Herbsleben

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Herbsleben
Herbsleben
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Herbsleben hervorgehoben
Koordinaten: 51° 7′ N, 10° 50′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Unstrut-Hainich-Kreis
Erfüllende Gemeinde: für Großvargula
Höhe: 169 m ü. NHN
Fläche: 25,02 km²
Einwohner: 2956 (31. Dez. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 118 Einwohner je km²
Postleitzahl: 99955
Vorwahl: 036041
Kfz-Kennzeichen: UH, LSZ, MHL
Gemeindeschlüssel: 16 0 64 022
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptstr. 52
99955 Herbsleben
Webpräsenz: www.gemeinde-herbsleben.de
Bürgermeister: Reinhard Mascher (CDU)
Lage der Gemeinde Herbsleben im Unstrut-Hainich-Kreis
Altengottern Anrode Bad Langensalza Bad Langensalza Bad Tennstedt Ballhausen Blankenburg Bothenheilingen Bruchstedt Dünwald Flarchheim Großengottern Großvargula Haussömmern Herbsleben Heroldishausen Hornsömmern Issersheilingen Kammerforst Kammerforst Kirchheilingen Kleinwelsbach Klettstedt Körner Kutzleben Vogtei Marolterode Menteroda Mittelsömmern Mühlhausen Mülverstedt Neunheilingen Vogtei Vogtei Vogtei Obermehler Oppershausen Oppershausen Rodeberg Schlotheim Schönstedt Schönstedt Südeichsfeld Sundhausen Tottleben Unstruttal Urleben Weberstedt WeinbergenKarte
Über dieses Bild
Kirche
Rathaus

Herbsleben ist eine Gemeinde im Unstrut-Hainich-Kreis in Thüringen.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde liegt an der Unstrut. Herbsleben liegt am Unstrut-Radweg, der sich hier in Richtung Osten vom Fluss löst und nach Gebesee weiterführt.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsteile der Gemeinde sind:

Herbsleben ist erfüllende Gemeinde für Großvargula.

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde liegt im Regenschatten des Thüringer Waldes und des Harzes. Deshalb ist die Niederschlagsmenge von nur ca. 480 mm pro Jahr im langjährigen Durchschnitt sehr gering. Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt 8,7 °C.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frühgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 780 erfolgte die erste urkundliche Erwähnung unter dem Namen Herefridesleiben. Der Ort wird aufgrund seiner optimalen Lage als Sitz der Könige von Thüringen angesehen.[2] In Herbsleben war deshalb wohl auch ein Königsgut angesiedelt. An der Stelle des im Jahr 1958 abgerissenen Schlosses stand ursprünglich eine Wasserburg. Sie diente der Sicherung des Umlandes und eines Überganges über die Unstrut, der zu einer Handelsroute gehörte, die vom Harz über Nordhausen kommend nach Arnstadt und über den Thüringer Wald führte.

12. Jahrhundert bis zur ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1144 nannte man einen Heinrich Herverisleyben (Herbsleben) in einer Urkunde des Erzbischofs von Mainz. Die Untermühle in Herbsleben wurde zwischen 1296 und 1327 unter Albert von Herversleiben als Lehen von den Grafen von Henneberg erwähnt. Danach begann dann eine abwechselnde Zeit der Besitzverhältnisse: 1351 erwarben die Landgrafen von Thüringen aus dem Haus Wettin die Lehenshoheit über Burg und Ort Herbisleybin von den Hennebergern. 1424 wurden die Ritter von Herbsleben letztmals genannt. Bei der Leipziger Teilung der wettinischen Besitzungen im Jahr 1485 ging der Ort an das Herzogtum Sachsen der Albertiner. Unter Herzog Heinrich dem Frommen als Lehnsherren über Herbsleben wurde im Jahr 1539 die Reformation eingeführt. Nach der Niederlage der Ernestiner im Schmalkaldischen Krieg im Jahr 1547 gehörte Herbsleben weiterhin zum albertinischen Staatsgebiet, welches sich nun "Kurfürstentum Sachsen" nannte.

Zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts bis 19. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kurfürst August trat 1554 im Naumburger Vertrag das Amt Herbsleben ohne die Stadt Tennstedt[3] an die Ernestinische Linie der Wettiner ab. Im gleichen Jahr übernahm Bernhard von Mila, Befehlshaber auf Burg Grimmenstein bei Gotha, durch Kauf das Amt und das Schloss Herbsleben. 1589 verkauften die Landesherren das Gut Herbsleben an Hans und Wilhelm von Kerstlingerode. 1554 begann der Umbau des Schlosses, welcher zwischen 1594 und 1600 vollendet wurde. Bereits 1627 wurde das Schloss zerstört und sofort wieder aufgebaut. Während des Dreißigjährigen Krieges brannte das Schloss und vier weitere Edelsitze, die Untermühle, die Gemeindeschänke und 136 Bauernhäuser und Stallungen ab. Ab 1640 gehörte Herbsleben nach mehreren Besitzteilungen der Ernestinischen Herzogtümer zum Herzogtum Sachsen-Gotha und ab 1672 zum Herzogtum Sachsen-Gotha-Altenburg. Der Ort war fast komplett vom Gebiet des Kurfürstentums Sachsen (Ämter Langensalza und Weißensee im Westen, Norden und Osten) und des kurmainzischen Erfurter Staats (im Süden) umgeben, nur im Südwesten grenzte Herbsleben an die zum Herzogtum Sachsen-Gotha gehörige Herrschaft Tonna (Döllstädt).

1647 verkaufte Herzog Ernst der Fromme den Ort an die Familie von Carlowitz als Erblehen. Bis 1657 erfolgte der Wiederaufbau des Schlosses. 1709 wurden Amt und Schloss Herbsleben von den Brüdern Jacob Wilhelm und Georg von Forstern erworben, deren Nachfahren im Jahr 1810 das Schloss mit dem Gut an Finanzrat Menz und Bankier Höfling aus Fulda verkauften. Ab 1817 war Herr Menz alleiniger Besitzer. Von diesem gelangte das Gut im Jahr 1823 an den Landgrafen von Hessen-Rotenburg und 1829 an dessen Schwager, den Fürsten Franz Josef von Hohenlohe-Schillingsfürst. Ab 1847 waren die Herzöge von Ratibor Besitzer des Schlosses.

Im Zuge der bürgerlichen Revolution im Jahr 1848 ging das Patronatsrecht über Herbsleben an die Gemeinde, die Lehnsherrschaft wurde aufgehoben und das Gut an Herbslebener Einwohner verpachtet. Das Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha, zu dem Herbsleben seit 1826 gehörte, wurde 1858 in selbständige Städte und Landratsämter gegliedert. Dabei wurde Herbsleben in Verwaltungsaufgaben dem Landratsamt Gotha und in Justizaufgaben dem Amtsgericht Tonna unterstellt.[4]

20. Jahrhundert bis zur Gegenwart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Schloss Herbsleben kam 1907 in den Besitz von Oskar Becker, der in dem Gebäude eine Gaststätte einrichtete. Herbsleben gehörte ab 1918 zum Freistaat Sachsen-Gotha, welcher 1920 im Land Thüringen aufging. Mit der Verwaltungsreform im Land Thüringen kam der Ort 1922 zum Landkreis Gotha und nach der Kreisreform in der DDR 1952 zum Kreis Langensalza im Bezirk Erfurt. 1958 erfolge der Abbruch des intakten Schlosses.[5]

Herbsleben gehörte seit 1990 mit dem im gleichen Jahr umbenannten Landkreis Bad Langensalza[6] wieder zum Freistaat Thüringen. Bei der Kreisreform in Thüringen kam Herbsleben mit dem Landkreis Bad Langensalza am 1. Juli 1994 zum neuen Unstrut-Hainich-Kreis.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Rat der Gemeinde Herbsleben besteht aus 14 Ratsfrauen und Ratsherren.

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der hauptamtliche Bürgermeister Reinhard Mascher (CDU) wurde am 22. April 2012 gewählt.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: gespalten; rechts in Gold drei rote Sparren übereinander, links in Silber ein nach links springender roter Hirsch.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herbsleben gilt neben Gierstädt und Kutzleben als eines der wichtigsten Spargelzentren Thüringens.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bahnhof Herbsleben lag an der Bahnstrecke Ballstädt–Straußfurt. Der Personenverkehr endete im Jahr 1997; im Jahr 1999 folgte die Stilllegung.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Funde aus der Bronze- und Hallstattzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Südlich des Ortes auf der Erfurter Höhe ist die Fundstelle eines bronzezeitlichen Hortes. Es handelt sich wohl um einen kultisch niedergelegten Schatz.[7]
  • Auf dem Galgenhügel in der Gemarkung von Herbsleben wurden in einem Grabhügel hallstattzeitliche Metallfunde geborgen. Man konnte deshalb auf früheisenzeitliche Nachbestattungen schließen.[8]

Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heimatmuseum, mit Ausstellungsstücken aus der Region

Schlossruine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine der Hauptattraktionen von Herbsleben stellt die Schlossruine dar. Es handelt sich dabei um eine Schlossanlage, die 1958 vermutlich aus politischen Gründen abgerissen wurde.
(Siehe Hauptartikel:Schlossruine Herbsleben)

Kirche St. Trinitatis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten des Ortes ist die Pfarrkirche St. Trinitatis. Sie ist Anziehungspunkt für viele Besucher und ist als Radfahrerkirche ausgewiesen. (Siehe Hauptartikel → St. Trinitatis (Herbsleben))

Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Traditionelles Pfingstfest[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit ca. 130 Jahren ziehen die Herbsleber Pfingstburschen am Pfingst-Samstag in die Fahner Höhen und schlagen auf traditionelle Weise zwei Pfingstbäume, die Maien. Diese werden anschließend mit Pferdegespannen nach Herbsleben gebracht und vor dem Rathaus aufgestellt. Am Abend findet dann der traditionelle Pfingsttanz statt. Aus dem montäglichen Eiersammeln entwickelte sich im Laufe der Zeit das Ständchen, dabei ziehen die Pfingstburschen mit einer Kapelle durch den Ort und bringen den Pfingstmädchen ein Ständchen.

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerung der Gemeinden vom Thüringer Landesamt für Statistik (Hilfe dazu).
  2. Thomas Bienert: Mittelalterliche Burgen in Thüringen. Wartberg Verlag, 2000, ISBN 3-86134-631-1, S. 307.
  3. Der Naumburger Vertrag in der Chronik der Stadt Langensalza in Thüringen, S. 207f.
  4. Das Justizamt Tonna im Archiv Thüringen
  5. Michael Köhler: Thüringer Burgen und befestigte vor- und frühgeschichtliche Wohnplätze. Jenzig-Verlag, 2001, ISBN 3-910141-43-9, S. 136.
  6. Gesetz über die Selbstverwaltung der Gemeinden und Landkreise in der DDR (Kommunalverfassung) vom 17. Mai 1990
  7. Michael Köhler: Heidnische Heiligtümer. Jenzig-Verlag, 2007, ISBN 978-3-910141-85-8, S. 178.
  8. Michael Köhler: Heidnische Heiligtümer. Jenzig-Verlag, 2007, ISBN 978-3-910141-85-8, S. 135-136.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Reinhold Andert: Die Tretenburg, Herbsleben und die Königsleutedörfer. In: Der Thüringer Königshort. Dingsda-Verlag, Querfurt 1995, ISBN 3-928498-45-2.
  • Reinhold Andert: Der Ring um Herbsleben. In: Der fränkische Reiter. Dingsda-Verlag, Querfurt/Leipzig 2006, ISBN 3-928498-92-4.
  • R. Steuckardt, K. E. Hecht: Herbsleben in Thüringen, Bilder aus einhundert Jahren. Selbstverlag der Gemeinde Herbsleben, Herbsleben 1995, ISBN 3-9804424-0-3.
  • R. Steuckardt: Herbsleben in Thüringen, Bilder und Geschichten 2. Teil. Selbstverlag der Gemeinde Herbsleben, Herbsleben 1999/2000, ISBN 3-9804424-5-4.
  • R. Steuckardt: Herbsleben in Thüringen, Bilder und Geschichten 3. Teil. Selbstverlag der Gemeinde Herbsleben, Herbsleben 2002/2003, ISBN 3-9804424-8-9.
  • R. Steuckardt: Eine Kollektion alter und neuerer Postkarten aus Herbsleben und den benachbarten Orten. Selbstverlag der Gemeinde Herbsleben, Herbsleben 2005, ISBN 3-9804424-9-7.
  • R. Steuckardt: Herbsleben in Thüringen, Das Dorf und seine Leute in alten Schriften. Selbstverlag des Autors, Herbsleben 2007.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Herbsleben – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien