Fei Junlong

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Fei Junlong
Fei Junlong
Land: China VolksrepublikVolksrepublik China Volksrepublik China
Organisation: Raumfahrerkorps der Volksbefreiungsarmee
ausgewählt am Januar 1998
Einsätze: 1 Raumflug
Start: 12. Oktober 2005
Landung: 17. Oktober 2005
Zeit im Weltraum: 4d 19h 32min
Raumflüge

Fei Junlong (chinesisch 費俊龍 / 费俊龙, Pinyin Fèi Jùnlóng; * 11. Mai 1965 in Kunshan, Provinz Jiangsu) ist ein chinesischer Kampfpilot und Raumfahrer. Er startete am 12. Oktober 2005 zusammen mit Nie Haisheng bei der Mission Shenzhou 6 in den Weltraum. Diese Mission war der zweite bemannte und der erste mehrtägige Weltraumflug Chinas. Seit Februar 2014 ist Fei Junlong stellvertretender Direktor des Chinesischen Raumfahrer-Ausbildungszentrums.

Jugend und Dienst bei der Luftwaffe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fei Junlong wurde am 11. Mai 1965 in dem nach seinem Clan benannten natürlichen Dorf Feijiabin (费家浜自然村) auf dem Gebiet des heutigen Verwaltungsdorfs Yangchenghu (阳澄湖村) im Osten der Großgemeinde Bacheng (巴城镇) in Kunshan, Provinz Jiangsu,[1] als drittes Kind – er hat noch zwei ältere Schwestern – einer alteingesessenen Bauernfamilie geboren. Fei Junlong träumte wie viele Jungen jener Zeit nicht davon, eines Tages in der Volkskommune mitzuarbeiten, sondern zur Volksbefreiungsarmee zu gehen. Er las die entsprechenden Comics, sah im Kino mit Vorliebe Kriegsfilme.[2] Fei Junlong besuchte das Gymnasium Bacheng (巴城中学), das ehemalige 6. Kreisgymnasium von Kunshan, das am 11. Februar 2006 zu seinen Ehren in „Fei-Junlong-Gymnasium Kunshan“ (昆山市费俊龙中学) umbenannt wurde.[3] Im Frühjahr 1982, er stand gerade kurz vor dem Abitur, rekrutierten die Luftstreitkräfte der Volksrepublik China im damaligen Kreis Kunshan Piloten. Ohne das vorher mit seinen Eltern zu besprechen, meldete sich Fei Junlong.[4] Erst als er von der medizinischen Untersuchung wegen der dort durchgeführten Pupillenerweiterung mit einer Sonnenbrille nach Hause kam, gab er auf wiederholtes Nachfragen seine Berufswahl zu. Seine Eltern – er war noch nicht volljährig – stellten sich dem dann auch nicht in den Weg.[2]

Im Juni 1982 trat Fei Junlong nach dem Abitur in die Volksbefreiungsarmee ein.[1] Genauso wie viele seiner späteren Raumfahrerkollegen kam er zunächst an die 1. Grundausbildungsschule der Luftwaffe in Changchun.[5] Nach dem Abschluss der Grundausbildung wechselte er 1984 für eine Strahlflugzeugführerausbildung (Abfangjäger und Erdkampfflugzeuge) an die 5. Luftwaffenschule in Wuwei (中国人民解放军空军第五航空学校),[6][7] die er im Sommer 1985 mit der vollen Punktzahl abschloss.[1] Er hatte ursprünglich ein Angebot, im Stabsdienst bei der im August 1985 beginnenden Abwicklung der 9. Luftwaffenschule in Laohekou mitzuarbeiten. Am Vorabend der Abschlussurkundenverleihung überredete ihn jedoch die Führung der 5. Luftwaffenschule, als Ausbilder in Wuwei zu bleiben. Fei Junlong blieb dann bis zu seinem Eintritt in das Raumfahrerkorps an der im Juli 1986 in „5. Pilotenakademie“ (第五飞行学院) umbenannten Schule Ausbilder für Erdzielbekämpfung.[2] Zwei der Piloten aus dem letzten Jahrgang, den er auf dem zweisitzigen Unterschall-Kampfschulflugzeug Chengdu JJ-5 (歼教五) ausbildete, wurden aufgrund ihrer hervorragenden Prüfungsergebnisse ebenfalls als Ausbilder übernommen.[4] Fei Junlong selbst absolvierte 1790 unfallfreie Flugstunden, wofür ihm das Tätigkeitsabzeichen Militärluftfahrzeugführer der Stufe I verliehen wurde.[8]

Dienst im Raumfahrerkorps[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1988 lernte Fei Junlong auf einem Heimaturlaub seine spätere Frau kennen, die Pekinger Statistikerin Wang Jie (王洁, *1966), die gerade ihre Großmutter mütterlicherseits in Suzhou besuchte. Wang Jies Vater war bei der Chinesischen Akademie für Trägerraketentechnologie an der Entwicklung der Changzheng-Raketen beteiligt.[9] In jenem Jahr fiel ihm ein Zeitungsartikel in die Hände, wo Neil Armstrong mit dem Satz zitiert wurde, dass er zwar der erste Mann war, der den Mond betreten hatte, aber die erste Frau, die zum Mond geflogen wäre, wäre eine schöne Chinesin namens Chang’e gewesen. Dies weckte sein Interesse an der Raumfahrt, womit er der einzige unter den frühen Mitgliedern des Raumfahrerkorps der Volksbefreiungsarmee war, der sich schon vor 1995 stärker für dieses Gebiet interessierte. Fei Junlong pflegte zur Entspannung nach den nervlich stark belastenden Ausbildungsflügen Zigaretten zu rauchen, aber als sich Ende 1995 unter den Luftwaffenpiloten herumgesprochen hatte, dass Raumfahrerkandidaten ausgewählt würden, hörte er auf Anraten seiner Frau – er und Wang Jie hatten 1990 geheiratet, ihr Sohn Fei Di (费迪) wurde 1992 geboren – sofort mit dem Rauchen auf.[2]

Im Frühsommer 1996 erhielt er als einer von gut 800 zunächst nach Aktenlage ausgewählten Kandidaten die Benachrichtigung, dass er für das bemannte Raumfahrtprogramm der Volksrepublik China ins Auge gefasst worden wäre und sich im Luftwaffensanatorium Jiujiang in Lushan (空军九江疗养院) für eine erste medizinische Untersuchung einzufinden hätte.[10] Sein Schwiegervater, der sich über die Gefahren der Raumfahrt völlig im Klaren war – im Januar 1995 und im Februar 1996 waren bei fehlgeschlagenen Satellitenstarts auf dem Kosmodrom Xichang zahlreiche Menschen ums Leben gekommen – riet ihm, den Gestellungsbefehl abzulehnen, seine Frau unterstützte ihn jedoch.[9] Fei Junlong selbst hatte nie den geringsten Zweifel.

Für die nächste Auswahlrunde musste er sich zunächst ins Hauptkrankenhaus der Luftwaffe in Peking (军空军总医院) begeben.[11] Die abschließenden, raumfahrtspezifischen Tests mit Zentrifuge, Unterdruckkammer etc. fanden im Forschungsinstitut für Raumfahrtmedizin und -technik statt, dem heutigen Raumfahrer-Ausbildungszentrum. Am 5. Januar 1998 wurde Fei Junlong als einer von 14 Raumfahrerkandidaten in das Raumfahrerkorps der Volksbefreiungsarmee aufgenommen.[2] Während der Vorbereitungen für den ersten bemannten Raumflug Chinas, Shenzhou 5, wurde er für die Liste der letzten fünf Kandidaten ausgewählt, schaffte es dann aber nicht in die weiter ausgesiebte Drei-Mann-Staffel. Die Raumfahrer hatten sich alle schon psychisch auf eine Ablehnung vorbereitet, nichtsdestotrotz fühlte er sich nach der Bekanntgabe des Ergebnisses wie ein Verlierer. Fei Junlong erholte sich jedoch schnell wieder von seinen Depressionen, und als Yang Liwei am 15. Oktober 2003 ins All abhob, verspürte er bedingungslosen patriotischen Stolz.[4]

Gleich nach der Rückkehr von Yang Liwei wurden die 14 Männer des Raumfahrerkorps in sieben Zweiergruppen eingeteilt, die immer gemeinsam für die folgende Mission trainierten. Hierbei ging es nicht nur um körperliche Fitness – 80 Sekunden in der Zentrifuge bei 4 g, 60 Sekunden bei 6 g, dann Steigerung bis 8 g – sondern vor allem auch um Teamfähigkeit; die jeweils zwei Raumfahrer mussten Aufgaben immer gemeinsam lösen.[12] Da die Mission Shenzhou 6, anders als Yang Liweis 21-stündiger Flug, mehrere Tage dauern sollte, mussten die Kandidaten fünf Tage lang auf dem Rücken mit ausgestreckten Beinen auf einem Bett liegen, das so eingestellt war, dass die Beine höher positioniert waren als der Kopf, etwas, das ihnen bei der Vorbereitung für Chinas ersten bemannten Raumflug noch erspart geblieben war.[2]

Fei Junlong und sein Partner Nie Haisheng lagen bei dem im Januar 2005 beginnenden Selektionsprozess immer an erster Stelle und hoben am 12. Oktober 2005 bei Schneefall bis kurz vor dem Start vom Kosmodrom Jiuquan ab.[4] Eine der Aufgaben bei dieser Mission war es, die Stabilität des Shenzhou-Raumschiffs zu prüfen, wenn sich die Raumfahrer zwischen Rückkehrmodul und Orbitalmodul hin- und herbewegten und dabei Luken geöffnet und geschlossen wurden. Fei Junlong, der Ähnliches auf Fernsehbildern von der ISS gesehen hatte, machte einen vierfachen Salto, um die ruhige Lage des Raumschiffs zu demonstrieren.[2]

Im April 2009 löste Fei Junlong, damals noch Großoberst, Generalmajor Shen Xingyun (申行运, * 1952), der selbst kein Raumfahrer war, als Kommandant des Raumfahrerkorps ab.[13] Ähnlich wie sein Amtsvorgänger bei der ersten Auswahlgruppe war es nun seine Aufgabe, den Selektionsprozess der nächsten Generation von Raumfahrern zu organisieren,[14] die am 7. Mai 2010 in das Raumfahrerkorps der Volksbefreiungsarmee aufgenommen wurden. Bekanntestes Mitglied jener Gruppe ist die damalige Majorin Liu Yang, die 2012 bei der Mission Shenzhou 9 Chinas erste Frau im Weltall wurde.

Fei Junlong wurde im Juni 2011 zum Generalmajor befördert[15] und wurde im Februar 2014 zusätzlich zu seiner Funktion als Kommandant des Raumfahrerkorps zum stellvertretenden Direktor des Chinesischen Raumfahrer-Ausbildungszentrums ernannt. Dort ist nun seine Aufgabe die Planung des Trainingsprogramms der Raumfahrer. Da er formal immer noch aktiver Raumfahrer ist,[16] nimmt er selbst an allen Übungseinheiten teil.[4] Im Februar 2016 löste ihn Nie Haisheng als Kommandant des Raumfahrerkorps ab.[17]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fei Junlong ist seit Mai 1985 Mitglied der Kommunistischen Partei Chinas.[18] Am 28. Juni 2006 wurde auch sein Vater Fei Changbao (费长宝, * 1936), der 1973 zunächst als Mitglied abgelehnt worden war, nach einjähriger Kandidatenzeit in die Partei aufgenommen.[19]

Am 15. Dezember 2005 wurde der Asteroid des mittleren Hauptgürtels (9512) Feijunlong nach ihm benannt.[20]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c 费俊龙. In: aihangtian.com. 19. Februar 2015, abgerufen am 15. März 2021 (chinesisch).
  2. a b c d e f g 李璐: 费俊龙:在征服宇宙的大军里. In: shangdu.com. 28. Januar 2018, abgerufen am 15. März 2021 (chinesisch).
  3. 昆山市费俊龙初级中学详细介绍. In: yidianedu.com. Abgerufen am 15. März 2021 (chinesisch).
  4. a b c d e 费俊龙: 我在太空连做4个“前滚翻”. In: xinhuanet.com. 22. Januar 2018, abgerufen am 15. März 2021 (chinesisch).
  5. Mark Wade: Fei Junlong in der Encyclopedia Astronautica (englisch)
  6. 孙娜: 飞行学院介绍:空军第五飞行学院. In: mod.gov.cn. 9. September 2009, abgerufen am 15. März 2021 (chinesisch).
  7. 洪亚男: 盼费俊龙明年到泉州. In: ent.sina.com.cn. 16. Oktober 2005, abgerufen am 15. März 2021 (chinesisch).
  8. 费俊龙. In: chinanews.com. 30. Mai 2013, abgerufen am 16. März 2021 (chinesisch).
  9. a b 吴晓红: 揭秘“神六”她力量. In: news.sina.com.cn. 20. Oktober 2005, abgerufen am 16. März 2021 (chinesisch).
  10. 空军九江疗养院. In: daoyi.cn. Abgerufen am 16. März 2021 (chinesisch).
  11. 空军总医院简介. In: kj-hospital.com. Abgerufen am 16. März 2021 (chinesisch).
  12. 秦宪安: 航天员费俊龙和爱人王洁儿子费迪的合影. In: news.sina.com.cn. 12. Oktober 2005, abgerufen am 16. März 2021 (chinesisch). Zur Einordnung: die Fliehkraft bei anspruchsvollen Luftkampfmanövern beträgt 8 g, die Bremskraft beim ersten Eintritt in die Atmosphäre nach einer Rückkehr vom Mond etwas über 7 g.
  13. 郑国锋: 中国航天员大队首任大队长申行运:刘洋是中国的“捷列什科娃”. In: news.sina.com.cn. 26. Juni 2012, abgerufen am 17. März 2021 (chinesisch).
  14. 航天员选拔,全国范围万里挑一,胖了不行,瘦了不要. In: sohu.com. 11. Juni 2018, abgerufen am 17. März 2021 (chinesisch).
  15. 赵竹青: 中国少将航天员已增至3人 聂海胜忆求学经历. In: news.sina.com.cn. 10. September 2011, abgerufen am 17. März 2021 (chinesisch).
  16. 张琦: 航天员费俊龙. In: cmse.gov.cn. 14. September 2015, abgerufen am 27. Februar 2021 (chinesisch).
  17. 张莹: 13年间中国有10位航天员“飞天”,至少6位都成了少将. In: thepaper.cn. 16. Oktober 2016, abgerufen am 17. März 2021 (chinesisch).
  18. 费俊龙. In: scitech.people.com.cn. Abgerufen am 17. März 2021 (chinesisch).
  19. 费俊龙之父古稀之年入党. In: news.sina.com.cn. 1. Juli 2006, abgerufen am 17. März 2021 (chinesisch).
  20. Ryan S. Park: 9512 Feijunlong (1966 CM). In: ssd.jpl.nasa.gov. 22. März 2006, abgerufen am 17. März 2021 (englisch).