Flagcarrier

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Flagcarrier, meist in der Schreibweise Flag Carrier und Flag-Carrier, ist ein nicht einheitlich definierter Begriff aus der zivilen Verkehrsluftfahrt und bezeichnet eine Fluggesellschaft, die unter verschieden möglichen Bedingungen eine für Dritte erkennbare Affinität zu einem Staat aufweist.

Mit Ausnahmen werden mit dem Begriff Flag Carrier solche Lufttransportunternehmen bezeichnet, die sich als nationale Fluggesellschaft (National Flag Carrier) gänzlich oder größtenteils in Staatsbesitz befinden oder früher befanden[1] und damit als Dementsprechend bezeichnet sich beispielsweise das Staatsunternehmen Etihad Airways als nationale Fluggesellschaft des Emirats Abu Dhabi oder die staatliche Royal Jordanian als nationale Fluggesellschaft Jordaniens.[2][3]

Fluggesellschaft im Eigentum eines Staates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bundeskanzler Konrad Adenauer vor einer Super Constellation der damals noch staatlichen Lufthansa am Flughafen Köln/Bonn

Im herkömmlichen Sinne werden diejenigen Fluggesellschaften als Flag Carrier („Flaggenträger“) bezeichnet, die sich mehrheitlich im Eigentum eines Staates befinden. Typisch ist hier oft auch eine Monopolstellung im heimischen Markt.

Wilhelm Pompl et al. definieren Flag Carrier („Flaggenträger“) in einem Aufsatz im Tourismus Journal (2003) wie folgt:[4]

„Flag Carrier: Liniengesellschaft mit staatlicher Mehrheitsbeteiligung, die als Monopolist oder Marktführer im jeweiligen Heimatland das wichtigste Instrument zur Durchsetzung der nationalen Luftverkehrspolitik ist und in ihrer Unternehmenspolitik zudem durch staatliche Bevormundung (z.B. bezüglich Strecken, Arbeitsplätzen, Besetzung von Führungspositionen durch Karrierebürokraten) beeinflusst wird. Die Überlebensfähigkeit wird oft eher durch verkehrsrechtliche Protektion und Subventionen als durch Wettbewerbsfähigkeit gesichert.“

Teilweise nehmen solche Flag Carrier zugleich staatliche Aufgaben wie den Transport von staatlichen Funktionsträgern anlässlich von Staatsbesuchen wahr. Historisch wurde der Begriff insbesondere für staatliche Fluggesellschaften in Europa wie Air France, British Airways, Austrian Airlines oder die Deutsche Lufthansa gebraucht. Sowohl durch die zunehmende Privatisierung als auch durch die Liberalisierung im Luftverkehr und Open-Skies-Abkommen erfährt der Begriff zumindest in Europa zunehmend einen Bedeutungswandel (siehe unterhalb).

Fluggesellschaft mit Lizenz eines Staates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Embraer 175 von Shuttle America mit amerikanischer Flagge neben dem Luftfahrzeugkennzeichen

Nach dem Recht der Vereinigten Staaten ist ein U.S. flag air carrier eine Fluggesellschaft, die über ein Zertifikat gemäß Abschnitt 401 des Federal Aviation Act von 1958 (49 U.S.C.1371) verfügt, das heißt, dass dies jede international tätige US-amerikanische Fluggesellschaft ist.[5] Auch andere Staaten erkennen teilweise rein private Fluggesellschaften als Flagcarrier an. So wurde die Fly6ix in Sierra Leone 2010 als Flagcarrier des Landes zugelassen,[6] später dann die ebenfalls private virtuelle Fluggesellschaft Fly Salone.

Marketing[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Boeing 747 von Virgin Atlantic mit Aufschrift „Britain’s flag carrier“

Wegen der geschichtlich bedingten Prestigeträchtigkeit wird der rechtlich nicht geschützte Begriff Flag Carrier auch von Fluggesellschaften benutzt, die keine Flag Carrier im herkömmlichen Sinne darstellen, jedoch im Rahmen ihrer Marketingstrategie einen exklusiven staatlichen Bezug suggerieren. Die Fluggesellschaft Virgin Atlantic etwa bezeichnete sich als Reaktion auf die Entfernung des Union Jacks von den Leitwerken der British-Airways-Maschinen als „Britain’s Flag Carrier“.

Beispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hubert Horan: What is the future of the European flag carrier? A major analysis of the European flag-carrier and intercontinental hub models. In: Aviation Strategy. Aviation Economics (Hrsg.), Nr. 59, September 2002, S. 2–15. (Artikel online. In: aviationstrategy.aero.)
  • Gwenaëlle Grefe: Rebuilding of Flag Carrier Airline Companies and Historical Value Violations. Kapitel 8 in: Gwenaëlle Grefe Dominique Peyrat‐Guillard (Hrsg.): Shapes of Tourism Employment. HRM in the Worlds of Hotels and Air. Wiley-ISTE, London 2020, ISBN 978-1-78630-354-7, S. 115–130. (doi:10.1002/9781119751342.ch8.)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Axel Schulz: Grundlagen Verkehr im Tourismus: Fluggesellschaften, Kreuzfahrten, Bahnen, Busse und Mietwagen. Oldenbour, München 2014, ISBN 978-3-486-72505-6, S. 14 in der Google-Buchsuche.
  2. Etihad airways – The UAE’s national airline. (engl.) In: Visit Abu Dhabi. Department of Culture and Tourism – Abu Dhabi (Hrsg.), ohne Datum, abgerufen am 25. Oktober 2020.
  3. Oneworld Royal Jordanian. (engl.) In: Mitgliedsfluggesellschaften. oneworld Alliance (Hrsg.), ohne Datum, abgerufen am 25. Oktober 2020.
  4. Wilhelm Pompl, Markus R. Schuckert, Claudia Möller: Zur Differenzierung der Geschäftsmodelle im Personenluftverkehr: Die Full Service Network Carrier. In: Tourismus Journal. 7. Jg., Heft 4/2003, S. 457–467 (Volltext online. In: ResearchGate, abgerufen am 25. Oktober 2020), hier: S. 60.
  5. Subpart 47.4 - Air Transportation by U.S.-Flag Carriers: 47.401 Definitions. (“‘U.S.-flag air carrier’ means an air carrier holding a certificate under section 401 of the Federal Aviation Act of 1958 (49 U.S.C.1371).”) In: Federal Acquisition Regulation. United States Government (Hrsg.), abgerufen am 25. Oktober 2020.
  6. Alhaji Mansaray: President Koroma Inaugurates Fly 6ix Airline. (Memento vom 2. August 2012 im Webarchiv archive.today) In: Global Times Online, 14. Dezember 2010.