Raumfahrt der Volksrepublik China

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Modelle des Raumschiffes Shenzhou 7 und der Trägerrakete CZ-5 im Nationalen Industriepark für Zivile Raumfahrt in Xi’an

Die Raumfahrt der Volksrepublik China als nationales Raumfahrtprogramm begann 1956 mit der Gründung eines militärischen Forschungsinstituts, das sich zum Ministry of Aerospace Industry entwickelte. Dieses wurde 1993 aufgeteilt in die Weltraumbehörde China National Space Administration (CNSA) und deren Hauptauftragnehmer, die staatliche China Aerospace Science and Technology Corporation. Seit 2014 wird private Raumfahrt gefördert.[1]

Leistungsfähige Höhenforschungsraketen wurden ab 1960 gestartet, der erste chinesische Erdsatellit im April 1970. Weitere Höhepunkte waren 1990 der erste Kommunikationssatellit AsiaSat-1, 2003 die ersten Taikonauten und 2007 der Mondorbiter Chang’e-1 als erster Erfolg des Mondprogramms, das einen Schwerpunkt der chinesischen Raumforschung bildet. Eine erste kleine Raumstation wurde 2011 ins All gebracht.

Geschichte der chinesischen Raumfahrt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zeichnung einer CZ-2F-Rakete (Langer Marsch)

Seit den 1960er Jahren entwickelt die Volksrepublik China eigene Trägerraketen, die meisten Modelle sind unter dem Namen Chang Zheng (Abk. CZ, dt. Langer Marsch, LM) bekannt. Diese werden neben dem Transport von Satelliten auch für das bemannte Raumfahrtprogramm benutzt. Auslöser für den eigenen Weg war der Bruch zwischen Volksrepublik China und der UdSSR durch Mao Zedong. Bis zu diesem Zeitpunkt erhielt China die Raketen von der UdSSR.

Als eigentliche Geburtsstunde der chinesischen Raumfahrt gilt der 8. Oktober 1956. An diesem Tag wurde das „Raketenforschungsinstitut Nr. 5“ gegründet. Es war dem Verteidigungsministerium unterstellt, zehn Forschungsinstitute waren angegliedert. Wichtigste Personen waren die beiden Wissenschaftler Qian Xuesen und Ren Xinmin, die in den 1940er Jahren im Jet Propulsion Laboratory in Pasadena, USA, gearbeitet hatten.[2]

Am 19. Februar 1960 startete die erste chinesische flüssigkeitsbetriebene Höhenforschungsrakete des Typs „T-7M“ vom Raketenstartplatz Guangde. Seit dem Jahr 1968 gab es auch Pläne für ein bemanntes Weltraumprogramm. Das Shuguang-Raumschiff sollte ursprünglich zwei Astronauten in den Weltraum transportieren, doch politische und ökonomische Gründe ließen das Projekt 714, wie es offiziell hieß, scheitern.

Im Rahmen des „Projekts 651“ erfolgte am 24. April 1970 der erste chinesische Satellitenstart. Mit einer Rakete des Typs CZ-1 wurde der Experimentalsatellit Dong Fang Hong I vom Kosmodrom Jiuquan in den Weltraum transportiert. 1975 gelang es erstmals, eine Nutzlast wieder auf die Erde zurückzuholen. Eine neue Rakete des Typs CZ-2C startete am 26. November des Jahres zu dieser Mission. Damals war diese Fähigkeit militärisch von Bedeutung, konnte man doch so Filmkassetten mit strategisch wichtigen Aufnahmen zurückholen und auswerten.

1980 wurden Pläne für eine bemannte Raumfahrt vorerst eingestellt. Hans-Georg Urbin, Fulda, spricht in seinem Aufsatz „Das Shenzhou-Programm“ von verschiedenen Gründen, ohne sie aber näher auszuführen.

Seit 1988 werden Wettersatelliten der Reihe Fengyun in geosynchrone oder in polare, sonnensynchrone Umlaufbahnen gebracht. Bekannt wurde die Serie durch einen erfolg- und folgenreichen chinesischen Antisatellitenraketentest.

Am 7. April 1990 erfolgte mit dem Start des Satelliten AsiaSat-1 der erste kommerzielle Satellitenstart. Er erfolgte vom Startzentrum Xichang aus mit einer Trägerrakete des Typs CZ-3.

1993 wurde die chinesische Raumfahrtagentur CNSA gegründet, ein Jahr vorher fiel der Startschuss für das Projekt „921-1“, das den Start eines bemannten Raumschiffs vorsah. Daraus entstanden die Raumschiffe der Shenzhou-Reihe.

Im Jahr 1996 ereignete sich ein Fehlstart einer Rakete des Typs „CZ-3B“ mit einem Intelsat-Satelliten, als die Rakete kurz nach dem Start in einem nahegelegenen Dorf einschlug. Wahrscheinlich sind viele Menschen bei der Explosion des Raketentreibstoffs ums Leben gekommen. Viele internationale Kunden sahen danach von weiteren Buchungen ab.

Die leichte Trägerrakete KT-1 erlitt 2002 und 2003 zwei Fehlstarts.

Am 15. Oktober 2003 schaffte es China zum ersten Mal mit eigenen Kräften, einen Menschen in den Weltraum zu transportieren. An Bord von Shenzhou 5, die an diesem Tag startete, befand sich Yang Liwei, der einen 21-stündigen Flug absolvierte. Der zweite bemannte Raumflug Shenzhou 6 erfolgte am 12. Oktober 2005, diesmal flogen erstmals zwei Raumfahrer mit, der Start wurde erstmals live im Staatsfernsehen übertragen. Am 25. September 2008 startete Shenzhou 7 mit drei Taikonauten, wobei der erste chinesische Weltraumausstieg durchgeführt wurde.

Seit 2006 werden Fernerkundungssatelliten, Yaogan Weixing, gestartet.

Am 27. Oktober 2007 schickte die Volksrepublik China mit Chang’e 1 erstmals eine eigene Sonde zum Mond, die diesen aus einer Umlaufbahn monatelang untersuchte.[3][4][5] Die Folgemission Chang’e 2 fertigte Aufnahmen der gesamten Mondoberfläche in hoher Auflösung an,[6][7][8] flog anschließend für Sonnenwindmessungen und bahnmechanische Tests zum Lagrange-Punkt 2 des Sonne-Erde-Systems[9] und verließ diesen Punkt im April 2012 für ein Rendezvous mit dem Asteroiden Toutatis, von dem Bilder zur Erde übermittelt wurden.[10][11] Chang’e 3 landete am 14. Dezember 2013 im Mare Imbrium auf der Mondoberfläche.[12][13][14] Das mitgeführte Fahrzeug Yutu legte etwa 100 Meter auf der Oberfläche des Erdtrabanten zurück.[15] Im Oktober 2014 gelang die Rückführung einer Landekapsel nach einem Vorbeiflug hinter dem Mond, eine Vorabmission zu einer für 2018 geplanten Bodenprobenrückführung vom Mond.

2008 bis 2012 wurden drei Relais-Satelliten Tianlian geostationär platziert, um die Kommunikation vor allem mit den bemannten Raumschiffen durchgängig zu ermöglichen.

Am 29. September 2011 startete die kleine Raumstation Tiangong 1,[16] die arbeitete, bis der Kontakt am 16. März 2016 verloren ging. Sie war Ziel der Raumschiffe Shenzhou 8,[17][18] 9[19][20] und 10.[21][22][23] Dabei gelangen insgesamt 5 Kopplungen, eine Vielzahl von Bahnkorrekturen sowie der mehrtägige Aufenthalt von zwei dreiköpfigen Besatzungen, zu denen jeweils eine Frau gehörte.

Am 25. September 2013 startete China mit der Kuaizhou-1 erstmals eine Raumfahrtträgerrakete, deren Stufen ausschließlich feste Treibstoffe enthielten (Feststoffrakete).[24]

Chinesische Raumflüge zwischen 1970 und 2012 (blau: Erfolg, rot: Störung).

Weltraumbahnhöfe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Raumfahrt der Volksrepublik China (China)
Jiuquan
Jiuquan
Taiyuan
Taiyuan
Xichang
Xichang
Wenchang
Wenchang
Startplätze in der Volksrepublik China

Gegenwärtig werden vier Startzentren für Trägerraketen der unterschiedlichen Versionen vom Typ Langer Marsch verwendet:

Aktuelle und zukünftige Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Raketenentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zurzeit entwickelt die Volksrepublik China die teilweise wiederverwendbare Trägerrakete Langer Marsch 8, eine Rakete mit einer Nutzlast von 7,6 Tonnen

Programm zur Erforschung des Mondes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chang’e-1, die erste chinesische Mondsonde

Das Programm der CNSA zur Erforschung des Mondes besteht aus mehreren Phasen:

  • Phase 1: Zuerst erfolgte die Entsendung der unbemannten Sonde Chang’e-1 in die Mondumlaufbahn. Der Start fand am 24. Oktober 2007 statt. Die Aufgabe der Sonde war eine Orbiter-Mission, dabei wurden Daten von der Oberfläche gewonnen. Eine zweite Sonde Chang’e-2 war als Orbiter unterwegs, verließ dann aber den Mond, um am Lagrangepunkt L2 zu verweilen, sie untersuchte anschließend (4179) Toutatis. Seither wird die Sonde im tiefen Raum betrieben und soll die Trackingfähigkeiten des Chinesischen Deep-Space-Netzwerk ausloten.
  • Phase 2: 2013 landete die Sonde Chang’e-3 auf der Mondoberfläche. An Bord war Jadehase, ein Mondfahrzeug. Der Lander unternahm Experimente auf der Mondoberfläche, die Umgebungsbedingungen und das Mondgestein wurden analysiert. Der wichtigste Teil der Mission war aber die erstmalige Realisierung einer Landung auf der Mondoberfläche und die wissenschaftliche Erforschung. Im Juli 2006 arbeiteten ungefähr 20 Universitäten und Institutionen am Design des Mondrovers.[25]
  • Phase 3: Vorbereitend für die dritte Phase flog die Sonde Chang’e 5-T1 einmal um den Mond und trat anschließend wieder in die Erdatmosphäre ein. Ende 2020 will man die Mission Chang’e 5 durchführen, die Gesteinsproben auf dem Mond einsammelt und sie zur Erde zurückbringt.[26] Diese Mission wird Daten für einen möglichen Standort einer bemannten Mondstation genauer ermitteln. Sollte es gelingen Kernfusionsreaktoren für die Deuterium-Tritium-Fusion zu entwickeln, könnte die Gewinnung von Helium-3 vom Mond wirtschaftlich interessant werden. Gemessen am gegenwärtigen Energiebedarf der Volksrepublik China würde dies jährlich 3 Tonnen Helium-3 als Fusionstreibstoff entsprechen.[27]

Gemäß einer Aussage von Ouyang Ziyuan, dem damaligen Chef-Wissenschaftler des Mondsondenprojekts, vom August 2005 wird die Volksrepublik China verschiedene Projekte in den Bereichen Materialforschung, Dynamik, Rotation, Astronomie und anderen durchführen. Weiterhin hat China einige Szenarien für kommende Mondflüge entwickelt, die mit verschiedenen Apparaten für ein Mondradar und im Infrarotspektrum arbeiten sollen.

Programm zur Erforschung des Sonnensystems[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zum Jahr 2030 sind vier Missionen zur Erforschung des Sonnensystems konkret geplant. Bereits beschlossen ist Tianwen-1, eine Kombination aus Orbiter, Lander und Rover für den Mars, die Ende Juli/Anfang August 2020 starten soll. Die Landung auf der Marsoberfläche ist für Frühjahr 2021 vorgesehen,[28] spätestens für den 23. Juli 2021, den 100. Gründungstag der KPCh.[29] Über die Freigabe der Mittel für eine kombinierte Mission zu dem erdnahen Asteroiden (469219) Kamoʻoalewa sowie dem Hauptgürtelkometen (7968) Elst-Pizarro im Jahr 2022, eine Sample-Return-Mission zum Mars im April 2029 und die Umkreisung eines Jupitermondes im Jahr 2030 befand sich der Staatsrat der Volksrepublik China im April 2020 in Beratung.[30] Vorgeschlagen ist weiter eine Mission zur Erkundung der Heliopause, bei der im Jahr 2024 zwei Sonden in entgegengesetzter Richtung zu den Rändern des Sonnensystems aufbrechen und im Jahr 2049 zum 100. Geburtstag der Volksrepublik China eine Entfernung von 100 AE von der Erde erreichen sollen. Eine dritte Sonde soll 2030 senkrecht zur Ekliptikebene starten.

Ursprünglich arbeiteten die Projektgruppen, die die jeweiligen Missionen vorbereiten, unabhängig voneinander im Zentrum für Monderkundungs- und Raumfahrt-Projekte der Nationalen Raumfahrtbehörde. Am 24. April 2020, dem 50. Jahrestag des Starts des ersten chinesischen Satelliten Dong Fang Hong I, wurde jedoch für interplanetare Missionen eine gemeinsame Organisationsstruktur eingeweiht, die „Chinesische Planetenerkundung“ bzw. „PEC“ (中国行星探测, Pinyin Zhōngguó Xíngxīng Tàncè), mit einem eigenen Logo, das die acht Planeten des Sonnensystems auf halben, wie ein „C“ aussehenden Bahnen zeigt. Das „C“ steht dabei laut der Nationalen Raumfahrtbehörde sowohl für „China“ als auch für „(International) Cooperation“ (zu den politischen Aspekten der chinesischen Raumfahrt siehe unten).[31] Die interplanetaren Missionen Chinas tragen nun alle den Namen „Tianwen“ (天问 bzw. „Himmelsfragen“), nach dem gleichnamigen, aus 183 Rätseln bestehenden Gedicht von Qu Yuan aus den „Elegien von Chu“,[32] gefolgt von einer Seriennummer, die nach Startdatum vergeben wird. Die im Juli 2020 anstehende Marsmission wurde daher „Tianwen-1“ (天问一号, Pinyin Tiānwèn Yīhào) genannt.[33]

Bemanntes Raumfahrtprogramm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chinesische Raumfahrer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chinesische Raumfahrer werden im Westen Taikonauten genannt. Bisher gibt es elf Taikonauten mit Einsätzen im Weltall: Yang Liwei (Shenzhou 5), Fei Junlong (Shenzhou 6), Nie Haisheng (Shenzhou 6 und 10), Zhai Zhigang, Liu Boming (beide Shenzhou 7), Jing Haipeng (Shenzhou 7, 9 und 11), sowie Liu Wang, Liu Yang (beide Shenzhou 9), Zhang Xiaoguang, Wang Yaping (beide Shenzhou 10) und Chen Dong (Shenzhou 11). Die Missionen Shenzhou 1–4 sowie Shenzhou 8 waren unbemannt.

Zusätzlich zu den 14 Taikonauten, die 1998 ausgewählt wurden, wurde ab 2010 eine weitere Gruppe von sieben Raumfahreranwärtern (fünf Männer und zwei Frauen) ausgebildet, alles Abfangjäger- und Jagdbomber-Piloten mit mindestens 600 Flugstunden.[34] Bei dem Auswahlprozess für 17 bis 18 weitere Astronautinnen und Astronauten, der am 23. April 2018 begann, wurden die Anforderungen jedoch heruntergeschraubt. Da aus dieser Gruppe die Besatzung für die geplante modulare Raumstation ausgewählt wird, werden nicht nur Piloten der chinesischen Luftwaffe, sondern auch Ingenieure und Wissenschaftler aus der Raumfahrtindustrie (also von der China Aerospace Science and Technology Corporation und ihren Tochterfirmen), Forschungsinstituten und Universitäten als Bewerber angenommen, die sich auf der Raumstation um die Nutzlasten kümmern sollen.[35]

Weltraumausstieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geborgene Landekapsel der Shenzhou-5-Mission

Der erste Weltraumausstieg eines chinesischen Taikonauten fand bei der Shenzhou-7-Mission am 27. September 2008 statt.

Errichtung einer Raumstation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An der Internationalen Raumstation ISS ist das Land durch ein Veto der USA, nicht beteiligt,[36] jedoch hatte China ein eigenes Weltraumlabor mit dem Namen Tiangong 1.[37] Tiangong 1 startete mit der Trägerrakete Langer Marsch 2F am 29. September 2011 um 13:16 Uhr UTC.[16]

Darauf folgte die unbemannte Mission Shenzhou 8, welche im Orbit erstmals ein Andockmanöver mit der Raumstation durchführte. Die nachfolgende bemannte Mission Shenzhou 9 startete am 16. Juni, um das Andockmanöver zu wiederholen und Tiangong 1 zu besetzen. Ihr folgte Shenzhou 10, die im Juni 2013 an die Station andockte. Am 2. April 2018 gegen 02:16 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit (00:16 UTC) trat Tiangong 1 über dem Südpazifik in die Erdatmosphäre ein und zerbrach in mehrere Teile.[38] Nicht verglühte Teile stürzten nach Angaben der US-Luftwaffe etwa 100 Kilometer nordwestlich von Tahiti ins Meer.[39]

Die Raumstation Tiangong 2 wurde im September 2016 gestartet und von der Besatzung von Shenzhou 11 einen Monat lang betrieben. Geplant ist eine große modulare Raumstation, die um 2022Vorlage:Zukunft/In 2 Jahren in Betrieb gehen soll.[40]

Zukünftiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das nächste Ziel des Bemannten Raumfahrtprogramms der Volksrepublik China, wegen der englischen Bezeichnung China Manned Space im Ausland oft „CMS“ abgekürzt, ist die Errichtung einer modularen Raumstation,[41] die frühestens 2022Vorlage:Zukunft/In 2 Jahren in Betrieb gehen soll.[42] Das Projekt war am 27. Oktober 2010, damals mit geplanter Einsatzbereitschaft 2020, der Öffentlichkeit vorgestellt worden.[43]

Die 2016 der Öffentlichkeit vorgestellte Mars-Rückkehrsonde, die wegen des hierfür nötigen Gewichts als Vorstudie für eine bemannte Mondfähre dienen soll,[44] benötigt die neue Trägerrakete Langer Marsch 9, welche frühestens Ende der 2020er JahreVorlage:Zukunft/In 5 Jahren zur Verfügung stehen wird.

Politische Aspekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Weißbuch zu den chinesischen Weltraumaktivitäten (Oktober 2006)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 12. Oktober 2006 legte das Informationsamt des Staatsrats der Volksrepublik China ein neues Weißbuch mit dem Titel „Chinas Weltraumaktivitäten 2006“ vor. Das Dokument untergliederte sich in fünf Kapitel: Ziele und Grundsätze der Entwicklung; Der Fortschritt in den vergangenen fünf Jahren; Entwicklungsziele und Hauptaufgaben für die nächsten fünf Jahre; Grundlagen der Entwicklung und Maßnahmen; Internationaler Austausch und Zusammenarbeit. – China habe immer den Weg der friedlichen Entwicklung verfolgt, so China.org.cn anlässlich der Vorstellung, und immer den Standpunkt aufrechterhalten, dass der „Weltraum zum Zweck der gemeinsamen Wohlfahrt der Menschheit erforscht werden sollte“. Das letzte Weißbuch war im Jahr 2000 erschienen; seitdem habe die chinesische Raumfahrt große Fortschritte gemacht.

In dem Dokument bekräftigte die Führung der Volksrepublik ihre Absicht, ein eigenes Satelliten-Navigationssystem namens BeiDou zu entwickeln, obgleich das Land seinerzeit noch am europäischen Galileo-Projekt beteiligt war. Beobachter sahen einen weiteren Wettbewerber Europas beim Aufbau eines globalen Navigationssatellitensystems sehr kritisch; das Geschäftsmodell zur Finanzierung wäre dann möglicherweise kaum umsetzbar. Außerdem stellten sie sich die Frage, inwieweit die Volksrepublik China Know-how aus Europa abziehen könnte. Auch die Weiterentwicklung der damaligen Trägerraketen wurde in dem Weißbuch als Ziel festgehalten; sowohl die militärischen als auch die kommerziellen Aktivitäten sollten weiter ausgebaut werden, hieß es.[45]

Chinesischer Traum und Raumfahrttraum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kurz nach seiner Wahl zum Generalsekretär der Kommunistischen Partei Chinas im November 2012 prägte Xi Jinping während einer Besichtigung der Ausstellung „Weg zur Wiederbelebung“ im Chinesischen Nationalmuseum den Begriff „Chinesischer Traum“. Damit war zunächst einfach nur die Rückkehr Chinas zu alter Größe gemeint. Nach seiner Wahl zum Staatspräsidenten am 14. März 2013 wurde Xi jedoch schnell konkret und brachte Projekte wie die Neue Seidenstraße oder die Tiefgreifende Reform der Landesverteidigung und des Militärs auf den Weg. Am 11. Juni 2013, bei einem Treffen mit der Besatzung von Shenzhou 10 auf dem Kosmodrom Jiuquan, prägte Xi Jinping dann den Begriff „Raumfahrttraum“ (航天梦, Pinyin Hángtiān Mèng):

Die Raumfahrtindustrie zu entwickeln, China zur Raumfahrtmacht zu machen, das ist der Raumfahrttraum, den wir unermüdlich verfolgen.

Um diesen Gedanken in die Bevölkerung zu tragen und die Akzeptanz für die nicht unbeträchtlichen Kosten der Raumfahrt zu erhöhen, wurde am 24. April 2016, dem Jahrestag des Starts von Dong Fang Hong I, erstmals – und seitdem jedes Jahr – der „Tag der Raumfahrt“ (航天日, Pinyin Hángtiān Rì) begangen. Bei seiner Eröffnungsrede wiederholte Xi Jinping seine Aussage vom Juni 2013, erweitert um die Forschung:

Die unendlichen Weiten des Weltalls zu erkunden, die Raumfahrtindustrie zu entwickeln, China zur Raumfahrtmacht zu machen, das ist der Raumfahrttraum, den wir unermüdlich verfolgen.

Gleichzeitig rekurrierte Xi unter Verwendung von Mao-Zitaten auf die Gründerjahre, als China, beginnend mit Kernwaffen, Mittelstreckenrakerten und dem ersten Satelliten den Weg der Wiederauferstehung aus eigener Kraft und der autochthonen Neuentwicklungen beschritt. Bereits am 4. Mai 2013, als er kurz nach seinem Amtsantritt als Präsident die Chinesische Akademie für Weltraumtechnologie besichtigte, hatte Xi betont, dass das Niveau der Weltraumtechnologie ein wichtiger Indikator für die reale Stärke eines Landes auf dem Gebiet von Wissenschaft und Technik sei, aber auch für die reale wirtschaftliche Stärke, für die innenpolitische Stärke eines Landes und für seine Stärke auf internationalem Parkett. „Der Chinesische Traum zieht den Raumfahrttraum nach sich, der Raumfahrttraum treibt den Chinesischen Traum voran.“[46]

Seit der Wiederwahl Xi Jinpings am 17. März 2018 nahm der Stellenwert der Raumfahrt in der chinesischen Politik weiter zu. Mittlerweile ist die Raumfahrt ein reguläres Instrument der chinesischen Außenpolitik, sei es dass Entwicklungsländern kostenloser Nutzlastraum auf der Chinesischen Raumstation angeboten wird, sei es dass Industrienationen gegen eine Unkostenbeteiligung in Projekte wie die Mondproben-Rückholmission Chang’e-6 oder die Asteroidenmission Zheng He eingebunden werden. Auch für die chinesische Innenpolitik hat die Raumfahrt eine große Bedeutung. So wurden Techniker der in Wuhan ansässigen China Space Sanjiang Group Corporation (eine Tochterfirma des staatlichen Rüstungskonzerns CASIC) bereits am 18. März 2020, noch vor der offiziellen Öffnung der wegen der COVID-19-Pandemie abgeriegelten Stadt, zum Kosmodrom Jiuquan entsandt, um den Start einer Rakete vom Typ Kuaizhou-1A vorzubereiten, die zwei ebenfalls in Wuhan entwickelte und gebaute Satelliten für das Internet der Dinge in den Orbit befördern sollte.[47] Damit versuchte die Regierung, der eigenen Bevölkerung gegenüber Handlungsfähigkeit zu beweisen und einen Kontrast zu den damals noch tief in der Pandemie-Krise steckenden Staaten des Westens zu zeichnen, obwohl zeitgleich in den USA ebenfalls Raketenstarts vorbereitet wurden. Ein Schriftzug auf der den Ärzten und Krankenpflegern von Wuhan gewidmeten Rakete besagte: „Heldenhaftes Wuhan, großartiges China.“[48][49]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Raumfahrt der Volksrepublik China – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikinews: Portal:Chinesische Raumfahrt – in den Nachrichten

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Andrew Jones: China’s iSpace to Make Private Orbital Launch Attempt in Early June. Space.com, 7. Mai 2019.
  2. CNSA: From nothing to glory in six decades – China’s space program. 8. Oktober 2016.
  3. Eine Göttin auf dem Weg zum Mond. Raumfahrer.net, 27. Oktober 2007, abgerufen am 16. November 2014.
  4. Chang’e 1 umkreist den Mond. Raumfahrer.net, 8. November 2007, abgerufen am 16. November 2014.
  5. Chang’e 1 in niedrigerem Mondorbit. Raumfahrer.net, 11. Dezember 2007, abgerufen am 16. November 2014.
  6. Chang’e 2 unterwegs zum Mond. Raumfahrer.net, 1. Oktober 2010, abgerufen am 16. November 2014.
  7. Chang’e 2 im Mondorbit. Raumfahrer.net, 6. Oktober 2010, abgerufen am 16. November 2014.
  8. Chang’e 2 erreicht Arbeitsorbit um den Mond. Raumfahrer.net, 9. Oktober 2010, abgerufen am 16. November 2014.
  9. Chang’e 2: Vom Mondsatelliten zur Raumsonde. Raumfahrer.net, 10. Juni 2011, abgerufen am 16. November 2014.
  10. Chang’e 2 erneut auf Reisen. Raumfahrer.net, 19. Juni 2012, abgerufen am 16. November 2014.
  11. Chang’e 2 überträgt Bilder von Toutatis. Raumfahrer.net, 15. Dezember 2012, abgerufen am 16. November 2014.
  12. Chang’e 3 auf dem Weg zum Mond. Raumfahrer.net, 1. Dezember 2013, abgerufen am 16. November 2014.
  13. Chang’e 3 im geplanten Mondorbit. Raumfahrer.net, 7. Dezember 2013, abgerufen am 16. November 2014.
  14. Chang’e 3 ist gelandet. Raumfahrer.net, 14. Dezember 2013, abgerufen am 16. November 2014.
  15. Yutu ist unterwegs. Raumfahrer.net, 14. Dezember 2013, abgerufen am 16. November 2014.
  16. a b China startet erste eigene Raumstation. Raumfahrer.net, 29. September 2011, abgerufen am 16. November 2014.
  17. Shenzhou 8 an Tiangong 1 angedockt. Raumfahrer.net, 2. November 2011, abgerufen am 16. November 2014.
  18. Shenzhou 8 erneut an Tiangong 1 angedockt. Raumfahrer.net, 14. November 2011, abgerufen am 16. November 2014.
  19. Chinesische Raumstation Tiangong 1 bemannt. Raumfahrer.net, 18. Juni 2012, abgerufen am 16. November 2014.
  20. Shenzhou 9 wieder sicher auf der Erde. Raumfahrer.net, 29. Juni 2012, abgerufen am 16. November 2014.
  21. Shenzhou 10 am Himmelspalast angekommen. Raumfahrer.net, 13. Juni 2013, abgerufen am 16. November 2014.
  22. Manuelle Kopplung von Shenzhou 10 und Tiangong 1. Raumfahrer.net, 23. Juni 2013, abgerufen am 16. November 2014.
  23. Chinesische Raumfahrer zurück auf der Erde. Raumfahrer.net, 26. Juni 2013, abgerufen am 16. November 2014.
  24. Auch China testet eine Feststoffrakete. Raumfahrer.net, 28. September 2013, abgerufen am 16. November 2014.
  25. Lunar programme to be open to world. Xinhua online, 27. Juli 2006.
  26. Andrew Jones: China targets late 2020 for lunar sample return mission. Spacenews, 1. November 2019.
  27. Rainer Kayser: Langer Marsch China will zum Mond. Die Rheinpfalz am Sonntag, 8. Juli 2007, S. 20.
  28. 2020中国火星探测计划(根据叶院士报告整理). In: spaceflightfans.cn. 14. März 2018, abgerufen am 26. April 2020 (chinesisch).
  29. 丁亮: 我校隆重举行火星探测器应急信标试验队出征仪式. In: astro.nuaa.edu.cn. 10. April 2020, abgerufen am 25. April 2020 (chinesisch).
  30. 倪伟: 中国火星探测命名“天问一号”,透露一项更长远太空计划. In: bjnews.com.cn. 24. April 2020, abgerufen am 25. April 2020 (chinesisch).
  31. 镁客网: “天问”首次官宣!我国行星探测任务再进一程,“揽星九天”火星先行. In: sohu.com. 24. April 2020, abgerufen am 24. April 2020 (chinesisch).
  32. Helwig Schmidt-Glintzer: Geschichte der chinesischen Literatur. Scherz Verlag, Bern 1990, S. 36f., 77.
  33. 胡喆: 中国首次火星探测任务命名为“天问一号”. In: xinhuanet.com. 24. April 2020, abgerufen am 24. April 2020 (chinesisch).
  34. 张琦: 我国航天员是如何选拔的? In: cmse.gov.cn. 17. September 2015, abgerufen am 20. August 2019 (chinesisch).
  35. Peng Ying: China starts new astronaut selection process. In: xinhuanet.com. 23. April 2018, abgerufen am 20. August 2019 (englisch).
  36. „Tiangong 1“: China baut erstes Modul für Raumstation. In: Spiegel Online. 17. August 2010, abgerufen am 29. März 2018.
  37. FliegerRevue Mai 2010, S. 9, chinesische Raumstation verzögert sich
  38. Tiangong-1: Defunct China space lab comes down over South Pacific. BBC News, 2. April 2018, abgerufen am 20. August 2019 (englisch).
  39. Helga Rietz: Die chinesische Raumstation «Tiangong-1» verglüht über dem Südpazifik. In Neue Zürcher Zeitung, 2. April 2018.
  40. China auf dem Weg zur Weltall-Macht. Spiegel Online, 17. Oktober 2016, abgerufen am 2. Januar 2017.
  41. 空间站系统. In: cmse.gov.cn. Abgerufen am 20. August 2019 (chinesisch).
  42. Andrew Jones: China’s moon, Mars and space station missions may be facing delays. In: spacenews.com. 21. Juni 2019, abgerufen am 18. August 2019 (englisch).
  43. 张利文: 我国载人空间站工程正式启动实施. In: cmse.gov.cn. 27. Oktober 2010, abgerufen am 18. August 2019 (chinesisch).
  44. 孟林智 et al.: 无人火星取样返回任务关键环节分析. In: jdse.bit.edu.cn. 6. April 2016, abgerufen am 7. August 2019 (chinesisch).
  45. White Paper on China’s Space Activities Published (inkl. Volltext); vgl. China and Galileo, continued in The Space Review, 21. August 2006.
  46. 高雷: 习近平引领航天梦助推中国梦. In: cpc.people.com.cn. 15. September 2016, abgerufen am 9. April 2020 (chinesisch).
  47. 一辆绿皮火车在戈壁深处停了半个月,车上竟然是…… In: spaceflightfans.cn. 15. April 2020, abgerufen am 15. April 2020 (chinesisch).
  48. 快舟火箭进场 即将发射“行云工程”双星. In: cnsa.gov.cn. 31. März 2020, abgerufen am 9. April 2020 (chinesisch).
  49. Andrew Jones: Chinese commercial rocket sells for $5.6 million in April Fool’s Day auction. In: spacenews.com. 3. April 2020, abgerufen am 12. Mai 2020 (englisch).