InterRail

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InterRail-Ticket der ÖBB 2004
InterRail-Ticket der Deutschen Bahn 2011

InterRail bezeichnet eine Zugfahrkarte für die erste oder zweite Klasse zu einem Pauschalpreis, mit dem über einen bestimmten Zeitraum unbegrenzt viele Zugfahrten bei bestimmten europäischen Eisenbahngesellschaften genutzt werden können. Erforderliche Reservierungen und Aufpreise für manche Züge sind im Ticket nicht enthalten und müssen vor dem Fahrtantritt beglichen werden. Der Pass gewährt auch Boni für bestimmte Unternehmen (etwa für Fährunternehmen und Eisenbahnmuseen).

Als Fahrkartenvarianten gibt es den „InterRail Global Pass“ für 30 europäische Länder und den „InterRail One Country Pass“ für einzelne Länder. Die Preise sind unter anderem nach Altersgruppen geregelt.

Gültigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bewohner folgender Länder können die Fahrkarte erwerben:[1]

Für Bewohner anderer Länder ist das Eurail-Ticket vorgesehen.[2]

InterRail Global Pass[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Länder, in denen der InterRail Global Pass gültig ist

Der InterRail Global Pass gilt für mehrere europäische Bahnunternehmen in 32 Ländern Europas:

Der Global Pass ist nicht im eigenen Wohnsitzland gültig. Mit einem Global Pass ist es allerdings möglich, jeweils eine Fahrt vom Wohnort zur Grenze oder zu einem Flughafen und zurück zu machen. Diese Fahrten müssen innerhalb der Gültigkeitsperiode des Passes gemacht werden und erfordern einen Reisetag falls man mit einem Flexi Pass unterwegs ist. Es gibt ihn in fünf Zeitvarianten:

  • 5 frei wählbare Reisetage innerhalb von 15 Tagen
  • 7 frei wählbare Reisetage innerhalb von einem Monat
  • 10 frei wählbare Reisetage innerhalb von einem Monat
  • 15 frei wählbare Reisetage innerhalb von einem Monat
  • 15 Reisetage am Stück
  • 22 Reisetage am Stück
  • ein Monat am Stück

InterRail One Country Pass[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der InterRail One Country Pass ist gültig für 3, 4, 6 oder 8 frei wählbare Tage innerhalb eines Monats und innerhalb eines Landes. (Ausnahme: Die Beneluxländer Belgien, Luxemburg und Niederlande sind zu einem Benelux-Pass zusammengefasst.) Ein One Country Pass kann nicht für das eigene Wohnsitzland erworben werden. Die Preise variieren von Land zu Land und sind in folgende Kategorien (im Niveau absteigend) gegliedert:

  • Stufe 1 – Deutschland, Frankreich und Großbritannien, ItalienPlus
  • Stufe 2 – Norwegen, Schweden, Österreich und Spanien
  • Stufe 3 – BeNeLux, Dänemark, Finnland, Irland, GreecePlus und Schweiz
  • Stufe 4 – Griechenland, Kroatien, Polen, Portugal, Rumänien, Tschechien und Ungarn
  • Stufe 5 – Bulgarien, Serbien, Slowakei, Slowenien und Türkei sowie die Republik Mazedonien

Preise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alle Preise werden in Euro angegeben und gelten in allen teilnehmenden Ländern. Die Preise sind in vier Tarifgruppen gegliedert:

  • Kinder (4 bis 11 Jahre): Hälfte des Vollpreises
  • Jugendliche (12 bis 27): stark ermäßigter Vollpreis[3]
  • Erwachsene (28 bis 59): Vollpreis
  • Senioren (ab 60): gering ermäßigter Vollpreis

Früher kostete die InterRail-Fahrkarte für Bürger der Länder Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Mazedonien, Polen, Rumänien, Serbien, Slowakei, Tschechien und Ungarn aufgrund des dortigen allgemein niedrigeren Preisniveaus weniger. Mit Erlass eines entsprechenden europäischen Gesetzes sind die Preise seit 1. April 2007 in allen Ländern gleich.[4]

Ein einmonatiger Global Pass für die 2. Klasse kostet 479 Euro für Jugendliche und 626 Euro für Erwachsene (Stand September 2016). Während die Ticketpreise bei den unter 26-Jährigen erhöht wurden, wurden die Preise bei Erwachsenen in den letzten Jahren reduziert.[5] Die Preise für die einzelnen One Country Passes richten sich nach dem Preisniveau der jeweiligen Länder sowie nach der Größe des zur Verfügung stehenden Schienennetzes. So kostet ein Länderpass (acht Tage, Erwachsene, 2. Klasse) für Länder der höchsten Kategorie 329 Euro und für die der niedrigsten 132 Euro (Stand Mai 2013).[6]

Für einige Zuggattungen, vor allem für Hochgeschwindigkeitszüge wie TGV ist ein Aufpreis bzw. eine Reservierung (die aber oft im Aufpreis inbegriffen ist) erforderlich und sollte vor dem Fahrtantritt bezahlt werden. Die diesbezüglichen Bedingungen in den einzelnen Ländern sind unterschiedlich.[7]

Zudem gibt es eine nach bestimmten Kriterien berechnete und unterschiedlich hohe Ermäßigung für Fahrten mit dem Eurostar zwischen Großbritannien und dem Kontinent. Weitere Ermäßigungen können mit einem InterRail-Ticket auf bestimmten Fähren in Anspruch genommen werden.

Teilnehmende Bahnunternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am InterRail-Angebot nehmen die bedeutendsten Bahngesellschaften der meisten europäischen Länder teil. Nicht beteiligt von allen europäischen Ländern sind die Bahngesellschaften von Albanien, den baltischen Staaten (Estland, Lettland, Litauen), Moldawien, Russland, Transnistrien, der Ukraine und von Weißrussland sowie naturgegebenermaßen die Länder ohne Eisenbahnnetz (Andorra, Island, San Marino, Vatikan und Zypern). Bahnstrecken im britischen Nordirland sind im Preis einer InterRail-Karte für die Republik Irland inbegriffen.

Bahnkürzel Land Eisenbahnverkehrsunternehmen
ATOC/Britrail Großbritannien Verbund der Eisenbahnverkehrsunternehmen (Großbritannien)
Attica Attica Schifffahrtsgruppe (Superfast Ferries – Blue Star Ferries)
BDŽ Bulgarien Bulgarische Staatliche Eisenbahnen
ČD Tschechien Tschechische Eisenbahnen
CFARYM Mazedonien Eisenbahnen der ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien
CFL Luxemburg Luxemburgische Eisenbahnen
CFR Rumänien Rumänische Eisenbahnen
CP Portugal Portugiesische Eisenbahnen
DB Deutschland Deutsche Bahn
DSB Dänemark Dänische Staatliche Eisenbahnen und das private Eisenbahnverkehrsunternehmen Arriva, mit Ausnahme der DSB-Züge „IC Bornholm“ zwischen Kopenhagen und Ystad
Kroatien Kroatische Eisenbahnen
Irland Irisches Beförderungsunternehmen
MÁV Ungarn Ungarische Staatliche Eisenbahnen einschließlich der von GYSEV betriebenen Strecke Győr – Sopron
NS Niederlande Niederländische Eisenbahnen
NSB Norwegen Norwegische Staatliche Eisenbahnen
ÖBB Österreich Österreichische Bundesbahn einschließlich der von ROeEE betriebenen Strecke Ebenfurth – Sopron
OSE Griechenland Hellenische Eisenbahnorganisation
PKP Polen Polnische Staatliche Eisenbahnen
Renfe Spanien Spanische Eisenbahnen
SBB/CFF/FFS Schweiz Schweizerische Bundesbahnen einschließlich zahlreicher privater Eisenbahnverkehrsunternehmen.
SJ Schweden Schwedische Eisenbahnen und die privaten Eisenbahnunternehmen Arlanda Express, Connex, Merresor, Tågkompaniet und Inlandsbanan.
SNCB/NMBS Belgien Belgische Eisenbahnen
SNCF Frankreich Französische Eisenbahnen
Slowenien Eisenbahnen von Slowenien
TCDD Türkei Türkische Staatliche Eisenbahnen
Trenitalia Italien Italienische Eisenbahnen
VR Finnland Finnische Eisenbahnen
ŽCG Montenegro Eisenbahnen von Montenegro
ŽFBH/ŽRS Bosnien-Herzegowina Bahngesellschaft der Föderation Bosnien und Herzegowina / Bahngesellschaft der Republika Srpska
ŽS Serbien Serbische Eisenbahnen
ŽSSK Slowakei Eisenbahnen der Slowakischen Republik

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Inter-Rail-Fahrkarte (1982)
Inter-Rail-Fahrkarte (1985)

InterRail entstand im Kontext einer Zeit, in der die klassischen Familien- und Pauschalreisen, die sich in Europa während der 1950er und 1960er Jahre etabliert hatten, von jungen Menschen der 68er-Bewegung in Frage gestellt wurde und der Hippie trail als alternative Reiseform an Bedeutung gewann.

Interrail-Reisende 1985

Die Fahrkarte wurde am 1. März 1972[8] von mehreren europäischen Eisenbahngesellschaften der Länder Belgien, Bundesrepublik Deutschland, Dänemark, DDR, Finnland, Frankreich, Griechenland, Niederlande, Irland, Italien, Jugoslawien, Luxemburg, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Schweden, Schweiz, Spanien, Ungarn und Vereinigtes Königreich anlässlich des 50. Geburtstags der UIC eingeführt.[9]

Man wollte im Zuge des aufkommenden Rucksacktourismus jungen Leuten bis 21 Jahre eine preisgünstige Möglichkeit bieten, Europa kennenzulernen. 1976 später wurde die obere Altersgrenze von 21 auf 23 und 1979 auf 26 Jahre angehoben, 1988 wurde das Alterslimit per "26+"-Tarif gänzlich aufgehoben.

1985 wurde das InterRail-Ticket mit dem Angebot „InterRail + Fähre“ aufgewertet. Nun konnte man Fähren bestimmter Gesellschaften mit einer Ermäßigung als weiteres Transportmittel benutzen. Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks und dem Fall des Eisernen Vorhangs beteiligten sich ab 1991 weitere mittel- und osteuropäische Staaten an InterRail, sodass die Reise durch 28 Staaten möglich war.

1994 wurden alle teilnehmenden Länder in sieben Zonen eingeteilt:

  • A – Irland und das Vereinigte Königreich
  • B – Finnland, Norwegen und Schweden
  • C – Dänemark, Deutschland, Österreich und die Schweiz
  • D – Bulgarien, Jugoslawien, Kroatien, Polen, Rumänien, Slowakei, Tschechien und Ungarn
  • E – Belgien, Frankreich, Luxemburg und die Niederlande
  • F – Marokko, Portugal und Spanien
  • G – Griechenland, Italien, Slowenien und die Türkei, sowie der Schiffsverkehr zwischen Italien und Griechenland (Ancona/Bari – Korfu/Igoumenitsa/Patras)

Das Ticket war erhältlich entweder für 15 Tage für eine Zone oder für einen Monat wahlweise für zwei, drei oder alle Zonen.
Vier Jahre später wurde die Zone D in zwei Zonen aufgeteilt:

  • D – Kroatien, Polen, Slowakei, Tschechien und Ungarn
  • H – Bulgarien, Jugoslawien, Mazedonien und Rumänien

Nach der politischen Trennung von Serbien und Montenegro und nachdem Bosnien und Herzegowina 2005 InterRail beigetreten war, sahen die Zonen D und H zuletzt wie folgt aus:

  • D – Bosnien und Herzegowina, Kroatien, Polen, Slowakei, Tschechien und Ungarn
  • H – Bulgarien, Mazedonien, Montenegro, Rumänien und Serbien

Am 1. April 2007 wurde die Einteilung in Zonen aufgelöst, seither gibt es nur noch den Global Pass im Angebot sowie den One Country Pass, welcher das Euro Domino-Ticket ablöste. Diese Maßnahme wurde mit dem Argument einer geringen Nachfrage erklärt. Faktisch führte dies aber zu einer massiven Verteuerung des Angebots. Die Länder Marokko und Russland sind seit der Neugestaltung nicht mehr am Unternehmen beteiligt.

Jährlich kaufen mehr als 170.000 Reisende den Interrail Global Pass.[10]

Das EU-Parlament hatte 2016/2017 die Idee, jedem EU-Bürger zum 18. Geburtstag ein InterRail-Ticket zu schenken, um das Reisen in der EU und per Bahn zu fördern. Am 27. März 2017 kam die Absage der EU-Kommission, weil dieses Geschenk das Budget mit geschätzt 1,2 bis 1,6 Milliarden Euro viel zu sehr belastet hätte.[11]

Weitere Bahnpässe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ähnlich dem InterRail-Konzept gibt es in Europa – neben dem EurRail-Ticket für Bewohner nichteuropäischer Staaten – weitere länderspezifische Angebote an Netzkarten.

  • Balkan Flexipass (Bulgarien, Griechenland, Mazedonien, Rumänien, Türkei, Serbien, Montenegro)
  • BritRail (Großbritannien)
  • PolRail (Polen)
  • ScanRail (Dänemark, Finnland, Norwegen, Schweden) – seit 2008 nicht mehr verfügbar
  • Swiss Pass (Schweiz)

Filme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jörg Stolpe: Mit dem Rucksack durch Europa - Mythos Interrail, WDR-Dokumentation, 2013

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: InterRail – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Offizielle Seite:

Seiten von Bahngesellschaften:

Unabhängige Seiten:

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://deutsch.interrailnet.com/ - FAQ - Befindet sich mein Wohnsitz in Europa?
  2. http://deutsch.interrailnet.com/ - FAQ - Erfülle ich die Voraussetzungen, um mit InterRail zu reisen?
  3. interrail.eu: Interrail Global Pass
  4. http://deutsch.interrailnet.com/ - FAQ - Gibt es immer noch Sonderpreise für Tschechien, Ungarn, Polen, Slowakei, Bosnien, Bulgarien, Mazedonien, Rumänien und Serbien?
  5. http://deutsch.interrail.eu/ende/interrail-passes/interrail-global-pass (abgerufen am 26. Mai 2013).
  6. Information auf der Website der DB (abgerufen am 26. Mai 2013; PDF; 1,5 MB).
  7. Raildude: Übersicht Reservierungen und Zuschläge (Memento vom 19. April 2012 im Internet Archive)
  8. http://www.sueddeutsche.de/reise/jahre-interrail-rekord-kilometer-mit-der-bahn-1.1297070-2
  9. http://www.bahn.de/p/view/mdb/bahnintern/services/broschueren/MDB98100-db_interrail_broschuere_2012.pdf
  10. DB News. In: mobil. Nr. 3, März 2015, ISSN 0949-586X, ZDB-ID 1221702-5, S. 52.
  11. EU-Kommission sagt Gratis-Interrail ab: Geld für bis zu 7.000 junge Menschen orf.at, 27. März 2017, abgerufen 28. März 2017.