Dorheim (Friedberg)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Dorheim
Wappen von Dorheim
Koordinaten: 50° 20′ 57″ N, 8° 47′ 22″ O
Höhe: 128 (126–135) m ü. NHN
Fläche: 5,52 km²[1]
Einwohner: 2400 ca.[2]
Bevölkerungsdichte: 435 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. August 1972
Postleitzahl: 61169
Vorwahl: 06031
Karte
Lage von Dorheim in Friedberg (Hessen)
Die Wetter bei Dorheim

Dorheim ist ein Stadtteil von Friedberg (Hessen) im Wetteraukreis.

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort liegt zwei Kilometer nordöstlich von Friedberg in der Wetterau an der Wetter auf einer Höhe von 130 m über NN.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dorf Dorheim gehörte zur Herrschaft Hagen-Münzenberg und war nach dem Tod von Ulrich II. von Münzenberg 1255 Bestandteil der Münzenberger Erbschaft. Es fiel als Allod zunächst an die Herren von Falkenstein. Nach deren Aussterben wurde es 1418 an die Herren von Eppstein vererbt. Diese starben 1535 ebenfalls aus. Dorheim wurde an die Grafen von Stolberg vererbt. Diese verpfändeten das Dorf 1572 und verkauften es 1578 endgültig an die Grafschaft Hanau-Münzenberg. Dort wurde es 1597 in das neu gebildete Amt Dorheim integriert.[3]

1338 wurde für Dorheim eine Kapelle gestiftet, zugleich trennte sich die Dorheimer Gemeinde von der Mutterkirche auf dem Johannisberg bei Nauheim. 1360 wird ein Pfarrer erwähnt. Das Kirchenpatronat war ein Lehen des Klosters Fulda, zunächst an die Waise von Fauerbach, ab 1558 an die Rau von Holzhausen. Kirchliche Mittelbehörde war das Archidiakonat von St. Maria ad Gradus in Mainz, Dekanat Friedberg. Die zuständige Diözese war das Erzbistum Mainz.

Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Grafschaft Hanau-Münzenberg wurde Mitte des 16. Jahrhunderts nach und nach die Reformation eingeführt. Dies geschah zunächst im lutherischen Sinn. In einer „zweiten Reformation“ wurde die Konfession erneut gewechselt: Graf Philipp Ludwig II. verfolgte ab 1597 eine entschieden reformierte Kirchenpolitik. Er machte vom Jus reformandi, seinem Recht als Landesherr, Gebrauch, die Konfession seiner Untertanen zu bestimmen, und setzte dies für die Grafschaft Hanau-Münzenberg weitgehend als verbindlich durch, so auch in Dorheim. Kirchliche Oberbehörde war nun das Konsistorium in Hanau.

Nach dem Tod des letzten Hanauer Grafen, Johann Reinhard III., 1736 erbte Landgraf Friedrich I. von Hessen-Kassel aufgrund eines Erbvertrages aus dem Jahr 1643 die Grafschaft Hanau-Münzenberg und damit auch Dorheim. 1803 wurde die Landgrafschaft Hessen-Kassel zum Kurfürstentum Hessen erhoben. Während der napoleonischen Zeit stand das Amt Dorheim ab 1806 unter französischer Militärverwaltung, gehörte 1807–1810 zum Fürstentum Hanau, und dann von 1810 bis 1813 zum Großherzogtum Frankfurt, Departement Hanau. Anschließend fiel es wieder an das Kurfürstentum Hessen zurück. Nach der Verwaltungsreform des Kurfürstentums Hessen von 1821, im Rahmen derer Kurhessen in vier Provinzen und 22 Kreise eingeteilt wurde, ging das Amt Dorheim im neu gebildeten Kreis Hanau auf. Nach dem verlorenen Krieg von 1866 annektierte das Königreich Preußen das Kurfürstentum Hessen. Allerdings wurde das Amt Dorheim im Friedensvertrag vom 3. September 1866 von Preußen in einem Gebietstausch an das Großherzogtum Hessen-Darmstadt weitergegeben, von dessen Gebiet es vollständig umgeben war. Dort wurde das Dorf Dorheim in den Kreis Friedberg eingegliedert, der zur Provinz Oberhessen gehörte.

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde sie Gemeinde Dorheim am 1. August 1972 kraft Landesgesetz in die Stadt Friedberg eingemeindet.[4][5]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1821: 1194 Einwohner[6]
  • 1939: 1352 Einwohner
  • 1961: 2083 Einwohner
  • 1970: 2164 Einwohner
  • 2011: 2433 Einwohner

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsbeirat hat neun Sitze. Ortsvorsteher ist Klaus Rack (SPD).[7]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eingang zur ehem. Wasserburg
  • Am Nordrand des Ortes gibt es das ehemalige Schloss Dorheim an der Stelle einer früheren Wasserburg.[8]
  • In Dorheim ist die Apfelsorte 'Dorheimer Streifling' beheimatet. Sie wurde für 2009 zur Hessischen Lokalsorte des Jahres gewählt.
  • Viele Vereine fördern den Sport und das kulturelle Leben des Ortes.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Brüder-Grimm-Schule, die sich direkt an der Südseite des Bahnhaltepunktes befindet, bietet den Kindern von Dorheim, Bauernheim und gegebenenfalls auch Friedbergern und Wölfersheimern eine Grundschule. Die Bauernheimer werden mittels einer Busverbindung direkt zur Grundschule gebracht. Sie wurde am 11. Oktober 1964 als Mittelpunktschule eröffnet. Bis in die 1970er Jahre wurden dort die Kinder bis zum 8. Schuljahr unterrichtet, bevor die Klassen 5 bis 8 an die Schulen Friedbergs und Wölfersheims verlegt wurden, da die Schule von nun an dem Wetteraukreis unterstellt war.

Die 1992 gegründete Sprachheilschule ist eine der wenigen in der Umgebung. Vor ihrer Gründung mussten alle betroffenen Kinder in Einrichtungen nach Frankfurt am Main oder Gießen. Im Gegensatz zur bloßen Grundschule besitzt die Heilschule, eine Abteilung der Schule, einen viel größeren Einzugsbereich, so dass Schüler aus der ganzen Wetterau an dem Programm teilnehmen.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Straße[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Ort treffen drei verschiedene klassifizierte Straßen aufeinander, die Bundesstraße 455, die Landesstraße 3351 und die Kreisstraße 175. Den öffentlichen Personennahverkehr auf der Straße stellt im Auftrag des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV) der Reiseservice Frieda Gass sicher.

Schiene[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dorheim verfügt über den eingleisigen Haltepunkt Dorheim (Wetterau) an der Horlofftalbahn genannten Bahnstrecke Friedberg–Mücke. Hier halten die Züge der RMV-Bahnlinie 48 auf dem Weg von Friedberg über Beienheim und Reichelsheim nach Nidda montags bis freitags im Stunden-, teilweise auch im Halbstundentakt. Sonn- und feiertags herrscht von ca. 9 Uhr bis ca. 20 Uhr ein Zweistundentakt. Zur werktäglichen Hauptverkehrszeit kommen einzelne Fahrten der RB 47 von Friedberg nach Wölfersheim-Södel hinzu. Beide Linien werden von der Hessischen Landesbahn GmbH (HLB) betrieben. Der Bahnsteig des Haltepunktes wurde 2011 modernisiert[9] und ist seitdem barrierefrei erreichbar, nur die nach Frankfurt Hbf durchgebundenen Züge bieten aufgrund der eingesetzten Doppelstockwagen keinen barrierefreien Einstieg.[10] Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Dorheim steht zudem unter Denkmalschutz. Für den Verkehr hat es heute keine Funktion mehr.[11]

In unmittelbarer Nähe des Haltepunktes befinden sich die Brüder-Grimm-Schule (an der Südseite) sowie das Hotel und Restaurant Dorheimer Hof.[12]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Fritz Herrmann: Eine Dorheimer Einwohnerliste von 1716. In: Wetterauer Geschichtsblätter 7/8 (1959), S. 172f.
  • Gerhard Kleinfeldt, Hans Weirich: Die mittelalterliche Kirchenorganisation im oberhessisch-nassauischen Raum = Schriften des Instituts für geschichtliche Landeskunde von Hessen und Nassau 16 (1937). ND 1984, S. 28
  • Rudolf Knappe: Mittelalterliche Burgen in Hessen. 800 Burgen, Burgruinen und Burgstätten. 3. Auflage. Wartberg-Verlag, Gudensberg-Gleichen 2000, ISBN 3-86134-228-6, S. 323.
  • Herbert Pauschardt: Aus der Geschichte eines Dorfes im Wettertal – Rödgen = Festschrift zur 750-Jahrfeier (2010) des Bad Nauheimer Stadtteils. Hrsg.: Magistrat der Stadt Bad Nauheim. Bad Nauheim 2010.
  • Hans Georg Ruppel (Bearb.): Historisches Ortsverzeichnis für das Gebiet des ehemaligen Großherzogtums und Volksstaats Hessen mit Nachweis der Kreis- und Gerichtszugehörigkeit von 1820 bis zu den Veränderungen im Zuge der kommunalen Gebietsreform. = Darmstädter Archivschriften 2. 1976, S. 74
  • Heinz Wionski: Kulturdenkmäler in Hessen. Wetteraukreis II, Teilband 1, Friedberg bis Wöllstadt. Herausgegeben vom Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Vieweg, Braunschweig/Wiesbaden 1999, ISBN 3-528-06227-4, S. 674–680 (Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland).
  • Literatur über Dorheim in der Hessischen Bibliographie

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Dorheim (Friedberg) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dorheim, Wetteraukreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 27. Januar 2015). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. Dorheim im Internetauftritt der Stadt Friedberg, abgerufen im April 2016
  3. Pauschardt, S. 33
  4. Der Hessische Minister des Innern: Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Büdingen und Friedberg (GVBl. II 330-19) vom 11. Juli 1972. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1972 Nr. 17, S. 230, § 3 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 1,2 MB]).
  5. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 361.
  6. Zahl nach: Thomas Klein: Grundriß zur deutschen Verwaltungsgeschichte 1815–1845. Reihe A: Preußen. Band 11: Hessen-Nassau einschließlich Vorgängerstaaten. Marburg 1979, S. 109.
  7. Stand: Oktober 2011
  8. Schloss Dorheim, Wetteraukreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  9. Bilder vom Umbau des Hp Dornheim (Memento des Originals vom 4. März 2016 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ingenieure-gam.de
  10. Bahnsteiginformationen – Station Dorheim (Wetterau). (Nicht mehr online verfügbar.) Deutsche Bahn, archiviert vom Original am 29. November 2014; abgerufen am 14. November 2013.
  11. siehe auch: Liste der Kulturdenkmäler in Friedberg (Hessen)#Dorheim
  12. Webseite des Hotel-Restaurant „Dorheimer Hof“ (Memento vom 14. Juni 2012 im Internet Archive)