Kalisz Pomorski

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Kalisz Pomorski
Wappen von Kalisz Pomorski
Kalisz Pomorski (Polen)
Kalisz Pomorski
Kalisz Pomorski
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Westpommern
Powiat: Drawsko Pomorskie
Gmina: Kalisz Pomorski
Fläche: 12,00 km²
Geographische Lage: 53° 17′ N, 15° 54′ OKoordinaten: 53° 17′ 0″ N, 15° 54′ 0″ O
Höhe: 115 m n.p.m.
Einwohner: 4366
(30. Jun. 2019)[1]
Postleitzahl: 78-540
Telefonvorwahl: (+48) 94
Kfz-Kennzeichen: ZDR
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DK 10 LubieszynPłońsk
DW 175 Drawsko PomorskieChoszczno
Schienenweg: Bahnstrecke Piła–Ulikowo
Nächster int. Flughafen: Stettin-Goleniów
Gmina
Gminatyp: Stadt- und Landgemeinde
Gminagliederung: 14 Ortsteile ("Schulzenämter"), 30 Ortschaften
Fläche: 481,00 km²
Einwohner: 7360
(30. Jun. 2019)[1]
Bevölkerungsdichte: 15 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 3203033
Verwaltung (Stand: 2008)
Bürgermeister: Michał Hypki
Adresse: ul. Wolności 25
78-540 Kalisz Pomorski
Webpräsenz: www.kaliszpom.pl



Kalisz Pomorski (deutsch: Kallies) ist eine Kleinstadt und Sitz einer Stadt- und Landgemeinde im Powiat Drawski (Dramburgischen Kreis) in der polnischen Woiwodschaft Westpommern.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kalisz liegt in Hinterpommern in einer Talsenke des Pommerschen Höhenrückens umgeben von vier Seen, etwa 60 Kilometer ostsüdöstlich von Stargard und 90 Kilometer ostsüdöstlich von Stettin. Zwanzig Kilometer südlich der Stadt beginnt der Draheimer Nationalpark. Im Norden und Süden verlaufen die Draheimer und die Kroner Seeplatten.

Der Ort ist ein touristisches Zentrum mit Seestrand, Wassersportmöglichkeiten und weitläufigen Wanderwegen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schloss Kallies, renoviert nach dem Brand von 1945 (Aufnahme 2013)
Kallies (Callies) nordwestlich der Stadt Schneidemühl und nordöstlich der Stadt Arnswalde – siehe obere Bildhälfte – auf einer Landkarte der Provinz Posen von 1905 (gelb markierte Flächen kennzeichnen Gebiete mit seinerzeit mehrheitlich polnischsprachiger Bevölkerung).
Stadtkirche (bis 1945 evangelisch)

Bei Ausgrabungen im Jahre 1939 entdeckte man in Kallies einen bronzezeitlichen Schatz aus der Zeit um 1000 v. Chr. sowie ein Urnengrabfeld aus den Jahren 200 bis 400 n. Chr. In der Mitte des 13. Jahrhunderts siedelten die brandenburgischen Markgrafen im Gebiet östlich der Drage deutsche Einwanderer an, die auch den Ort Kallies gründeten. Er hatte sich bis zum Anfang des 14. Jahrhunderts bereits so weit entwickelt, dass ihm 1303 von den Markgrafen das Magdeburger Stadtrecht verliehen wurde.[2] Um die Wirtschaftskraft der Stadt weiter zu fördern, erhielt sie zudem das Stapelrecht für Holzkohle und Pech, und um genügend Mittel für den Bau einer Stadtbefestigung aufbringen zu können, wurden der Stadt alle Abgaben erlassen. 1350 erhielt der Ritter Henning von Wedell Kallies als Lehnsbesitz, der 1378 an die Familie von Güntersberg überging. Sie behielt das Lehen bis 1731. In den Jahren von 1402 bis 1455 gehörte die Stadt dem Deutschen Orden, danach war sie Bestandteil der brandenburgischen Neumark. Während der Ordenszeit überfielen polnische Truppen dreimal die Stadt und steckten sie dabei jedes Mal in Brand.

1623 fielen zahlreiche Einwohner von Kallies der Pest zum Opfer, und in den Jahren 1683 und 1771 wurde die Stadt durch Brände so gründlich zerstört, dass ab 1777 mit finanzieller Hilfe des preußischen Königshauses ein umfangreicher Neuaufbau begonnen wurde. Dabei gestaltete man das Straßennetz völlig neu.

Bei der preußischen Verwaltungsneugliederung von 1816 wurde Kallies in den Kreis Dramburg im Regierungsbezirk Köslin in der Provinz Pommern des Deutschen Reichs eingegliedert.

Der Anschluss an das Eisenbahnnetz erfolgte am 1. September 1888 mit der Eröffnung des Streckenabschnitts Deutsch Krone–Kallies. Es folgten 1895 die Bahnlinien nach Arnswalde und nach Stolzenhagen und 1900 nach Falkenburg, wodurch der kleine Ort mit knapp 3000 Einwohnern zu einem bedeutenden Bahnknotenpunkt mit zwei Bahnhöfen wurde. Am Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Kallies eine evangelische Kirche, ein Synagoge, Tuchfabriken und war Sitz eines Amtsgerichts; in der Nähe befand sich das Schloss Kallies mit einer Kartoffelstärke-Fabrik.[3] Die verkehrsmäßige Erschließung begünstigte die Ansiedlung weiterer Industriebetriebe wie der Kalksandsteinfabrik und eines Zementwerks. 1927 schloss die letzte Tuchfabrik.

Rathaus (1968)

Nach dem Ersten Weltkrieg entstand ein neues Stadtviertel am Bahnhof durch den Zuzug zahlreicher Bewohner der an Polen abgetretenen Gebiete, nämlich der größeren Teile der Provinz Posen und der Provinz Westpreußen. 1924 begann die Elektrifizierung der Stadt. Das letzte größere Vorhaben der deutschen Einwohnerschaft wurde 1935 mit dem Umbau des Rathauses vollendet. 1938 wurde Kallies, wie der übrige Landkreis Dramburg, dem neu gebildeten Regierungsbezirk Grenzmark Posen-Westpreußen innerhalb der Provinz Pommern zugeordnet.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die deutsche Stadt Kallies im Februar 1945 bei dem heftigen Widerstand gegen die Eroberung durch die sowjetischen Truppen zu großen Teilen zerstört. Nach Kriegsende wurde die Region von der Sowjetunion unter polnische Verwaltung gestellt. Es begann die Zuwanderung polnischer Migranten, die zum Teil aus Ostpolen kamen. Die meisten Einwohner waren bereits vorher geflohen, der Rest wurde anschließend von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde vertrieben.

Demographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anzahl Einwohner bis Ende des Zweiten Weltkriegs
Jahr Einwohnerzahl Anmerkungen
1719 776 [4]
1750 1016 [4]
1801 1726 darunter vier Judenfamilien mit 21 Individuen,[5] nach anderen Angaben 1944 Einwohner[4]
1802 1673 [6]
1810 1944 [6]
1816 2182 davon 2080 Evangelische, zehn Katholiken, 92 Juden[6]
1821 2097 [6]
1831 2663 darunter elf Katholiken und 147 Juden[4]
1843 2747 darunter drei Katholiken und 164 Juden[4]
1852 3092 darunter zwei Katholiken und 148 Juden[4]
1861 3200 darunter vier Katholiken und 119 Juden[4]
1875 3344 [7]
1880 3499 [7]
1890 3557 davon elf Katholiken, 52 Juden[7]
1900 3679 meist Evangelische[3]
1925 3416 [7]
1933 3893 [7]
1939 4019 [7]
Anzahl Einwohner bis heute

Entwicklung der jährlichen Einwohnerzahl von Kalisz Pomorski

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die benachbarten größeren Städte Stargard und Wałcz (Deutsch-Krone, Hinterpommern) sind über die Fernstraße 10 zu erreichen. Die Stadt liegt an der Eisenbahnlinie UlikowoPiła, die seit 2001 im Personenverkehr stillgelegt war und auf der ab 1. September 2006 wieder Züge von Stargard und Stettin verkehren.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1999 wurde mit der schleswig-holsteinischen Stadt Kaltenkirchen ein Partnerschaftsvertrag abgeschlossen. Außerdem besteht ein Partnerschaftsverhältnis mit der Stadt Torgelow in Mecklenburg-Vorpommern.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jakob Klinckebeil (1627–1694), deutscher Dichter
  • Johann Wilhelm von Dittmar (1725–1792), preußischer Generalmajor
  • Hermann Lamprecht (1846–1909), deutscher Glasmacher und Ofenbauer
  • Paul Sydow (1851–1925), deutscher Botaniker und Mykologe
  • Fritz Torno (1881–1962), deutscher Architekt
  • Wilhelm Duhmer (1884–1964), deutscher Kommunalpolitiker, Oberbürgermeister der Stadt Görlitz
  • Werner Kienitz (1885–1959), deutscher General der Infanterie, zuletzt Kommandierender General des stellvertretenden II. Armeekorps
  • Karl Scharping (1908–?), deutscher Journalist und Beamter im Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda
  • Bernhard König (* 1932), deutscher Romanist und Rektor der Universität zu Köln
  • Friedbert Grams (* 1942), deutscher Politiker (DBD, CDU), ehemaliges Mitglied des Landtags von Mecklenburg-Vorpommern

Gmina Kalisz Pomorski[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt- und Landgemeinde Kalisz Pomorski misst eine Fläche von 480,93 km² und ist damit die viertgrößte Gemeinde (von 114) in der Woiwodschaft Westpommern. Ihre Fläche macht 27,3 % des Kreises Drawsko Pomorskie (Dramburg) aus.

Mit 7.135 Einwohnern steht die Gemeinde an 54. Stelle der Woiwodschaft.

Nachbargemeinden von Kalisz Pomorski sind:

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadt:

  • Kalisz Pomorski (Kallies)

Ortsteile (Schulzenämter):[8]

Übrige Ortschaften:

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Straßen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt liegt an der bedeutenden Landesstraße 10 (DK 10), die von der deutschen Grenze bei Lubieszyn (Neu Linken) über Stettin und Stargard (Stargard in Pommern) über Wałcz (Deutsch Krone) und Piła (Schneidemühl) bis nach Płońsk (Plöhnen) führt. Sie verläuft auf der Trasse der ehemaligen deutschen Reichsstraße 104, die von Lübeck bis nach Schneidemühl reichte.

Im Ort kreuzt die DK 10 die Woiwodschaftsstraße 175 (DW 175), die von Drawsko Pomorskie (Dramburg) kommend weiter über Choszczno (Arnswalde) bis nach Gorzów Wielkopolski (Landsberg a.d. Warthe) führt und zwischen Dramburg und Kallies auf der Trasse der früheren Reichsstraße 164 verläuft.

Schienen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Gebiet der Gemeinde Kalisz Pomorski gibt es noch drei Bahnstationen: Kalisz Pomorski (Kallies), Cybowo (Gutsdorf) und Prostynia (Wildforth). In Kalisz Pomorski kreuzen sich die PKP-Bahnstrecken Kostrzyn–Grzmiąca (Küstrin–Gramenz bei Neustettin) und Ulikowo–Piła (Wulkow–Schneidemühl), die seit 2001 im Personenverkehr stillgelegt war und auf der ab 1. September 2006 wieder Züge von Stargard und Stettin nach Kalisz verkehren. Auf der ersten Bahnlinie ist der Verkehr aber eingestellt.

Vor 1945 reichte auch die Kleinbahnlinie Kashagen (heute polnisch: Kozy) – Jacobshagen (Dobrzany) – Klein Spiegel (Poźrzadło Małe) der Saatziger Kleinbahnen bis in das heutige Gemeindegebiet der Stadt.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Kalisz Pomorski – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2019. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF-Dateien; 0,99 MiB), abgerufen am 24. Dezember 2019.
  2. Heinrich Gottfried Philipp Gengler: Regesten und Urkunden zur Verfassungs- und Rechtsgeschichte der deutschen Städte im Mittelalter, Erlangen 1863, S. 461.
  3. a b Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 10, Leipzig/Wien 1907, S. 485 (Zeno.org)
  4. a b c d e f g Gustav Kratz; Die Städte der Provinz Pommern – Abriss ihrer Geschichte, zumeist nach Urkunden. Berlin 1965, s. 57 (books.google.de).
  5. Friedrich Wilhelm August Bratring: Statistisch-topographische Beschreibung der gesammten Mark Brandenburg. Band 3: Die Neumark Brandenburg enthaltend. Berlin 1809, S. 226 (books.google.de).
  6. a b c d Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 5: T–Z, Halle 1823, S. 304-311, Ziffer 294.
  7. a b c d e f Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Provinz Pommern – Landkreis Dramburg. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  8. Sołectwa bei kaliszpom.pl.