Finnair

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Finnair Oyj
Logo der Finnair
Airbus A350-900 der Finnair
IATA-Code: AY
ICAO-Code: FIN
Rufzeichen: FINNAIR
Gründung: 1923 (als Aero O/Y)
Sitz: Vantaa, FinnlandFinnland Finnland
Drehkreuz:

Helsinki-Vantaa

Heimatflughafen:

Helsinki-Vantaa

Unternehmensform: Oyj
IATA-Prefixcode: 105
Leitung: Pekka Vauramo (CEO)[1]
Mitarbeiterzahl: 4.937[1] (2016)
Umsatz: 2,3 Milliarden[1] (2016)
Fluggastaufkommen: 10,9 Millionen[1] (2016)
Allianz: Oneworld Alliance
Vielfliegerprogramm: Finnair Plus
Flottenstärke: 74 (+ 14 Bestellungen)
Ziele: national und international
Website: www.finnair.com

Finnair ist die nationale Fluggesellschaft Finnlands mit Sitz in Vantaa und Basis auf dem Flughafen Helsinki-Vantaa. Sie ist Mitglied der Luftfahrtallianz oneworld und mit dem Gründungsjahr 1923 die sechstälteste noch operierende Fluggesellschaft der Welt.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Junkers F 13 der Aero O/Y in den 1920ern
Sitz der Finnair bei Helsinki, House of Travel and Transportation (HOTT)

Gründung und erste Jahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die am 1. November 1923 als Aero O/Y gegründete Finnair hat schwierige Zeiten, einschließlich des Zweiten Weltkriegs, durchmachen müssen. Sie nahm ihren Flugbetrieb am 20. März 1924 mit einer Junkers F 13 auf, die 162 kg Post von Helsinki nach Tallinn transportierte, wobei die Maschine mit Schwimmern ausgerüstet war und auf dem Wasser landete, da beide Städte noch nicht über Flughäfen verfügten. Bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde die Flotte noch um Ju 52/3m und de Havilland D.H.89A erweitert.[3]

Der Zweite Weltkrieg war für die Fluglinie besonders schwierig, weil Helsinki und andere finnische Städte Ziele von Luftangriffen waren. Die Gesellschaft verlor die Hälfte ihrer Flotte, die während dieser Zeit von der finnischen Luftwaffe übernommen worden war. Es wird geschätzt, dass während des Winterkrieges 1939/1940 die Hälfte der Passagiere Kinder waren, die nach Schweden evakuiert wurden. 1953 fügte die Fluggesellschaft Aero O/Y die Bezeichnung Finnair ihrem Namen hinzu. Seit 25. Juni 1968 heißt sie offiziell „Finnair Oyj“. Der finnische Staat hält rund 60 % der Anteile, 20 % sind in ausländischem Besitz.

Das Jet-Zeitalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sud Aviation Caravelle der Finnair im Jahr 1976
Airbus A300B4-200 der Finnair im Jahr 1994

Revolutionär war 1957 die Anschaffung der Sud Aviation Caravelle, des ersten Strahlflugzeugs der Fluggesellschaft. Sie wurden ab 1960 als Caravelle 1A ausgeliefert, das vierte Exemplar, eine Caravelle VI besaß dabei bereits die fortschrittlicheren Triebwerke des Typs Rolls-Royce Avon 527. Die drei älteren Caravelle 1A wurden zu Caravelle III aufgerüstet. Ab 1964 wurde die Caravelle-Flotte modernisiert. Mit Pratt&Whitney JT8 Triebwerken ausgerüstete Caravelle 10B3 ersetzten die vorhandenen Exemplare. Finnair bezeichnete die Sud Aviation SE 210 Caravelle 10B3 als „Super Caravelle“. Die Luftfahrzeugkennzeichen lauteten OH-LSA bis OH-LSK. 1962 übernahm Finnair 27 Prozent der Anteile der finnischen Fluggesellschaft Kar-Air.

1970 wurde mit der Douglas DC-8 erstmals ein US-amerikanisches Strahlflugzeug in Dienst gestellt und damit der Langstreckenverkehr über den Atlantik nach New York City aufgenommen. 1971 wurden sechs gebrauchte Douglas Douglas DC-9-10 aus Kanada erworben, welche hauptsächlich innerhalb Finnlands und auf kürzeren Europastrecken zum Einsatz kamen. 1975 begann bei Finnair das Zeitalter der Großraumflugzeuge mit Indienststellung der ersten McDonnell Douglas DC-10-30, die das Unternehmen von bei der KSSU-Gruppe warten ließ. Ein Jahr später begann die Erweiterung der Douglas-DC-9-Flotte mit Indienststellung der ersten DC-9-50. Dieser Flugzeugtyp wurde das Hauptmuster auf den Europastrecken und verdrängte nach und nach die Super Caravelle, deren letztes Exemplar 1983 außer Dienst gestellt und verkauft wurde. Ab Ende 1982 kamen die ersten McDonnell Douglas MD-82 zum Einsatz und Finnair wurde einer der Erstkunden für deren Varianten MD-83 und MD-87. Ab etwa 1983 wurden die Douglas DC-9-10 durch sechs gebrauchte, in Japan erworbene DC-9-40 ausgetauscht. Die DC-9-Flotte wurde schrittweise ab Mitte der 1990er-Jahre durch weitere gebrauchte MD-80 ersetzt. Ab Ende der 1990er Jahre wurde dann der Ersatz der verbliebenen DC-9 bis Mitte 2003 und der Ersatz der MD-80 bis Mitte 2006 durch Maschinen der Airbus-A320-Familie durchgeführt.

Jüngere Geschichte seit 1990[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

McDonnell Douglas MD-82 der Finnair im Jahr 2001

Die für den Langstreckenbetrieb eingesetzte DC-10-Flotte wurde ab den frühen 1990er-Jahren sukzessive durch neue McDonnell Douglas MD-11 ersetzt. Mit Indienststellung der ersten Maschine im Dezember 1990 war Finnair der weltweit erste Betreiber dieses Typs.[4]

1999 trat Finnair der Luftfahrtallianz oneworld bei, nachdem Finnairs Konkurrent SAS Scandinavian Airlines 1997 Gründungsmitglied des konkurrierenden Bündnisses Star Alliance war.

2002 gründete Finnair mit Aero Airlines eine Tochtergesellschaft in Estland. Diese hat schrittweise die ATR 72-200 der Finnair übernommen und bediente neben der Strecke Tallinn–Helsinki auch innerfinnische Strecken für Finnair. Finnair versprach sich von der estnischen Tochter, im wachsenden baltischen Wettbewerb kostengünstig agieren zu können. Der Flugbetrieb wurde Anfang 2008 jedoch eingestellt. Finnair gründete auch die Tochter FlyNordic in Schweden, die 2007 jedoch verkauft wurde.

Für das Jahr 2006 gab Finnair einen Reinverlust von 13 Millionen Euro an. Dies wurde damit begründet, dass man in diesem Jahr die Gesellschaft restrukturiert habe und dies 80 Millionen Euro gekostet habe. Im Jahr 2007 wurde ein Gewinn vor Steuern von 140 Millionen Euro erzielt. Mit dazu beigetragen hat ein Gewinn von 30 Millionen Euro aus dem Verkauf der FlyNordic.[5] 2008 rutschte Finnair im Rahmen der Wirtschaftskrise wieder in die roten Zahlen. Der Jahresverlust betrug 52,1 Millionen Euro.[6]

Am 22. Februar 2010 musterte Finnair als vorletzter Betreiber des Musters in der Passagierversion ihre letzte McDonnell Douglas MD-11 aus.[7] Eine der ausgemusterten Maschinen wurde zu einem Frachtflugzeug umgebaut, aber bereits wieder ausgemustert.[8] Am 1. Juli 2011 wurde gemeinsam mit Flybe auf Basis der übernommenen Finncomm Airlines das Joint VentureFlybe Nordic“ gegründet. Seit Juli 2012 werden sämtliche Triebwerke und Komponenten von SR Technics in Zürich gewartet. Finnair begründet die Entscheidung mit einem Fokus auf das Kerngeschäft und effizienteren Kostenstrukturen.[9]

2012 machte Finnair erstmals nach fünf verlustreichen Jahren wieder einen kleinen Gewinn.[10]

Im September 2013 erhielt Finnair als weltweit erste Fluggesellschaft einen mit Sharklets ausgestatteten Airbus A321-200.[11] Außerdem ist Finnair Erstkunde des Airbus A350-900 in Europa. Die erste von insgesamt 19 Maschinen wurde am 7. Oktober 2015 ausgeliefert.[12]

Flugziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Flughafenlounge der Finnair in Helsinki

Finnair bedient neben Zielen im Inland sowie europäischen Städten auch mehrere interkontinentale Strecken nach Indien und Ostasien sowie in die USA.

Im deutschsprachigen Raum werden in Deutschland Berlin-Tegel, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg und München angeflogen, in Österreich Wien und in der Schweiz Genf und Zürich.[13]

Codesharing

Finnair unterhält Codeshare-Abkommen mit American Airlines, British Airways, Iberia und Japan Airlines.[13]

Flotte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Airbus A321-200 der Finnair
Embraer 190 der Finnair

Aktuelle Flotte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Stand April 2017 besteht die Flotte der Finnair aus 74 Flugzeugen mit einem Durchschnittsalter von 8,9 Jahren:[14]

Flugzeugtyp Anzahl bestellt[15][16] Anmerkungen Sitzplätze[17]
(Business/Eco+/Eco)
Airbus A319-100 08 138 (14/-/124)
Airbus A320-200 10 165 (14/-/151)
Airbus A321-200 16 3 10 mit Sharklets ausgestattet, 2 durch Air Berlin betrieben für Belair 196 (16/-/180)
209 (16/-/193)
Airbus A330-300 09 1 betrieben durch Iberia 263 (45/40/178)
289 (32/40/218)
Airbus A350-900 08 11 erste Auslieferung am 7. Oktober 2015 297 (46/43/208)
336 (32/42/262)
ATR 72-500 11 betrieben durch Nordic Regional Airlines 68 (-/-/68)
72 (-/-/72)
Embraer 190 12 100 (12/-/88)
Gesamt 74 14

Zuvor eingesetzte Flugzeuge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Convair CV-440 der Finnair im Jahr 1970
Boeing 757-200 der Finnair im Jahr 2002

In der Vergangenheit betrieb Finnair unter anderem folgende Flugzeugtypen:[18][19][20]

Zwischenfälle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die am 14. Juni 1940 abgeschossene Junkers Ju 52/3mge

Finnair bzw. ihre Vorgängergesellschaft Aero O/Y verzeichnet in ihrer Geschichte vier Zwischenfälle mit Totalverlust des Flugzeugs und vier Zwischenfälle mit Todesfällen:[21]

  • Am 7. November 1941 fielen bei einer Junkers Ju 52/3mce (Luftfahrzeugkennzeichen OH-LAK) wegen Treibstoffmangel alle drei Motoren aus und das Wasserflugzeug landete notfallmässig im Meer. Zwei Personen kamen beim Versuch an Land zu schwimmen ums Leben. Das Flugzeug wurde danach wieder instand gesetzt.[23]
  • Dasselbe Flugzeug flog am 31. Oktober 1945 bei schlechtem Wetter mit 14 Personen an Bord beim Anflug auf den Flugplatz Hyvinkää in einen Wald. Das Flugzeug musste abgeschrieben werden.[24]
  • Am 3. Januar 1961 stürzte eine Douglas DC-3 (Luftfahrzeugkennzeichen OH-LCC) auf Aero-O/Y-Flug 311 bei Koivulahti in einen Wald. Die beiden betrunkenen Piloten (mit Blutalkoholkonzentrationen von 2 bzw. 1,56 Promille) flogen die Maschine ca. 10 km vom Flughafen Vaasa entfernt in niedrigster Höhe was zu einen Strömungsabriss führte. Keiner der 25 Insassen überlebte.[25]
  • Am 8. November 1963 stürzte eine weitere Douglas DC-3 in der Nähe von Mariehamn ab und brannte aus, wobei 22 der 25 Insassen starben. Ursache war höchstwahrscheinlich ein Defekt im Höhenmesser des Kapitäns, wodurch die Mindestsinkflughöhe bei sehr schlechtem Wetter unterschritten wurde.[26][27]

Darüber hinaus ist bekannt, dass die Gesellschaft 1971,[28] 1978[29] und 1986[30] von Flugzeugentführungen betroffen war, bei denen aber niemand zu Schaden kam.

Farbgestaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis 2010 genutztes Logo der Finnair

Mit Einführung der Douglas DC-8-62CF (OH-LFR) am 27. Januar 1969 flog Finnair mit metallischer Unterseite und blauer Cheatline, dazu das finnische Kreuz auf dem Leitwerk. Ab Februar 1976 kam die DC-9-50 dazu, mit der sich auch die Farbgebung änderte. Die metallische Unterseite der Flugzeuge wurde durch Weiß ersetzt. Dazu kamen drei Streifen Blau, die sich von dunkel nach hell abstuften und schräg an der vorderen Rumpfunterseite zu sehen waren. Im Jahr 2000 wurde auch die blaue Cheatline durch eine weiße Fläche ersetzt. Das Leitwerk wurde neu gestaltet mit geschwungenem weißen „F“ auf wechselnd-blauem Grund. Dazu änderte sich auch der Schriftzug. Man entschied sich 2010 erneut für ein neues optisches Auftreten. Nunmehr werden die Flugzeuge fast gänzlich in weiß lackiert, das geschwungene „F“ im Leitwerk wurde dunkelblau und die Schriftart des Namenszuges modernisiert.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Finnair – Sammlung von Bildern
 Wikinews: Finnair – in den Nachrichten

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d investors.finnair.com – Result Center (englisch), abgerufen am 22. April 2017
  2. aerosecure.de – Die 10 ältesten Airlines der Welt
  3. FliegerRevue November 2008, S. 14–15, Fliegen wie vor fast 50 Jahren - Finnair bietet zum Jubiläum einen Nostalgie-Jet
  4. airliners.netMcDonnell Douglas MD-11 (englisch), abgerufen am 20. März 2009
  5. finnairgroup.com – Finnair's good result prepares way for future investments, 5. Februar 2008 (englisch)
  6. fliegerweb.com – Auch Finnair verzeichnet Jahresverlust, 5. Februar 2009
  7. airliners.de – Finnair verabschiedet MD-11, 22. Februar 2010
  8. airliners.de – Finnair nimmt Frachtflüge auf, 14. Mai 2010
  9. Finnair will mit SR Technics kooperieren. Neue Zürcher Zeitung, 11. April 2012, abgerufen am 14. September 2012.
  10. Wolfgang Hirn: Mit Finnair jetzt nach Fernost. In: manager-magazin.de. 29. Juli 2013, abgerufen am 14. Februar 2015.
  11. airliners.de – Finnair übernimmt weltweit ersten Airbus A321 mit Sharklets, 6. September 2013
  12. AirbusFinnair wird erster europäischer Betreiber des Airbus A350 XWB, 7. Oktober 2015 abgerufen am 22. April 2017
  13. a b finnair.com – Unsere Flugziele abgerufen am 22. April 2017
  14. ch-aviationFinnair (englisch), abgerufen am 22. April 2017
  15. AirbusOrders & deliveries (englisch), abgerufen am 22. April 2017
  16. bocaviation.com – BOC Aviation Delivers First Of Six New Airbus A321CEO Aircraft To Finnair, 24. Februar 2017 (englisch), abgerufen am 22. April 2017
  17. finnair.com – Flotte abgerufen am 22. April 2017
  18. Ulrich Klee, Frank Bucher et al.: jp airline-fleets international. Zürich-Airport 1966 bis 2007
  19. Ulrich Klee, Frank Bucher et al.: jp airline-fleets international. Sutton, UK, 2008–2013.
  20. airfleets.net – Finnair (englisch), abgerufen am 22. April 2017
  21. Daten über die Fluggesellschaft Aero OY im Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 23. August 2016
  22. Flugunfalldaten und -bericht Junkers Ju-52/3mge OH-ALL Keri Island (Gulf of Finland) im Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 23. August 2016
  23. Flugunfalldaten und -bericht Junkers Ju-52/3mce OH-LAK Turku (Gulf of Finland) im Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 23. August 2016
  24. Flugunfalldaten und -bericht Junkers Ju-52/3mce OH-LAK Hyvinkaa im Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 23. August 2016
  25. Flugunfalldaten und -bericht OH-LCC im Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 23. Januar 2016
  26. ICAO Aircraft Accident Digest 15 Volume II, Circular 78-AN/66, S. 201–207.
  27. Flugunfalldaten und -bericht OH-LCA im Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 23. Januar 2016
  28. Flugunfalldaten und -bericht McDonnell Douglas DC-9-14 registration unknown København-Kastrup Airport (CPH) im Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 23. August 2016
  29. Flugunfalldaten und -bericht Sud Aviation SE-210 Caravelle 10B3 OH-LSB Oulu Airport (OUL) im Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 23. August 2016
  30. Flugunfalldaten und -bericht McDonnell Douglas DC-9 registration unknown Oulu Airport (OUL) im Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 13. August 2016