Rothrist

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Rothrist
Wappen von Rothrist
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Zofingen
BFS-Nr.: 4282i1f3f4
Postleitzahl: 4852
UN/LOCODE: CH RTR
Koordinaten: 633948 / 239356Koordinaten: 47° 18′ 15″ N, 7° 53′ 15″ O; CH1903: 633948 / 239356
Höhe: 409 m ü. M.
Fläche: 11,85 km²
Einwohner: 9109 (31. Dezember 2018)[1]
Einwohnerdichte: 769 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne
Bürgerrecht)
22,1 % (31. Dezember 2018)[2]
Gemeindeammann: Ralph Ehrismann (FDP)
Website: www.rothrist.ch
Rothrist, von der Höchi Flue aus fotografiert

Rothrist, von der Höchi Flue aus fotografiert

Karte
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Rothrist (schweizerdeutsch: ˌroːtˈrɪʃt)[3] ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Zofingen im Schweizer Kanton Aargau. Sie liegt an der Aare und grenzt an den Kanton Solothurn. Bis 1890 war Niederwil (Zofingen) der offizielle Name der Gemeinde.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde besteht aus zahlreichen Ortsteilen, die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zusammengewachsen sind. Das überbaute Gebiet wird in Nordost-Südwest-Richtung von einer vierspurigen Eisenbahnlinie zerschnitten. Zwischen der Bahnlinie und der Aare liegt der Ortsteil Dietiwart, wo sich auch eine ausgedehnte Industriezone befindet. Südlich der Bahnlinie reihen sich mehrere Ortsteile aneinander. Von West nach Ost sind dies Oberwil, Niederwil (auch Dörfli genannt), Sennhof, Rothrist (auch Dorf oder Rössli genannt) und Fleckenhausen.[4]

Ganz im Nordosten münden im Abstand von knapp zweihundert Metern die Pfaffneren und die Wigger in die Aare; letztere bildet gleichzeitig die östliche Gemeindegrenze. In den Tälern dieser beiden Flüsse liegen versetzt von den übrigen Ortsteilen kleinere Weiler: Gfill und Gländ im Pfaffnerental sowie Säget im Wiggertal. Das südlichste Drittel des Gemeindegebiets ist vom Langholzwald bedeckt, einem Teil des grössten zusammenhängenden Waldgebietes des Kantons Aargau. Das Gelände steigt hier sanft bis zum Räckholderhubel an.[4]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 1185 Hektaren, davon sind 388 Hektaren bewaldet und 382 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt befindet sich auf dem Räckholderhübel auf 501 Metern, der tiefste auf 395 Metern an der Mündung der Wigger in die Aare.

Nachbargemeinden sind Aarburg im Nordosten, Oftringen im Osten, Strengelbach im Südosten, Vordemwald im Süden, Murgenthal im Südwesten sowie die solothurnischen Gemeinden Boningen im Westen und Olten im Norden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste urkundliche Erwähnung des Ortsteils Niederwil als Wile erfolgte im Jahr 1242 in den Statuten des Chorherrenstifts in Zofingen. Rothrist wurde erstmals 1263 in einer Urkunde des Klosters St. Urban als Routrist erwähnt. Der Ortsname leitet sich vom althochdeutschen roten rise ab, was «beim roten Ris», also bei einer Halde von lockerem Gestein, bedeutet.[3] Die Ortsteile der heutigen Gemeinde waren damals Bestandteil des Amtes Aarburg, das im Besitz der Grafen von Frohburg war. Diese verkauften das Amt 1299 an die Habsburger, die damit sowohl die niedere wie auch die hohe Gerichtsbarkeit besassen.

1415 eroberten die Eidgenossen den Aargau; Das Gebiet um Rothrist gehörte nun zum Untertanengebiet der Stadt Bern, dem so genannten Berner Aargau. 1528 führten die Berner die Reformation ein. Im März 1798 nahmen die Franzosen die Schweiz ein, entmachteten die «Gnädigen Herren» von Bern und riefen die Helvetische Republik aus. Der westlich der Wigger gelegene Teil des Amts Aarburg gehörte zunächst zum Kanton Bern (Distrikt Langenthal) und wurde dann im März 1803 dem Kanton Aargau angefügt.

Um die Mitte des 19. Jahrhunderts waren weite Teile der Bevölkerung verarmt. In einer koordinierten Auswanderungsaktion verliessen am 27. Februar 1855 über 300 Personen (rund zehn Prozent der Gesamtbevölkerung) ihre Heimat in Richtung New Orleans. Nach der Eröffnung der Eisenbahnlinie AarburgHerzogenbuchsee am 16. März 1857 siedelten sich zahlreiche Industriebetriebe an und die Gemeinde erlebte einen Aufschwung.

Am 9. Oktober 1889 beschloss das Aargauer Grosse Rat die Umbenennung der Gemeinde Niederwil in Rothrist, um Verwechslungen mit Niederwil im Bezirk Bremgarten zu vermeiden. Die Umbenennung erfolgte per 1. Januar 1890.[5] Während des 20. Jahrhunderts stieg die Bevölkerungszahl um mehr als das Doppelte, vor allem durch den Bau der Autobahn in den 1970er Jahren begünstigt.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirche von Rothrist
Heimatmuseum Rothrist

Die reformierte Kirche im Ortsteil Niederwil entstand 1714/15, als Stiftung des Pfarrers von Uerkheim. Zuvor hatte die heutige Gemeinde Rothrist kirchlich zu Zofingen gehört. Baumeister Abraham Dünz II. errichtete die Kirche im Barockstil. 1900 wurde an der Westseite ein neuromanischer Kirchturm angefügt.[6]

Im Zentrum von Rothrist am Bachweg befindet sich das Heimatmuseum. In den ehemaligen Wohnräumen des früheren Bauernhauses «Miescherheimet», eines schönen Fachwerkhauses aus dem 18. Jahrhundert, befindet sich das Wohnmuseum. Auf zwei Stockwerken vermitteln die historisch eingerichteten Räume einen Eindruck vom täglichen Leben im 19. und dem frühen 20. Jahrhundert in einem von Landwirtschaft und Heimarbeit geprägten Dorf. Die Räume im Dachstock illustrieren die Geschichte der Gemeinde Rothrist. Ein gewichtiger Schwerpunkt bildet das Thema der Auswanderung nach Amerika in der Mitte des 19. Jahrhunderts, als zahlreiche Menschen aus Rothrist aus wirtschaftlicher Not ihre Heimat verliessen und versuchten, sich eine neue Existenz aufzubauen.[7]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Rot über grünem Dreiberg gewendete weisse Pflugschar, im Schildhaupt begleitet von zwei fünfstrahligen weissen Sternen.» Diese Darstellung erschien erstmals 1811 auf dem Gemeindesiegel und ist seither unverändert geblieben.[8]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung:[9]

Jahr 1764 1803 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 1'121 1'447 2'620 2'846 3'407 4'219 5'048 5'883 6'015 6'741 6'869 7'812

Am 31. Dezember 2018 lebten 9109 Menschen in Rothrist, der Ausländeranteil betrug 22,1 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 54,7 % reformiert, 24,4 % römisch-katholisch, 5,1 % moslemisch und 3,5 % christlich-orthodox; 1,4 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[10] 87,4 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, 3,2 % Serbokroatisch, 3,1 % Italienisch, 1,3 % Albanisch, 0,9 % Türkisch.[11]

Politik und Recht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden. Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Zofingen zuständig. Auf kommunaler Ebene gibt es einen Friedensrichter, der auch für die Gemeinde Murgenthal verantwortlich ist.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rivella Hauptsitz in Rothrist
In den ökologischen Ausgleichsflächen des Kraftwerks Ruppoldingen ist der Biber heimisch

In Rothrist gibt es gemäss eidgenössischer Betriebszählung 2008 rund 3900 Arbeitsplätze, davon 2 % in der Landwirtschaft, 44 % in der Industrie und 54 % im Dienstleistungsbereich.[12] Die bekanntesten Firmen sind das Getränkeunternehmen Rivella, die Giezendanner Transport AG des Nationalrates Ulrich Giezendanner, Möbel Hubacher, eines der grössten Möbel- und Teppichhäuser der Schweiz sowie die Ferroflex AG, einer der grössten Stahlhändler schweizweit. Das im Jahr 2000 eröffnete Kraftwerk Ruppoldingen in der Aare gehört zu den leistungsfähigsten Wasserkraftwerken des Landes. Zahlreiche Erwerbstätige sind Wegpendler und arbeiten in der Region Zofingen/Olten.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rothrist ist verkehrsmässig ausgezeichnet erschlossen und befindet sich an der A1 zwischen Zürich und Bern, der wichtigsten Autobahn der Schweiz, nahe den beiden Kreuzungspunkten mit der A2. Durch das Dorf selbst führt die Hauptstrasse 1 (Zürich–Bern), im Ortsteil Niederwil zweigt die Hauptstrasse nach Olten ab. Am SBB-Bahnhof halten Regionalzüge nach Olten und Langenthal. An der südwestlichen Gemeindegrenze beginnt die Neubaustrecke Mattstetten–Rothrist. Eine Buslinie der Gesellschaft Limmat Bus verkehrt vom Bahnhof Zofingen über Rothrist nach Murgenthal (teilweise im Viertelstundentakt).

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde verfügt über vier Kindergärten und sieben Schulhäuser, in denen sämtliche Schulstufen der obligatorischen Volksschule absolviert werden können (Primarschule, Realschule, Sekundarschule, Bezirksschule). Die nächstgelegenen Kantonsschulen (Gymnasien) befinden sich in Zofingen und Aarau.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michael Stettler: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau, Band I: Die Bezirke Aarau, Kulm, Zofingen. (= Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 21). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1948. DNB 366495623.
  • Franz Oswald, Peter Baccini: Netzstadt – Einführung in das Stadtentwerfen. Birkhäuser Verlag, Basel 2003, ISBN 3-7643-6962-0 (Städtebautheorie, Erläuterung der Netzstadt am Beispiel der «Stadt an der Wigger», bestehend aus Aarburg, Oftringen, Rothrist, Strengelbach und Zofingen).
  • Georg Boner, Robert Oehler: Rothrist mein Dorf. Herausgegeben durch die Gemeinde Rothrist (Keine ISBN) Gedruckt durch H.R. Sauerländer & Co., Aarau 1959.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Rothrist – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerungsbestand nach Gemeinde, Nationalität und Geschlecht, per 31. Dezember 2018. (XLS, 233 kB) Departement Finanzen und Ressourcen, Statistik Aargau, März 2019, abgerufen am 27. März 2019.
  2. Bevölkerungsbestand nach Gemeinde, Nationalität und Geschlecht, per 31. Dezember 2018. (XLS, 233 kB) Departement Finanzen und Ressourcen, Statistik Aargau, März 2019, abgerufen am 27. März 2019.
  3. a b Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100. Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 358–360.
  4. a b Landeskarte der Schweiz, Blatt 1108, Swisstopo
  5. Georg Boner und Robert Oehler Rothrist mein Dorf Herausgegeben durch die Gemeinde Rothrist 1959 (Keine ISBN) Seite 150
  6. Michael Stettler: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau. Hrsg.: Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Band I: Die Bezirke Aarau, Kulm, Zofingen. Birkhäuser Verlag, Basel 1948, S. 293–296.
  7. Siehe Homepage der Gemeinde Rothrist (Seite über das Heimatmuseum)
  8. Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 256.
  9. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistisches Amt des Kantons Aargau, 2001, abgerufen am 3. April 2012.
  10. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 25. August 2012.
  11. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 25. August 2012.
  12. Betriebszählung 2008. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 25. August 2012.
  13. Hofer, Robert - SIKART Lexikon zur Kunst in der Schweiz. Abgerufen am 17. August 2017.
  14. Gutknecht, Mario: Kruger Brothers: Weltstars aus Rothrist, abgerufen am 10. Mai 2016.