Gerhard D. Wempe

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Gerhard D. Wempe KG
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Rechtsform KG
Gründung 1878
Sitz Hamburg, Deutschland
Leitung Hellmut Wempe, Kim-Eva Wempe
Mitarbeiterzahl Mehr als 600 (2011)
Umsatz 300 Mio. EUR (2010)
Website www.wempe.com

Filiale auf den Mannheimer Planken
Wempe-Geschäft in der Maximilianstrasse, München
Sternwarte Glashütte und älteres Produktionsgebäude von Wempe
Neubau von Wempe Glashütte
Blick in die Produktion in Glashütte

Die Gerhard D. Wempe KG (Chronometerwerke) ist ein Uhrenhersteller und deutscher Luxusuhren- und Schmuckhändler mit Sitz in Hamburg, geführt in der vierten Generation.[1] Das Unternehmen betreibt 26 Geschäfte, davon 20 in deutschen Großstädten und Niederlassungen in New York, Paris, London, Wien, Madrid, Peking sowie an Bord des Kreuzfahrtschiffs Europa und Europa 2.

Unternehmensgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Uhrmacher Gerhard Diedrich Wempe (* 26. März 1857, † 4. Mai 1921) gründete im Jahr 1878 das Unternehmen Wempe mit einem kleinen Uhrengeschäft im Haus seiner Tante in Elsfleth an der Weser. Nach einem Umzug nach Oldenburg im Jahr 1894 nahm er nach der Jahrhundertwende erste Geschäftsbeziehungen zu Schweizer Uhrenmanufakturen auf. 1907 eröffnete das erste Geschäft am Schulterblatt 141 im damals noch eigenständigen Altona. Hier konnte so viel Umsatz erzielt werden, dass das Unternehmen 1914 bereits fünf Niederlassungen in Hamburg umfasste.

Nach dem Tod von Gerhard Dietrich Wempe übernahm sein Sohn Herbert Gerhard Wempe (* 1. Februar 1890, † 18. August 1963) 1921 die Leitung der Geschäfte. Er erwarb 1923 ein Kaufmannshaus in der Steinstraße gegenüber der Hamburger Hauptkirche Sankt Jacobi, das er „Gülden Gerd“ nannte und unter Gerhard D. Wempe G.M.B.H. firmierte. – Die Firma Wempe hat dort bis in die Gegenwart ihren Firmenstammsitz. Für die Schweizer Uhrenmanufakturen Omega, Longines, Movado und Zenith erhielt das Unternehmen 1925 die Alleinvertretung.

Ein Einbruch 1929 in die Hamburger Filiale Mönckebergstraße – bei dem Beute im Wert von 30.000 Mark gemacht wurde – erregte überregionales Aufsehen, da Wempe in einem öffentlichen Brief den Dieben eine höhere Summe als Belohnung bot, als diese möglicherweise über Hehler erzielen würden. Wempe hatte mit der Aktion Erfolg. Hans Fallada wurde von der Geschichte zu seinem 1934 erschienenen Buch Wer einmal aus dem Blechnapf frißt inspiriert. 1955 griff ebenfalls Jules Dassin den Fall in seinem französischen Filmklassiker Rififi auf.[2]

Hellmut Wempe, der spätere Unternehmensleiter der dritten Generation, wurde am 30. April 1932 geboren.

Am 1. Mai 1937 wurde das Unternehmen Gerhard H. Wempe, Uhren und Goldwaren, Hamburg unter dem Betriebsführer Herbert Gerhard Wempe vom Amt für Schönheit der Arbeit der Deutschen Arbeitsfront als „Nationalsozialistischer Musterbetrieb“ mit der „Goldenen Fahne“ ausgezeichnet.[3] Wempe übernahm 1938 die Chronometer-Werke GmbH, welche Ferdinand Dencker mit sechs Hamburger und Bremer Reedern 1905 gegründet hatte. Im Zweiten Weltkrieg wurden durch die Operation Gomorrha alle Geschäfte des Unternehmens zerstört.

Der Enkel des Gründers Hellmut Wempe trat 1951 in das Geschäft ein. Zunächst musste das Unternehmen wieder aufgebaut werden; 1953 holte er die Schweizer Uhrenmarke Rolex nach Deutschland. Als eigene Uhrenlinie des Hauses Wempe wurde zwei Jahre später die Marke „Wempe Zeitmeister“ ins Leben gerufen. Als Herbert Gerhard Wempe 1963 starb, übernahm sein Sohn Hellmut von ihm die Leitung der Geschäfte und eröffnete im November selben Jahres in Lübeck die erste Niederlassung außerhalb Hamburgs. Von nun an expandierte Wempe kontinuierlich, eröffnete von 1967 bis 1973 mindestens ein neues Geschäft pro Jahr und schließlich im Jahr 1980 die erste Auslandsniederlassung an der exklusiven New Yorker 5th Avenue, nach der im selben Jahr eine eigene Uhrenlinie benannt wurde.

Hellmut Wempes Tochter, Kim-Eva Wempe (* 25. September 1962), trat im Jahr 1984 in den Familienbetrieb ein und wurde 1994 im Alter von 32 Jahren persönlich haftende Gesellschafterin des Unternehmens neben ihrem Vater. Nachdem sie 1999 die Schmucklinie BY KIM etabliert hatte, übernahm sie zum 125-jährigen Firmenjubiläum 2003 die operative Geschäftsleitung von ihrem Vater.

Seit 2006 führt das Unternehmen seine eigenen Uhrenlinien „Wempe Zeitmeister Glashütte i/SA“ und „Wempe Chronometerwerke Glashütte i/SA“, die in einer ehemaligen Sternwarte im sächsischen Glashütte gefertigt werden. Wempe beschäftigt in der Hamburger Zentrale über 60 Uhrmacher sowie Uhrmachermeister und verfügt damit über die größte unabhängige Uhrenreparaturwerkstatt der Welt. Die eigenen Schmuckstücke fertigt das Unternehmen in einem eigens dafür eingerichteten Schmuckatelier in Schwäbisch Gmünd. Mit rund 70 Auszubildenden stellt Wempe den führenden Ausbildungsbetrieb in seiner Branche dar.

2017 wurde nach großem Umbau in der Münchner Maximilianstraße, mit 1.349 m² Verkaufsfläche auf drei Etagen, die weltgrößte Wempe-Dependance eröffnet.[4]

Produkte (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wempe führt Marken wie Rolex, Patek Philippe, A. Lange & Söhne, Audemars Piguet, Baume & Mercier, Breitling, Breguet, Cartier, Chopard, Frederique Constant, Gucci, Glashütte Original, Hublot, IWC Schafhausen, Jaeger-LeCoultre, Junghans, Longines, Montblanc, Mühle Glashütte, Nomos Glashütte, Panerai, Parmigiani, Piaget, Rado, Roger Dubuis, TAG Heuer, Tudor, Tissot, Tutima, Ulysse Nardin, Vacheron Constantin und Wempe Glashütte I/Sa.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans H. Schmid: Lexikon der Deutschen Uhrenindustrie 1850–1980. Förderkreis Lebendiges Uhrenindustriemuseum e.V., Villingen-Schwenningen 2005, ISBN 3-927987-91-3.
  • Christopher Prignitz: Wempe – Anfänge einer Weltfirma. In: kulturland oldenburg. Zeitschrift der Oldenburgischen Landschaft. Nr. 150, 2011, ISSN 1862-9652, S. 38–43.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wempe – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gerhard D. Wempe KG. Gemeinsames Registerportal der Länder, abgerufen am 16. September 2016.
  2. Martina Goy: Die Taktgeber vom Schulterblatt. Die Welt, 1. Juli 2007, überarbeitet am 16. November 2011, abgerufen am 16. September 2016.
  3. Hans Biallas: Nationalsozialistische Musterbetriebe 1937/38, Erster Band. Gauverlag Bayrische Ostmark, Bayreuth, 1938, S. 59–60.
  4. Eröffnung der weltweit größten Wempe-Niederlassung in den historischen Maximilianarkaden München 23. Februar 2017.