Murgenthal

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Murgenthal
Wappen von Murgenthal
Basisdaten
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Zofingenw
BFS-Nr.: 4279i1f3f4
Postleitzahl: 4853
UN/LOCODE: CH MRG
Koordinaten: 629872 / 23516047.2666667.833344412Koordinaten: 47° 16′ 0″ N, 7° 50′ 0″ O; CH1903: 629872 / 235160
Höhe: 412 m ü. M.
Fläche: 18.61 km²
Einwohner: 2864 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 154 Einw. pro km²
Ausländeranteil: 16,5 % (31. Dezember 2013)[2]
Website: www.murgenthal.ch
Karte
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Murgenthal (schweizerdeutsch: ˈmʊrɡətə)[3] ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Zofingen im Schweizer Kanton Aargau. Sie liegt im äussersten Südwesten an der Aare und grenzt an die Kantone Bern, Luzern und Solothurn. Die Gemeinde entstand 1901 aus der Fusion von Riken und Balzenwil; mit über 18 Quadratkilometern ist sie die flächenmässig viertgrösste Gemeinde des Kantons.

Geographie[Bearbeiten]

Die Ortschaft Murgenthal, das Zentrum der weitläufigen Gemeinde, liegt neben der Mündung der Murg in die Aare. Etwa eineinhalb Kilometer weiter südlich, im Tal der Murg, liegt der Weiler Walliswil. Entlang der beiden Gewässer, in Richtung Nordosten bzw. Süden, erstreckt sich eine schmale Flussebene, die nirgends breiter als 200 Meter ist. Die Ebene wird durch einen im 17. Jahrhundert gebauten und 8,5 Kilometer langen Kanal bewässert, der von Walliswil bis nach Rothrist reicht.[4]

Begrenzt wird die Ebene durch eine steile Geländestufe, die in eine weitere, erhöht liegende Ebene übergeht. Diese ist zu über zwei Dritteln mit Wald bedeckt, der einen bedeutenden Teil des grössten zusammenhängenden Waldgebietes des Kantons Aargau bildet. Die Dörfer Hohwart und Glashütten liegen südöstlich von Murgenthal in einer zwei Kilometer langen und 400 Meter breiten Rodungsinsel, die auf allen Seiten von Wald umgeben ist. Die Ortschaft Riken, eineinhalb Kilometer nordöstlich von Murgenthal gelegen, ist auf drei Seiten von Wald umgeben. Ganz im Südosten, über vier Kîlometer von Murgenthal entfernt, befinden im Tal der Pfaffneren das Dorf Balzenwil und der Weiler Gruben.[4]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 1861 Hektaren, davon sind 1171 Hektaren bewaldet und 151 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt befindet sich auf 501 Metern auf der Grueberhöchi bei Balzenwil, der tiefste auf 405 Metern an der Aare.

Nachbargemeinden sind Rothrist im Nordosten, Vordemwald im Osten, Brittnau im Südosten, die luzernische Gemeinde Pfaffnau im Süden, die bernischen Gemeinden Roggwil und Wynau im Westen sowie die solothurnischen Gemeinden Wolfwil im Westen und Fulenbach im Nordwesten.

Geschichte[Bearbeiten]

Berner Grenzstein auf der Murgbrücke zwischen Murgenthal und Wynau, seit 1803 Kantonsgrenze zwischen Bern und Aargau

Die erste Erwähnung von Murgatun erfolgte im Jahr 1254. Der Ortsname stammt vom keltischen Morgiodunon bzw. dem spätlateinischen Morgiodunum, was «befestigte Anlage an der Morgia/Murg» bedeutet.[3] Murgenthal, Glashütten und Riken waren damals Bestandteil des Amtes Aarburg, das im Besitz der Grafen von Frohburg war. Das Amt wurde 1299 an die Habsburger verkauft, die damit sowohl die niedere als auch die hohe Gerichtsbarkeit besassen. Das erstmals 1197 erwähnte Balzenwil hingegen hatte eine rechtliche Sonderstellung: Das Niedergericht lag bei der Gerichtsherrschaft Pfaffnau des Klosters St. Urban, das Hochgericht jedoch beim bernischen Amt Aarwangen.

1415 eroberten die Eidgenossen den Aargau. Die verschiedenen Dörfer und Weiler rund um Murgenthal gehörten nun zum Untertanengebiet der Stadt Bern, dem so genannten Berner Aargau. Balzenwil wurde ebenfalls dem Amt Aarburg zugeteilt. Auch nach Einführung der Reformation im Jahr 1528 besass das auf Luzerner Gebiet gelegene Kloster einen gewissen Einfluss: Zwischen 1640 und 1645 entstand als Gemeinschaftswerk der katholischen Mönche und des reformierten Landvogts der Rotkanal.

Im März 1798 marschierten die Franzosen in die Schweiz ein, entmachteten die «Gnädigen Herren» von Bern und riefen die Helvetische Republik aus. Der westlich der Wigger gelegene Teil des Amts Aarburg gehörte zunächst zum Kanton Bern (Distrikt Langenthal) und wurde dann im März 1803 dem Kanton Aargau angefügt. Balzenwil und Riken wurden selbständige politische Gemeinden. Jedoch umfasste Riken den weitaus grössten Teil des heutigen Gemeindegebiets, selbst der unmittelbar neben Balzenwil gelegene Weiler Gruben gehörte dazu.

Landschaft am Abend in Riken
Haus in Riken
Holzbrücke nach Fulenbach

Nach der Eröffnung der Eisenbahnlinie AarburgHerzogenbuchsee am 16. März 1857 und der Aarebrücke im Jahr 1863 entwickelte sich Murgenthal zum eigentlichen Zentrum der Gemeinde Riken; neben dem Bahnhof siedelten sich zahlreiche Industriebetriebe an. Im Jahr 1900 zählte Riken 1729 Einwohner, Balzenwil lediglich 191. Ein Jahr später wurden beide Gemeinden fusioniert und Murgenthal gab der neu entstandenen Gemeinde ihren Namen. Seit Beginn der 1950er Jahre ist die Einwohnerzahl stabil geblieben.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die erste Kirche der reformierten Pfarrgemeinde Murgenthal entstand zwischen 1852 und 1854 im neuromanischen Stil in Glashütten. Die baufällige Kirche wurde 1964 abgebrochen und an gleicher Stelle durch eine neue, moderne Kirche ersetzt. [5] Über die Aare führt eine alte Holzbrücke nach Fulenbach.

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Blau auf grünem Dreiberg drei weisse bestängelte Kleeblätter, überhöht von weissem Tatzenkreuz.» Das Wappen erschien erstmals 1811 auf dem Siegel der Gemeinde Riken und wurde nach der Fusion mit Balzenwil beibehalten. Die Gründe der Einführung dieses Wappenmotivs sind nicht bekannt, da es keine Aufzeichnungen darüber gibt.[6]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung:[7]

Jahr 1764 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 773 1517 1920 2413 2638 2758 2673 2520 2716 2741 2803

Am 31. Dezember 2013 lebten 2864 Menschen in Murgenthal, der Ausländeranteil betrug 16,5 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 57,4 % reformiert, 21,1 % römisch-katholisch, 6,9 % moslemisch und 1,2 % christlich-orthodox; 0,3 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[8] 90,7 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, 2,8 % Albanisch, 2,2 % Italienisch, 1,9 % Serbokroatisch, 0,9 % Türkisch.[9]

Politik und Recht[Bearbeiten]

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden.

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Zofingen zuständig. Murgenthal gehört zum Friedensrichterkreis Rothrist.

Wirtschaft[Bearbeiten]

In Murgenthal gibt es gemäss Betriebszählung 2008 rund 900 Arbeitsplätze, davon 10 % in der Landwirtschaft, 28 % in der Industrie und 63 % im Dienstleistungsbereich.[10] Die meisten Erwerbstätigen sind Wegpendler und arbeiten in der Region Zofingen / Olten oder in Langenthal.

Verkehr[Bearbeiten]

Bahnhof Murgenthal

Der Ortsteil Murgenthal liegt direkt an der Hauptstrasse 1 (Zürich–Bern), rund sechs Kilometer vom Anschluss Rothrist der Autobahn A1 entfernt. Die übrigen Ortschaften können auf Nebenstrassen erreicht werden. Eine Brücke führt über die Aare nach Fulenbach.

Am SBB-Bahnhof Murgenthal halten Regionalzüge nach Olten und Langenthal. Unter Riken und Glashütten hindurch verläuft der 4745 Meter lange Murgenthaltunnel der Neubaustrecke Mattstetten–Rothrist. Eine Buslinie der Gesellschaft SZR verkehrt vom Bahnhof Zofingen über Rothrist und Murgenthal nach Glashütten. Balzenwil, Walliswil und Riken können nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreicht werden.

Bildung[Bearbeiten]

Die Gemeinde verfügt über drei Kindergärten sowie drei Schulhäuser, in denen die Primarschule absolviert werden kann. Die Bezirksschule, die Realschule und die Sekundarschule können in Rothrist besucht werden. Die nächstgelegenen Kantonsschulen (Gymnasien) befinden sich in Zofingen und Aarau.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  2. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  3. a b  Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100, Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 293–296.
  4. a b Landeskarte der Schweiz, Blatt 1108, Swisstopo
  5.  Michael Stettler, Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte (Hrsg.): Die Kunstdenkmaeler des Kantons Aargau. Band I: Die Bezirke Aarau, Kulm, Zofingen, Birkhäuser Verlag, Basel 1948.
  6.  Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 224.
  7. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistisches Amt des Kantons Aargau, 2001, abgerufen am 3. April 2012.
  8. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 24. August 2012.
  9. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 24. August 2012.
  10. Betriebszählung 2008. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 24. August 2012.
  11. glur-walter.ch: Walter Glur, Glashuetten, Zugriff am 25. April 2012