O Brother, Where Art Thou? – Eine Mississippi-Odyssee

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Filmdaten
Deutscher Titel O Brother, Where Art Thou? – Eine Mississippi-Odyssee
Originaltitel O Brother, Where Art Thou?
Produktionsland Großbritannien
Frankreich
USA
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 2000
Länge 103 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie Joel Coen
Ethan Coen
Drehbuch Ethan Coen
Joel Coen
Produktion Ethan Coen
Musik T-Bone Burnett
Carter Burwell
Kamera Roger Deakins
Schnitt Joel und Ethan Coen (unter ihrem Pseudonym „Roderick Jaynes“)
Tricia Cooke
Besetzung

O Brother, Where Art Thou? – Eine Mississippi-Odyssee ist ein US-amerikanischer Kinofilm der Coen-Brüder aus dem Jahr 2000. Der Film spielt im ländlichen Mississippi des Jahres 1937 und ist teilweise an Homers berühmte Odyssee angelehnt.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Handlungsort ist der Staat Mississippi im Jahr 1937, in den Zeiten der Weltwirtschaftskrise. Im Vorspann wird die Odyssee von Homer als Inspirationsquelle des Films genannt. So zitiert der Film durch mehreren Figuren und Szenen Motive aus diesem Werk.

Der Film beginnt mit der Flucht der drei Sträflinge Ulysses Everett McGill, Pete Hogwallop und Delmar O’Donnell aus einer Gruppe von aneinandergeketteten Sträflingen (Chain Gang), die im Gleisbau eingesetzt sind. Das Ziel ihrer Flucht ist der Ort, an dem Everett die Beute seines letzten Raubzuges vergraben haben will. Doch Eile ist geboten, denn angeblich befindet sich das Versteck der Beute in einem Tal, das in vier Tagen durch den Staudamm des Arkabutla Lake geflutet werden soll. Die drei Gefährten beginnen ihre Flucht mithilfe eines blinden Eisenbahn-Draisinen-Fahrers, der seherische Fähigkeiten besitzt und ihnen einige Prophezeiungen macht: Auf ihrer Flucht würden sie einen Schatz finden, aber nicht den sie suchten. Die nächste Station der drei Entflohenen ist das Haus von Petes Cousin Wash. Der nimmt sie zunächst auf, verrät sie aber später für eine Belohnung an den bösartigen Sheriff Cooley (der sie durch den Film jagt wie Poseidon Odysseus und einen an Zerberus erinnernden Hund bei sich trägt). Nur durch die Hilfe des Sohnes von Wash gelingt dem Trio die Flucht vor dem Sheriff.

Die Reise entwickelt sich langsam zu einer abenteuerlichen Odyssee. Everett, Pete und Delmar begegnen dem schwarzen Blues-Gitarristen Tommy Johnson, der seine Seele nach eigenen Angaben an den Teufel verkauft hat. Bei der Radiostation von Mr. Lund stellen sich das Trio und Tommy als die „Soggy Bottom Boys“ vor. Für zehn Dollar spielen sie einen Song ein, der sich in kürzester Zeit zum Riesenhit in Mississippi entwickelt – was sie aber nicht erfahren, da sie ihre Flucht weiter fortsetzen. In der Nacht wird das Auto der Sträflinge von Polizisten entdeckt, daraufhin trennen sich die Wege von Tommy und dem Trio vorerst. Am nächsten Tag treffen die Sträflinge den bipolaren Bankräuber George „Babyface“ Nelson, der eine Bank überfällt und sie in der Nacht verläßt.

Tags drauf werden die Sträflinge an einem See von drei wunderschönen Sirenen verführt. Als Everett und Delmar wieder aufwachen, ist Pete verschwunden, nur seine Kleider und eine Kröte sind noch da. Delmar glaubt, dass die Sirenen Pete in die Kröte verwandelt haben und behandelt diese fortan mit äußerster Sorgfalt. Auf ihrer weiteren Reise treffen sie den den einäugigen Bibelverkäufer Big Dan, der an einen Zyklopen erinnert. Big Dan lädt Everett und Delmar unter einem Vorwand zu einem Picknick ein, beraubt sie dann und zerquetscht die Kröte.

Schließlich gelangt Everett, immer noch Delmar an seiner Seite, in sein Heimatdorf. Der versprochene „Schatz“ existiert gar nicht, sondern Everett ist einzig wegen seiner Ex-Frau Penny (eine Anspielung auf Penelope, die Frau des Odysseus) aus dem Gefängnis geflohen. Diese will er an ihrer bevorstehenden Heirat mit dem erfolgreichen Wahlkampfmanager Vernon T. Waldrip hindern. Später entdecken Everett und Delmar, dass Pete nicht in eine Kröte verwandelt wurde, sondern stattdessen von den Sirenen zum Sheriff gebracht wurde und nun erneut Gefangener ist. Sie schleichen sich in die Zelle von Pete und befreien ihn. Dass Everett sie unter falschem Vorwand zur Flucht überredet hat, sorgt kurz für heftige Misstimmungen zwischen Pete und Everett. Doch da stößt das Trio plötzlich auf eine Versammlung des Ku-Klux-Klans, die Tommy an den Galgen hängen wollen. Sie verkleiden sich als Klanmitglieder und können Tommy befreien, wobei Bibelverkäufer Big Dan – ein Mitglied des Klans – von einem brennenden Kreuz erschlagen wird.

In Mississippi steht die Wahl zum Gouverneur an, wobei es für den konservativen Amtsinhaber Menelaus Pappy O'Daniel schlecht aussieht. Gut läuft es dagegen für den als progressiv geltenden Gegenkandidaten Homer Stokes, bei dem es sich jedoch in Wahrheit um den Großmeister des Ku-Klux-Klans handelt. Bei einer Wahlkampfgala für Stokes verkleiden sich die drei Entflohenen und Tommy als Musiker, damit Everett die ebenfalls anwesende Penny zurückgewinnen kann. Die vier „Soggy Bottom Boys“ spielen dabei zur Euphorie des Publikums ihren Radiohit; nur Kandidat Stokes erkennt die Musiker als die wieder, die sein Treffen des Ku-Klux-Klans gestört hatten. Stokes lässt bösartige, rassistische Bemerkungen gegen die beliebten „Soggy Bottom Boys“ fallen; daraufhin wirft ihn die Menge aus dem Saal. Der beglückte Pappy O'Daniel, der nun keinen Gegner mehr zu fürchten braucht, begnadigt die Gefangenenen und nimmt sie in sein Wahlkampfteam auf. Penny will Everett nun erneut heiraten, falls er den Ring ihrer ersten Hochzeit finde.

Am nächsten Morgen suchen Everett, Pete, Delmar und Tommy nach dem Ring, der sich in einer Waldhütte befinden soll (Everett hatte zuvor behauptet, dass sich hier der Schatz befinde). Plötzlich taucht Sheriff Cooley mit seinen Leuten auf und will sie trotz Begnadigung allesamt hängen. Als Everett zu Gott betet, wird das Tal geflutet und es gelingt ihnen zu flüchten. Zwar hat Everett am Ende den falschen Ring mitgenommen, doch Penny verzeiht ihm, sodass er am Ende wieder mit seiner Frau und den sieben Kindern vereint ist.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anspielungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Titel („O Bruder, wo bist du?“) ist in Frühneuenglisch, wie es zu Zeiten Shakespeares gesprochen wurde, und eine Reverenz an Preston Sturges Filmklassiker Sullivans Reisen aus dem Jahr 1941. In dieser Komödie will ein Regisseur unter demselben Titel einen Film über die Große Depression drehen und wandert dafür ebenfalls durch Amerika.[1]

Die Frage „Wo bist du?“/„Where art thou?“ verweist wiederum wörtlich auf die Bibel. Im Garten Eden essen Adam und Eva verbotenerweise vom Baum der Erkenntnis und verbergen sich dann vor Gott. Der aber sucht sie und ruft nach Adam (1. Mose 3,9)[2]. Gleichzeitig spielt der Filmtitel auf die Frage Gottes an Kain nach dem Brudermord an: "Wo ist dein Bruder Abel?"/"Where is Abel thy brother?" (1. Mose 4,19).

Der Film spielt im Jahr 1937 und lässt zwei historische Persönlichkeiten vorkommen, den Bluesmusiker Tommy Johnson und den Gangster Babyface Nelson. Letzterer war 1937 jedoch bereits tot, er war 1934 an den Folgen eines Schusswechsel mit dem FBI gestorben. Die Figur des Menelaus Pappy O’Daniels ist nicht direkt historisch, aber zwei Gouverneuren nachempfunden: W. Lee O’Daniel, der 1938 in Texas mit Hilfe einer Radiosendung die Wahl gewann, und Jimmie Davis, Gouverneur von Louisiana, der das Lied You Are My Sunshine schrieb, das im Film auch die Erkennungsmelodie des Wahlkampfs ist.

Soundtrack[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Musik dient in diesem Film nicht nur der Untermalung. Angefangen bei den Worksongs der Sträflinge zu Beginn des Films über das Zusammentreffen mit dem Bluesmusiker Tommy Johnson bis hin zum Auftritt der Flüchtigen als „Soggy Bottom Boys“ bei einer Wahlkampfveranstaltung trägt die Musik wesentliche Teile der Handlung und vermittelt einen Eindruck der wichtigsten Musikstile im ländlichen Süden der USA in den 1930er Jahren (Blues, Bluegrass und andere frühe Country-Musik, genannt Hillbilly).

Hauptdarsteller George Clooney singt Man of Constant Sorrow, den Erfolgshit der „Soggy Bottom Boys“, im Film nicht selbst; die Gesangsstimme lieh ihm Dan Tyminski,[3] ein Mitglied der Band Union Station. Eine andere Version dieses Traditionals wurde bereits 1951 von den Stanley Brothers veröffentlicht. Am Soundtrack beteiligt war auch die Bluegrass-Musikerin Alison Krauss mit Down to the River to Pray, a cappella gesungen in Begleitung eines Chores. Krauss übernahm ebenfalls einen kleinen Gastauftritt im Film als Schallplatten-Kundin.

Der Produzent des Soundtracks, der bei Lost Highway erschien, sich mehr als fünf Millionen Mal verkaufte und mit drei Grammys ausgezeichnet wurde, war T-Bone Burnett.

Deutsche Synchronisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die deutschsprachige Synchronfassung entstand 2000 zur deutschen Kinopremiere unter Dialogregie von Sven Hasper, der ebenfalls das Dialogbuch verfasste.[4]

Rolle Schauspieler Dt. Synchronsprecher
Ulysses Everett McGill George Clooney Detlef Bierstedt
Pete Hogwallop John Turturro Stefan Fredrich
Delmar O'Donnell Tim Blake Nelson Joachim Tennstedt
Penny Holly Hunter Cornelia Meinhardt
Big Dan Teague John Goodman Klaus Sonnenschein
Tommy Johnson Chris Thomas King Kim Hasper
Gouverneur Pappy O'Daniel Charles Durning Hans Teuscher
Kandidat Homer Stokes Wayne Duvall Hans-Werner Bussinger
George „Babyface“ Nelson Michael Badalucco Tobias Meister
Sheriff Cooley Daniel von Bargen Frank Glaubrecht
Vernon T. Waldrip, Pennys Verlobter Ray McKinnon Udo Schenk
Mr. Lund, Radiostationsbesitzer Stephen Root Andreas Mannkopff
Wash Hogwallop, Petes Cousin Frank Collison Erich Räuker
der blinde Seher Lee Weaver Michael Chevalier
der „Kleine Mann“ Ed Gale Santiago Ziesmer
Junior O'Daniel, Pappys Sohn Del Pentecost Timmo Niesner
Pappys 1. Wahlkampfmanager J. R. Horne Friedrich G. Beckhaus
Pappys 2. Wahlkampfmanager Brian Reddy Kaspar Eichel

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quelle Bewertung
Rotten Tomatoes
Kritiker [5]
Publikum [5]
Metacritic
Kritiker [6]
Publikum [6]
IMDb [7]

O Brother, Where Art Thou? wurde bei Kritikern zum großen Teil mit positiven Kritiken aufgenommen.

„Ein auf den ersten Blick minimalistischer Film, der jedoch viele Referenzmöglichkeiten erschließt und seine Wurzeln in der Bibel, der antiken Poetik und der amerikanischen Kulturgeschichte offenbart. Ein im positiven Sinne postmoderner Film, der seine Chiffren und Zeichen geschickt zu setzen versteht.“

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

O Brother, Where Art Thou? war 2001 für den Golden Globe Award in der Kategorie Bester Film (Musical/Komödie) nominiert, der aber an Cameron Crowes Almost Famous – Fast berühmt ging. George Clooney erhielt für seine Rolle den Golden Globe als Bester Hauptdarsteller. Außerdem waren Kameramann Roger Deakins für die beste Kamera und die Coen-Brüder für das beste adaptierte Drehbuch bei der Oscarverleihung 2001 nominiert.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Artikel über "Sullivan's Travels" beim New Yorker
  2. Bibelzitat
  3. IMDb Trivia
  4. Deutsche Synchronkartei
  5. a b [1] bei Rotten Tomatoes, abgerufen am 2. März 2015
  6. a b [2] bei Metacritic, abgerufen am 2. März 2015
  7. O Brother, Where Art Thou? – Eine Mississippi-Odyssee in der Internet Movie Database (englisch)
  8. O Brother, Where Art Thou? – Eine Mississippi-Odyssee. In: Lexikon des internationalen Films. Zweitausendeins, abgerufen am 2. März 2017.