James Tobin

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James Tobin

James Tobin (* 5. März 1918 in Champaign, Illinois; † 11. März 2002 in New Haven, Connecticut) war ein US-amerikanischer Wirtschaftswissenschaftler.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tobin war Sohn einer Sozialarbeiterin und eines Vaters, der 'sports information director' für die University of Illinois wurde. Die Great Depression in den Vereinigten Staaten veranlasste Tobin, sich für Wirtschaft zu interessieren. 1935 erhielt er ein Stipendium für die Harvard University in Cambridge, Massachusetts; 1935 bis 1941 studierte er dort Wirtschaftswissenschaften. 1941 arbeitete er in Washington, D.C. für die US-Regierung (Kabinett Roosevelt), zunächst im 'Office of Price Administration' und dann beim 'Civilian Supply and War Production Board'.[1] Nach dem Angriff auf Pearl Harbor (7. Dezember 1941) meldete er sich zur US Navy, wo er bis 1946 Militärdienst leistete. 1947 promovierte er über das Thema Konsumfunktion. Von 1950 bis 1988 war er Wirtschaftsprofessor an der Yale University in New Haven, Connecticut. Während dieser Zeit war er zunächst von 1955 bis 1961 und nochmals von 1964 bis 1965 Direktor der Cowles Foundation.[2] Von Januar 1961 bis Juli 1962 zählte er zum Council of Economic Advisers, einem Beraterstab des damaligen US-Präsidenten John F. Kennedy.[3]

Tobin war zudem von 1966 bis 1970 Vorsitzender der New Haven City Plan Commission.[4] 1971 stand er der American Economic Association als gewählter Präsident vor.[5] 1958 wurde Tobin in die American Academy of Arts and Sciences gewählt.

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bekannt wurde Tobin durch seine 1972 vorgeschlagene weltweit einheitliche (Lenkungs-)Abgabe auf spekulative internationale Devisentransaktionen, die sogenannte Tobin-Steuer. Er entwickelte zudem ein bekanntes ökonometrisches Modell für zensierte (auch als gestutzt oder trunkiert bezeichnete) Variablen, dem Tobit-Modell. Vielfach wird behauptet, dass Tobin dafür war, die Erlöse aus der Erhebung der Tobin-Steuer über die Weltbank Entwicklungsländern zugutekommen zu lassen. In Wahrheit sprach er sich aber lediglich nicht explizit ‚dagegen‘ aus und wies darauf hin, dass dieser Punkt nicht der entscheidende an seinem Steuerkonzept ist.

Seine Idee der Tobin-Steuer wurde von der Bewegung der Globalisierungskritiker in veränderter Form aufgegriffen. Tobin stand dieser Veränderung äußerst kritisch gegenüber. Im Interview mit dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel, veröffentlicht am 3. September 2001, sagte er, er sei „ein Anhänger des Freihandels. Ich befürworte außerdem den Internationalen Währungsfonds, die Weltbank, die Welthandelsorganisation – all das, wogegen diese Bewegung anrennt. Die missbrauchen meinen Namen.“

Den Namen von Tobin tragen im Bereich der Kapitalmarkttheorie die Tobin-Separation sowie Tobin’s Q. 1981 erhielt Tobin den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften für seine Arbeiten auf dem Gebiet der Portfoliotheorie.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: James Tobin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. news.yale.edu: Professor, Presidential Adviser and Nobel Laureate James Tobin Dies
  2. http://cowles.yale.edu
  3. www.econlib.org
  4. Autobiografischer Text
  5. Past and Present Officers. aeaweb.org (American Economic Association), abgerufen am 28. Oktober 2015 (englisch).