Elser – Er hätte die Welt verändert

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Filmdaten
Originaltitel Elser – Er hätte die Welt verändert
Produktionsland Deutschland
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 2015
Länge 113 Minuten
Altersfreigabe FSK 12[1]
JMK 14[2]
Stab
Regie Oliver Hirschbiegel
Drehbuch Fred Breinersdorfer,
Léonie-Claire Breinersdorfer
Produktion Boris Ausserer,
Oliver Schündler (Lucky Bird Pictures),
Fred Breinersdorfer (Delphi Medien)
Musik David Holmes
Kamera Judith Kaufmann
Schnitt Alexander Dittner
Besetzung

Elser – Er hätte die Welt verändert ist ein deutscher Spielfilm aus dem Jahr 2015. Der Film porträtiert den Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus Georg Elser, dessen Attentat auf Adolf Hitler und nahezu die gesamte NS-Führungsspitze im Bürgerbräukeller in München scheiterte.

Die Uraufführung des historischen Dramas fand im Hauptwettbewerb (außer Konkurrenz) der 65. Berlinale am 12. Februar 2015 statt. Der Film lief am 9. April 2015, exakt 70 Jahre nach Elsers Tod, in den deutschen Kinos an.[3] DVD und Blu-ray Disc mit Bonusmaterial erschienen am 22. Oktober 2015.[4]

Die englische Version mit dem Titel 13 Minutes kam im Juli 2015 international in die Kinos. Sie ist identisch mit der deutschen und hat englische Untertitel.[5]

Während der Dreharbeiten in Weidenberg

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film beginnt mit den letzten Arbeiten Elsers an der Bombe, die er in einer Wandausschachtung an der Balustrade im Bürgerbräukeller deponiert und schärft. Die nächsten Szenen begleiten Elser auf seinem Weg nach Konstanz, wo er noch auf deutscher Seite vom Zollgrenzschutz aufgegriffen wird. In seiner Arrestzelle erlebt er die geplante Detonationszeit der Bombe. Durch Lautsprecherdurchsagen, die auch in Konstanz übertragen werden, wird deutlich, dass Hitler das Attentat überlebt hat.

Elser wird nach Berlin ins Gestapohauptquartier gebracht. Angesichts der Brisanz des Falles wird er vom Chef des Reichskriminalpolizeiamtes Arthur Nebe und von Heinrich Müller, Leiter der Geheimen Staatspolizei, verhört. Der Film zeigt ihn als charakterstarke Person, die den ihn verhörenden Beamten mit Hohn begegnet. Zunächst weigert er sich, auch nur seinen Namen zu sagen. Im Folgenden wechseln Verhör- und Folterszenen mit Bildern und sommerlichen Episoden aus dem Leben Elsers ab. Einen zentralen Stellenwert nimmt seine Liebesbeziehung zu Elsa Härlen ein, einer verheirateten Frau, die von ihrem Ehemann misshandelt wird. Als Nebe dem Attentäter die inzwischen inhaftierte „Sippenangehörige“ Elsa vorführt, entschließt sich Elser zu gestehen. Seine Verhörer gehen davon aus, dass Elser bei seiner Tat Hinterleute hatte, und versuchen mit Folterungen deren Namen zu erlangen. Elser hatte jedoch keine Helfer und kann aufzeigen, dass er die Bombe allein konstruiert und gebaut hat. Nebe glaubt ihm schließlich, nicht jedoch der SS-Obergruppenführer.

Elser wird längere Zeit gefangen gehalten und in den letzten Kriegstagen exekutiert.

Erzählweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Drehbuch erzählt den Film auf zwei Zeitebenen. Die erste handelt vom Einbau der Bombe im Bürgerbräu 1939, den Verhören unter Folter im selben Jahr bis zu Elsers Ermordung am 9. April 1945. In Rückblenden wird geschildert, wie Georg Elser von einem lebensbejahenden Menschen zum entschlossenen Widerstandskämpfer wird und wie er mit dem Konflikt umgeht, Menschenleben zu opfern, um das 1939 absehbare unermessliche Blutvergießen im Zweiten Weltkrieg zu verhindern.

Die Darstellung beruht auf intensiven Recherchen der Autoren und des Produzenten des Films, Léonie-Claire Breinersdorfer, Boris Ausserer und Fred Breinersdorfer, von 2008 bis faktisch zu Drehbeginn im Sommer 2014. Unter anderem wurden Passagen aus den Verhörprotokollen der Gestapo, ebenso wie der Originalton der Hitlerrede vom 8. November 1939 im Film dramaturgisch eingesetzt.

Kamerakonzept[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kamerafrau Judith Kaufmann nimmt in ihrer Bildgestaltung die zweispurige Erzählweise auf. Während die Rückblenden in lebendigen Farben mit der Handkamera gedreht sind, bleibt das Bild in der ersten Ebene 1939 bis 1945 eher starr und in düsteren Farben.

Drehorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film wurde nicht an Originalschauplätzen, sondern u.a. in Weidenberg, in Lindau, im Rathaus Schöneberg in Berlin, im Hohenloher Freilandmuseum Wackershofen sowie in Südtirol (Bozen, Terlan, Auer und Mendelpass) gedreht.[6]

Sondervorstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film wurde in zahlreichen Sondervorstellungen Schülerinnen und Schülern gezeigt. Der Hauptdarsteller Christian Friedel besuchte im April 2015 48 Kinos in ganz Deutschland. Am 22. April 2015 sah und diskutierte Bundespräsident Joachim Gauck mit 690 Schülern den Film im Berliner Zoopalast. Der Film wurde am 5. Mai 2015 im Bayerischen Landtag vor zahlreichen Abgeordneten und Schülerinnen und Schülern aus verschiedenen Städten in Bayern gezeigt. Landtagspräsidentin Barbara Stamm überreichte bei dieser Gelegenheit Christian Friedel und Fred Breinersdorfer die Silberne Landtagsmedaille.

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Welt, 16. Januar 2015: „Ein sorgfältig recherchiertes und brillant geschriebenes Drehbuch von Fred und Léonie-Claire Breinersdorfer, ein in jeder Nuance überzeugender Hauptdarsteller Christian Friedel und eine meisterhafte Regie von Oliver Hirschbiegel machen Elser zu einem herausragenden Kinoereignis.“

Spiegel Online, 12. Februar 2015: „Elser erzählt, und das ist im deutschen Kino selten, von den Deutschen, die die Nazis gewählt und begeistert begrüßt haben. Es wird gezeigt, wie ein Dorf sich ohne erkennbaren Widerstand gleichschaltet, bald sitzt die erste Frau mit einem Schild auf dem Marktplatz: ‚Ich bin am Ort das größte Schwein und lass mich nur mit Juden ein‘. In der Menge wird gefeixt. Wie bereits in seinem Kinodebüt Das Experiment findet Hirschbiegel beklemmende Bilder für die Empathielosigkeit auch der Mitläufer.“

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 8. April 2015: „Man kann es sich eigentlich an zwei Fingern abzählen: Eine Liebesgeschichte, die damit endet, dass der Geliebte sich davonmacht, um Hitler zu töten und anschließend in die Schweiz zu flüchten, ist keine. Und eine Attentätergeschichte, die vor allem aus schmachtenden Blicken, heimlichen Umarmungen (Elsa ist verheiratet) und gelegentlichen Hilfeleistungen für politisch Verfolgte (Elsers Freund Schurr ist Kommunist) besteht, ist auch keine.“

taz, 9. April 2015: „Aus der Raumtiefe dieses biederen Bebilderungskinos strahlt einem die säuberlich versammelte deutsche Nazifilmtristesse entgegen. Im Vordergrund wird zweitklassiges Theater gespielt. Da ist Hirschbiegel als Regieverantwortlicher der entgleisten Bunkerbürokomödie ‚Der Untergang‘ nachweislich in seinem Element.“

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film wurde von der Deutschen Film- und Medienbewertung (FBW) mit den Prädikat besonders wertvoll ausgezeichnet.[7] Im Februar wurden die Produzenten Boris Ausserer und Oliver Schündler für „Elser“ mit dem Produzentenpreis des Bayerischen Filmpreis für die beste Produktion ausgezeichnet.[8] Beim Deutschen Filmpreis 2015 wurde der Film in sieben Kategorien nominiert. Regisseur Oliver Hirschbiegel wurde für diesen Film mit dem Friedenspreis des Deutschen Films – Die Brücke 2015 ausgezeichnet. Im selben Jahr folgte eine Nominierung für die Verleihung des Europäischen Filmpreises für Hauptdarsteller Christian Friedel. Der Bundesverband Regie e. V. (BVR) verlieh den Deutschen Regiepreis Metropolis 2015 an Oliver Hirschbiegel für die beste Regie bei einem Kinofilm und an Christian Friedel für die beste männliche Hauptrolle.[9]

Die von Ilka Teichmüller gesprochene Audiodeskription des Films wurde 2016 für den deutschen Hörfilmpreis in der Kategorie Kino nominiert.[10]

Fördermittel und Zuschauerzahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Filmproduktion wurde aus Mitteln der deutschen Filmförderung mit 3,5 Millionen Euro unterstützt. Sie kamen aus verschiedenen Institutionen. Zusätzlich eine halbe Million Euro kam aus Südtirol; dort waren einige Szenen gedreht worden.

Bis Mitte Juni 2015 wurde eine Million Euro an den Kinokassen eingenommen. Bis dahin hatte der Film 141.000 Zuschauer.[11]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung für Elser – Er hätte die Welt verändert. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft, Februar 2015 (PDF; Prüf­nummer: 149 781 K).
  2. Alterskennzeichnung für Elser – Er hätte die Welt verändert. Jugendmedien­kommission.
  3. Elser. Filmstarts, abgerufen am 4. März 2015.
  4. ELSER – ER HÄTTE DIE WELT VERÄNDERT auf georg-elser-arbeitskreis.de. Abgerufen am 23. Oktober 2015.
  5. Filmplakat auf georg-elser-arbeitskreis.de. Abgerufen am 19. Juli 2015.
  6. Dreharbeiten im Jahr 2014 auf georg-elser-arbeitskreis.de. Abgerufen am 12. Juli 2015.
  7. Deutsche Film- und Medienbewertung: Elser Filminfo und Jurybegründung
  8. Filmportal.de. Abgerufen am 4. März 2015.
  9. Regieverband.de. Abgerufen am 6. Januar 2016.
  10. Elser – Er hätte die Welt verändert in der Hörfilm-Datenbank des Hörfilm e. V.
  11. Ehrenwerte Gesellschaft. In: Der Spiegel, 25/2015, 13. Juni 2015, S. 126–130