leu: Conrad Gesner als Theologe. Ein Beitrag zur Zürcher Geistesgeschichte des 16. Jahrhunderts (= Zürcher Beiträge zur Reformationsgeschichte 14). Lang, Bern 1990
  • Urs B. Leu, Raffael Keller, Sandra Weidmann: Conrad Gessner’s Private Library (= History of Science and Medicine Library, Band 5). Brill, Leiden/Boston 2008, ISBN 978-90-04-16723-0
  • Urs B. Leu, Mylène Ruoss (Hrsg.): Conrad Gessner, 1516–2016, Facetten eines Universums. Verlag Neue Zürcher Zeitung, Zürich 2016, ISBN 978-3-03810-152-9, S. 53–60
  • Urs B. Leu: Conrad Gessner (1516–1565), Universalgelehrter und Naturforscher der Renaissance. Verlag Neue Zürcher Zeitung, Zürich 2016, ISBN 978-3-03810-153-6
  • Jacob Achilles MählyGesner, Konrad. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 9, Duncker & Humblot, Leipzig 1879, S. 107–120.
  • Eugène Olivier: Les années Lausannoises (1537–1540) de Conrad Gesner. In: Schweizerische Zeitschrift für Geschichte. Band 1, 1951 (Digitalisat).
  • Cynthia M. Pyle: Conrad Gessner on the Spelling of his Name. In: Archives of Natural History. Band 27, Nummer 2, 2000, S. 175–186 (doi:10.3366/anh.2000.27.2.175).
  • Christa Riedl-Dorn: Wissenschaft und Fabelwesen. Ein kritischer Versuch über Conrad Gessner und Ulisse Aldrovandi (= Perspektiven der Wissenschaftsgeschichte Bd. 6). Böhlau, Wien/Köln 1989, ISBN 3-205-05262-5.
  • Fiammetta Sabba: La „Bibliotheca universalis“ di Conrad Gesner. Monumento della cultura Europea (= Il bibliotecario, 25). Bulzoni, Roma 2012, ISBN 978-88-7870-621-7.
  • Heinz Scheible: Melanchthons Briefwechsel. Personen. Band 12. Frommann-Holzboog, Stuttgart–Bad Cannstatt 2005.
  • Katharina B. Springer, Ragnar Kinzelbach: Das Vogelbuch von Conrad Gessner (1516–1565). Ein Archiv für avifaunistische Daten. Springer, Berlin 2008, ISBN 3-540-85284-0.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Johannes Hanhart: Conrad Geßner. Ein Beitrag zur Geschichte des wissenschaftlichen Strebens und der Glaubensverbesserung im 16. Jahrhundert. Winterthur 1824
  2. Gernot Rath: Konrad Geßner (1516–1565). Sonderbeilage in: Schweizer Monatshefte 45, 1965, Nr. 12, S. 23
  3. Sabine Schulze (Hrsg.): Gärten: Ordnung – Inspiration – Glück, Städel Museum, Frankfurt am Main & Hatje Cantz Verlag, Ostfildern 2006, ISBN 978-3-7757-1870-7, S. 38
  4. Entnommen den Schautafeln und Beschriftungen beim «Gessner–Garten», Alter Botanischer Garten Zürich
  5. Mineralienatlas:Cerussit
  6. Mineralienatlas:Mineralienportrait/Siderit
  7. Hermann Escher: Die Bibliotheca universalis Conrad Gessners (Tiguri 1545), erste räsonierende und kritische Biobibliographie innerhalb der Geschichte der Bibliothekswissenschaft, in: Hermann Escher: Ausgewählte bibliothekswissenschaftliche Aufsätze, Zürich 1937, S. 145–162.
  8. Markus Krajewski: Zettelwirtschaft. Die Geburt der Kartei aus dem Geist der Bibliothek. Berlin 2002, S. 16–19.
  9. [1]
  10. Sabine Schulze (Hrsg.): Gärten: Ordnung – Inspiration – Glück, Städel Museum, Frankfurt am Main & Hatje Cantz Verlag, Ostfildern 2006, ISBN 978-3-7757-1870-7, S. 38
  11. Charles Plumier: Nova Plantarum Americanarum Genera. Leiden 1703, S. 27
  12. Carl von Linné: Critica Botanica. Leiden 1737, S. 92
  13. Carl von Linné: Genera Plantarum. Leiden 1742, S. 288
  14. http://www.snb.ch/de/iabout/cash/history/id/cash_history_serie6

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wikisource: Historia Plantarum – Quellen und Volltexte
 Commons: Conrad Gesner – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien