Erklärungen und Resolutionen der Vereinten Nationen über die sexuelle Orientierung und geschlechtliche Identität

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  • Unterzeichnerstaaten der Erklärung über die sexuelle Orientierung und geschlechtliche Identität vom 18. Dezember 2008
  • Unterzeichner der Gegenerklärung
  • Unterzeichnerstaaten der Gemeinsamen Erklärung über die Beendigung von Gewaltakten und ähnlichen Menschenrechtsverletzungen aufgrund der sexuellen Orientierung und geschlechtlichen Identität vom 23. März 2011
  • Die sexuelle Orientierung und die geschlechtliche Identität waren Gegenstand mehrerer Initiativen von Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen, die eine Beendigung staatlicher Diskriminierung von sexuellen Minderheiten und die Entkriminalisierung homosexueller Handlungen zum Ziel hatten. 2008 gab es eine Erklärung vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen, die jedoch nicht die erforderliche Mehrheit erreichte. Im März 2011 folgte eine weitere Erklärung, diesmal im UN-Menschenrechtsrat. Im Juni 2011 verabschiedete der Menschenrechtsrat schließlich eine entsprechende UN-Resolution.

    Die Erklärung der Vereinten Nationen über die sexuelle Orientierung und geschlechtliche Identität (engl. United Nations Declaration on Sexual Orientation and Gender Identity) wurde am 18. Dezember 2008 auf Initiative Frankreichs und der Niederlande der Generalversammlung der Vereinten Nationen vorgelegt und verurteilt die staatliche Diskriminierung und strafrechtliche Verfolgung von Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität. Sie ist die erste Erklärung über LGBT-Rechte, die je vor der UN-Vollversammlung verlesen wurde,[1] und wurde von 67 der insgesamt 192 UN-Mitgliedsstaaten unterzeichnet, darunter alle 27 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union, die USA, Japan sowie mehrere weitere vor allem europäische und lateinamerikanische Länder. Die für die Verabschiedung als UN-Resolution erforderliche Mehrheit in der Vollversammlung wurde jedoch verfehlt, und auch dann hätte sie lediglich empfehlenden Charakter. Außerdem existiert eine Gegenerklärung, die von den meisten islamischen und einigen afrikanischen Ländern unterstützt wurde.

    Am 23. März 2011 verlas Kolumbien vor dem UN-Menschenrechtsrat stellvertretend für 85 UN-Mitgliedsstaaten eine der Erklärung von 2008 vergleichbare „Gemeinsame Erklärung über die Beendigung von Gewaltakten und ähnlichen Menschenrechtsverletzungen aufgrund der sexuellen Orientierung und geschlechtlichen Identität“ (engl. Joint statement on ending acts of violence and related human rights violations based on sexual orientation and gender identity).

    Am 17. Juni 2011 fasste der UN-Menschenrechtsrat mit der Resolution A/HRC/17/L.9/Rev.1[2] erstmals einen Beschluss zur Beendigung der staatlichen Diskriminierung sexueller Minderheiten.

    Erklärung von 2008 (UN-Vollversammlung)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Die Erklärung beruft sich auf die Allgemeingültigkeit der Menschenrechte, wie sie in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte verankert ist, und missbilligt die Diskriminierung von Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität. Insbesondere werden in Artikel 6 die Anwendung der Todesstrafe, Hinrichtungen, Folter, Gewaltanwendung, willkürliche Verhaftungen und Gefängnisstrafen sowie der Entzug ökonomischer, sozialer und kultureller Rechte einschließlich des Rechtes auf Gesundheit verurteilt.[3] In Artikel 10 werden die weltweite Staatengemeinschaft und Menschenrechtsorganisationen dazu aufgefordert, die Menschenrechte aller Personen, unabhängig von deren sexueller Orientierung und Geschlechtsidentität, zu fördern und zu achten.[3] Artikel 11 enthält einen Aufruf an alle Staaten, die strafrechtliche Verfolgung sexueller Minderheiten durch entsprechende legislative und administrative Maßnahmen zu unterbinden.[3]

    Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Zum Zeitpunkt der Erklärung standen homosexuelle Handlungen in nahezu 80 Ländern der Welt unter Strafe, in mindestens sechs Ländern galt sogar die Todesstrafe. Darauf wies auch die Staatssekretärin für Menschenrechte im französischen Außenministerium, Rama Yade, bei der Sitzung der UN-Vollversammlung am 18. Dezember 2008 hin.[4]

    Bereits am 31. März 1994 hatte die UN-Menschenrechtskommission in der Sache Toonen gegen Australien wegen des Verbots homosexueller Handlungen im Bundesstaat Tasmanien entschieden, dass die Kriminalisierung einvernehmlicher homosexueller Handlungen unter Erwachsenen gegen das Recht auf Schutz der Privatsphäre gemäß Artikel 17 des Internationalen Paktes über bürgerliche und politische Rechte (IPbpR) sowie gegen das Diskriminierungsverbot gemäß Artikel 26 des IpbpR verstößt.[5][6][7]

    Am 1. Dezember 2006 verurteilten 54 Staaten in einer gemeinsamen Erklärung vor dem UN-Menschenrechtsrat Menschenrechtsverletzungen gegenüber sexuellen Minderheiten und forderten die Vereinten Nationen zu entsprechenden Schritten auf.[8] Am 3. Juni 2008 missbilligte die Generalversammlung der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) in der Resolution 2435 Gewalttaten und Menschenrechtsverletzungen aufgrund der sexuellen Orientierung und geschlechtlichen Identität.[9]

    Unterzeichnerstaaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Zu den 66 ursprünglichen Unterzeichnerstaaten[3] (von 192 UN-Mitgliedern) der Erklärung vom 18. Dezember 2008 gehören 39 europäische, 13 amerikanische, 6 afrikanische, 6 asiatische und 2 ozeanische Länder:

    1. AlbanienAlbanien Albanien
    2. AndorraAndorra Andorra
    3. ArgentinienArgentinien Argentinien
    4. ArmenienArmenien Armenien
    5. AustralienAustralien Australien
    6. BelgienBelgien Belgien
    7. BolivienBolivien Bolivien
    8. Bosnien und HerzegowinaBosnien und Herzegowina Bosnien und Herzegowina
    9. BrasilienBrasilien Brasilien
    10. BulgarienBulgarien Bulgarien
    11. ChileChile Chile
    12. DanemarkDänemark Dänemark
    13. DeutschlandDeutschland Deutschland
    14. EcuadorEcuador Ecuador
    15. EstlandEstland Estland
    16. FinnlandFinnland Finnland
    17. FrankreichFrankreich Frankreich
    1. GabunGabun Gabun
    2. GeorgienGeorgien Georgien
    3. GriechenlandGriechenland Griechenland
    4. Guinea-BissauGuinea-Bissau Guinea-Bissau
    5. IrlandIrland Irland
    6. IslandIsland Island
    7. IsraelIsrael Israel
    8. ItalienItalien Italien
    9. JapanJapan Japan
    10. KanadaKanada Kanada
    11. Kap VerdeKap Verde Kap Verde
    12. KolumbienKolumbien Kolumbien
    13. KroatienKroatien Kroatien
    14. KubaKuba Kuba
    15. LettlandLettland Lettland
    16. LiechtensteinLiechtenstein Liechtenstein
    17. LitauenLitauen Litauen
    1. LuxemburgLuxemburg Luxemburg
    2. MaltaMalta Malta
    3. MauritiusMauritius Mauritius
    4. MazedonienMazedonien Mazedonien
    5. MexikoMexiko Mexiko
    6. MontenegroMontenegro Montenegro
    7. NepalNepal Nepal
    8. NeuseelandNeuseeland Neuseeland
    9. NicaraguaNicaragua Nicaragua
    10. NiederlandeNiederlande Niederlande
    11. NorwegenNorwegen Norwegen
    12. OsterreichÖsterreich Österreich
    13. OsttimorOsttimor Osttimor
    14. ParaguayParaguay Paraguay
    15. PolenPolen Polen
    16. PortugalPortugal Portugal
    17. RumänienRumänien Rumänien
    1. San MarinoSan Marino San Marino
    2. Sao Tome und PrincipeSão Tomé und Príncipe São Tomé und Príncipe
    3. SchwedenSchweden Schweden
    4. SchweizSchweiz Schweiz
    5. SerbienSerbien Serbien
    6. SlowakeiSlowakei Slowakei
    7. SlowenienSlowenien Slowenien
    8. SpanienSpanien Spanien
    9. TschechienTschechien Tschechien
    10. UngarnUngarn Ungarn
    11. UruguayUruguay Uruguay
    12. VenezuelaVenezuela Venezuela
    13. Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich
    14. Zentralafrikanische RepublikZentralafrikanische Republik Zentralafrikanische Republik
    15. Zypern RepublikZypern Zypern

    Spätere Unterzeichnerstaaten:

    1. Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten (März 2009)[10]

    Die US-Regierung unter Präsident George W. Bush hatte sich der Erklärung anfangs nicht angeschlossen, da sie befürchtete, die Erklärung könne mit der Gesetzgebung einzelner US-Bundesstaaten bezüglich gleichgeschlechtlicher Ehen kollidieren.[11] Unter Präsident Barack Obama korrigierten die Vereinigten Staaten diese Entscheidung und beschlossen am 18. März 2009, die Erklärung als 67. UN-Mitglied zu unterzeichnen.[10]

    Gegenerklärung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Unmittelbar nach Vorlage der Erklärung in der Sitzung der UN-Vollversammlung am 18. Dezember 2008 brachte Syrien eine Gegenerklärung ein, der sich 57 vorwiegend islamische und afrikanische Staaten anschlossen.[12] Begründet wurde die Gegenerklärung mit einer Einmischung in die inneren Angelegenheiten der Mitgliedsstaaten.[13] Der syrische Vertreter begründete seine ablehnende Haltung außerdem damit, dass die Erklärung über einvernehmliche sexuelle Handlungen unter Erwachsenen hinausgehe und so zur Rechtfertigung „vieler unsittlicher Handlungen einschließlich Pädophilie[14] dienen könne.

    Unterzeichnerstaaten der Gegenerklärung:[12]

    1. AfghanistanAfghanistan Afghanistan
    2. AgyptenÄgypten Ägypten
    3. AlgerienAlgerien Algerien
    4. AthiopienÄthiopien Äthiopien
    5. BahrainBahrain Bahrain
    6. BangladeschBangladesch Bangladesch
    7. BeninBenin Benin
    8. Burkina FasoBurkina Faso Burkina Faso
    9. DschibutiDschibuti Dschibuti
    10. ElfenbeinküsteElfenbeinküste Elfenbeinküste
    11. EritreaEritrea Eritrea
    12. FidschiFidschi Fidschi
    13. GambiaGambia Gambia
    14. GuineaGuinea Guinea
    15. IndonesienIndonesien Indonesien
    1. IrakIrak Irak
    2. IranIran Iran
    3. JemenJemen Jemen
    4. JordanienJordanien Jordanien
    5. KamerunKamerun Kamerun
    6. KasachstanKasachstan Kasachstan
    7. KatarKatar Katar
    8. KeniaKenia Kenia
    9. KomorenKomoren Komoren
    10. KuwaitKuwait Kuwait
    11. LibanonLibanon Libanon
    12. LibyenLibyen Libyen
    13. MalawiMalawi Malawi
    14. MalaysiaMalaysia Malaysia
    15. MaledivenMalediven Malediven
    1. MaliMali Mali
    2. MarokkoMarokko Marokko
    3. MauretanienMauretanien Mauretanien
    4. NigerNiger Niger
    5. NigeriaNigeria Nigeria
    6. Korea NordNordkorea Nordkorea
    7. OmanOman Oman
    8. PakistanPakistan Pakistan
    9. RuandaRuanda Ruanda
    10. SalomonenSalomonen Salomonen
    11. Saudi-ArabienSaudi-Arabien Saudi-Arabien
    12. SenegalSenegal Senegal
    13. Sierra LeoneSierra Leone Sierra Leone
    14. SimbabweSimbabwe Simbabwe
    15. SomaliaSomalia Somalia
    1. Saint LuciaSt. Lucia St. Lucia
    2. SudanSudan Sudan
    3. SwasilandSwasiland Swasiland
    4. SyrienSyrien Syrien
    5. TadschikistanTadschikistan Tadschikistan
    6. TansaniaTansania Tansania
    7. TogoTogo Togo
    8. TschadTschad Tschad
    9. TunesienTunesien Tunesien
    10. TurkmenistanTurkmenistan Turkmenistan
    11. UgandaUganda Uganda
    12. Vereinigte Arabische EmirateVereinigte Arabische Emirate Vereinigte Arabische Emirate

    Erklärung von 2011 (UN-Menschenrechtsrat)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Die am 23. März 2011 in den UN-Menschenrechtsrat eingebrachte Erklärung gleicht inhaltlich der Erklärung von 2008, auf die darin auch ausdrücklich Bezug genommen wird (ebenso wie auf die gemeinsame Erklärung vor dem UN-Menschenrechtsrat vom Dezember 2006).[15] Sie fordert die Beendigung von Gewaltakten, strafrechtlicher Verfolgung und sonstigen Menschenrechtsverletzungen gegenüber sexuellen Minderheiten.[16] Der Hohe Kommissar für Menschenrechte wird dazu aufgerufen, derartigen Menschenrechtsverstößen künftig erhöhte Aufmerksamkeit zu widmen.[17]

    Unterzeichnerstaaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Die Erklärung wird von 85 der 192 UN-Mitgliedsstaaten unterstützt, darunter die weitaus meisten europäischen, amerikanischen und ozeanischen Staaten. Zu den Unterstützern gehören mit Ausnahme von fünf afrikanischen Ländern (Gabun, Guinea-Bissau, Kapverden, Mauritius, São Tomé und Príncipe) alle Unterzeichnerstaaten der Erklärung vom Dezember 2008 sowie drei Länder (Fidschi, Ruanda, Sierra Leone), die 2008 noch eine entsprechende Gegenerklärung unterstützt hatten. Außerdem schlossen sich mehrere vor allem lateinamerikanische und ozeanische Staaten der Erklärung an, die sich 2008 noch neutral verhalten hatten.

    1. AlbanienAlbanien Albanien
    2. AndorraAndorra Andorra
    3. ArgentinienArgentinien Argentinien
    4. ArmenienArmenien Armenien
    5. AustralienAustralien Australien
    6. BelgienBelgien Belgien
    7. BolivienBolivien Bolivien
    8. Bosnien und HerzegowinaBosnien und Herzegowina Bosnien und Herzegowina
    9. BrasilienBrasilien Brasilien
    10. BulgarienBulgarien Bulgarien
    11. ChileChile Chile
    12. Costa RicaCosta Rica Costa Rica
    13. DanemarkDänemark Dänemark
    14. DeutschlandDeutschland Deutschland
    15. DominicaDominica Dominica
    16. Dominikanische RepublikDominikanische Republik Dominikanische Republik
    17. EcuadorEcuador Ecuador
    18. El SalvadorEl Salvador El Salvador
    19. EstlandEstland Estland
    20. FidschiFidschi Fidschi
    21. FinnlandFinnland Finnland
    22. FrankreichFrankreich Frankreich
    1. GeorgienGeorgien Georgien
    2. GriechenlandGriechenland Griechenland
    3. GuatemalaGuatemala Guatemala
    4. HondurasHonduras Honduras
    5. IrlandIrland Irland
    6. IslandIsland Island
    7. IsraelIsrael Israel
    8. ItalienItalien Italien
    9. JapanJapan Japan
    10. KanadaKanada Kanada
    11. KolumbienKolumbien Kolumbien
    12. KroatienKroatien Kroatien
    13. KubaKuba Kuba
    14. LettlandLettland Lettland
    15. LiechtensteinLiechtenstein Liechtenstein
    16. LitauenLitauen Litauen
    17. LuxemburgLuxemburg Luxemburg
    18. MaltaMalta Malta
    19. MarshallinselnMarshallinseln Marshallinseln
    20. MazedonienMazedonien Mazedonien
    21. MexikoMexiko Mexiko
    1. Mikronesien Foderierte StaatenMikronesien Mikronesien
    2. MonacoMonaco Monaco
    3. MongoleiMongolei Mongolei
    4. MontenegroMontenegro Montenegro
    5. NauruNauru Nauru
    6. NepalNepal Nepal
    7. NeuseelandNeuseeland Neuseeland
    8. NicaraguaNicaragua Nicaragua
    9. NiederlandeNiederlande Niederlande
    10. NorwegenNorwegen Norwegen
    11. OsterreichÖsterreich Österreich
    12. OsttimorOsttimor Osttimor
    13. PalauPalau Palau
    14. PanamaPanama Panama
    15. ParaguayParaguay Paraguay
    16. PolenPolen Polen
    17. PortugalPortugal Portugal
    18. RuandaRuanda Ruanda
    19. RumänienRumänien Rumänien
    20. SamoaSamoa Samoa
    21. San MarinoSan Marino San Marino
    1. SchwedenSchweden Schweden
    2. SchweizSchweiz Schweiz
    3. SerbienSerbien Serbien
    4. SeychellenSeychellen Seychellen
    5. Sierra LeoneSierra Leone Sierra Leone
    6. SlowakeiSlowakei Slowakei
    7. SlowenienSlowenien Slowenien
    8. SpanienSpanien Spanien
    9. SudafrikaSüdafrika Südafrika
    10. ThailandThailand Thailand
    11. TschechienTschechien Tschechien
    12. TuvaluTuvalu Tuvalu
    13. UkraineUkraine Ukraine
    14. UngarnUngarn Ungarn
    15. UruguayUruguay Uruguay
    16. VanuatuVanuatu Vanuatu
    17. VenezuelaVenezuela Venezuela
    18. Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten
    19. Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich
    20. Zentralafrikanische RepublikZentralafrikanische Republik Zentralafrikanische Republik
    21. Zypern RepublikZypern Zypern

    Resolution des UN-Menschenrechtsrates vom 17. Juni 2011[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Am 17. Juni 2011 verabschiedete der UN-Menschenrechtsrat mit einer knappen Mehrheit von 23 Stimmen bei 19 Gegenstimmen und drei Enthaltungen die Resolution A/HRC/17/L.9/Rev.1.[18] Darin wird die Hohe Kommissarin für Menschenrechte, Navanethem Pillay, aufgefordert, bis Dezember 2011 eine Studie zur Dokumentation diskriminierender Gesetze, Praktiken und Gewaltakte gegen Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität in Auftrag zu geben.[2] Die Studie sollte zudem Aufschluss darüber geben, wie derartige Menschenrechtsverletzungen beendet werden können. Dazu sollte auf der 19. Sitzung des Menschenrechtsrates eine Podiumsdiskussion stattfinden. Die Resolution war der erste Beschluss eines Organs der Vereinten Nationen, der sich gegen die Diskriminierung sexueller Minderheiten richtet.[19]

    Abstimmungsverhalten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Das Abstimmungsverhalten der 45 Mitgliedsstaaten des UN-Menschenrechtsrates war wie folgt:[18]

    • Ja-Stimmen (23):
    1. ArgentinienArgentinien Argentinien
    2. BelgienBelgien Belgien
    3. BrasilienBrasilien Brasilien
    4. ChileChile Chile
    5. EcuadorEcuador Ecuador
    6. FrankreichFrankreich Frankreich
    1. GuatemalaGuatemala Guatemala
    2. JapanJapan Japan
    3. KubaKuba Kuba
    4. MauritiusMauritius Mauritius
    5. MexikoMexiko Mexiko
    6. NorwegenNorwegen Norwegen
    1. PolenPolen Polen
    2. SchweizSchweiz Schweiz
    3. SlowakeiSlowakei Slowakei
    4. SpanienSpanien Spanien
    5. Korea SudSüdkorea Südkorea
    6. ThailandThailand Thailand
    1. UkraineUkraine Ukraine
    2. UngarnUngarn Ungarn
    3. UruguayUruguay Uruguay
    4. Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich
    5. Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten
    • Nein-Stimmen (19):
    1. AngolaAngola Angola
    2. BahrainBahrain Bahrain
    3. BangladeschBangladesch Bangladesch
    4. DschibutiDschibuti Dschibuti
    5. GabunGabun Gabun
    1. GhanaGhana Ghana
    2. JordanienJordanien Jordanien
    3. KamerunKamerun Kamerun
    4. KatarKatar Katar
    5. MalaysiaMalaysia Malaysia
    1. MaledivenMalediven Malediven
    2. MauretanienMauretanien Mauretanien
    3. MoldawienMoldawien Moldawien
    4. NigeriaNigeria Nigeria
    5. PakistanPakistan Pakistan
    1. RusslandRussland Russland
    2. Saudi-ArabienSaudi-Arabien Saudi-Arabien
    3. SenegalSenegal Senegal
    4. UgandaUganda Uganda
    • Enthaltungen (3):
    1. Burkina FasoBurkina Faso Burkina Faso
    2. China VolksrepublikVolksrepublik China Volksrepublik China
    3. SambiaSambia Sambia

    Bericht des UNHCHR vom 17. November 2011[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Am 17. November 2011 präsentierte die Hohe Kommissarin für Menschenrechte auf der 19. Sitzung des Menschenrechtsrates, wie im Juni 2011 beschlossen, den Bericht A/HRC/19/41 über Diskriminierung und Gewaltanwendung gegenüber sexuellen Minderheiten.[20] Der Bericht konstatiert Menschenrechtsverletzungen gegen Homo- und Transsexuelle in allen Regionen, darunter Hassverbrechen wie Mord, Körperverletzung, Entführung, Vergewaltigung und sexuelle Übergriffe auf der Straße, innerfamiliäre Ächtung und Gewalt bis hin zu Ehrenmorden, gewaltsame Übergriffe in Haftanstalten, Polizeifolter und willkürliche Festnahmen. Festgestellt wurden außerdem verschiedene Formen der Diskriminierung in der Arbeitswelt und im Gesundheits- und Bildungswesen sowie Einschränkungen der Meinungs-, Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit, unter anderem Zensurmaßnahmen und Verbote von Straßenmärschen oder staatliche und nichtstaatliche Übergriffe auf solche Veranstaltungen.[21] In 76 Ländern bestehen diskriminierende Gesetze, die sich zumeist gegen bestimmte einvernehmliche private sexuelle Handlungen wie Analsex oder pauschal gegen sexuelle Handlungen zwischen Menschen desselben Geschlechts richten.[22] Mindestens fünf Staaten sehen die Todesstrafe für einvernehmliche gleichgeschlechtliche Handlungen zwischen Erwachsenen vor, in 14 Staaten ist das Schutzalter für homo- und heterosexuelle Handlungen uneinheitlich.[23] Der Bericht bemängelt auch fehlende Asylmöglichkeiten für Betroffene in zahlreichen Ländern und die willkürliche oder inkonsequente Anwendung asylrechtlicher Bestimmungen in den Ländern, die diese Möglichkeit vorsehen. Mindestens 42 Staaten erkennen demnach die Verfolgung aufgrund der sexuellen Orientierung als Asylgrund an.[24] Die UN-Menschenrechtskommission betrachtet die fehlende Anerkennung gleichgeschlechtlicher Ehen zwar nicht als Diskriminierung, bemängelt aber die Ungleichbehandlung von homosexuellen und heterosexuellen unverheirateten Paaren, etwa in Bezug auf Renten- oder Erbansprüche.[25] In vielen Ländern wird Transsexuellen die Änderung ihrer geschlechtlichen Identität verweigert.

    Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    • Wolf von der Wense: Der UN-Menschenrechtsausschuß und sein Beitrag zum universellen Schutz der Menschenrechte. u.a in: S. 17 Springer Book 1999. Taschenbuch, XVI, 212 S. Paperback Springer-Verlag Berlin Heidelberg, ISBN 978-3-540-66418-5

    Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    1. Informationsplattform humanrights.ch: UNO-Erklärung für sexuelle Selbstbestimmung, abgerufen am 2. März 2011.
    2. a b Vollversammlung der Vereinten Nationen: Resolution A/HRC/17/L.9/Rev.1 (PDF; 31 kB), abgerufen am 21. Dezember 2011.
    3. a b c d Joint Statement on Sexual Orientation and Gender Identity (PDF), abgerufen am 2. März 2011.
    4. In a First, Gay Rights Are Pressed at the U.N. In: New York Times vom 18. Dezember 2008, abgerufen am 2. März 2011.
    5. Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen: Toonen v. Australia, Communication No. 488/1992, U.N. Doc CCPR/C/50/D/488/1992 (1994), abgerufen am 2. März 2011.
    6. Centrum Schwule Geschichte Köln: Internationale Menschenrechtsbezüge zur Nichtdiskriminierung aufgrund sexueller Orientierung, A. Menschenrechtsausschuss, abgerufen am 2. März 2011.
    7. Hans-Joachim Mengel (Bundeszentrale für politische Bildung): Homosexualität und internationaler Menschenrechtsschutz, abgerufen am 2. März 2011.
    8. International Service for Human Rights: NGOs from around the World Celebrate Historic UN Statement on Sexual Orientation and Gender Identity (PDF; 6 kB) vom 5. Dezember 2006, abgerufen am 2. März 2011.
    9. Generalversammlung der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS): AG/RES. 2435 (XXXVIII-O/08) Human Rights, Sexual Orientation, and Gender Identity (MS Word; 28 kB).
    10. a b U.S. Department of State: UN Statement on „Human Rights, Sexual Orientation, and Gender Identity“ vom 18. März 2009, abgerufen am 2. März 2011.
    11. Sexuelle Selbstbestimmung: UN kämpfen für Homos. In: taz vom 20. Dezember 2008, abgerufen am 2. März 2011.
    12. a b International Service for Human Rights: Response to SOGI Human Rights Statement (Rede des syrischen Vertreters vor den Vereinten Nationen vom 18. Dezember 2008), abgerufen am 2. März 2011.
    13. „[...] the said statement delves into matters which fall essentially within the domestic jurisdiction of States [...] (Aus der Rede des syrischen Vertreters vor den Vereinten Nationen vom 18. Dezember 2008).“
    14. many deplorable acts including pedophilia“ (Aus der Rede des syrischen Vertreters vor den Vereinten Nationen vom 18. Dezember 2008).
    15. Vgl. Art. 1 und 3 der Erklärung vom 23. März 2011, abgerufen am 28. März 2011.
    16. Vgl. Art. 10 der Erklärung vom 23. März 2011, abgerufen am 28. März 2011.
    17. Vgl. Art. 8 der Erklärung vom 23. März 2011, abgerufen am 28. März 2011.
    18. a b UNHCHR: Council establishes mandate on Côte d'Ivoire, adopts protocol to child rights treaty, requests study on discrimination and sexual orientation, abgerufen am 17. Juni 2011.
    19. UN backs gay rights for first time ever. In: The Times of India, 18. Juni 2011. Abgerufen am 6. September 2012.
    20. UNHCHR: Discriminatory laws and practices and acts of violence against individuals based on their sexual orientation and gender identity (PDF; 723 kB) (Bericht A/HRC/19/41), abgerufen am 7. März 2012.
    21. UNHCHR: Bericht A/HRC/19/41, Seite 20f.
    22. UNHCHR: Bericht A/HRC/19/41, Seite 13f.
    23. UNHCHR: Bericht A/HRC/19/41, Seite 15
    24. UNHCHR: Bericht A/HRC/19/41, Seite 13
    25. UNHCHR: Bericht A/HRC/19/41, Seite 22

    Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]