Daniel Caspary

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Daniel Caspary (2017)
Video-Vorstellung (deutsch) / (englisch)

Daniel Caspary (* 4. April 1976 in Karlsruhe) ist ein deutscher Politiker (CDU), seit 2004 Mitglied des Europäischen Parlaments, seit 2009 Koordinator (Sprecher) der christdemokratischen EVP-Fraktion im Ausschuss für internationalen Handel (INTA) und seit September 2014 Parlamentarischer Geschäftsführer und seit Juli 2017 Vorsitzender der deutschen CDU/CSU-Gruppe in diesem Parlament.[1] Gewählt wurde er über die Landesliste der CDU Baden-Württemberg (Listenplatz 2). Im November 2016 stufte die Nichtregierungsorganisation VoteWatch Caspary als zweit einflussreichsten Handelspolitiker im Europäischen Parlament ein.[2] Im März 2017 listete das Politmagazin Politico Caspary in einem Ranking der vierzig einflussreichsten Europaabgeordneten unter allen 751 Mandatsträgern auf Rang 25.[3] Er wohnt in Weingarten im Landkreis Karlsruhe. Caspary ist verheiratet und hat vier Kinder.[4]

Ausbildung und Beruf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Daniel Caspary bestand sein Abitur am Thomas-Mann-Gymnasium Stutensee, danach diente er bei der Bundeswehr (Oberleutnant der Reserve). Er beendete sein Studium an der Universität Karlsruhe als Technischer Diplom-Volkswirt.

Während seines Studiums arbeitete er als persönlicher Referent des Landwirtschaftsministers von Baden-Württemberg und Landtagsabgeordneten Peter Hauk. Weitere Stationen in Casparys beruflichem Werdegang waren J. P. Morgan (Frankfurt am Main und London), die Mitarbeit bei Gerhard Seiler an der Universität Karlsruhe sowie Handlungsbevollmächtigter bei der MVV Energie AG in Mannheim.

Politische Tätigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Daniel Caspary war als Jugendlicher in der Jungen Union (JU) aktiv. Von 1999 bis 2002 war er stellvertretender Landesvorsitzender der JU Baden-Württemberg, von 2001 bis 2008 Bezirksvorsitzender der Jungen Union Nordbaden. Seit 2010 ist Caspary Kreisvorsitzender der CDU Karlsruhe-Land.[5] Seit Juli 2011 ist er Mitglied des Präsidiums der CDU Baden-Württemberg.[6]

Von 1999 bis 2009 war Caspary Mitglied im Stadtrat von Stutensee, zunächst für die Junge Liste Stutensee (JLS) und nach September 2004 für die CDU.

Seit Juli 2004 ist Caspary Abgeordneter des Europäischen Parlaments, wo er der Fraktion der Europäischen Volkspartei angehört. Er ist Mitglied im Ausschuss für internationalen Handel (INTA) und dort Koordinator (Sprecher) seiner Fraktion.[7] Als handelspolitischer Sprecher der Fraktion ist er zudem Mitglied des Fraktionsvorstandes und seit September 2014 Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU-Gruppe. In seiner Funktion als handelspolitischer Sprecher leitet er gemeinsam mit dem Vizepräsidenten der Europäischen Kommission, Jyrki Katainen, die Sitzungen der europäischen EVP-Handelsminister.[8] Im Weiteren ist er als Europaabgeordneter Mitglied im Ausschuss für die Angelegenheiten der Europäischen Union im Deutschen Bundestag.[9]

Im April 2013 wurde Caspary von der CDU Baden-Württemberg für die Europawahlen 2014 aufgestellt.[10] Auf Platz 2 der Landesliste Baden-Württemberg konnte er für eine dritte Wahlperiode in das Europäische Parlament einziehen.

In der 7. Wahlperiode des Europäischen Parlaments war er, wie auch schon in der vorherigen Wahlperiode, Berichterstatter des Europäischen Parlaments für die Außenhandelsstrategie der EU.[11]

Caspary ist zudem Berichterstatter des Legislativprozesses zum öffentlichen Beschaffungswesen und den Zugang von Waren und Dienstleistungen aus Drittländern zum EU-Binnenmarkt für das öffentliche Beschaffungswesen.[12]

Im Dezember 2009 geriet Caspary in die Kritik, weil er in einem Brief an Bundesaußenminister Guido Westerwelle nach der Vergangenheit von polnischen Beiratsmitgliedern in der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung fragte, obwohl der Stiftungsbeirat keine polnischen Mitglieder hat.[13][14]

Im September 2011 war Caspary unter den EU-Abgeordneten, die die Anschläge auf das Hotel Taj Mahal im indischen Mumbai vor Ort miterlebten.[15]

Im Mai 2016 listete das Politmagazin Politico Caspary in einem Ranking der vierzig einflussreichsten Europaabgeordneten unter allen Mandatsträgern auf dem 16. Rang.[16] In einem aktualisierten Ranking im März 2017 wurde Caspary auf Rang 25 geführt.[17] Im November 2016 stufte die Nichtregierungsorganisation VoteWatch Caspary als zweit einflussreichsten Handelspolitiker im Europäischen Parlament ein.[18]

Als Nachfolger Herbert Reuls wurde Caspary im Juli 2017 zum Vorsitzenden der CDU/CSU-Gruppe im Europäischen Parlament gewählt. Damit wurde er auch beratender Teilnehmer des CDU-Bundesvorstands.

Politische Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schutz vor fragwürdigen ausländischen Investitionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im April 2017 brachte Caspary mit neun weiteren christdemokratischen Europaabgeordneten eine Initiative ein, welche die Kontrolle von Investitionen von Investoren aus Drittstaaten in der EU vorsieht.[19] In diesem Zusammenhang engagiert sich Caspary für die Einführung eines Überprüfungsmechanismus auf europäischer Ebene.

Fragerecht des Europäischen Parlaments[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Dezember 2016 stimmte das Europäische Parlament im Kontext einer Anpassung der Geschäftsordnung für einen Vorschlag Casparys, die bestehenden Kontrollinstrumente des Europäischen Parlaments um kleine und große Anfragen als zwei weitere Frageinstrumente zu erweitern.[20]

In einer schriftlichen Anfrage zur mündlichen Beantwortung an die Europäische Kommission bemängelte Caspary die unzureichende Beantwortung parlamentarischer Fragen der Abgeordneten durch die Europäische Kommission.[21] In einer Aussprache im Plenum im April 2017 hob er hervor, dass nur eine ausreichende Beantwortung die Ausübung der Kontrollfunktion durch das Europäische Parlament ermögliche.[22]

Umfassendes Wirtschafts- und Handelsabkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als handelspolitischer Sprecher der christdemokratischen EVP-Fraktion sprach Caspary sich für den Abschluss des umfassenden Wirtschafts- und Handelsabkommen zwischen der EU und Kanada aus.[23] In diesem Zusammenhang kritisierte er die Blockadehaltung der wallonischen Regierung, wodurch die Unterzeichnung des Abkommens im Oktober 2016 verzögert wurde.[24]

Transatlantisches Freihandelsabkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Rahmen seiner Tätigkeit im Ausschuss für internationalen Handel engagiert sich Caspary für den Abschluss des transatlantischen Handels- und Investitionsabkommens zwischen der EU und den USA.[25] So rief er im März 2013 die Veranstaltung „Friends of TTIP“ als offene Diskussionsplattform im Europäischen Parlament ins Leben, in deren Rahmen das transatlantische Handels- und Investitionsabkommen mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft kontrovers diskutiert wird.[26]

Arbeitsbedingungen in Bangladesch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der durch Einsturz und Brände von Fabrikgebäuden in Bangladesch entstandenen Debatte um die Arbeitsbedingungen in Bangladesch steht Caspary für die Verbesserung der Situation vor Ort ein. Dies muss seiner Meinung nach jedoch in enger Zusammenarbeit mit den lokalen Autoritäten geschehen.[27]

Einfuhrverbot für Waren aus chinesischen Laogai[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem Jahr 2010 setzt sich Caspary für ein EU-Einfuhrverbot von in chinesischen Gefangenenlagern (Laogai) hergestellten Waren ein.[28]

Sonstige Ämter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Daniel Caspary ist Mitglied der Europa-Union, die sich für den europäischen Gedanken einsetzt sowie der Europa-Union Parlamentariergruppe Europäisches Parlament.[29]

Weitere Mitgliedschaften:[30]

  • Allgemeiner Deutscher Automobil-Club
  • Deutsche Pfadfindergesellschaft Sankt Georg
  • Deutscher Jugendherbergsverband e.V.
  • Deutsches Rotes Kreuz e.V.
  • Elternvereinigung der Europäischen Schule Karlsruhe
  • European Energy Foundation (Direktor)
  • European Internet Foundation
  • European Logistics Forum
  • Franhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (Kuratoriumsmitglied)
  • Freundeskreis der Freunde und Ehemaligen der Schüler Union Baden-Württemberg
  • Freundeskreis der JU Baden-Württemberg
  • Freundeskreis der PH Karlsruhe e.V.
  • Friends of Vietnam-Group
  • FSV Weingarten (Familienmitgliedschaft)
  • FVgg Weingarten (Familienmitgliedschaft)
  • Karnevalsverein "Die Piraten" Stutensee
  • Kerntechnische Gesellschaft
  • Lions-Club Karlsruhe-Baden
  • Paneuropa Union
  • Transatlantic Policy Network
  • Verein Sicheres Stutense e.V.
  • Weingartner Musiktage e.V. (Schirmherrschaft)

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • mit Jan Wißwässer und Julia Wolffson: EU und Mercosur – Ziele, Strategien und aktuelle Herausforderungen. In: Erich G. Fritz (Hrsg.): Brasilien: Auf dem Sprung zur Weltwirtschaftsmacht? Athena Verlag, 2013, ISBN 978-3-89896-550-7.
  • mit Jan Wißwässer: ACTA – Das Symbol. Urheberrecht im europapolitischen Fokus. In: Die Politische Meinung. 9/2012, 514, Konrad-Adenauer-Stiftung, ISSN 0032-3446, S. 10–14
  • mit Martina Chudejova und Jan Wißwässer: Das Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und Indien. In: Erich G. Fritz (Hrsg.): Entwicklungsland, Schwellenland, Global Player: Indiens Weg in die Verantwortung. Athena Verlag, 2010, ISBN 978-3-89896-401-2.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Daniel Caspary – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Alexandra Bernhardt: Daniel Caspary. Abgerufen am 8. Juni 2017.
  2. Who are the EU Parliamentarians that shape EU’s trade policy? | VoteWatch. Abgerufen am 8. Juni 2017 (amerikanisches englisch).
  3. 40 MEPs who matter in 2017: the ranking. In: POLITICO. 9. März 2017 (politico.eu [abgerufen am 8. Juni 2017]).
  4. Über mich – Daniel Caspary MdEP. Abgerufen am 8. Juni 2017.
  5. CDU-Kreisverband Karlsruhe Land: CDU Kreisverband Karlsruhe Land. Abgerufen am 8. Juni 2017.
  6. CDU Baden-Württemberg: Landesvorstand. Abgerufen am 8. Juni 2017 (deutsch).
  7. Daniel CASPARY. (eppgroup.eu [abgerufen am 8. Juni 2017]).
  8. EPP - European People's Party: Ministerial Meetings. Abgerufen am 8. Juni 2017 (amerikanisches englisch).
  9. Deutscher Bundestag - VIII. Vorlagen und ihre Behandlung. In: Deutscher Bundestag. (bundestag.de [abgerufen am 8. Juni 2017]).
  10. CDU Baden-Württemberg: Rainer Wieland führt die Landesliste zur Europawahl 2014 an. Abgerufen am 8. Juni 2017 (deutsch).
  11. BERICHT über eine neue Handelspolitik für Europa im Rahmen der Strategie Europa 2020 - A7-0255/2011. Abgerufen am 8. Juni 2017 (deutsch).
  12. BERICHT über den Vorschlag für eine Verordnung des Europäischen Parlaments und des Rates über den Zugang von Waren und Dienstleistungen aus Drittländern zum EU-Binnenmarkt für das öffentliche Beschaffungswesen und über die Verfahren zur Unterstützung von Verhandlungen über den Zugang von Waren und Dienstleistungen aus der Union zu den öffentlichen Beschaffungsmärkten von Drittländern - A7-0454/2013. Abgerufen am 8. Juni 2017 (deutsch).
  13. SPIEGEL ONLINE, Hamburg Germany: Debatte über Vertriebenen-Stiftung: CDU-Parlamentarier blamiert sich mit Steinbach-Brief - SPIEGEL ONLINE - Politik. Abgerufen am 8. Juni 2017.
  14. Hamburger Abendblatt - Hamburg: Fall Steinbach: Wirrer Brief an Westerwelle. (abendblatt.de [abgerufen am 8. Juni 2017]).
  15. http://www.bild.de/news/vermischtes/news/ueber-die-situation-nach-den-terroranschlaegen-6648894.bild.html
  16. The 40 MEPs who actually matter: the ranking. In: POLITICO. 19. Mai 2016 (politico.eu [abgerufen am 8. Juni 2017]).
  17. 40 MEPs who matter in 2017: the ranking. In: POLITICO. 9. März 2017 (politico.eu [abgerufen am 8. Juni 2017]).
  18. Who are the EU Parliamentarians that shape EU’s trade policy? | VoteWatch. Abgerufen am 8. Juni 2017 (amerikanisches englisch).
  19. Proposals for a Union act | Questions and declarations | Plenary | European Parliament. Abgerufen am 8. Juni 2017 (englisch).
  20. Bundestag wird Vorbild für EU-Parlament - EURACTIV.de. Abgerufen am 8. Juni 2017.
  21. Mündliche Anfrage mit Aussprache - Antworten der Kommission auf Anfragen zur schriftlichen Beantwortung - O-000003/2017. Abgerufen am 8. Juni 2017 (deutsch).
  22. Plenardebatten - Montag, 3. April 2017 - Antworten der Kommission auf Anfragen zur schriftlichen Beantwortung (Aussprache). Abgerufen am 8. Juni 2017 (deutsch).
  23. Plenardebatten - Mittwoch, 15. Februar 2017 - Umfassendes Wirtschafts- und Handelsabkommen EU/Kanada - Abschluss des CETA EU/Kanada - Abkommen über eine strategische Partnerschaft EU/Kanada (Aussprache). Abgerufen am 8. Juni 2017 (deutsch).
  24. Alla Barabash: Statement: Caspary zu vorläufigem Scheitern von CETA. Abgerufen am 8. Juni 2017.
  25. - "Es macht Sinn, wenn sich die westlichen Volkswirtschaften enger abstimmen". In: Deutschlandfunk Kultur. (deutschlandfunkkultur.de [abgerufen am 8. Juni 2017]).
  26. TTIP-Themenseite auf persönlicher Homepage
  27. Plenardebatten - Donnerstag, 23. Mai 2013 - Arbeitsbedingungen und Arbeitsschutznormen in Bangladesch nach den jüngsten Bränden in Fabriken und dem Einsturz eines Gebäudes (Aussprache). Abgerufen am 8. Juni 2017 (deutsch).
  28. Kein EU-Verbot für Laogai-Produkte. Abgerufen am 8. Juni 2017 (englisch).
  29. A-Z. Abgerufen am 8. Juni 2017.
  30. Erklärung der finanziellen Interessen. Abgerufen am 8. Juni 2017.