Putz (Bauteil)

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Verputzte Wand in Pompeji (79 n. Chr.)
Schadhafter Verputz an einem Wohnhaus

Als Putz oder Verputz bezeichnet man einen Belag auf Außen- und Innenwänden sowie auf Decken im Bauwesen. Ein Bauwerk mit Außenputz wird auch als Putzbau bezeichnet.

Je nach Einsatzart erfüllt der Putz als Bauteil verschiedene Zwecke, von der Herstellung eines glatten Untergrundes zum Beschichten, Fliesen, Streichen oder Tapezieren bis zur großflächigen strukturellen Gestaltung. Über das Erscheinungsbild hinausgehende Aufgaben sind die Regulierung der Raumfeuchte bei Innenputzen, Wärmedämmung und Wasserabweisung bei Außenputzen, Brandschutz und Schallschutz. Putze bestehen aus mehreren aufeinander abgestimmten Lagen, die zusammen ein Putzsystem bilden.[1]

Als Baustoffe werden Putzmörtel und weitere Beschichtungsstoffe verwendet, oft ergänzt durch Armierungen, Bauplatten und Fertigelemente. Von „Trockenputz“ spricht man, wenn die Verkleidungen im Trockenbau hergestellt werden.

Wortherkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Putz wurde im 17. und 18. Jahrhundert aus dem Wort putzen gebildet. Das seit dem 15. Jahrhundert verwendete Verb bedeutete ursprünglich „den Butzen (Unreinigkeit, Schmutzklümpchen, Klumpen) entfernen“ (das Wort ist dahingehend etwa in der Butzenscheibe erhalten). Daraus entwickelten sich die zwei Bedeutungen „säubern, reinigen“ und „verschönern, schmücken“. An die Bedeutung des Reinigens knüpfen heutige Komposita wie Hausputz und Frühjahrsputz an. Die Bedeutung des Schmückens findet sich in alten Begriffen wie Kopfputz oder Putzmacherin, beide Begriffe stecken im Verputzen „Wände mit Mörtel bewerfen“.

Dabei bedeutet Putz im eigentlichen Sinne nur den Aspekt des sauberen und zierenden Endbewurfs (an den allfällig noch eine Färbelung angebracht wird), der Aspekt der Ausgleichsschicht beim Fliesen und Tapezieren fällt unter den Begriff Mörtel (lateinisch mortarius „das im Mörser feingemahlene“). Daher spricht man allgemein ausdrücklich vom Putzmörtel, wenn man das Material meint, und von Putz/Verputz, wenn man den Endbewurf meint.

Arten von Putz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Putz kann nach den verwendeten Materialien, i. d. R. nach dem Bindemittel (Kalkputz, Kalkzementputz, Zementputz, Gipsputz, Lehmputz, Silikatputz und organischer Kunstharzputz), nach dem Ort der Mörtelproduktion (Werk-Trockenmörtel, Baustellenmörtel), nach der Art des Anmischens (Handputz, Maschinenputz), nach der Oberflächenbehandlung (Kratzputz, Reibeputz, Kellenwurfputz, Kellenstrichputz), nach der Funktion (Wärmedämmputz, Akustikputz, Sanierputz, Magnetputz) oder nach der Auftragsstärke unterschieden.

Der Begriff „organisch“ bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die Eigenschaften des betreffenden Materials überwiegend von den enthaltenen Kunstharzen bestimmt werden. Ein „mineralischer Putz“ enthält demgegenüber nur wenige und ein „rein mineralischer“ Putz gar keine Kunstharzanteile.

Putzaufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Spritzbewurf oder Vorspritz (Haftvermittler): Dünn angerührter Spritzbewurf wird mit der Kelle oder dem Quast auf wenig saugende oder glatte Untergründe (z. B. Beton) netzartig, also nicht deckend, angeworfen. Auf stark saugenden (z. B. niedrig gebrannte Ziegel, Gips oder Lehm) oder ungleichmäßigen Untergründen (verschiedene Materialien) wird der Spritzbewurf vollflächig angeworfen.

Haftbrücke: Statt Spritzbewurf werden auf Betonflächen häufig organische Haftbrücken, z. B. zum nachfolgenden Auftrag von Gipsputzen, oder mineralische Haftbrücken zur Vorbehandlung des Untergrunds für Kalk-Zementputze verwendet.

Unterputz (Grundputz): Auf normal saugenden Untergründen kann der Unterputz in Stärken von 1 bis 3 cm (in Sonderfällen bis 10 cm) direkt auf den Untergrund aufgetragen werden. Der Unterputz soll Unebenheiten ausgleichen. Variiert die zum Ausgleich erforderliche Schichtdicke um mehr als 5–10 mm, wird in der Regel jedoch ein vorheriges Auffüllen der tieferliegenden Stellen nötig, da sich die Putzfläche sonst nicht mehr gleichmäßig abziehen lässt. Soweit sie nicht gebündelt auftreten, lassen sich einzelne Rohre und Kabel jedoch üblicherweise vielfach im Unterputz einbetten. Der Unterputz dient als Träger für Oberputze (Edelputze). Traditionelle Unterputze enthalten als Bindemittel meist verschiedene Kalke (oft mit Anteilen an Zement) oder Gips. Sie dienen in Innenräumen teilweise als Untergrund für Tapeten oder Anstriche. Putze mit höherem Zementanteil werden als Sockelputze oder in Feuchträumen (z. B. Keller und Bäder) und als Tragschicht von harten Wandbekleidungen (Naturstein, Fliesen) verwendet.

Oberputz: Mit Oberputz wird die letzte Putzlage eines Putzsystems im Außen- und Innenbereich bezeichnet. Er kann als Dünnschichtputz (organisch gebundener Putz, Schichtdicke = maximale Kornstärke) oder Dickschichtputz (überwiegend mineralisch gebundener Putz, Schichtstärke > Größtkorn) ausgeführt werden. Mineralisch gebundene Oberputze sind bauphysikalisch günstiger, benötigen jedoch für ein gleichmäßiges Erscheinungsbild und zum Wetterschutz meist einen Egalisationsanstrich.

Weitere Einteilungen:

Nach Auftragsstärke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Traditionell werden Dickschichtputze verwendet, die in einer Auftragsstärke von wenigstens dem zweifachen Durchmesser des Größtkorns des Zuschlagstoffs aufgebracht werden. Meist wurde ein Größtkorn von 2 bis 8 mm verwendet. Die typische Auftragsstärke beträgt 10–15 mm bei Innen- und 15–20 mm bei Außenputz.

Einige grobe Oberputze werden in geringerer Stärke verarbeitet, um eine spezielle Oberflächenstruktur herzustellen:

  • Spritzputz wird mit einem Größtkorn von bis zu 8 mm (selten bis zu 16 mm) relativ flüssig angemischt und wie ein vollflächiger Spritzbewurf über dem Grundputz angeworfen.
  • Bei Kratz- und Reibeputzen ist es teilweise erwünscht, dass das Größtkorn beim Abziehen bzw. Abreiben des angesteiften Putzes mitgezogen wird und Vertiefungen auf der Oberfläche hinterlässt. So etwa beim Münchner Rauputz und Wurmputz.
  • Durch Auswaschen des Bindemittels und Feinkorns tritt das Grobkorn (wie bei Waschbeton) dekorativ aus der Oberfläche hervor.[2]

Moderne Dünnschichtputze enthalten üblicherweise Kunstharze und andere Zusätze, welche durch Verzögerung der Austrocknung, Erhöhung der Bindekraft und Verbesserung der Verarbeitungseigenschaften Auftragsstärken ab etwa 3 mm ermöglichen. Spachtelmassen können teilweise sogar „auf Null“ ausgezogen werden. Der Handel nennt Dünnschichtputze auch Edelputze, um auszudrücken, dass besonders selektierte Gesteinskörnungen verwendet und die Eigenschaften des Putzes durch Zusatzmittel modifiziert werden. Dünnschichtputze werden häufig zur Überarbeitung bestehender Putzflächen sowie als dekorative Deckbeschichtung von Wärmedämmverbundsystemen eingesetzt. Häufig wird zur Vermeidung von Rissen eine Bewehrung in Form eines Glasfaser-Gewebes eingearbeitet.

Glätt-, Schweiß- und Schlämmputze werden in einer Stärke von wenigen Millimetern aufgetragen, um die Oberfläche des Grundputzes zu vereinheitlichen, zu glätten oder um Poren zu schließen. Wenn die darunterliegende Putzfläche noch nicht ganz abgebunden ist oder sehr gründlich vorgenässt wird, so können auch solche dünnen Putzschichten als reine Kalkputze ohne Zugabe organischer Bindemittel ausgeführt werden.

Nach Material[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lehmputz: Lehm ist das erste von der Menschheit verwendete Putzmaterial. Lehmputz ist einfach zu verarbeiten, vielseitig einsetzbar, sehr diffusionsoffen und schafft durch extreme Sorptionsfähigkeit ein gesundes Raumklima. Da Lehmputz feuchteempfindlich ist, sollte er nicht an Wetterseiten von Gebäuden oder in feuchten Kellern eingesetzt werden.
  • Kalkputz und Kalkschlämme: Wird meist als Putz für historische Gebäude, aufgrund seiner geringen Festigkeit und besseren Spannungsaufnahme genutzt. Benötigt zur Verarbeitung den versierten Fachhandwerker und längere Trocknungszeiten. Kalkputz ist ökologisch und wirkt fungizid. Er ist diffusionsoffen und sorgt für ein sehr gutes Raumklima.
  • Kalkzementputz: Klassischer Putz für innen und außen. Häufig auch als Kalkzementleichtputz (enthält kleinste Styroporkügelchen oder mineralische Zuschläge, z. B. Bims oder Blähglas) an Fassaden und in Feuchträumen verwendet. Kalkzementputz besitzt eine höhere Druckfestigkeit als reiner Kalkputz, und ist ebenfalls diffusionsoffen, sowie feuchteunempfindlicher. Durch den Zementanteil ist er aber für die hochwertige Instandsetzung von historischen Gebäuden wenig geeignet.
  • Gipsputz, je nach Inhaltsstoffen auch Anhydritputz, Gipskalkputz, Kalkgipsputz oder Gips-Kalk-Zement-Putz: Meist als geglätteter oder verriebener Putz für den Innenbereich verwendet. Oft zur Beschichtung mit Tapeten vorgesehen. Er darf in Feuchträumen bis zur Beanspruchungsklasse W3 (d. h. häusliche Küchen und Bäder) eingesetzt werden, jedoch nicht in gewerblich genutzten Nassräumen, Garagen o. ä. (Beanspruchungsklasse W4). Im Außenbereich wird gipshaltiger Putz nur ausnahmsweise in der Denkmalsanierung zum Nachstellen historischer Putzmischungen verwendet.
  • Kalkedelputz, wie beispielsweise Kalkglätte (bei niedrigen Temperaturen gebrannter Weißkalk, auch mit weißem Marmormehl-Zusatz), Stuccolustro (italienisch, übersetzt „glänzender Putz“; Kalkputz mit Wachs bearbeitet), Marmorino (auch Stucco veneziano genannt; mit farbigen Marmormehlen; in mehreren Schichten aufgetragen und nachverdichtet) oder Tadelakt (mit Seife wasserfest gemacht).
  • Puzzolan, rein oder als Zusatzstoff zu Putzen und Cocciopesto (mit Zusatz von Ziegelmehl)[3]
  • Trasskalk- und Trasszementputz
  • Baumwollputz: Wand- und Deckenbeschichtung für Innenräume, die aus Baumwollfasern und verschiedenen Füll- und Effektstoffen besteht. Als Bindemittel wirkt Zellulose. Baumwollputz und andere Naturfaserbeschichtungen werden meist als Endbeschichtung anstatt einer Tapete oder eines Reibe- oder Kratzputzes eingesetzt.

Nach der Oberflächengestaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rauputz/Reibeputz mit farbigen Streifen
Außenmauer der Ruine Ruchenberg: Rasa-Pietra mit Fugenstrich

Im Verlauf der Geschichte entwickelte sich eine große Vielzahl von Putzstrukturen und flächigen Gestaltungsmustern, die sich ebenso wie andere Gestaltungsmerkmale eines Gebäudes den verschiedenen baulichen Epochen zurechnen lassen.[4]

  • Glattputz bzw. Glättputz: Mithilfe von Glättkelle, Glätteisen oder polierten Steinen (Tadelakt) wird die Oberfläche von langsam abbindenden Kalk- oder Lehmputzen ein- oder mehrmals geglättet (Stucco lustro). Moderne kunstharzgebundene Glattputze werden auch aufgespachtelt und geschliffen. Glättputz im Außenbereich ist rissanfällig, häufig wenig feuchtigkeitsausgleichend und erscheint im Streiflicht oft ungleichmäßig.
  • Filzputz: Der Putz wird mit einem Filzbrett eingeebnet und abgerieben und erhält dadurch eine nahezu glatte Oberfläche.
  • Reibeputz und Scheibenputz: Ein Oberputz der durch den Einsatz eines Holz- oder Kunststoffreibebretts bzw. mit Stahltraufel oder Schwammscheibe mit kreisenden Bewegungen und durch die Feuchtigkeit des noch nicht erstarrten Putzes gerieben wird. Durch unterschiedliche Körnungsgrößen (bis 5 mm Korngröße) des Putzmörtel und verschiedene Reibebewegungen sind die üblichen Strukturen erreichbar, die regional unterschiedlich als Münchner Rauputz, Rillenputz, Wurmputz, Madenputz oder Rindenputz usw. bezeichnet werden. Das Reiben und Filzen von Außenputzen sollte vermieden werden, da es zur Anreicherung des Bindemittels an der Oberfläche und so zu dessen Verhärtung und Anfälligkeit für Risse führt. Aus dem gleichen Grund soll auch Innenputz nicht übermäßig lange mit Reibe- oder Filzbrett bearbeitet werden.
  • Rauputz: Durch traditionelle und oft regional differenzierte Behandlung beim bzw. nach dem Auftragen werden unterschiedliche Oberflächeneffekte erzielt. Zu den Rauputzen gehören beispielsweise Spritzputz, Rappputz, Graupenputz, Knottenwurf, sowie:
    • Beim Kratzputz wird vor dem endgültigen Erhärten die oberste Putzschicht abgekratzt. Dies ergibt einen rauen, aber langlebigen Putz, da hierdurch die bindemittelangereicherte und spannungsreiche sogenannte Sinterschicht entfernt wird. Eine besonders stark strukturierte Oberfläche erhält man durch die Verwendung einer groben Korngröße (bis etwa 4 oder 8 mm). Dann wartet man das erste, druckfeste Abbinden des Putzes ab, bis beim Kratzen mit einem Nagelbrett oder groben Sägeblatt das obenliegende Korn aus dem Putz herausspringt und nicht mehr am Werkzeug haften bleibt.
      • Hessischer Kratzputz und Sgraffito sind zwei Varianten des Kratzputzes bei denen die Putzoberfläche künstlerisch oder graphisch bearbeitet wird.
  • Die Oberfläche von Strukturputzen wird nach dem Auftragen durch die Bearbeitung mit der Kelle, dem Reibebrett, dem Quast oder anderen Werkzeugen gestaltet (z. B. Besenwurfputz, Besenzugputz, Kellenputz, Kellenstrichputz, Kellenwurfputz, Kammputz, Kammzugputz, Nagelbrettputz, Patschputz, Pinselputz, Waschelputz).
  • Steinputz wurde häufig in den 50er und 60er Jahren zur Herstellung von Bauteilen mit scharrierter Oberflächen verwendet, die grauem Naturstein ähnelten. Die Härte der Gesteinskörnung wird passend zur Festigkeit des Bindemittels ausgewählt, so dass sich der Putz nach dem Abbinden steinmetzartig bearbeiten lässt.
  • Schlämmputze, sowie Streichputze und Schweißputze werden typischerweise zur Überarbeitung von porösen Oberflächen, rissigen Altputzen oder als dünner (steinsichtiger) Überzug auf Naturstein- oder Ziegelwänden verwendet. Schlämmen, die in der Konsistenz zwischen Anstrich und Putzmörtel liegen, wurden traditionell genutzt, um grobe Spritz- und Wurf- oder poröse Kratz- und Rappputze zu überziehen. Mit dem Ergebnis einer lebendigen Oberfläche, die feinporig genug ist, ohne weiteren Anstrich auch an Wetterseiten eingesetzt zu werden.
  • In mittelalterlichen Bauten wie Burgen wurde oft der Rasa-Pietra-Verputz (= verstrichener Stein) verwendet. Bei dieser Technik wurde der Mörtel zwischen den einzelnen Mauersteinen verstrichen, bis die Mauer eine nahezu ebene Fläche bildete, die Steinköpfe jedoch unbedeckt blieben. Manchmal wurden zusätzlich Fugen in den feuchten Mörtel gezogen, um ein dekoratives Fugenbild zu erhalten („Fugenstrich“). Beim „Verbandelungsputz“ wurden die Fugen dagegen erhaben als schmale Wülste geformt. Wie bei jedem Putz im Außenbereich und insbesondere bei Fugenmörteln darf die Putzmischung keine höhere Festigkeit erreichen, als der Untergrund, da sonst feuchte- und frostbedingtes Quellen und Schwinden sowie Wärmespannungen zu einem beschleunigten Abwittern der Mauersteine führen.

Weitere Arten zum Auftrag des Putzes bzw. zur Bearbeitung der Oberfläche sind Abrieb, Feinzug, Modellierputz, Naturputz, Rollputz, Rustikaputz, Stechputz, Stempelputz, Stockputz, Walzputz und Waschputz.[5]

Nach Funktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Universalputz: Mörtelhersteller pflegen heute jedem Putz Kunstharzanteile beizumischen, der nicht speziell für den Denkmalpflegebreich gedacht ist. Universalputze enthalten größere Mengen Kunstharz und häufig auch Fasern, um auch auf ungleichmäßigen, unebenen und unterschiedlich saugfähigen Untergründen aufgetragen werden zu können. Sie werden daher auch als Renovierputz, Dünnschichtputz oder Haftputz angeboten und können häufig in Schichtstärken ab 4 mm aufgetragen werden.[6]
  • Wärmedämmputz: Da leichte Putze mit hohem Porenanteil nur bedingt wetterfest sind, werden sie meist mit einer Schlämme oder einem dünnen Edelputz überzogen. Sie werden überwiegend zur Erhaltunge der Fassadenstruktur in der Altbausanierung verwendet, da im Neubau ein Wärmedämmverbundsystem kostengünstiger und effektiver ist. Zur Beseitigung von Schimmelproblemen wurden sogenannte Kondensationsputze mit großen Kapillarvolumen entwickelt, die auf Innenwänden aufgebracht werden. Zu beachten ist, dass sich bei einer Innendämmung der Taupunkt zur Innenseite der (Rohbau)Wand verlagert. Gewöhnliche Dämmputze sind nicht für dauerfeuchtes Mauerwerk oder für den Sockelbereich geeignet.
  • Bei den gängigen Sockelputzen handelt es sich meist um zementhaltige Sperrputze, welche Wasserdampf einigermaßen passieren lassen, aber leicht hydrophob eingestellt sind. Bei dauerfeuchtem Mauerwerk können die von aufsteigender Nässe transportierten Salze zwischen Mauerwerk und auskristallisieren und den Sockelputz großflächig ablösen. Abhilfe schaffen dann weiche Opferputze oder spezielle Sanierputze.
  • Reine Luftkalkputze werden als Opferputze eingesetzt, welche besonders im Denkmalschutz dazu dienen, bauschädliche Salze über einen bestimmten Zeitraum hinweg aufzunehmen. Wenn die Oberfläche zu starke Ausblühungen aufweist, werden sie abgeschlagen und ersetzt. Dies ist besonders sinnvoll bei Sanierungsmaßnahmen nach Hochwasser oder allgemein nach Trockenlegung eines Gebäudes.
  • Sanierputze sind stark hydrophobierte, mit speziellen Luftporenbildnern versehene, Kalk-Zement-Putze, deren Struktur die Verdunstung aufsteigender Feuchte innerhalb der Putzschicht befördert, wodurch die zurückbleibenden bauschädlichen Salze im Putzgefüge eingelagert werden. Sichtbare Schäden durch auskristallisierende Salze werden hierdurch solange minimiert, bis die Poren mit Salz angefüllt sind. Kritisiert wird, dass der enthaltene Zement in ungünstigen Fällen selber zur Salzbelastung des Mauerwerks beitragen kann. Sanierputze WTA sind durch die Wissenschaftlich-Technische Arbeitsgemeinschaft für Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege zertifiziert. Zertifizierung wie Anwendung werden durch WTA-Merkblätter geregelt.
  • Akustikputze sind leichte Putze mit großem Porenvolumen, die nicht deckend überstrichen werden sollten, damit der Schall vom offenporigen Putz absorbiert werden kann.
  • Siehe auch: Hydroment.

Verarbeitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Putz kann maschinell oder von Hand aufgetragen werden. Je nach Oberflächenbeschaffenheit des fertigen Putzes spricht man von Reibe-, Struktur- oder Streichputz. Durch unterschiedliche Korngröße der Zuschlagstoffe und durch unterschiedliche Behandlung des frischen Putzes (Glattziehen, Kellenstriche, Kratzen, Kehren, …) entstehen unterschiedliche Effekte.

  • Kellenstrichputz entsteht durch das fächer- oder schuppenförmige Verstreichen des frisch aufgetragenen Putzmörtels. Aufgrund seines Einsatzes überwiegend in Kellern ist eine einlagige Verarbeitung die Regel.
  • Kellenwurfputz erhält seine typische und namensgebende Struktur durch das Anwerfen des Putzmörtels auf das Mauerwerk. In der Regel wird hierbei ein Putzmörtel mit einer Körnungsgröße bis 10 mm verwendet und einlagig gearbeitet.
  • Spritzputz wird ein- oder mehrlagig durch Aufsprenkeln auf das Mauerwerk mit einem feinkörnigen (kleiner/gleich 3 mm Korngröße) und dünnflüssigen Putzmörtel mit einem Spritzputzgerät aufgetragen. Im Gipsputzbereich erfolgt die gleiche Arbeitsweise, wobei der aufgespritzte Gipsputz glatt abgezogen und zusätzlich mittels einer Glättkelle (Traufel) geglättet wird.

Meist besteht ein Putzsystem aus mehreren Schichten. Mineralische Putze werden in der Regel in einer eher dickeren Schicht (etwa 1,5 cm) angeworfen und können so als Ausgleichsschicht für Unebenheiten in der Oberfläche genutzt werden. Viele Kunststoffputze, die den äußeren Abschluss eines Wärmedämmsystems bilden, werden dagegen sehr dünn aufgezogen.

Um die Bildung von Rissen im Putz zu verhindern und dessen Widerstandsfähigkeit zu erhöhen, kann eine Armierung (Bewehrung) hilfreich sein. Hierzu wird z. B. Glasfasergewebe in die Putzschicht eingearbeitet.

Putzregeln für Außenputz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die traditionelle Putzregel besagt, dass aufeinanderfolgende Schichten von Untergrund, Vorspritz, Unter- und Oberputz immer weicher werden sollen. Auf diese Weise wird die Bildung von Rissen und die schalenförmige Ablösung von Putzschichten mit zu großer Festigkeit vermieden. Klassischer weicher Kalkputz ist relativ elastisch und kann Spannungen, die durch Sonneneinstrahlung, Feuchte und Frost entstehen, gut aufnehmen. Da Luftkalkputz viel Feuchtigkeit aufnimmt, wurden Wetterseiten durch Kalkschlämme, Kalkfarbe, Verbretterung, Schindeln oder durch große Dachüberstände vor Schlagregen geschützt.

Bei modernem Wärmedämmputz und Wärmedämmverbundsystemen wird diese Regel umgekehrt. Die Rissbildung wird durch die Einlage von Armierungsgewebe sowie durch die Beimischung von Kunstharzen vermieden, die den Putz elastischer machen. Die Putzschicht kann hierbei als eigene Schale angesehen werden. Eine Ablösung vom Untergrund tritt nicht ein, da die unterliegende Dämmschicht den Putz elastisch entkoppelt und Wärmedehnung zulässt. Edelputze mit hohem Kunstharzanteil behindern den Feuchtigkeitsaustausch. Dies kann zur Veralgung der Oberfläche und im Falle von Wasserschäden zur Feuchtigkeitsansammlung in Wand und Dämmschicht führen.

Funktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fundort Thermengasse im römischen vicus Turicum (Zürich): Verputzreste von bemalten Wänden aus den Thermen, dem Stil entsprechend aus dem 1. Jahrhundert n. Chr., mit kräftigen Farben: Gelb, Rot und Schwarz
Fundort Thermengasse: Verputzreste von bemalten Wänden aus dem 2./3. Jahrhundert n. Chr. mit feinen farbigen Linien auf großflächig weißen Wänden

Wandputz dient der optischen Gestaltung von sichtbaren Flächen und zum Schutz vor schädlichen Einwirkungen oder als Grundlage für weitere Beschichtungen, wie Farben, Fliesen oder Tapeten.

Schutzfunktionen:

Besondere gestalterische Funktionen:

  • Bei einem Fresko wird der noch frische Putz mit Kalkfarbe bemalt, wodurch Farbe und Putz gemeinsam zu künstlichem Kalkstein aushärten
  • Bei Stuckmarmor und Stuccolustro werden spezielle Zusatzstoffe und Pigmente durch Polieren und Wachsen in eine marmorähnliche Oberfläche verwandelt.

Moderne Leichtputze oder Ultra-Leichtputze wurden entwickelt, um damit die immer leichteren und hochdämmenden Wandbildner zu verputzen.

Materialien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Putze können aus vielerlei Materialien bestehen. Traditionell bestehen sie aus Bindemittel, Zuschlagstoffen und Wasser. Quarzsand, Kies, Gesteinsmehle und Ziegelsplitt sind mineralische Zuschlagstoffe. Zuschläge wie Stroh, Tierhaar, Glasfaser und -mehl u. a. werden oft zur Armierung, Strukturbildung oder Farbgebung zugegeben und Leichtzuschläge wie Vermiculit, Schaumglasgranulat, Kork, Blähton, EPS u. a., um die Wärmeleitfähigkeit herabzusetzen. Sogenannte Vergütungen und Additive wie z. B. Kunststoffe regulieren die technischen Eigenschaften.

Bei der Unterscheidung von Putzen nach dem Material handelt es sich in der Regel um eine Unterscheidung nach dem Bindemittel, da dieses einen entscheidenden Einfluss auf die Eigenschaften und den Verwendungszweck des Putzes hat.

Die Bindemittel werden folgendermaßen unterschieden: mineralisch gebundene Putze und organisch gebundene Putze. Mineralische Putze haben anorganische Bindemittel, besonders häufig Kalk, Zement, Gips, Lehm oder Silikat (Wasserglas), besonders bei traditionellen und/oder ökologischen Bauweisen. Oft werden Kalk und Zement gemischt, um die Verarbeitungseigenschaften zu verbessern. Organisch gebundene Putze haben organische Bindemittel wie Kunstharze (Dispersion) ggf. mit Anteilen von Silikonharz, Acrylaten u. a.

Ausführende Handwerker[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Handwerker, der den Putz verarbeitet, ist der Stuckateur, Gipser beziehungsweise Putzer, regional auch der Tüncher, Maurer, Rabitzer, Plisterer oder der Ibser. Das Verputzen von Oberbeschichtungen wie Rau- oder Rollputz wird inzwischen auch vom Maler ausgeführt. In Genealogien kommt öfter der alte Beruf Rauher und Rauhermeister vor.

Normen und Richtlinien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • DIN EN 18 299 VOB – Teil C: Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV)
  • DIN 18350: Putz- und Stuckarbeiten
  • DIN EN 13914 -1 -2: Putz- und Stuckarbeiten
  • DIN V 18550:2005-04 Putz und Putzsysteme – Ausführung
  • DIN EN 18 555 Putz
  • DIN EN 18 557 Werkmörtel
  • DIN 18345 Wärmedämm-Verbundsysteme

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Technisches Handbuch: Putz – Stuck – Trockenbau – Wärmedämmung, 3. Auflage 2010, Fachverband der Stuckateure für Ausbau und Fassade und Schweizerischer Maler- und Gipserunternehmer-Verband (SMGV)
  • Hans Albrecht Gasch; Gerhard Glaser; Handwerkskammer zu Leipzig (Hrsg.): Historische Putze: Materialien und Technologien. Sandstein Verlag, Dresden 2011, ISBN 978-3-942422-52-9
  • Annette Spiro, Hartmut Göhler, Pinar Gönül (Hrsg.): Über Putz, Oberflächen entwickeln und realisieren. gta Verlag, Zürich 2012, ISBN 978-3-85676-301-5
  • Putz. In: Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 16. Leipzig 1908, S. 470.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Putz (Baustoff) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dietrich Neumann et al. (Hrsg.): Frick/Knöll Baukonstruktionslehre 2, Springer, Wiesbaden 2003, S. 643–716.
  2. Beispiel für groben Graupenputz an der Lauterbacher Wehrkirche (PDF; 217 kB) im Erzgebirge
  3. materialarchiv.ch
  4. Bildliche Darstellung sowie kurzer Überblick über die in den jeweiligen architektonischen Epochen üblichen Putzstrukturen durch das Büro Baudenkmalpflege Bauch, abgerufen im Februar 2016
  5. Helmut Kollmann: Putzmörtel für gezielte Anwendungen – Das Zusammenspiel von Bindemitteln, Zuschlag und Zusätzen, 5. März 2009; abgerufen im Februar 2017
  6. Technisches Datenblatt eines faserhaltigen Universalputzes, der vom Hersteller auch als Haft-, Renovier- und Dünnschichtputz bezeichnet wird.