Führer

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Führer (Begriffsklärung) aufgeführt.

Der Begriff Führer wird im Deutschen hauptsächlich für Adolf Hitler als uneingeschränkten Parteiführer der NSDAP und ab 1933 als deutschen Diktator in der Zeit des Nationalsozialismus verwendet. In Analogie wurde auch der Begriff der Führerpartei und Führerkult geprägt. Hitler wurde als Der Führer bezeichnet, häufig ohne seinen Namen zu nennen.

Etymologie[Bearbeiten]

Für zeitgenössische Ohren selbstverständlich war die Bezeichnung eines Herrschers als „Führer“ in der Antike, im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit, häufig unter Verwendung des lateinischen Wortes dux (lat. „Führer“) als dem jeweiligen Herrschernamen nachgestellter Ehrentitel, beispielsweise Robert, dux Francorum, also „Robert, Führer der Franken“. Eine Übersetzung ist das sprachlich äquivalente deutsche Wort Fürst. Außerdem wurden die Oberbefehlshaber von Armeen als Heerführer (lat. dux belli ‚Kriegsherr‘, mhd. hervüerer)[1] bezeichnet, das entspricht dem deutschen Herzog aus ahd. herizogo, „der vor dem Heer zieht“.

Das Wort selbst, ahd. fôrari ist nach Grimm „nachweislich nur in dem sinne von lohnträger, lastträger, bajolus[2], und erst mhd. füerære, vüerære, füerer, vüerer in der Bedeutung „einer, der führt“ erhalten[3], und erweitert sich erst neuzeitlich auf das heutige Bedeutungsfeld einschließlich „der ein Tier führt“, insbesondere „Fuhrmann[4] und „der eine Waffe, eine Insignie“ und ähnliches „führt“.

Adolf Hitler[Bearbeiten]

Bei seinem Eintritt in die Deutsche Arbeiterpartei, aus der bald darauf die NSDAP werden sollte, verstand sich Hitler 1919 zunächst noch als „Trommler“, nicht als „Führer“. Er wollte für den kommenden starken Mann Propaganda machen. Nachdem er den Parteivorsitzenden Karl Harrer 1920 abgelöst hatte, insbesondere aber seit Benito Mussolinis Marsch auf Rom 1922, änderte sich Hitlers Selbstbild. Er wurde nun von seinen Anhängern als der „deutsche Mussolini“ apostrophiert und bezeichnete sich, in Analogie zu dessen Titel „duce“ nun auch selbst als Führer der NSDAP.[5] Nach Konrad Heiden war die Bezeichnung „Führer“ als Bezeichnung und Beiname für Hitler seit 1925 in der NSDAP allgemein gebräuchlich.[6]

Kurz vor dem Tod des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg erließ die Regierung Hitler am 1. August 1934 ein Gesetz, das die Ämter des Reichskanzlers und des Reichspräsidenten vereinigte. Es trat einen Tag später in Kraft und wurde am 19. August 1934 in einer Volksabstimmung bestätigt. Ein Erlass vom 2. August[7] sollte „für alle Zukunft“ regeln, dass Hitler im amtlichen wie außeramtlichen Verkehr nur als „Führer und Reichskanzler“ angesprochen werde. Seitdem führte Hitler den Titel Führer und Reichskanzler des deutschen Volkes. Sein politisches Testament verfasste er 1945 als „Führer der Nation“. Zumeist wurde er einfach nur kurz als „Der Führer“ oder „Unser Führer“ bezeichnet (siehe auch: Führererlass).

Um den charismatischen Hitler wurde in der Zeit des Nationalsozialismus ein beispielloser Führerkult getrieben: Straßen wurden nach ihm benannt, Menschen jubelten, wenn sie ihn bei Aufmärschen oder anderen Veranstaltungen erblickten, Hitler-Bilder hingen in Amtsstuben und Wohnzimmern, und auch in den Parolen des Regimes – „Ein Volk, ein Reich, ein Führer“, „Führer befiehl, wir folgen!“ – war Hitler gegenwärtig.

Der Verwendungsbereich der Bezeichnung Führer für Positionen außerhalb der NSDAP wurde in der Folgezeit eingeschränkt. Anstelle der Bezeichnung „Führer der Deutschen Arbeitsfront“ trat zum Beispiel „Stabsleiter der DAF“. Der schon weit verbreiteten „Umdeutung der Amtsbezeichnung Führer in einen Eigennamen für Hitler“[8] sollte der Weg geebnet werden. An die Presse ergingen zwischen 1939 und 1942 mehrfach Weisungen, Adolf Hitler statt mit Führer und Reichskanzler nur noch als Führer zu bezeichnen. Als Abschluss dieser Entwicklung wird der Beschluss des Großdeutschen Reichstags vom 26. April 1942 (RGBl. I S. 247) angesehen. Dort werden die vom Führer beanspruchten Rechte bestätigt und dabei mehrfach die Bezeichnung „Führer“ verwendet, nicht einmal jedoch der Name „Hitler“.[9] In einer Anweisung vom 22. Januar 1942 hieß es bereits, in Zukunft solle der Ausdruck Führer und oberster Befehlsherr der Wehrmacht bei Besprechungen in militärischen Angelegenheiten zugunsten des Begriffs der Führer „immer mehr in den Hintergrund treten“.[10]

Ursprünglich hatte sich auch der protofaschistische österreichische Politiker Georg von Schönerer als „Führer“ bezeichnen lassen. Viele weitere hohe Amtsträger im nationalsozialistischen Deutschland trugen das Wort Führer ebenfalls in ihrem Titel, so etwa der Reichsführer SS und der Reichsjugendführer, daneben auch die höheren Dienstgrade der SS. Grundlage dieser Bezeichnungen war das Führerprinzip und Bezug auf mittelalterlich-feudalistische Hierarchien mutmaßlich „urgermanischer“ Herkunft (Lehnswesen).

Heute wird deswegen im deutschen Sprachraum die Verwendung des Wortes Führer vermieden, sofern im jeweiligen Kontext die Gefahr besteht, dass ein Zusammenhang mit Hitler und dem Nationalsozialismus hergestellt werden könnte. Dies gilt vor allem für die Verwendung des Wortes Führer ohne weitere Attribute oder Zusätze. Oft wird es durch andere Wörter, wie beispielsweise Leiter, Chef, Manager oder das englische Führer-Äquivalent leader, ersetzt. Dennoch ist es im Deutschen üblich, Parteichefs im Allgemeinen als Parteiführer oder Oppositionsführer zu bezeichnen; es ist auch im polizeilichen und militärischen Gebrauch (Polizeiführer, Abteilungsführer, Hundertschaftsführer, Zugführer, Gruppenführer, Truppführer, aber: Führungsperson) zu verwenden. Im Sprachgebrauch des Italienischen hat nach der historischen Zeit des Faschismus das englische Fremdwort leader das ursprüngliche Wort duce heute weitestgehend ersetzt.

Das deutsche Wort Führer hat in diesem Zusammenhang als Lehnwort auch Eingang in andere Sprachen gefunden. In Ermangelung von Umlauten in vielen Zeichensätzen wird es dort oft Fuehrer oder auch Fuhrer geschrieben.[11][12]

Siehe auch[Bearbeiten]

 Wiktionary: Führer – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wiktionary: Duce – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Eintrag HEERFÜHRER, m. In: Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch. Leipzig 1854–1960 (dwb.uni-trier.de)
  2. Eintrag FUHRER [furer], FÜHRER [fürer], m. In: Grimm: Deutsches Wörterbuch (dwb.uni-trier.de).
  3. Eintrag FÜHRER [fürer], m. In: Grimm: Deutsches Wörterbuch (dwb.uni-trier.de).
  4. Grimm: FÜHRER 4) und 6).
  5. Ian Kershaw: Führer und Hitlerkult. In: Wolfgang Benz, Hermann Graml und Hermann Weiß (Hrsg.): Enzyklopädie des Nationalsozialismus. Klett-Cotta, Stuttgart 1997, S. 25.
  6. Konrad Heiden: Adolf Hitler. Bd. 1: Das Zeitalter der Verantwortungslosigkeit. Zürich 1936, S. 216.
  7. Erlaß des Reichskanzlers zum Vollzug des Gesetzes über das Staatsoberhaupt des Deutschen Reichs vom 1. August 1934 (Reichsgesetzbl. I S. 747) v. 2. August 1934, RGBl. I S. 751.
  8. Cornelia Schmitz-Berning: Vokabular des Nationalsozialismus. 2., durchges. und überarb. Auflage, Berlin 2007, ISBN 978-3-11-019549-1, S. 243.
  9. Vgl. Cornelia Schmitz-Berning: Vokabular des Nationalsozialismus, 2. Aufl. 2007, S. 243; Beschluss vom 26. April 1942.
  10. Zitiert nach Cornelia Schmitz-Berning: Vokabular des Nationalsozialismus, 2. Aufl. 2007, S. 243.
  11. GermanEnglishWords.com
  12. DE Deutschland, l’Allemagne, Germany