Bad Tennstedt

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Bad Tennstedt
Bad Tennstedt
Deutschlandkarte, Position der Stadt Bad Tennstedt hervorgehoben
Koordinaten: 51° 9′ N, 10° 50′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Unstrut-Hainich-Kreis
Verwaltungs­gemeinschaft: Bad Tennstedt
Höhe: 172 m ü. NHN
Fläche: 27,27 km²
Einwohner: 2453 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 90 Einwohner je km²
Postleitzahl: 99955
Vorwahl: 036041
Kfz-Kennzeichen: UH, LSZ, MHL
Gemeindeschlüssel: 16 0 64 004
Adresse der
Stadtverwaltung:
Markt 1
99955 Bad Tennstedt
Webpräsenz: www.badtennstedt.de
Bürgermeister: Jens Weimann (CDU)
Lage der Stadt Bad Tennstedt im Unstrut-Hainich-Kreis
Altengottern Anrode Bad Langensalza Bad Langensalza Bad Tennstedt Ballhausen Blankenburg Bothenheilingen Bruchstedt Dünwald Flarchheim Großengottern Großvargula Haussömmern Herbsleben Heroldishausen Hornsömmern Issersheilingen Kammerforst Kammerforst Kirchheilingen Kleinwelsbach Klettstedt Körner Kutzleben Vogtei Marolterode Menteroda Mittelsömmern Mühlhausen Mülverstedt Neunheilingen Vogtei Vogtei Vogtei Obermehler Oppershausen Oppershausen Rodeberg Schlotheim Schönstedt Schönstedt Südeichsfeld Sundhausen Tottleben Unstruttal Urleben Weberstedt WeinbergenKarte
Über dieses Bild

Bad Tennstedt ist eine Land- und Kurstadt im Unstrut-Hainich-Kreis im Norden Thüringens und Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Bad Tennstedt, der weitere zwölf Gemeinden angehören.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bad Tennstedt liegt im westlichen Teil des Thüringer Beckens etwa 20 km nordwestlich von Erfurt inmitten eines landwirtschaftlich geprägten Gebiets. In der Umgebung der Stadt gibt es einige schwefelhaltige Quellen, deren Wasser seit 1812 als Heilmittel im Kurbetrieb genutzt wird.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zahlreiche Funde auf dem Gebiet von Bad Tennstedt deuten darauf hin, dass hier bereits seit der Jungsteinzeit Menschen siedelten.[2] Seit 1875 fanden dazu immer wieder auch systematische archäologische Grabungen statt. So fand man einen 1888 abgetragenen Grabhügel auf dem Kalkhügel im Flurstück Am Gericht, in dem eine junge Frau in gestreckter Rückenlage bestattet war. Zu den Funden gehörten Keramikreste und Bruchstücke von Wendelringen sowie Bernsteinschmuck.[3]

Die günstige und strategische Lage von Tennstedt untermauert die Überlieferung, dass im frühen Mittelalter ein Königshof bestanden hat. Es wird auch angenommen, dass sich aus dem Hof zwei Befestigungsanlagen entwickelten, die sich auf zwei benachbarten Anhöhen links und rechts der Straßenausgänge gen Norden befanden. Die Tennstedter Wasserburg hatte ihre Bedeutung durch die Verbindungsstraße Eisenach–Weißensee–Neuenburg zu verdanken, denn sie war für den Landgrafen von Thüringen der Hauptverbindungsweg zu seinen Sitzen. Von den Tennstedter Burgen sind kaum noch Spuren zu finden, da die Steine zum Bau der Stadtmauer verwendet wurden.[4]

Erste urkundliche Erwähnung findet der Ort in einer Schenkungsurkunde aus dem Jahr 772, nach der das Gut von einem Geistlichen Alwahlah an das Kloster Fulda vermacht wird. Aus dem Jahr 775 ist eine Schenkungsurkunde Karls des Großen an das Kloster Hersfeld bezeugt.

Seit dem 13. Jahrhundert verfügt Tennstedt über eine städtische Verfassung. 1419 erhielt die Vorstadt Osthöfen ebenfalls die Stadtrechte. Die Stadtmauer mit vier Toren – heute ein Wahrzeichen der Stadt – wurde erst in der Zeit von 1448 bis 1483 erbaut, bei ihrer Fertigstellung war sie bereits militärtechnisch veraltet. Tennstedt war vom 14. bis 17. Jahrhundert eine der fünf Waidstädte Thüringens, die das Recht hatten, mit Färberwaid zu handeln, der den wichtigen Farbstoff Indigo für die Textilproduktion lieferte.

Tennstedt kam als Teil des Amts Herbsleben bei der Leipziger Teilung im Jahr 1485 an das Herzogtum Sachsen der Albertiner. Nach der Niederlage der Ernestiner im Schmalkaldischen Krieg im Jahr 1547 gehörte Tennstedt weiterhin zum albertinischen Staatsgebiet, welches sich nun "Kurfürstentum Sachsen" nannte. Kurfürst August trat 1554 im Naumburger Vertrag das Amt Herbsleben ohne die Stadt Tennstedt[5] an die Ernestiner ab. Seitdem gehörte sie zum albertinischen Amt Langensalza.[6] Als Teil des Kurfürstentums Sachsen wurde die Stadt 1657 zum Sitz einer Kreisverwaltung bestimmt. Sie war der einzige Ort, der dem Kreisamt Tennstedt direkt unterstellt war.[7]

Tennstedt war um 1690–1700 von Hexenverfolgung betroffen. Vier Männer gerieten in Hexenprozesse.[8] Große Not verursacht die Stationierung von Besatzungstruppen im Siebenjährigen Krieg. 1800 wurde in Tennstedt eine Salpeterhütte errichtet, 1828 eine Papierfabrik. 1811 verhalf die Entdeckung einer Schwefelquelle der Stadt zu bedeutendem Aufschwung. 1812 wurde ein Kurpark angelegt und das erste Badehaus eröffnet. Der Kurbetrieb setzte ab 1813 ein. Johann Wolfgang von Goethe traf 1816 auf der Durchreise nach Baden-Baden, wo er eine Kur antreten wollte, in der Stadt ein.[9] Erst zum Ende des 19. Jahrhunderts wurden Anstrengungen unternommen, den Ort durch den Bau weiterer Kureinrichtungen und Pensionen attraktiver zu machen, die typische Bäderarchitektur blieb aber auf die Kurstraße beschränkt.[10]

Tennstedt gehörte nach seiner Abtretung an Preußen von 1816 bis 1944 zum Landkreis Langensalza in der Provinz Sachsen. Im April 1945 wurde Bad Tennstedt durch US-Truppen besetzt und Anfang Juli an die Rote Armee weitergegeben. Damit wurde der Ort, wie ganz Thüringen, Teil der SBZ und ab 1949 der DDR.

Am 17. Juni 1953 forderte der Pfarrer und Superintendent Gerhard Sammler vor 500 Menschen auf dem Marktplatz in Bad Tennstedt den Rücktritt der DDR-Regierung und freie Wahlen.[11] Die versammelte Menge sprach im Chor den Text des Deutschlandliedes, gefolgt von einer Ansprache des Pfarrers und abschließendem „Nun danket alle Gott“. Auch über Bad Tennstedt wurde vom sowjetischen Kommandanten der Ausnahmezustand ausgerufen. Die „Rädelsführer“, unter ihnen Pfarrer Sammler, wurden von Volkspolizei verhaftet.[12]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der ehrenamtliche Bürgermeister Jörg Klupak (SPD) wurde am 6. Juni 2010 wiedergewählt.[13] Am 5. Juni 2016 wurde er als ehrenamtlicher Bürgermeister von Jens Weimann (CDU) abgelöst.[14]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: „In Silber auf grünem Boden die untere Hälfte einer natürlichen Tanne; rechts vom Stamm wachsend ein Bischof in blau-goldenen Ornat, einen goldenen Bischofsstab in der Rechten, ein silbernes Buch in der Linken, darauf eine blaue Weintraube; links vom Stamm ein siebenmal von Rot und Silber geteilter Löwe.“

Symbolik: Die Tanne ist schon im Wappen im frühen 15. Jahrhundert. Der Bunte Löwe weist auf die ehemalige Oberherrschaft der Thüringer Landgrafen. Der Bischof steht für die kirchlichen Besitzungen der Klöster Hersfeld, Gandersheim und Fulda. Früher trug er ein Bischof in blau-silbernes Ornat. Die Weintraube steht für Weinbau in vergangenen Zeiten.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt Bad Tennstedt hat eine Städtepartnerschaft zu Bad Salzschlirf, die Verwaltungsgemeinschaft hat partnerschaftliche Kontakte nach Stromberg (Hunsrück), Bernkastel-Kues und Koźmin Wielkopolski.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtansicht nach Merian um 1650

Bad Tennstedt war im Mittelalter eine bedeutende Waid-, Ackerbürger- und Handelsstadt mit Handelswegen in Richtung Leipzig, Kassel und Frankfurt am Main an einer nördlichen Alternativroute zur Via regia. Einen Niedergang erlebte Tennstedt, ähnlich wie die Nachbarstädte Thamsbrück und Weißensee, vom 17. bis ins 19. Jahrhundert, als die Bedeutung der Landwirtschaft im Allgemeinen und des Waidanbaus im Speziellen zurückgingen und sich die Verkehrsströme verlagerten. So weist Bad Tennstedt heute noch im Wesentlichen das Stadtbild des 16. Jahrhunderts auf.

Im Stadtzentrum liegt der relativ große Dreiecksmarkt, der historische Handelsweg in östlicher Richtung nach Weißensee und zwei in westlicher Richtung nach Bad Langensalza und Mühlhausen verlassen. In der Mitte des Marktplatzes liegt das stattliche Rathaus mit Turm von 1598. Im Südwesten der Stadt befindet sich ein Hügel, auf dem die gotische Stadtkirche sowie die Fronveste stehen. Die Stadtkirche trug einst das Patrozinium des heiligen Wigbert und ist heute der heiligen Dreifaltigkeit geweiht. Teile des Chores stammen von 1418, der Rest entstand im Wesentlichen beim Wiederaufbau zwischen 1652 und 1659, nachdem die Kirche 1636 abgebrannt war. Mit ihren beiden gotischen Türmen mit barocken Hauben prägt sie das Stadtbild.

Die Fronveste liegt hinter der Kirche, von ihr sind ein Wehrturm und einige kleine Gebäude erhalten. Sie entstand um 1465 als Gefängnis und beherbergt heute das Stadtmuseum. Eine Wasserburg bestand östlich von Tennstedt, bis sie 1484 von der Stadt gekauft und als Steinbruch verwendet wurde. Umgeben ist die Stadt von einer Stadtmauer (entstanden zwischen 1443 und 1489 anstelle einer älteren Befestigung), von der Teile im Westen und Osten, einige Wehrtürme sowie das Osthöfer Tor erhalten sind. Das Osthöfer Tor von 1448 mit einem Dachaufbau von 1579 ist heute eines der Wahrzeichen Bad Tennstedts.

Östlich vor der Stadt lag die Vorstadt Osthöfen, die 1419 ebenfalls zur Stadt erhoben, jedoch niemals befestigt wurde. In diesem Bereich liegen zwei weitere Kirchen mittelalterlichen Ursprungs, zum einen die Nikolaikirche aus der Mitte des 15. Jahrhunderts, die heute als Friedhofskirche dient, zum anderen die Heiliggeistkirche, die zum mittelalterlichen Hospital der Stadt gehörte. Sie wurde 1506 erstmals urkundlich erwähnt und ist heute die katholische Pfarrkirche der Stadt.

Weitere Sehenswürdigkeiten sind die Bürgerhäuser der Renaissance in der Altstadt sowie der Kurpark im Nordosten der Stadt mit verschiedenen Anlagen für Kaltwasserkuren.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Personen, die mit Tennstedt in Verbindung stehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft und Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Median-Klinik ist eine Rehabilitationsklinik für Orthopädie und Neurologie, Fachkrankenhaus für Neurologische Frührehabilitation und Querschnittgelähmten-Zentrum.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bahnhof Bad Tennstedt lag an der Bahnstrecke Ballstädt–Straußfurt, auf der 1998 der Personenverkehr eingestellt wurde und die 1999 stillgelegt wurde.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerung der Gemeinden vom Thüringer Landesamt für Statistik (Hilfe dazu).
  2. Seiten zur Ur- und Frühgeschichte von Bad Tennstedt auf der Website des Kultur- und Heimatvereins Bad Tennstedt, abgerufen am 1. Januar 2011
  3. Michael Köhler: Heidnische Heiligtümer. Jenzig-Verlag, 2007, ISBN 978-3-910141-85-8, S. 137.
  4. Michael Köhler: Thüringer Burgen und befestigte vor- und frühgeschichtliche Wohnplätze. Jenzig-Verlag, 2001, ISBN 3-910141-43-9, S. 245/246.
  5. Der Naumburger Vertrag in der Chronik der Stadt Langensalza in Thüringen, S. 207f.
  6. Das Kreisamt Tennstedt auf S. 607
  7. Das Kreisamt Tennstedt im Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt
  8. Manfred Wilde: Die Zauberei- und Hexenprozesse in Kursachsen, Köln, Weimar, Wien 2003, S. 617f.
  9. Ein Radbruch nahe der Stadt zwang ihn jedoch zur Rast und dabei erfuhr er von der erst kürzlich eröffneten Kureinrichtung, Goethe unterließ die Weiterreise und blieb weitere fünf Wochen in Tennstedt.
  10. Hans Joachim Kessler: Heilendes Wasser und sprudelnde Quellen. Begegnungen mit historischen Bädern in Thüringen. Hrsg.: Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen. E. Reinhold Verlag, Altenburg 2001, ISBN 3-910166-44-X, Bad Tennstedt, S. 46–51.
  11. Der Schrei nach Freiheit. 17. Juni 1953 in Thüringen. Ausstellung der Stiftung Ettersberg im Thüringer Landtag in Erfurt im Juni 2012
  12. Bericht der Bezirksbehörde Erfurt der Volkspolizei vom 29. Juni 1953
  13. Kommunalwahlen in Thüringen am 6. Juni 2010. Wahlen der Gemeinde- und Stadtratsmitglieder. Vorläufige Ergebnisse. Der Landeswahlleiter, abgerufen am 6. Juni 2010.
  14. Kommunalwahlen am 05. Juni 2016. Abgerufen am 11. Juni 2016.
  15. John Stangeland: Warren William: Magnificent Scoundrel of Pre-Code Hollywood S. 5

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hermann Wohlfarth: Tennstedt in Gegenwart und Vergangenheit – Chronik von den Anfängen bis 1899, Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza, Reprint 1899/2004, ISBN 978-3-936030-63-1
  • Willi Schirmer u. a.: 1180 Jahre Bad Tennstedt. Bad Tennstedt, Kulturbund, 1955.
  • Kurt Heinz: Bad Tennstedt – Die Geschichte der Kurstadt in Thüringen 1899–2006, Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza, 2007, ISBN 978-3-936030-36-5

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Bad Tennstedt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Bad Tennstedt – Reiseführer