Ammerbuch

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Ammerbuch
Ammerbuch
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Ammerbuch hervorgehoben
Koordinaten: 48° 33′ N, 8° 58′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Tübingen
Landkreis: Tübingen
Höhe: 384 m ü. NHN
Fläche: 48,06 km²
Einwohner: 11.254 (31. Dez. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 234 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 72119
72070 (Hohenentringen)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/PLZ enthält Text
Vorwahlen: 07073
07032 (Altingen)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen:
Gemeindeschlüssel: 08 4 16 048
Gemeindegliederung: 6 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Kirchstraße 6
72119 Ammerbuch
Webpräsenz: www.ammerbuch.de
Bürgermeister: Christel Halm (CDU)
Lage der Gemeinde Ammerbuch im Landkreis Tübingen
Landkreis Böblingen Landkreis Calw Landkreis Esslingen Landkreis Freudenstadt Landkreis Reutlingen Landkreis Rottweil Zollernalbkreis Ammerbuch Bodelshausen Dettenhausen Dußlingen Gomaringen Hirrlingen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Mössingen Nehren (Württemberg) Neustetten Ofterdingen Rottenburg am Neckar Rottenburg am Neckar Rottenburg am Neckar Starzach TübingenKarte
Über dieses Bild
Luftbild Ammerbuch-Entringen

Ammerbuch ist eine Gemeinde im Landkreis Tübingen. Der Gemeindename entstand durch Wortzusammenziehung von Ammer und Schönbuch. Sitz der Gemeindeverwaltung ist Entringen. Verwaltungsstellen befinden sich in Altingen, Breitenholz, Pfäffingen, Poltringen und Reusten.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Ammerbuch liegt in 345 bis 551 Meter Höhe zum Teil am Rand des Naturparks Schönbuch und zum Teil im Tal der Ammer im nördlichen Gäu.

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ammerbuch liegt im Gäu, welches durch Keuper-, Gips- und Sandsteinschichten geprägt ist, die sich unter den Mergel-, Lehm- und Lössböden des Ammertals befinden.

Seit 1750 wurde in Reusten Muschelkalk abgebaut, der letzte Steinbruch wurde 1970 eingestellt. In Breitenholz, Entringen, Poltringen und Altingen wurde Gips abgebaut, heute ist allerdings nur noch der Gipssteinbruch in Altingen in Betrieb. In den südlichen Dörfern an der Ammer gab es zeitweise Lehmgruben. Im nördlichen Schönbuch, aber auch in Breitenholz wurde seit 1383 Sandstein gebrochen.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Gemeinde Ammerbuch, sie werden im Uhrzeigersinn beginnend im Norden genannt und gehören zum Landkreis Tübingen beziehungsweise zum Landkreis Böblingen¹: Herrenberg¹, Altdorf¹, Tübingen, Rottenburg am Neckar und Gäufelden¹.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Ammerbuch besteht aus den sechs Ortsteilen Altingen (8,58 km² Fläche; 2549 Einwohner im März 2015[2]), Breitenholz (10,82 km²; 768), Entringen (13,94 km²; 3700), Pfäffingen (3,70 km²; 1811), Poltringen (4,84 km²; 1742) und Reusten (6,11 km²; 973). Die offizielle Benennung der Ortsteile erfolgt in der Form „Ammerbuch-…“, sie sind räumlich mit den früheren Gemeinden gleichen Namens identisch. Der Gemeinderat der Gemeinde Ammerbuch wird nach dem System der Unechten Teilortswahl gewählt, deshalb bilden die Ortsteile als Wohnbezirke bezeichnete Wahlkreise. Mit Ausnahme der Ortsteile Entringen und Pfäffingen bilden die Ortsteile Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung mit jeweils eigenem Ortschaftsrat und Ortsvorsteher als dessen Vorsitzender.[3]

Zum Ortsteil Altingen gehören das Dorf Altingen und die Häuser Gipswerk. Zu den Ortsteilen Breitenholz, Pfäffingen, Poltringen und Reusten gehören jeweils nur die gleichnamigen Dörfer. Zum Ortsteil Entringen gehören das Dorf Entringen (Verwaltungssitz) und Schloss und Hof Hohenentringen.

Im Ortsteil Reusten liegt die abgegangene, heute nicht mehr bestehende Ortschaft Röschenhofen.[4]

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ammerbuch ist durch angenehm mildes Klima geprägt, in einigen Teilorten wird noch im Nebenerwerb Weinbau betrieben. Nach der Tieferlegung der Ammer in den dreißiger und fünfziger Jahren treten keine Probleme mehr mit Überschwemmungen der Ammer auf. Ammerbuch liegt am Rande der Erdbebenzone des Hohenzollerngrabens.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ältesten Zeugnisse einer Besiedlung des Ammertals gehen bis in die Jungsteinzeit zurück. Auf dem Kirchberg zu Reusten wurden Werkzeuge, Hütten und Gräber gefunden, deren Alter auf etwa 6000 Jahre geschätzt wird.

Auf dem Schopfloch in Pfäffingen wurde ein keltischer Friedhof aus der Zeit um 500 v. Chr. gefunden.

In Pfäffingen, Entringen und Poltringen finden sich Grundmauern römischer Gutshöfe. Eine Römerstraße, die später auch Königsstraße oder Ammertalstraße genannt wurde, führte von Sumelocenna (das heutige Rottenburg am Neckar) über Unterjesingen, Poltringen, Reusten und Altingen nach Herrenberg und weiter bis Portus (das heutige Pforzheim). Von 84–260 n. Chr. wurde das Ammertal von den Römern beherrscht, bevor diese von den Alemannen verdrängt wurden.

Im 3. Jahrhundert siedelten sich die aus Norddeutschland stammenden Alemannen unter anderem im Ammertal und an den Schönbuchhängen an. Vermutlich im 5. oder 6. Jahrhundert entstanden so die sechs Dörfer, die heute Ammerbuch bilden.

Die Dörfer befanden sich lange Zeit im Besitz der Grafen von Nagold, später auch ihrer Rechtsnachfolger, der Grafen von Tübingen. Jedes Dorf war mit einer Burg befestigt.

Um 1293 verkauften die Pfalzgrafen von Tübingen ihren Besitz an das Kloster Bebenhausen. Dieses baute seinen eigenen Herrschaftsbereich auf, dessen Sitz das Schloss Roseck oberhalb von Entringen und Unterjesingen am Schönbuchrand war. In Entringen, Altingen, Poltringen und Pfäffingen gab es außerdem reichsunmittelbare Rittergüter, die nicht dem Landesherren unterstanden.

Nach der Auflösung des Klosters Bebenhausen 1534/35 kamen die Dörfer zum größten Teil an das Herzogtum Württemberg und wurden evangelisch. Pfäffingen gelangte 1699 an Württemberg, die Hälfte von Altingen, zwei Drittel von Poltringen und ein Teil Reustens kamen in österreichischen Besitz und wurden als Teil Vorderösterreichs teilweise katholisch.

1806 belohnte Napoleon I. Württemberg für seine Bündnistreue dadurch, dass die vorderösterreichischen Landesteile um Rottenburg an Württemberg fielen. Die Dörfer wurden ab 1808 vom Oberamt Herrenberg verwaltet. In der Neuordnung durch die Nationalsozialisten im Jahr 1938 fielen sie zum Landkreis Tübingen.

Ammerbuch wurde am 1. Dezember 1971 im Rahmen der Gemeindereform durch den Zusammenschluss der Gemeinden Altingen, Breitenholz, Entringen, Pfäffingen, Poltringen und Reusten gegründet.

Namensbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name Ammerbuch ist nicht historisch gewachsen, sondern ein Kunstwort, das auf die landschaftliche Lage zwischen Ammertal und Schönbuch verweisen soll. Namen dieser Art sind typisch für die Gemeindereformen der 1970er Jahre in Württemberg (vgl. z. B. Albstadt, Filderstadt, Starzach, Weinstadt).

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kommunalwahl 2014[5]
Wahlbeteiligung: 57,3 %
 %
30
20
10
0
28,6 %
26,7 %
20,9 %
13,8 %
10,0 %
BWV d
Anmerkungen:
a Grün-Alternative Liste
d Bürgerliche Wählervereinigung
Expression-Fehler: Unerwartete schließende eckige Klammer

Bei der Gemeinderatswahl am 25. Mai 2014 ergab sich folgende Sitzverteilung:[6]

  • GAL: 6 Sitze
  • CDU: 6 Sitze
  • FWV: 4 Sitze
  • BWV: 3 Sitze
  • SPD: 2 Sitze

Außerdem gibt es in Ammerbuch seit 2011 einen Jugendgemeinderat.[7]

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Bürgermeisterwahl am 16. Februar 2014 setzte sich die bisherige Gemeinderätin Christel Halm (CDU) mit 50,9 % im zweiten Wahlgang gegen vier Mitbewerber durch. Im ersten Wahlgang am 2. Februar 2014 hatte sie mit 39,7 % deutlich vor Andreas Steinacker (GAL) mit 29,4 % geführt. [8] Sie hat das Amt am 1. April 2014 angetreten und ist damit die erste Frau in diesem Amt.[9]

Am 22. Juli 2013 informierte der Amtsvorgänger Friedrich von Ow-Wachendorf den Gemeinderat, dass er zum 31. März 2014 aus persönlichen Gründen aus seinem Amt ausscheiden werde.[10]

  • 1971–2001: Hugo Dieter
  • 2001–31. März 2014: Friedrich von Ow-Wachendorf (CDU)
  • seit 1. April 2014: Christel Halm (CDU)

Ehemalige Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gemeindewappen zeigt in Gold (Gelb) eine bewurzelte grüne Buche, belegt mit einem erniedrigten blauen Wellenbalken.

Der Baum symbolisiert den Schönbuch, der blaue Wellenbalken die Ammer. Die sechs emporstrebenden Äste und die sechs bodenständigen Wurzeln der Buche repräsentieren die sechs Dörfer, die heute Gemeindeteile Ammerbuchs sind.

Die historischen Gemeindewappen, wie sie bis 1971 verwendet wurden:

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Michaelskirche in Entringen mit Schloss Hohenentringen im Hintergrund

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Schloss Hohenentringen oberhalb von Entringen aus dem 15. und 16. Jahrhundert (Zufahrt nur über Hagelloch)
  • Michaelskirche in Entringen
  • Wasserschloss und Mühle in Poltringen, nur von außen zu besichtigen
  • St. Stephanus-Kirche in Poltringen
  • überwachsene Ruine der Burg Müneck oberhalb von Breitenholz
  • überwachsene Ruine der Burg Kräheneck auf dem Kirchberg in Reusten

Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kunstmuseum Manfred Luz in Ammerbuch-Entringen
  • MUSEUM ANTHON Kunst im kleinen Bildformat in Ammerbuch-Breitenholz

Parks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ammertalbahn

Die Bundesstraße 28 verbindet die Gemeinde im Westen mit Herrenberg und dort mit der Bundesautobahn 81 und nach Osten mit Tübingen, Reutlingen und Ulm. Von dieser zweigt in Pfäffingen die Landesstraße 359 ab, die durch Pfäffingen, Poltringen, Reusten und Altingen führt. Zwei Querverbindungen verbinden beide Straßen miteinander: die Kreisstraße 6916 verbindet Reusten mit Breitenholz; die 6917 Altingen und Kayh (an der B 28).

Die Ammertalbahn führt durch das Gemeindegebiet (Haltepunkte in Pfäffingen, Entringen und Altingen) und bietet Anschluss Richtung Herrenberg an die Gäubahn und Richtung Tübingen (mit gelegentlicher Durchbindung weiter nach Reutlingen, Metzingen und Nürtingen nach Wendlingen am Neckar). Die Ammertalbahn fuhr 1910 zum ersten Mal, wurde 1966 aber stillgelegt. Erst im Jahr 1999 wurde der Betrieb wieder aufgenommen.

Der Öffentliche Nahverkehr wird durch den Verkehrsverbund Neckar-Alb-Donau (naldo) gewährleistet. Die Gemeinde befindet sich in der Wabe 110. Der Ortsteil Altingen liegt auf der Wabengrenze 110/501, der Ortsteil Pfäffingen auf der Wabengrenze 110/111.

Nördlich von Poltringen befindet sich der Landeplatz des Flugsportvereins Ammerbuch. Der Platz ist für kleine einmotorige Maschinen sowie für Segelflugzeuge ausgelegt.

Medien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Presselandschaft Ammerbuchs wird vor allem durch zwei Tageszeitungen geprägt. Das Schwäbische Tagblatt stammt aus Tübingen und ist die verbreitetste Tageszeitung. Der Gäubote aus Herrenberg ist das zweite Blatt im Ort. Das Amtsblatt der Gemeinde ist Ammerbuch Aktuell, es erscheint wöchentlich am Donnerstag.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ammerbuch hat in jedem der sechs Ortsteile eine Grundschule. Hinzu kommt eine Gemeinschaftsschule in Altingen. Weiterführende Schulen finden sich in Herrenberg, Rottenburg und Tübingen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Roland Fakler: Bilderbuch Ammerbuch – mit Texten, Bildern und Karten, Ammerbuch 2002
  • Hans Anthon Wagner, Wolfgang Wulz: Schwäbische Ortsnecknamen – Von Leuten, die mit Gold düngen, Breitenholzer Igelverlag, Ammerbuch 1996, ISBN 3-929695-03-0.
  • Hans Anthon: Schäferkarren-Philosophie – Gedichte und Geschichten eines Einsiedlers , Breitenholzer Igelverlag, Ammerbuch 2005, ISBN 3-937292-36-5.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden Baden-Württembergs 2014 (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen) (Hilfe dazu).
  2. Gemeinde Ammerbuch – Zahlen und Fakten - Einwohnerzahl
  3. Hauptsatzung der Gemeinde Ammerbuch vom 11. Dezember 2001, zuletzt geändert am 26. Juli 2004 (PDF; 41 kB) abgerufen am 21. März 2009
  4. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VII: Regierungsbezirk Tübingen. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004807-4, S. 120–123.
  5. http://wahlen11.rz-kiru.de/08416048W/gw2014gr.html
  6. Vgl. Endergebnis der Gemeinderatswahl auf der Homepage der Gemeinde Ammerbuch, entn. 20. July 2014.
  7. Jugendgemeinderat Ammerbuch. Kreisjugendring Rems-Murr e.V., abgerufen am 24. Februar 2014 (deutsch).
  8. http://www.ammerbuch.de/01wahlbm.html
  9. http://www.tagblatt.de/Home/nachrichten/kreis-tuebingen/ammerbuch_artikel,-Christel-Halm-ist-neue-Rathaus-Chefin-von-Ammerbuch-_arid,247227.html
  10. http://www.ammerbuch.de/pdf/BMPressemitteilung.pdf
  11. Hans Ammerich: Das Bistum Speyer und seine Geschichte, Band 2: Von der Stauferzeit (1125) bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts; Kehl am Rhein 1999; ISBN 3-927095-44-3. S.2,4.
  12. Horst Boxler: Die Herren von Entringen und die Frühgeschichte der Grafen zu Königsegg
  13. Landesarchiv Baden-Württemberg: WUB Band XII., Nr. 5841.
  14. Landesarchiv Baden-Württemberg: Bestand A 474 U 606: Bebenhausen, Besonderer Teil, Entringen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ammerbuch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien