Fargo (Film)
| Film | |
| Titel | Fargo |
|---|---|
| Produktionsland | Vereinigtes Königreich, Vereinigte Staaten |
| Originalsprache | Englisch |
| Erscheinungsjahr | 1996 |
| Länge | 98 Minuten |
| Altersfreigabe | |
| Stab | |
| Regie | Joel Coen |
| Drehbuch | Ethan und Joel Coen |
| Produktion | Ethan Coen |
| Musik | Carter Burwell |
| Kamera | Roger Deakins |
| Schnitt | Joel Coen und Ethan Coen (als „Roderick Jaynes“) |
| Besetzung | |
| |
Fargo (dt. Fernsehtitel Fargo – Blutiger Schnee) ist eine schwarze Komödie von Ethan und Joel Coen, die 1987 im verschneiten nördlichen Mittleren Westen der Vereinigten Staaten spielt, der neuen Heimat vieler skandinavischer Einwanderer. Für die Darstellung einer schwangeren Polizeibeamtin erhielt Frances McDormand 1997 den Oscar als beste Hauptdarstellerin, die Coen-Brüder erhielten den Oscar für das beste Originaldrehbuch.
2014 folgte eine gleichnamige Serienadaption mit derzeit fünf Staffeln. Deren erste Staffel spielt im Jahr 2006 und knüpft an die Ereignisse des Films an.
Handlung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Winter des Jahres 1987 arbeitet Jerry Lundegaard in Minneapolis als Autoverkäufer mit dem pompösen Titel „Erster Verkaufsleiter“ (engl.: „Executive Sales Manager“) im großen Autohaus seines dominanten Schwiegervaters Wade Gustafson. Er steckt in massiven finanziellen Schwierigkeiten, da er aus Fahrzeugfinanzierungen eine sechsstellige Summe abgezweigt hat und die Bank immer nachdrücklichere Fragen stellt. Mit Hilfe des vorbestraften indianischen Werkstattmitarbeiters Shep Proudfoot heuert er deshalb in Fargo (North Dakota) zwei Kriminelle an, den nervösen Schwätzer Carl Showalter und den schweigsamen Gaear Grimsrud. Sie sollen seine Ehefrau Jean „ohne Brutalität“ entführen, um von Jerrys Schwiegervater ein Lösegeld in Höhe von 80.000 US-Dollar zu erpressen. Als Anzahlung erhalten sie von Lundegaard einen Neuwagen, später sollen sie zusätzlich die Hälfte des Lösegeldes bekommen. Tatsächlich will er aber von seinem reichen Schwiegervater eine Million Dollar erpressen.
Beim nächtlichen Transport von Lundegaards entführter Frau in ihr Versteck – ein abgelegenes Ferienhaus an einem See – werden die Entführer auf einer einsamen Landstraße von einem Beamten der überregionalen State Police kontrolliert, da Showalter aus Faulheit keine Überführungskennzeichen an dem Neuwagen montiert hat. Nach einem erfolglosen Bestechungsversuch durch Showalter erschießt Grimsrud kaltblütig den Polizisten und, nach einer kurzen Verfolgungsjagd, zwei Tatzeugen, die den Mord beobachtet hatten. Als leitende Polizeibeamtin des Städtchens Brainerd nimmt die hochschwangere Marge Gunderson am nächsten Morgen die Ermittlungen auf. Aus dem letzten Eintrag des ermordeten Polizisten ergibt sich eine erste Spur, die zu zwei Prostituierten führt, deren Dienste die Täter in Anspruch genommen hatten.
Der herrische Schwiegervater hält Lundegaard für unfähig und will das Lösegeld selbst übergeben. Damit durchkreuzt er Lundegaards Plan, den beiden Entführern den Großteil des Lösegeldes vorzuenthalten. Auch provoziert er mit seinem fordernden Auftreten am Übergabeort, einem Parkhaus, den Entführer Showalter, und es kommt zu einem Schusswechsel, bei dem der Schwiegervater tödlich getroffen wird. Der seinerseits im Gesicht verletzte Showalter ermordet auf der Flucht einen Parkwächter und stellt fest, dass der Geldkoffer eine ganze Million enthält. Unterwegs versteckt er den unerwarteten Mehrerlös vor seinem Komplizen in einer notdürftig markierten Schneewehe.
Marge Gunderson hat mittlerweile die Spur der Mörder über deren Verbindung zu dem Mechaniker Proudfoot und über den benutzten Wagen zum Autohaus zurückverfolgt und fordert vom störrischen Lundegaard eine Inventur seines Fahrzeugbestands, worauf dieser, nach einer längeren Diskussion mit der insistierenden Polizistin, Hals über Kopf flüchtet. Durch Hinweise eines Barkeepers wird die Polizei auf das Ferienhaus aufmerksam, in dem sich Showalter und Grimsrud versteckt halten. Dort hat Grimsrud inzwischen Lundegaards Frau ermordet, weil sie ihm auf die Nerven ging. Danach tötet er auch Showalter im Streit um die Aufteilung der Beute. Grimsrud wird bei der Leichenentsorgung per Gartenschredder von Gunderson überrascht, bei einem Fluchtversuch angeschossen und festgenommen. Lundegaard, welcher sich inzwischen unter falschem Namen im benachbarten Bundesstaat North Dakota versteckt, wird von der dortigen Polizei in einem Motel außerhalb der Hauptstadt Bismarck ausfindig gemacht und bei einem tollpatschigen Fluchtversuch verhaftet.
In der Schlussszene freuen sich Marge und ihr Mann auf das Baby, das in zwei Monaten zur Welt kommen soll.
Kritiken
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]| Quelle | Bewertung |
|---|---|
| Rotten Tomatoes (Tomatometer) | 94 %[2] |
| Metacritic (Metascore) | 88/100[3] |
| Prädikat der FBW | besonders wertvoll[4] |
| AllMovie | |
| CinemaScore | B+[6] |
| Lexikon des internationalen Films | |
| Roger Ebert | |
| They Shoot Pictures, Don’t They? | #269[9] |
Fargo gilt als Klassiker, was sich auch in den Auswertungen US-amerikanischer Aggregatoren widerspiegelt. So erfasst Rotten Tomatoes fast ausschließlich wohlwollende Besprechungen und ordnet den Film dementsprechend als „Verbrieft Frisch“ ein.[2] Metacritic ermittelt aus den vorliegenden Bewertungen „Einhelliges Lob“.[3] Es folgen einige repräsentative Pressestimmen:
„Ein spannender Thriller mit perfekt eingesetzten Zutaten des Genres, aber ebenso viel Gespür für Komik und Absurditäten. Darüber hinaus ein geradezu anrührendes Porträt von Land und Leuten.“
US-Starkritiker Roger Ebert zählte Fargo bereits bei Veröffentlichung zu „den besten Filmen, die er je gesehen hat“, und hob besonders die Darsteller hervor:
„Macy erschafft das unerträgliche Leid eines Mannes, der schnell denken muss und durcheinander ist vor lauter Angst, Schuldgefühl und der Wahnvorstellung, er könne dieses Ding immer noch irgendwie durchziehen. […] Frances McDormand sollte sich eine Oscar-Nominierung mit diesem Auftritt sichern, der in jedem einzelnen Moment aufrichtig ist und doch, heimlich, leise, insgesamt überlebensgroß.“
„Fargo ist ein Heimatfilm nach allen Regeln der Kunst, eine Huldigung an die Provinzialität dieses ,skandinavischen‘ Mittelwestens […] Nie haben die Coen-Brüder eine Geschichte (von der sie heimtückischerweise behaupten, daß sie eine wahre und aktenkundige sei) so detailreich, so lakonisch, so liebevoll und so wenig von oben herab erzählt, auch so entspannt, ja so menschenfreundlich.“
Auszeichnungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Beste Hauptdarstellerin: Frances McDormand
- Bestes Originaldrehbuch: Joel Coen und Ethan Coen
- Nominierungen:
- Bester Film
- Beste Regie: Joel Coen
- Bester Nebendarsteller: William H. Macy
- Beste Kamera: Roger Deakins
- Bester Schnitt: Roderick Jaynes (Pseudonym für Joel und Ethan Coen)
Internationale Filmfestspiele von Cannes 1996
- Beste Regie: Joel Coen
- David Lean Award für die beste Regie: Joel Coen
Nominierungen bei den Golden Globes 1997
- Bester Film – Musical oder Komödie
- Bester Regisseur (Spielfilm): Joel Coen
- Beste Darstellerin – Musical oder Komödie: Frances McDormand
- Bestes Drehbuch (Spielfilm): Joel und Ethan Coen
Weitere
- New York Film Critics Circle – Bester Film
- National Board of Review – Beste Hauptdarstellerin: Frances McDormand
- National Board of Review – Beste Regie: Joel Coen
- Screen Actors Guild Award – Beste Hauptdarstellerin: Frances McDormand
- Writers Guild of America – Bestes Drehbuch: Joel und Ethan Coen
- Independent Spirit Award – Bester Film
- Chicago Film Critics Association Award für das beste Drehbuch
- Nominierung für die Goldene Palme
Fargo belegt Platz 84 in der 1998 vom American Film Institute veröffentlichten Liste der 100 besten amerikanischen Filme und wurde 2006 in das National Film Registry aufgenommen. Insgesamt zählt ihn They Shoot Pictures, Don’t They? zu den angesehensten Werken der Filmgeschichte.[9] Außerdem setzen die Nutzer der Filmdatenbank IMDb Fargo auf Platz 177 ihrer Top 250 beliebtesten Filme.[11]
Entstehung und Veröffentlichung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Die titelgebende Stadt Fargo (North Dakota) kommt nur zu Filmbeginn kurz vor. Der größte Teil der Handlung spielt im benachbarten US-Bundesstaat Minnesota, aus dem auch die Coen-Brüder stammen.
- Vor der Einfahrt in die Stadt Brainerd steht im Film eine große Statue Paul Bunyans. Diese Szene wurde jedoch in Bathgate, North Dakota, gedreht.
- Der Leihwagen, den das Entführerduo fährt, ist ein Oldsmobile Cutlass Ciera.
- In einer Einblendung am Anfang des Films wird behauptet: „Dies ist eine wahre Geschichte. Die in diesem Film dargestellten Ereignisse beruhen auf einem Verbrechen, das im Jahr 1987 in Minnesota geschah. Auf Wunsch der Überlebenden wurden die Namen geändert. Aus Respekt vor den Toten wurde der Rest der Geschichte genau so erzählt, wie sie sich zugetragen hat.“ Nach Recherchen von Journalisten gaben die Coen-Brüder in einem Interview jedoch zu, dass es sich dabei um einen Scherz handelte. Der aufmerksame Zuschauer konnte allerdings bereits im Abspann lesen: „Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen sind nicht beabsichtigt …“
- Die Schauspielerin Kristin Rudrüd (Jean Lundegaard) wurde in Fargo geboren.
- Am Eröffnungswochenende spielte Fargo über 730.000 US-Dollar in den Vereinigten Staaten ein. Der Film kommt auf weltweite Einnahmen von 60,6 Mio. Dollar (inflationsbereinigt: 121 Millionen), von denen 24,6 Mio. aus den USA kommen. Somit spielte er ein Vielfaches seines Budgets von 7 Mio. US-Dollar ein.[12]
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Fargo bei IMDb
- Fargo in der Online-Filmdatenbank
- Fargo in der Deutschen Synchronkartei
- Vergleich der Schnittfassungen Tele 5 ab 12 – FSK 16 von Fargo bei Schnittberichte.com
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Freigabebescheinigung für Fargo. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft, Mai 2005 (PDF; Prüfnummer: 76 019 DVD).
- ↑ a b Fargo. In: Rotten Tomatoes. Fandango, abgerufen am 15. Januar 2026 (englisch, aggregiert aus 109 Kritiken).
- ↑ a b Fargo. In: Metacritic. Abgerufen am 15. Januar 2026 (englisch, aggregiert aus 26 Kritiken).
- ↑ Jury-Begründung. In: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW). Abgerufen am 20. Dezember 2025.
- ↑ Mark Deming: Kritik zu Fargo ( vom 20. Oktober 2021 im Internet Archive) bei AllMovie (englisch)
- ↑ Datenbankabfrage bei cinemascore.com
- ↑ a b Fargo. In: Lexikon des internationalen Films. Filmdienst, abgerufen am 2. März 2017.
- ↑ a b Roger Ebert: Review. 8. Mai 1996, abgerufen am 2. September 2024 (englisch): „one of the best films I’ve ever seen[:] Macy creates the unbearable agony of a man who needs to think fast, and whose brain is scrambled with fear, guilt and the crazy illusion that he can somehow still pull this thing off. […] Frances McDormand should have a lock on an Academy Award nomination with this performance, which is true in every individual moment, and yet slyly, quietly, over the top in its cumulative effect.“
- ↑ a b The 1,000 Greatest Films (by Ranking). In: They Shoot Pictures, Don’t They? 2024, abgerufen am 2. September 2024 (englisch).
- ↑ Urs Jenny: Stehauffrau greift durch. In: Der Spiegel. Nr. 46, 1996, S. 203 (online).
- ↑ Top 250 Movies. In: IMDb. Amazon, abgerufen am 20. Dezember 2025 (Wertung









).
- ↑ Fargo. In: boxofficemojo.com. Box Office Mojo, abgerufen am 2. April 2024.
