Dorfkirche Below

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Dorfkirche in Below

Die Dorfkirche Below ist eine mittelalterliche Feldsteinkirche im mecklenburgischen Ort Below, einem Ortsteil der Gemeinde Techentin im Landkreis Ludwigslust-Parchim in Mecklenburg-Vorpommern.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Below wurde 1296 urkundlich erstmals erwähnt, als Fürst Nikolaus II. von Werle sein Eigentum in Below und weiteren Orten in der Umgebung von Goldberg den Zisterziensermönchen des Klosters Neuenkamp im vorpommerschen Franzburg verkaufte. Zeuge war damals Ywanus de Belowe, dessen Familien die Lokatoren von Below waren und dem Dorf den Namen verliehen. 1249 gehörten die Brüder Iwan I. und Nikolaus II. von Below noch zum Gefolge des Fürsten Pribislaw I.[1]

In diese Zeit fällt auch die Errichtung der Kirche mit dem Bau einer Capella durch die Belows. Am 8. April 1299 schenkten die Ritter Ywan und Dietrich und die Knappen Nikolaus und Wedekind de Belowe ihr Patronatsrecht der Kapelle nebst Friedhof dem Nonnenkloster Sonnenkamp in Neukloster.[2] 1300 sicherte Fürst Nikolaus II. das Patronat der Kapelle in Below dem Kloster Sonnenkamp in Neukloster auch für den Fall zu, wenn dieselbe zu einer Pfarrkirche erhoben würde.[3] Neben Below reichte damals der südliche Landbesitz des Klosters Neuenkamp bis Techentin. Warum aber das Patronatsrecht für die Belower Kapelle ausgerechnet dem Kloster Sonnenkamp übertragen wurde, geht aus den vorhandenen Quellen nicht hervor. 1369 kam es in Neuenkamp zur Schlichtung von Unstimmigkeiten zwischen den Belower Bauern und dem Techentiner Pastor als Kirchherrn zu Below.[4] Nachdem 1455 das Kloster Neuenkamp mit seinem Besitz im Goldberger Land auch Below an die Mecklenburgischen Herzöge Heinrich der Ältere und Heinrich der Jüngere verkauft hatte, wurde Below ein domaniales Bauerndorf. Das Kirchenpatronat verblieb jedoch bis zur Reformation weiter beim Nonnenkloster Sonnenkamp.

Baugeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ostgiebel

Die aus der kleinen Kapelle Ende des 13. Jahrhunderts erbaute Feldsteinkirche von 1483 [5] steht in der Dorfmitte von Below.

Äußeres[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die kleine rechteckige, nur 9,20 Meter breite und 16,20 Meter lange Feldsteinkirche ist mit seiner flachen Holzbalkendecke ein Sakralbau. Das östlich abgewalmte Dach wurde mit Biberschwanzziegeln eingedeckt. Die Außenwände hat man aus behauenen Feldsteinen und Backsteinen in unregelmäßigem Mischmauerwerk errichtet. Beide Ecken der Ostwand sind nachträglich mit abgeschrägten Strebepfeilern gesichert worden. Die oberhalb in den Strebepfeilern eingelassenen Nischen waren wohl zur Aufnahme von Heiligenfiguren bestimmt. Zwischen beiden spitzbogigen Zwillingsfenstern der Ostwand ist unterhalb der Traufe eine zugemauerte Kreisblende zu erkennen. Die spätgotisch veränderten Fenster auf der Nord- und Südseite stammen aus der Zeit nach 1790.

Wetterhahn auf der Turmspitze

An der Nordseite befindet sich ein kleiner Anbau aus Klosterformatsteinen. Der gedrückte Rundbogen über dem mit einem Unterzug versehenen Eingang und die drüber befindliche Fensternische wurden mit Formsteinen verkleidet. An der zugemauerten Öffnung an der Nordseite befand sich einst die Sakristei.

Der an der Westseite vorgesetzte abgeböschte und mit Brettern verschalte Holzturm wird mit seinem achtseitigen Pyramidenhelm auf eine Bauzeit um 1542 datiert. [6]

Die 1784 durch den Pastor Hövet beantragte Reparatur am Kirchendach konnte wegen fehlender Dachsteine aus der Ziegelei Medow und des schlechten „Dobbertinschen Baukalks, welchen das Closter selbst niemals brauchet“ erst sieben Jahre später begonnen werden. Bei der Abnahme des Kirchendaches wurde 1791 auch der Westgiebel zum Turm hin abgetragen und neu aufgebaut.[7] Durch den Sturm am 9. März 1793 wurde das Kirchendach erneut beschädigt.

Die durch die Herbststürme 1807 verursachten Schäden am Turm wurden erst 1809 repariert. 1815 und 1821 erfolgten weitere Reparaturen. 1890 musste der Holzturm mit neuen Brettern verschalt werden. 1985 wurde das schadhafte Kirchturmdach mit Preolitschindeln neu eingedeckt.

Zur Entfeuchtung der inneren Wandflächen und zum Schutz der Malereien erfolgte 2000 im Außenbereich am Feldsteinmauerwerk ein Bodenabtrag mit Sicherungsmaßnahmen an den Feldsteinfundamenten.

Inneres[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Innere der kleinen Dorfkirche zeichnet sich trotz seiner Einfachheit durch die fast vollständig erhaltenen, 1882 unter Kalktünche wieder freigelegten Wandmalereien von 1470/1480 aus. Der umlaufende Bilderfries berichtet von verschiedenen Szenen aus dem Leben Jesu und stellt eine Art Bibel für die einheimische Bevölkerung dar, da damals nur wenige Menschen schreiben und lesen konnten.

Nach mehrfachen kleineren Umbauten erfolgten von 1885 bis 1891 im Innenraum umfassende Restaurierungen. 1889 wurde an der Westwand die Orgelempore errichtet und 1890 die Orgel aufgestellt. Der 1907 unter dem linken Fenster an der Nordwand eingebaute Kachelofen mit seinem im Dachstuhl schräg zum First gezogene Schornstein wurde 1970 entfernt.

Altar und Kanzel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Altar

Die 1844 eingebaute, die gesamte Ostwand einnehmende Altarwand blieb während der Restaurierung der Wandmalereien 1889–1891 stehen. Erst bei der Renovierung 1971 wurde der neugotische Altaraufsatz mit integrierter Kanzel aus der Kirche entfernt. Auch die beidseitig stehenden über 70 cm großen geschnitzten Halbfiguren, die Apostel Johannes, Jakobus der Ältere, Petrus und Paulus, wurden dabei entfernt. Dafür hängt heute über dem Altarblock ein 1971 aus der Techentiner Kirche erhaltenes Triumphkreuz mit dem Corpus aus dem 14. Jahrhundert. Das Holzkreuz stellt mit seinen Astansätzen einen Lebensbaum dar. Die als Kleeblätter geschnitzten Endstücke des Kreuzes waren mit Symbolen der Evangelisten bemalt.

Taufe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschnitzter Taufbehälter aus dem Jahr 1697

Der sechsseitige Taufbehälter ist ein prachtvoll geschnitzter hoher Aufbau, entstanden im Stil der Renaissance mit der Inschrift: „HANS SUDROW ANNO 1697 DEN 14 APRILIS“. Er blieb ungefasst, seine Wirkung beruht im Wesentlichen auf der Farbigkeit des Holzes und den flachen ornamentalen Schnitzereien, die stilistisch dem reichen Beschlagwerk zuzuordnen sind. Eindrucksvoll ist der hohe Deckel, der in einem laternenartigen, durchbrochenen Aufbau mit kronenartigem Aufsatz endet. Das Beckengebäude hat eine umlaufende Rundbogenarkade mit an den Ecken vorgestellten Säulen.[8]

Der Taufbehälter wurde 1994 durch Tilman Tzschichold restauriert.

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Orgel (I/AP/4) wurde 1890 durch den Rostocker Orgelbauer Julius Schwarz gebaut. Das Orgelprospekt mit seinem neugotischen flachen Gehäuse und dem gradlinigen oberen Abschluss ist in die mit gotischen Schnitzwerk versehene Brüstungsempore eingebaut worden. Die Anschaffung der Orgel für 890 Mark erfolgte 1890, als „bei einer früheren Hochzeit der Wunsch nach einer Orgel laut wurde...“. Daraufhin bewilligte 1889 das Großherzogliche Mecklenburgische Finanzministerium die Kosten für die Herstellung der notwendigen Orgelempore.[9]

Durch Christian Scheffler aus Sieversdorf wurden 1992 etliche Reparaturen vorgenommen, weitere erfolgten 2009 durch Gido Weitendorf aus Schwaan.

Wandmalereien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Einzug Jesu in Jerusalem am Palmsonntag
Die Einsetzung des Abendmahls
Die Kreuzabnahme

Die unter Kalkschichten verborgenen mittelalterlichen Wandmalereien hatte ab 1886 der Wismarer Hofdekorationsmaler Heinrich Friedrich Michaelsen mit dem Goldberger Malermeister W. Trenck freigelegt. Die Durchzeichnungen der erhalten gebliebenen Malereien mit der Bilderfolge wurden 1888 der Commission zur Erhaltung der Denkmäler und Alterthümer des Landes in Schwerin zur Entscheidungsfindung vorgelegt. Neben dem Archivrat Dr. Friedrich Schlie, dem Archivrat Dr. H. Grotefend und dem Oberbaurath Georg Daniel ließ sich 1889 sogar der Großherzog Friedrich Franz III. von Mecklenburg-Schwerin mit der Herzoglichen Kammer die gefertigten Skizzen zur Allerhöchsten Genehmigung vorlegen.[10] Die 1890 begonnene Restaurierung der Wandmalereien wurde 1891 durch die Kommission in der Belower Kirche begutachtet.

Während der 1970 erfolgten Renovierung des Innenraumes hatte der Parchimer Malermeister Pilatz das mittelalterliche Rankenwerk an den Wänden gereinigt und in vereinfachter Weise neu gemalt. Die Ranken erreichten nicht die gestalterische Qualität der Originalmalerei. Der ausgesparte Bilderfries wurde 1973 durch Johannes Voss vom Institut für Denkmalpflege Schwerin restauriert. Die 1998 festgestellten Salzausblühungen sowie die Feuchte- und Putzschäden an einzelnen Bildern wurden durch den Restaurator Andreas Baumgart aus Rethwisch beseitigt.[11]

Die Bilderfolge mit Szenen aus dem Marienleben beginnen in der Mitte der Nordwand. Dargestellt sind:

  • Die Verkündigung des Engels an Maria
  • Mariaä Besuch bei Elisabeth
  • Die Geburt Christi
  • Die Verkündigung an die Hirten auf dem Felde
  • Die Anbetung der Heiligen drei Könige
  • Der Einzug in Jerusalem am Palmsonntag
  • Die Einsetzung des Abendmahls
  • Die Fußwaschung
  • Das Gebet Jesu im Garten Gethsemane
  • Der Verrat durch Judas
  • Das Verhör
  • Die Geißelung
  • Die Dornenkrönung
  • Das Ecce homo
  • Die Kreuztragung
  • Die Kreuzabnahme
  • Die Himmelfahrt Jesu
  • Der Gnadenstuhl

Glocken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Glocke aus dem Jahr 1556
Rundbild der heiligen Katharina von Alexandrien auf der 1556er Glocke

Im Glockenstuhl hingen drei Bronzeglocken. Die beiden ältesten sind vorhanden. Die größte, 1848 umgegossene Glocke wurde während des Ersten Weltkrieges 1917 für Rüstungszwecke abgegeben.

Die älteste und kleinste Glocke von 1469 hat ein Gießerzeichen und trägt die Umschrift: O Christus, König der Herrlichkeit, komme mit Frieden. Im Jahr des Herrn 1496. Die mittlere 78 cm große Bronzeglocke fertigte 1556 der Gießmeister Hans Timmermann. Neben Münzabdrücken, dem Gießerzeichen, einem Wappenschild mit einem Doppeladler der Belows als Kirchenstifter befindet sich auf der Bronzeglocke ein sechs Zentimeter großes Rundbild der heiligen Katharina von Alexandrien als Schutzheilige der Ritterschaft. Die zweizeilige Umschrift lautet: Hilf Gott. Durch die Gnade Gottes goß Hans Timmermann diese Glocke im Jahre 1556. Zu der Zeit waren H[err] Nikolaus Ste[i]nh[a]user Past[or] und Peter Gottschalk [und Math]ias Köster die [Kirchen]vorsteher.

Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Belower Kirche gehört zur Kirchgemeinde Techentin. Die Kirchgemeinden Kladrum, Mestlin und Techentin mit ihren insgesamt neun Dorfkirchen gehören zur Propstei Parchim im Kirchenkreis Mecklenburg der Nordkirche. Das Pastorat befindet sich in Mestlin. Gottesdienste finden in der Belower Kirche monatlich statt.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Horst Alsleben: Lug ins Land BELOW. Mecklenburger Aufbruch, Schwerin 29. Mai 1991.
  • Fred Beckendorff: Historische Feldsteinkirche Below. Regensburg 1998.
  • Fred Beckendorff: In. Die Dorf-, Stadt- Klosterkirchen im Naturpark und seinem Umfeld. 5.3 Below. Hrsg.: Naturpark Nossentier/Schwinzer Heide, Karow 2003. (Aus Kultur und Wissenschaft; Heft 3) S. 24–25.
  • Fred Beckendorff: Die Bauern- und Waldarbeiterdörfer im Naturpark und seinem Umfeld. Hrsg.: Naturpark Nossentiner/Scheinzer Heide, Karow 2012. (Aus Kultur und Wissenschaft; Heft 7). Geozon Science Media, ISBN 978-3-941971-07-3, doi:10.3285/g.00008, S. 53–55.
  • Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Mecklenburg-Vorpommern. München, Berlin 2000. S. 58.
  • Georg Christian Friedrich Lisch: Glockeninschriften zu Below. In: Jahrbücher für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde, 27 (1862) S. 235.
  • Oskar Pusch: Von Below. Ein deutsches Geschlecht aus dem Ostseeraum. Dortmund 1974.
  • Friedrich Schlie: Die Kunst- und Geschichts-Denkmäler des Großherzogthums Mecklenburg-Schwerin. Band 4, Die Amtsgerichtsbezirke Schwaan, Bützow, Sternberg, Güstrow, Krakow, Goldberg, Parchim, Lübz und Plau. Schwerin 1901. S. 408–411.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Dorfkirche Below – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ungedruckte Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Landeshauptarchiv Schwerin
    • LHAS 1.5-4/3 Urkunden Kloster Dobbertin
    • LHAS 2.12-3/2 Klöster und Ritterorden
    • LHAS 2.12-3/5 Kirchenvisitationen
    • LHAS 3.2-4 Ritterschaftliche Brandversicherung
    • LHAS 5.12-4/2 Mecklenburgisches Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten, Abt. Siedlungsamt
    • LHAS 5.12-7/1 Mecklenburg-Schwerinsches Ministerium für Unterricht, Kunst, geistliche und Medizinalangelegenheiten
    • LHAS 9.1-1 Reichskammergericht Prozeßakten 1495–1806
  • Landeskirchliches Archiv Schwerin
    • Specialia, Abt. 1, 2. Below bei Techentin
    • Patronatsbauakten, Below. Bauten und Reparaturen an geistlichen Gebäuden

Gedruckte Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. MUB I. (1863) Nr. 633.
  2. MUB III. (1865) Nr. 2251, MUB IV. (1867) Nr. 2595.
  3. MUB Band X. (1877) Nr. 7238.
  4. MUB XVI. (1893) Nr. 9972.
  5. Tilo Schöfbeck: Mittelalterliche Kirchen zwischen Trave und Peene. 2014, S. 362.
  6. Tilo Schöfbeck: Mittelalterliche Kirchen zwischen Trave und Peene. 2014, S. 362.
  7. Landeskirchliche Archiv Schwerin, Specialia Abt. 1. Nr. 046., Below bei Techentin.
  8. Horst Ende: Mecklenburgische Taufen im Wandel der Zeit. Schwerin 2009, S. 47.
  9. Mecklenburg-Schwerinsches Finanzministerium, Abt. Hochbau, Patronatsbauakten Below Nr. 019
  10. Horst Alsleben: Großherzog setzte sich für Belower Kirche ein. SVZ Lübz 27. März 1996.
  11. Andreas Baumgart: Restauratorische Zustandsbeurteilung der Wandmalereien in der Kirche zu Below. Rethwisch 1998.

Koordinaten: 53° 36′ 41,4″ N, 11° 59′ 10,9″ O