Immenrode (Goslar)

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Koordinaten: 51° 57′ 35″ N, 10° 29′ 3″ O

Immenrode
Stadt Goslar
Wappen von Immenrode
Höhe: 181 m
Einwohner: 1586 (31. Dez. 2015)[1]
Eingemeindung: 1. Juli 1972
Eingemeindet nach: Vienenburg
Postleitzahl: 38690
Vorwahl: 05324
Immenrode (Niedersachsen)
Immenrode

Lage von Immenrode in Niedersachsen

Immenrode ist ein Stadtteil von Goslar im Landkreis Goslar, Niedersachsen (Deutschland).

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Immenrode liegt etwa 7 Kilometer (Luftlinie) nordöstlich von Goslar und rund 5,5 km (Luftlinie) westlich von Vienenburg an der Bundesstraße 82 an den Ausläufern des Salzgitter-Höhenzuges im nördlichen Harzvorland. Der Ort wird vom Weddebach durchflossen. Die zu Immenrode gehörende Mühlenberg-Siedlung befindet sich etwa 1 Kilometer südwestlich des Ortes.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsname Immenrode deutet auf einen Siedlungsursprung als Rodeort hin, welche im nördlichen Harzvorland um etwa 1000 n. Chr. entstanden. Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte im Jahr 1086 durch Kaiser Heinrich IV. als Teil einer Schenkung an den Hildesheimer Bischof Udo von Gleichen-Reinhausen, zu der auch die Königspfalz Werla und Gitter gehörten. Im Mittelalter waren die Herren von Woldenberg, das Kloster Neuwerk und Graf Gerhard von Holstein hier begütert. Seit dem Mittelalter ist Immenrode Kirchdorf; das Patronat hatte über mehrere Jahrhunderte das Kloster Wöltingerode inne.

Nach langer Zugehörigkeit zum Fürstbistum Hildesheim gehörte Immenrode kurzzeitig zum Königreich Preußen (1803–1807), unter französischer Besetzung zum Departement der Oker (1807–1813) und schließlich zum Königreich Hannover (1813–1866).[2]

Zwischen 1840 und 1860 wurde „Schraders Windmühle“ gebaut, die jedoch bereits 1889/1890 wieder abgebaut und nach Liebenburg versetzt wurde. 1860 wird die Chaussee von Goslar über Immenrode nach Weddingen gebaut (heutige Bundesstraße 82), Immenrode war zuvor im Winter und Frühjahr oft "unpassierbar". Noch Ende des 19. Jahrhunderts gibt es über den Weddebach lediglich drei Furten, so dass die Dorfstraße häufig unter Wasser steht; Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden Brücken. Ab 1922 hält elektrischer Strom Einzug in das Dorf, 1927 folgten die ersten Wasserleitungen.

1935 führt der NSDAP-Beauftragte die Gemeinderäte ein, ab 1938 soll das Pfarrhaus auch für die Gliederungen der NSDAP genutzt werden. 1939 schließt der Gemeinderat Juden vom Gemeindevermögen aus, obwohl diese in Immenrode gar nicht über Gemeindevermögen verfügten. Während der Kriegsjahre ist eine Gruppe ausländischer Gefangener für längere Zeit in einer Feldscheune an der Weddinger Straße untergebracht. Am 10. April 1945 erreichen die Amerikaner das Dorf.[3]

Am 1. Juli 1972 wird Immenrode in die Stadt Vienenburg eingegliedert.[4] Zum 1. Januar 2014 erfolgt zusammen mit der Stadt Vienenburg die Eingemeindung in die Stadt Goslar.

Um 1900 hatte der Ort etwa 840, im Jahre 1926 etwa 900 Einwohner.[5] Nach 1945 stieg die Einwohnerzahl stark an. Rund um das Dorf entstanden mehrere Wohngebiete, zuletzt in den 1990er Jahren das Baugebiet Steinkamp und ab dem Jahr 2000 das Baugebiet Siekfelde. Alle Baugebiete sind mittlerweile abgeschlossen; eine Erweiterung des Dorfes Richtung Osten ist im Flächennutzungsplan zwar berücksichtigt, wird aber derzeit nicht weiter verfolgt. Heute leben knapp 1.600 Menschen in Immenrode.

Für das Jahr 2017 ist der Neubau von zwei Hochwasserrückhaltebecken südwestlich des Ortes vorgesehen, da die Dorfmitte in den vergangenen Jahren häufiger von Hochwasser betroffen war.[6] Auch soll 2017/2018 ein neues Feuerwehrhaus an der B 82 am südlichen Ortsausgang das nicht mehr zeitgemäße Haus in der Dorfmitte ersetzen.[7]

Harzer Käse aus Immenrode[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war Immenrode besonders für die Herstellung des Harzer Käses bekannt, einem aus Magerquark gewonnenen Sauermilchkäse. Die Immenröder stellten den Harzer Käse zum eigenen Verbrauch her oder verkauften ihn als Nebenerwerb in den umliegenden Orten; die Bedeutung des Käses brachte dem Dorf den Spitznamen „Bottermelknest“ ein. Erst in den 1970er Jahren stellte die letzte Käsebäckerei im Ort die Produktion ein.[8]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1. November 2011 ist Eckhard Wagner (SPD) Ortsvorsteher von Immenrode.

Der vorherige Ortsrat wurde gemäß Ratsbeschluss der Stadt Vienenburg mit Ablauf der Wahlperiode zum 30. Oktober 2011 aufgelöst. Der letzte Ortsrat in Immenrode setzte sich nach den Kommunalwahlen vom 10. September 2006 zusammen aus:

  • SPD: 5 Sitze (55,56 %)
  • CDU: 3 Sitze (32,06 %)
  • GAW: 1 Sitz (7,37 %)

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zur Eingemeindung 1972 besaß Immenrode kein eigenes Wappen. Im Zuge der Gemeindereform wurde ein neues Wappen entworfen, welches drei Häuser vor einem Dreiberg zeigte; dieses Wappen fand jedoch wenig Anklang. Zur 900-Jahr-Feier im Jahr 1986 wurde ein Heraldiker mit dem Entwurf eines neuen Wappens mit stärkerem historischen Bezug beauftragt. Am 18. Januar 1986 nahm der Ortsrat dieses noch heute gültige Wappen an.

Die Farben des Wappens beziehen sich auf das Hochstift Hildesheim. Die Krone in der oberen Hälfte symbolisiert die Zeit Immenrodes als Königsgut bis 1086. Die Baumwurzel in der unteren Hälfte symbolisiert die Entstehung als Rodungssiedlung.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Feldsteinkirche Immenrode

Den Ortskern Immenrodes prägen noch heute zahlreiche alte Fachwerkhäuser und landwirtschaftliche Höfe. Markantestes Bauwerk ist die in der Dorfmitte auf einem Hügel gelegene Feldsteinkirche. Deren Ursprünge sind ungewiss; möglicherweise gehörte der Kirchturm zu einer großen Wehranlage zwischen Werlaburg und Goslar, in deren Schutz sich die ersten Siedler niederließen. Der Steinanbau aus Bruchsteinen aus dem Harly und dem Sudmerberg entstand im 11. bis 13. Jahrhundert.[9] Das Bauwerk wurde mehrfach umgebaut und renoviert, u. a. 1894 unter Conrad Wilhelm Hase.[10]

Vor der Kirche steht ein Ehrenmal mit den Namen von 36 und 55 Kriegstoten der beiden Weltkriege.[11]

Am Dorfplatz überquert ein Fußweg den Weddebach auf einer Steinbogenbrücke, der ältesten Brücke im Ort.

Lohnende Ausflugsziele in unmittelbarer Nachbarschaft von Immenrode sind im Nordosten der Harlyturm auf dem Harlyberg im Harly-Wald, im Osten das Kloster Wöltingerode mit seiner Klosterbrennerei sowie im Südwesten die Stiftskirche St. Georg auf dem Gut Grauhof. Zwischen dem Kloster Wöltingerode und dem Gut Grauhof führt der Harzer Klosterwanderweg durch den Ort.[12]

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Größter Verein ist der Turn- und Sportverein TSV Immenrode mit mehreren Sportarten, insbesondere Fußball. Darüber hinaus beleben u. a. ein Schützenverein, ein Fanfarenzug, die ev. Kirchengemeinde und die Freiwillige Feuerwehr das soziale und kulturelle Leben im Ort.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Immenrode finden sich kleinere Geschäfte zur Grundversorgung, eine Gaststätte, eine Arztpraxis, einige Dienstleister sowie landwirtschaftliche Betriebe.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Ort gibt es einen ev. Kindergarten mit Kinderkrippe und eine Grundschule.

Das seit über 25 Jahren bestehende Mütterzentrum verfügt über ein vielseitiges Angebot für Kinder und Eltern und bietet eine Nachmittagsbetreuung an.

Der Regenbogenhof ist eine Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung mit sozialpädagogischen Tagesgruppen, sozialer Gruppenarbeit, tiergestützter Pädagogik sowie Ferienbetreuung im Sommer.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch den Ort verläuft die Bundesstraße 82 (Goslar-Schladen), über die bei Schladen Anschluss an die Bundesautobahn 395 (Braunschweig–Vienenburg) besteht. Kreisstraßen nach Vienenburg, Harlingerode und Hahndorf kreuzen sich in der Ortsmitte.

Über eine Buslinie der Regionalbus Braunschweig GmbH ist Immenrode an Goslar und Vienenburg angebunden.

Obwohl der Ort unmittelbar von der ehemaligen Bahnstrecke Vienenburg–Langelsheim berührt wurde, gab es nie einen Haltepunkt; ein solcher wurde beim Bau der Strecke vom Ort selbst abgelehnt.[13] Heute ist die Strecke stillgelegt und abgebaut. Die nächsten Bahnhöfe befinden sich in Goslar und Vienenburg.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Kirchenvorstand der Evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde St. Cosmas und Damian Immenrode, die zur Propstei Bad Harzburg gehört: Immenrode in Geschichte und Bildern 1086–1986, 1986

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Standortdaten & Statistik Stadt Goslar
  2. Dorfseite von Immenrode: Geschichte
  3. Dorfseite von Immenrode: Geschichte
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 270.
  5. Dorfseite von Immenrode: Geschichte
  6. "Hochwasserschutz an der Wedde wird vorbereitet", abgerufen am 8. Februar 2016
  7. "Neues Feuerwehrhaus in Immenrode soll 2018 stehen", abgerufen am 8. Februar 2016
  8. Dorfseite von Immenrode: Harzkäse aus Immenrode
  9. Ursprünge der Feldsteinkirche
  10. Hases Renovierung ab 1894
  11. Onlineprojekt Gefallenendenkmäler
  12. Harzer Klosterwanderweg
  13. Dorfseite von Immenrode: Doch einen Bahnhof wollten Sie nicht