Elektronischer Heilberufsausweis

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Der elektronische Heilberufsausweis (eHBA, englisch Health Professional Card, HPC) ist eine personenbezogene Chipkarte im Scheckkartenformat für Angehörige der Heilberufe im deutschen Gesundheitswesen.

Neben seiner Funktion als Sichtausweis bietet er kryptografische Funktionalität zur Authentifizierung, Verschlüsselung und qualifizierten elektronischen Signatur.[1]

Die gesetzliche Grundlage für den elektronischen Heilberufsausweis wurde mit dem neuen § 291a SGB V am 1. Januar 2004 durch Art. 1 des GKV-Modernisierungsgesetz (GMG) geschaffen.

Gemäß § 291a Abs. 5 Satz 5 und Abs. 5a Satz 1 SGB V benötigen Heilberufler den elektronischen Heilberufsausweis zum Zugriff auf die Daten der Anwendungen der elektronischen Gesundheitskarte nach § 291a Abs. 2 und 3 SGB V. Technische Voraussetzung ist die Anbindung der medizinischen Institution an die Telematikinfrastruktur des deutschen Gesundheitswesens.[2][3] Der Zugriff auf die Daten der Anwendungen der elektronischen Gesundheitskarte ist für von einem Heilberufler autorisierte Mitarbeiter einer medizinischen Institution alternativ über einen elektronischen Institutionenausweis (Security Modul Card Typ B (SMC-B)) möglich. Auch der Heilberufler selbst kann die SMC-B zum Zugriff nutzen.[4]

Technisch spezifiziert werden die Ausweise durch die gematik.[5]

Elektronischer Heilberufsausweis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Analog zur elektronischen Gesundheitskarte enthält der neue Heilberufsausweis aus Kunststoff einen Mikrochip, der Authentifizierung (elektronische Identitätsprüfung), Verschlüsselung und elektronische Signatur bietet. Abhängig von der Heilberufszugehörigkeit wird der elektronische Heilberufeausweis auch Sichtausweisfunktion erhalten. Technisch identisch, jedoch durch Personalisierung und äußere Gestaltung verschieden, sind mindestens die folgenden Varianten zu unterscheiden:

Elektronischer Apothekerausweis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der elektronische Apothekerausweis wird auf Antrag des Apothekers durch die jeweilige Landesapothekerkammer ausgegeben. Die Kammern können für die technische Abwicklung externe Dienstleister beauftragen.

Elektronischer Arztausweis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Analog zur elektronischen Gesundheitskarte enthält der neue Arztausweis aus Kunststoff einen Mikrochip, der Authentifizierung (elektronische Identitätsprüfung), Verschlüsselung und elektronische Signatur bietet. Mit Hilfe des elektronischen Arztausweises können Ärzte in Zukunft auf die Patientendaten der elektronischen Gesundheitskarte zugreifen, sofern der Patient diese freigegeben hat. Da der elektronische Arztausweis mit einem qualifizierten Zertifikat versehen wird, lassen sich damit elektronische Dokumente mit einer qualifizierten elektronischen Signatur versehen, also rechtsgültig digital unterschreiben. Durch den elektronischen Arztausweis werden Telematik-Anwendungen wie elektronisches Rezept, elektronische Arzneimitteldokumentation und elektronischer Arztbrief erst möglich.[6] Durch die äußere Gestaltung, die gesetzlich geschützt wurde, wird dieser Ausweis auch den bisherigen Sichtausweis des Arztes ablösen. Auf Antrag erhalten alle approbierten Ärzte den elektronischen Arztausweis. Herausgegeben wird der elektronische Arztausweis von den Landesärztekammern.[7]

Es sei „die Anschaffung eines elektronischen Heilberufsausweises (eHBA) – auch bekannt als Arzt- oder Psychotherapeutenausweis – optional.“[8] Demnach ist der Heilberufsausweis der Oberbegriff, der Arztausweis wäre einer der Unterbegriffe. Allerdings wird der neue Arztausweis der Ärztekammer erst durch eine aufwändige und kostspielige Aufrüstung zum elektronischen Arztausweis. Also sind die Begriffe Arztausweis und Heilberufsausweis aus mehreren Gründen keine Synonyme.

Elektronischer Zahnarztausweis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zuständig für die Herausgabe der elektronischen Zahnarztausweise sind die jeweiligen Landeszahnärztekammern. Da die Ausweise Zertifikate und Schlüsselmaterial der zahnärztlichen Public-Key-Infrastruktur (PKI) enthalten, müssen auch Zertifizierungsdiensteanbieter in die Erstellung der elektronischen Ausweise eingebunden werden. Die Landeszahnärztekammern fungieren dabei als die Registrierungsstellen hinsichtlich der PKI-Eigenschaften der Ausweise.

Elektronischer Psychotherapeutenausweis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Herausgabe der elektronischen Psychotherapeutenausweise (ePtA) erfolgt über die hiesigen Landespsychotherapeutenkammern. Diese Ausweise können genutzt werden, um die online-Abrechnung mit den Kassenärztlichen Vereinigungen rechtsverbindlich zu unterschreiben („elektronische Signatur“). Des Weiteren sind sie notwendig, um auf Daten des neuen elektronischen Krankenversicherungsausweises von Patienten, die elektronische Gesundheitskarte (eGK), zugreifen oder Daten darauf speichern zu können.

Elektronischer Berufsausweis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der elektronische Berufsausweis (eBA) im Gesundheitswesen ist technisch mit dem Heilberufsausweis identisch und durch die Spezifikation zur Health Professional Card beschrieben. Im Gegensatz zu den Heilberufsausweisen ist der Berufsausweis für das Personal im Gesundheitswesen gedacht (z. B. MTA oder PTA). Ein weiterer Unterschied ist, dass der Berufsausweis mit einer eingeschränkten Zugriffsberechtigung auf die Gesundheitskarte ausgestattet und nur die für die Vorbereitung der Tätigkeiten eines Heilberuflers ausreichend sind. So kann eine Arzthelferin zwar die geschützten Versichertendaten auslesen, kann jedoch nicht die Notfalldaten der eGK verändern. Hierzu ist nur der Heilberufsausweis eines Arztes berechtigt.

Sowohl in Arzt- und Zahnarztpraxen wie auch in Apotheken und Krankenhäusern sollen die weiteren Berufsgruppen dieser Institutionen über den Institutionsausweis Security Module Card Typ B (SMC-B) auf die eGK zugreifen. Wie der Heilberufsausweis ist auch der Berufsausweis jedoch immer dann nötig, wenn eine Unterschrift (elektronisch und rechtssicher) geleistet werden soll. Das Zentrum für Telematik und Telemedizin (ZTG) führt das Pilotprojekt „elektronischer Heilberufsausweis“ mit der Ausgabe der Karte an 1000 Physiotherapeuten durch.[9][10] Ausgegeben wird der eBA durch das elektronische Gesundheitsberuferegister.

Kosten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wer die Kosten für die geplante Ausgabe der Health Professional Card durch die jeweiligen Kammern trägt, ist derzeit ungeklärt. Auch die Form der Finanzierung (Gebühren, Einmalzahlungen etc.) von Soft- und Hardware steht noch nicht fest. Ärztekammern weisen darauf hin, dass ihren Mitgliedern „laufende Kosten“ entstehen.[11] 2018 betragen diese zwischen 7,90 und 9,90 € monatlich bei papierloser Rechnungsstellung.[12]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bundesärztekammer: FAQ rund um den elektronischen Arztausweis. Abgerufen am 6. März 2018.
  2. gematik: Einführung der Telematikinfrastruktur. 2018, abgerufen am 7. März 2018.
  3. Kassenärztliche Bundesvereinigung: Telematikinfrastruktur. 2018, abgerufen am 7. März 2018.
  4. Kassenärztliche Bundesvereinigung: Technische Ausstattung für die TI. 2018, abgerufen am 7. März 2018.
  5. Konzepte und Spezifikationen. In: gematik Fachportal. Abgerufen am 6. März 2018.
  6. Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 10. Februar 2007 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bundesaerztekammer.de
  7. Archivlink (Memento des Originals vom 19. Januar 2012 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bundesaerztekammer.de
  8. Telematikinfrastruktur – Informationen zum Anschluss der Praxis, zur technischen Ausstattung und zur Finanzierung“, herausgegeben von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung als Beilage im Deutschen Ärzteblatt, Ausgabe A, Nummer 17/2018 vom 27. April 2018.
  9. Elektronischer Heilberufeausweis, Erste Exemplare für Physiotherapeuten, Ärztezeitung, 5. Juni 2013
  10. Zentrum für Telematik und Telemedizin(ZTG) (Memento des Originals vom 4. März 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/devel.ztg-nrw.de
  11. https://secure.blaek.de/meineblaek/anwendung/eHBA/index.cfm
  12. Preisblatt des zugelassenen Vertrauensdiensteanbieters medisign