Josef Maximilian Schmidt

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Josef Maximilian Schmidt (2015)

Josef Maximilian Schmidt (* 17. Januar 1954 in München) ist ein deutscher Medizinhistoriker, Philosoph und Allgemeinmediziner.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schmidt besuchte das Maria-Theresia-Gymnasium in München, studierte ab 1973 Medizin, Philosophie, Theologie und Geschichte der Medizin an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) und promovierte dort 1980 in Medizin und 1990 in Philosophie. Wichtige Lehrer waren Robert Spaemann, Reinhard Löw, Eberhard Simons und Paul Ulrich Unschuld.[1] 2005 habilitierte er sich an der LMU München für Geschichte der Medizin, 2013 wurde er zum außerplanmäßigen Professor für Geschichte der Medizin bestellt.

Seine ärztliche Weiterbildung absolvierte Schmidt nach der Approbation (1980) im Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München sowie in Münchener Krankenhäusern und Praxen in den Fächern Innere Medizin, Chirurgie, Gynäkologie, Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde und Allgemeinmedizin. Seit 1994 ist er Facharzt für Allgemeinmedizin, darüber hinaus erwarb er die ärztlichen Zusatzbezeichnungen Homöopathie (1985), Naturheilverfahren (1990) und Qualitätsmanagement (1999). Als Studienkoordinator und Prüfarzt führte er von 1995 bis 2001 am Münchener Krankenhaus für Naturheilweisen klinische Studien zum Heilfasten und zur Homöopathie durch.[2][3]

Von 1991 bis 1992 war Schmidt Research Associate am Department of the History of Health Sciences an der University of California, San Francisco, von 1992 bis 2005 Lehrbeauftragter und von 2005 bis 2013 Privatdozent für Geschichte der Medizin an der LMU München. Seit 1988 mit dem Institut für Geschichte der Medizin als freier Mitarbeiter affiliert, wirkte er dort von 2007 bis 2011 als wissenschaftlicher Mitarbeiter. Seit der Umbenennung und Neuausrichtung des Instituts[4] ist er freier wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Ethik, Geschichte und Theorie der Medizin an der Medizinischen Fakultät der LMU München, wo er seit 2013 als Professor für Geschichte der Medizin tätig ist.[5]

Schmidt ist unter anderem Mitglied der 1901 gegründeten Deutschen Gesellschaft für Geschichte der Medizin, Naturwissenschaft und Technik.

Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schmidts universitäre Lehrveranstaltungen decken exemplarisch ein weites Spektrum der Geschichte und Theorie der Medizin ab, von der Heilkunde der alten Hochkulturen bis zur Medizin des 20. Jahrhunderts, von anthropologischen und erkenntnistheoretischen Grundfragen bis zu sozioökonomischen Perspektiven moderner Medizinkritik.[6] Bei seinen Vorträgen auf internationalen Kongressen im In- und Ausland[7] sowie in den von ihm jährlich durchgeführten Köthener Sommerkursen Homöopathiegeschichte[8] liegt der thematische Schwerpunkt auf der Geschichte und Theorie der Homöopathie,[9][10][11][12] da Schmidt zufolge der wissenschaftliche Disput um diese umstrittene Heilmethode besonders geeignet ist, das Verhältnis von Philosophie und Medizin wissenschaftlich zu entfalten.[13][14]

Schmidts These besteht darin, dass eine komplexe, vielschichtige und Jahrhunderte alte Heilmethode wie die Homöopathie nur durch einen multidimensionalen, polyperspektivischen Ansatz adäquat in ihren vielfältigen Bezügen erfasst werden kann, wozu es – über die Naturwissenschaften hinaus – der Geistes-, Geschichts-, Sozial- und Kulturwissenschaften bedarf.[15][16] Auf diese Weise führe die konsequente wissenschaftliche Beschäftigung mit einer historisch gewachsenen und vielfach bewährten komplementären Heilkunst unweigerlich zu einer Erweiterung des Horizontes, von dem aus Fragen wie „Was ist Medizin?“, „Was ist Gesundheit bzw. Heilung?“ oder „Was ist der Mensch?“ neu zu stellen und zu bedenken seien.[17][18][19]

Forschungsschwerpunkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monographien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beiträge (in Deutsch)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Herausgeberschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Josef M. Schmidt: Die philosophischen Vorstellungen Samuel Hahnemanns bei der Begründung der Homöopathie (bis zum Organon der rationellen Heilkunde, 1810). Sonntag-Verlag, München 1990, ISBN 3-87758-072-6, S. IX.
  2. Josef M. Schmidt: Die Heilfasten-Basisdokumentation am Krankenhaus für Naturheilweisen (1995–1999). Prospektive Dokumentation von 2000 klinischen und subjektiven Parametern von 3400 Heilfasten-Patienten, mit Nachbefragungen nach 1, 4 und 12 Monaten. Krankenhaus für Naturheilweisen, München 2000, ISBN 3-8311-2270-9.
  3. Josef M. Schmidt, Benno Ostermayr: Does a homeopathic ultramolecular dilution of Thyoidinum 30cH affect the rate of body weight reduction in fasting patients? A randomised placebo-controlled double-blind clinical trial. In: Homeopathy. Band 91, Nr. 4, 2002, S. 197–206.
  4. Geschichte des Lehrstuhls auf der Website des Instituts.
  5. Kurzlebenslauf von Josef M. Schmidt.
  6. Lehrveranstaltungen von Josef M. Schmidt an der LMU München.
  7. Vorträge von Josef M. Schmidt in der Schweiz, in Österreich, England, den Niederlanden, Schweden, Lettland, Polen, Russland, den USA, Mexiko, Ecuador, Brasilien, Argentinien, Indien und Japan.
  8. Die Köthener Sommerkurse Homöopathiegeschichte (2006–2015) auf der Website der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Homöopathie.
  9. Sandra Würtenberger: 7. Köthener Sommerkurs Homöopathiegeschichte – Bericht einer Teilnehmerin. In: Zeitschrift für klassische Homöopathie. Band 56, Nr. 4, 2012, S. 216.
  10. Sandra Würtenberger: 8. Köthener Sommerkurs Homöopathiegeschichte. In: Zeitschrift für klassische Homöopathie. Band 57, Nr. 4, 2013, S. 226–227.
  11. Dietrich Wendling: 9. Köthener Sommerkurs „Homöopathie“. In: Zeitschrift für klassische Homöopathie. Band 58, Nr. 4, 2014, S. 217–218.
  12. Gerhard W. Müller: Bericht vom 10. Köthener Sommerkurs am 12.–13. September 2015. In: Zeitschrift für klassische Homöopathie. Band 59, Nr. 4, 2015, S. 217–218.
  13. Josef M. Schmidt: Homöopathie und Philosophie. Versuch einer philosophischen Rekonstruktion der Begründung der Homöopathie durch Samuel Hahnemann. In: Scheidewege. Band 20, 1990/91, S. 141–165.
  14. Josef M. Schmidt: Der Simile-Weg als "deuteros plous" in der Arzneitherapie – Konzeption und Rezeption. In: Documenta Homoeopathica. Band 12, 1992, S. 51–59.
  15. Josef M. Schmidt: Die Entstehung, Verbreitung und Entwicklung von Heilsystemen als Gegenstand der Medizingeschichte – am Beispiel der Homöopathie. In: Sudhoffs Archiv. Band 91, Nr. 1, 2007, S. 38–72.
  16. Josef M. Schmidt: Zur Relevanz wissenschafts-, medizin- und sozialgeschichtlicher Grundlagenforschung. In: Schweizerische Zeitschrift für Ganzheitsmedizin. Band 25, Nr. 4, 2013, S. 231–240.
  17. Josef M. Schmidt: Die Homöopathie als therapeutische Handlungswissenschaft sui generis – Eine humanwissenschaftliche Argumentation. In: Zeitschrift für Klassische Homöopathie. Band 59, Nr. 4, 2015, S. 180–186.
  18. Josef M. Schmidt: Gesundheit! – Geschichte und Konzepte des Leitbegriffs der Medizin. In: Wiener klinische Wochenschrift. Band 122, Nr. 17/18, 2010, S. 538–542.
  19. Josef M. Schmidt: Der Mensch aus Sicht der Homöopathie – Hahnemanns teleologisches Menschenbild und seine Implikationen. In: Naturheilpraxis. Band 62, Nr. 2, 2009, S. 213–221.
  20. Information zur Preisverleihung im Deutschen Ärzteblatt.
  21. Rezension von Robert Jütte: Exzellente Lernhilfe. Josef M. Schmidt: Taschenatlas Homöopathie in Wort und Bild. Grundlagen, Methodik und Geschichte. In: Deutsches Ärzteblatt. Band 99, Nr. 5, 2002, S. A280.