Carsten Linnemann

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Carsten Linnemann

Carsten Linnemann (* 10. August 1977 in Paderborn) ist ein promovierter Volkswirt und ein deutscher Politiker der CDU und Vorsitzender der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung (MIT) der CDU/CSU.[1] Bei den Bundestagswahlen 2009 und 2013 gewann er das Direktmandat im Wahlkreis Paderborn (138).[2][3]

Leben und Beruf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Abitur 1997 am Reismann-Gymnasium in Paderborn[4] und dem Wehrdienst 1998 in Augustdorf studierte Carsten Linnemann Betriebswirtschaftslehre an der Fachhochschule der Wirtschaft. Sein Promotionsstudium der Volkswirtschaftslehre an der TU Chemnitz schloss er 2006 mit dem akademischen Grad Dr. rer. pol. Diplom-Volkswirt ab. Parallel zur Promotion war Linnemann 2003 und 2004 als wissenschaftlicher Mitarbeiter bzw. Lehrbeauftragter an der TU Chemnitz beschäftigt. Im Anschluss an die Promotion war er als Assistent des Chefökonomen der Deutschen Bank, Norbert Walter, sowie als Volkswirt bei Deutsche Bank Research in Frankfurt tätig. Bis zu seinem Einzug in den Bundestag arbeitete Linnemann als Volkswirt im Bereich Konjunktur und Mittelstand bei der IKB Deutsche Industriebank in Düsseldorf.[5]

Politischer Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Carsten Linnemann, 2014

Von 1997 bis 2001 war Linnemann Vorsitzender der Jungen Union Egge, dem heimischen Gemeindeverband der Jungen Union im Kreis Paderborn. Von 2006 bis 2007 war er Stipendiat der Zukunftsakademie der CDU Nordrhein-Westfalen. Von 2004 bis 2008 war Linnemann Mitglied des Rates der Gemeinde Altenbeken im Kreis Paderborn. Im Jahr 2008 wurde er von der Mitgliederversammlung des CDU-Kreisverbandes Paderborn zum Bundestagskandidaten für den Wahlkreis 138 (Paderborn/Schloß Holte-Stukenbrock) nominiert. Einer der beiden Gegenkandidaten war der jetzige Landtagsabgeordnete Daniel Sieveke.

Im Deutschen Bundestag ist Linnemann ordentliches Mitglied im Ausschuss für Arbeit und Soziales sowie stellvertretendes Mitglied im Finanzausschuss.[6] Zudem ist Linnemann stellvertretender Vorsitzender der Jungen Gruppe der CDU/CSU-Fraktion.[7] Ferner hat sich Linnemann dem Parlamentarischen Kreis Mittelstand (PKM) der CDU/CSU-Fraktion angeschlossen und ist als Beisitzer Mitglied des PKM-Vorstandes. Der PKM strebt mittelstandsfreundliche Rahmenbedingungen an.

Linnemann ist außerdem seit 2009 Mitglied im Landesvorstand der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU NRW. In den Bundesvorstand der CDU/CSU-Mittelstandsvereinigung ist er 2010 kooptiert worden, dort leitet er den Arbeitskreis „Arbeitsmarktreform“. Im November 2010 wurde er als Beisitzer in den CDU-Landesvorstand NRW gewählt.

Seit dem 11. Oktober 2013 ist Linnemann Bundesvorsitzender der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU/CSU, dem einflussreichen Wirtschaftsflügel der Parteien.[1] Er setzte sich mit hohem Stimmenergebnis gegen den ehemaligen Grünenpolitiker Oswald Metzger durch. Am 14. November 2015 wurde Linnemann in Dresden mit 98,7 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt.[8]

Wahlergebnisse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Bundestagswahl 2009 trat Linnemann als Bundestagskandidat der CDU für den Wahlkreis Paderborn an und errang das Direktmandat mit 52,1 Prozent der Erststimmen.[9] Es war das zweitbeste Erststimmenergebnis in Nordrhein-Westfalen[10], aber auch das schlechteste Erststimmenergebnis für die CDU in diesem Wahlkreis seit 1949. Er trat die Nachfolge von Gerhard Wächter an, der seit 2002 für den Kreis Paderborn im Bundestag saß.

Bei der Bundestagswahl 2013 konnte Linnemann seinen Erststimmenanteil im Wahlkreis auf 59,1 Prozent erhöhen und damit das beste Erststimmenergebnis in Nordrhein-Westfalen erzielen.[11]

Mitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Linnemann ist Mitglied der Europa-Union Parlamentariergruppe Deutscher Bundestag.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Linnemann hat im Jahr 2003 den Forschungspreis des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) zum Thema "Export von Dienstleistungen" erhalten.[12]

Von 2003 bis 2006 war er Stipendiat der Konrad-Adenauer-Stiftung.

Der Unternehmerverband Die Jungen Unternehmer – BJU zeichnete Linnemann 2012 mit dem „Preis der Generationengerechtigkeit“ aus.[13]

Öffentliche Wahrnehmung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In seiner Ausgabe Dezember 2009/Januar 2010 eröffnete das Magazin Politik & Kommunikation einen Beitrag „Rising Stars 2009“ mit dem Porträt Linnemanns. In dem Beitrag wurden die vermeintlich größten politischen Nachwuchshoffnungen der etablierten Parteien in Deutschland vorgestellt.

In seiner Ausgabe vom Februar 2010 bescheinigte das Magazin Cicero Linnemann, aufgrund seines Verhaltens in der Frage der Steuerentlastung für Hotels, sich in seiner bisherigen Arbeit politische Unabhängigkeit bewahrt zu haben. In einem Porträt „Seit 100 Tagen abgeordnet“ wurde dies daran festgemacht, dass Linnemann dem Wachstumsbeschleunigungsgesetz der CDU/FDP-Bundesregierung zwar zustimmte, seine in dieser Frage abweichende Meinung jedoch beim Bundestagspräsidium zu Protokoll[14] gab.[15]

Seit der Ad-hoc-Hilfe für die Griechische Republik votierte Linnemann in allen Abstimmungen zur Euro-Rettung mit Nein.[16][17][18][19][20][21][22][23][24][25][26][27] Er setzt sich für eine Alternative zur Rettungsschirmstrategie in Form einer Insolvenzordnung für die Staaten der Eurozone ein.[28] Neben Wolfgang Bosbach gilt er als einer der wohl bekanntesten Kritiker der Eurorettung innerhalb der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag.[29]

Carsten Linnemann ist ein Initiator und Unterstützer der „Flexi-Rente“. Demnach soll nach einem gemeinsamen Entschließungsantrag von CDU und SPD flexible Übergänge in den Ruhestand gewährleistet werden. Angestrebt wird Hürden abzubauen, damit mehr rentenberechtigte Arbeiter in Arbeit verbleiben statt in den Ruhestand zu wechseln. Ziel ist die Ermöglichung eines ein beliebig langen Anschlussvertrages für den Arbeitnehmer nach Rentenalter ohne Kündigungsschutz und mit möglicher Befreiung von Sozialabgaben.[30] Im Fokus stehen dabei insbesondere Änderungen im Arbeits- und Sozialrecht.[31] Wesentliche Teile des Konzepts wurden bereits im RV-Leistungsverbesserungsgesetz umgesetzt. Ab 1. Juli 2014 können Arbeitnehmer und Arbeitgeber in solch einem Anschlussvertrag den mit Erreichen der Regelaltersgrenze auslaufenden Arbeitsvertrag - auch wiederholt- verlängern.[32]

Linnemann gründete 2012 die Stiftung „Lebenslauf“, mit der er sich für sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche einsetzt. Durch die Vorbereitung und Teilnahme an Laufveranstaltungen soll deren Selbstwertgefühl gestärkt werden.[33]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2015 Linnemann, C.: Kein Wirtschaftswunder, In: Spahn, J. (Hrsg.): Ins Offene: Deutschland, Europa und die Flüchtlinge. Freiburg, ISBN 978-3-451-34997-3
  • 2009 Kann, G. und Linnemann, C.: Mittelstandsfinanzierung nach der Krise. Düsseldorf
  • 2008 Kann, G. und Linnemann, C.: Deutschlands Mittelstand – Fit für die Zukunft. Düsseldorf
  • 2008 Böttcher, B. und Linnemann, C.: Erfolgsmodell Mittelstand – Fakten und Irrtümer. In: Finanzbetrieb 2/08
  • 2007 Linnemann, C.: Deutscher Mittelstand vom Aussterben bedroht? Frankfurt
  • 2006 Linnemann, C.: Liberalisierung des grenzüberschreitenden Straßengüterverkehrs vor dem Hintergrund der Welthandelsorganisation (WTO/GATS), Baden-Baden
  • 2004 Bucher, J., Hoeschen, H., Linnemann, C. (Hrsg.): Paderborner Impulse. Paderborn

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Carsten Linnemann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Andreas Mihm: Carsten Linnemann führt künftig den Unions-Wirtschaftsflügel. In: FAZ.net. 11. Oktober 2013, abgerufen am 12. Dezember 2014.
  2. www.wahlergebnisse.nrw.de
  3. www.wahlergebnisse.nrw.de
  4. Abiturjahrgang 1997
  5. Biographie auf Bundestag.de. Abgerufen am 21. März 2014.
  6. [1] Deutscher Bundestag, Dr. Carsten Linnemann
  7. [2] CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag: Junge Gruppe
  8. Dietrich Creutzburg: Chef der Mittelstandsunion mit sozialistischem Ergebnis. In: FAZ. 16. November 2015, ISSN 0174-4909, S. 24.
  9. www.wahlergebnisse.nrw.de
  10. www.derwesten.de
  11. www.wahlergebnisse.nrw.de
  12. idw-online.de
  13. DIE JUNGEN UNTERNEHMER zeichnen Carsten Linnemann mit dem Preis der Generationengerechtigkeit aus, abgerufen am 16. Juni 2013
  14. Cicero Seit 100 Tagen abgeordnet. Abgerufen am 21. März 2014.
  15. [3]
  16. Deutscher Bundestag: Plenarprotokoll 17/41, Deutscher Bundestag, Stenografischer Bericht. 7. Mai 2010, abgerufen am 9. September 2015 (deutsch).
  17. Deutscher Bundestag: Plenarprotokoll 17/44, Deutscher Bundestag, Stenografischer Bericht. 21. Mai 2010, abgerufen am 9. September 2015 (deutsch).
  18. Deutscher Bundestag: Plenarprotokoll 17/130, Deutscher Bundestag, Stenografischer Bericht. 29. September 2011, abgerufen am 9. September 2015 (deutsch).
  19. Deutscher Bundestag: Plenarprotokoll 17/135, Deutscher Bundestag, Stenografischer Bericht. 26. Oktober 2011, abgerufen am 9. September 2015 (deutsch).
  20. Deutscher Bundestag: Plenarprotokoll 17/160, Deutscher Bundestag, Stenografischer Bericht. 27. Februar 2012, abgerufen am 9. September 2015 (deutsch).
  21. Deutscher Bundestag: Plenarprotokoll 17/188, Deutscher Bundestag, Stenografischer Bericht. 29. Juni 2012, abgerufen am 9. September 2015 (deutsch).
  22. Deutscher Bundestag: Plenarprotokoll 17/189, Deutscher Bundestag, Stenografischer Bericht. 19. Juli 2012, abgerufen am 9. September 2015 (deutsch).
  23. Deutscher Bundestag: Plenarprotokoll 17/212, Deutscher Bundestag, Stenografischer Bericht. 30. November 2012, abgerufen am 9. September 2015 (deutsch).
  24. Deutscher Bundestag: Plenarprotokoll 17/234, Deutscher Bundestag, Stenografischer Bericht. 18. April 2013, abgerufen am 9. September 2015 (deutsch).
  25. Deutscher Bundestag: Plenarprotokoll 18/89, Deutscher Bundestag, Stenografischer Bericht. 27. Februar 2015, abgerufen am 9. September 2015 (deutsch).
  26. Deutscher Bundestag: Plenarprotokoll 18/117, Deutscher Bundestag, Stenografischer Bericht. 17. Juli 2015, abgerufen am 9. September 2015 (deutsch).
  27. Deutscher Bundestag: Plenarprotokoll 18/118, Deutscher Bundestag, Stenografischer Bericht. 19. August 2015, abgerufen am 9. September 2015 (deutsch).
  28. Carsten Linnemann, Thomas Silberhorn: Euro-Rettungspläne verhindern die Rettung. In: Financial Times Deutschland. 29. August 2011, ISSN 1615-4118, S. 24.
  29. Martin Greive, Thomas Vitzthum: Angst vor den Abweichlern, In CDU und CSU formiert sich heftiger Widerstand gegen neue Hilfen für Athen. In: Die Welt. 26. Februar 2015, ISSN 0173-8437, S. 10.
  30.  Hans-Jürgen Urban: Flexi-Rente: Irgendwann muss Schluss sein! In: zeit.de. 2. August 2014, abgerufen am 12. Dezember 2014.
  31. Länger arbeiten dürfen. Gastkommentar im Handelsblatt vom 27. März 2014
  32. Beschlussempfehlung und Bericht. (BT-Drs. 18/1489 (PDF; 330 kB), S. 5)
  33. Für das Leben laufen lernen Westfalen-Blatt vom 3. Januar 2013