Kampfgeschwader 4 „General Wever“

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Kampfgeschwader 4)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Kampfgeschwader 4
Wappen des Jagdgeschwader 2
Geschwaderabzeichen
Aktiv 1. Mai 1939 bis 8. Mai 1945
Land Deutsches Reich NSDeutsches Reich (NS-Zeit) Deutsches Reich
Streitkräfte Wehrmacht
Teilstreitkraft Luftwaffe
Grobgliederung Stab und 4 Gruppen
Stationierungsort Stab Gotha
I. Gruppe Gotha
II. Gruppe Erfurt
III. Gruppe Nordhausen
IV. (Ergänzungs-) Gruppe Faßberg
Flugzeugtyp Heinkel He 111, Junkers Ju 88, Heinkel He 177
Zweiter Weltkrieg Polenfeldzug
Norwegenfeldzug
Westfeldzug
Luftschlacht um England
Balkanfeldzug
Deutsch-Sowjetischer Krieg
Geschwaderkommodore
Erster Kommodore Oberst Martin Fiebig

Das Kampfgeschwader 4 „General Wever“ war ein Traditionsgeschwader der Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg. Es war nach Walther Wever benannt, der als Chef des Generalstabes der Luftwaffe am 3. Juni 1936 tödlich verunglückte.

Aufstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Geschwader entstand durch die Umbenennung des seit 1. April 1936 aufgestellten Kampfgeschwaders 253. Dieses hatte am 6. Juni 1936 den Ehrennamen General Wever erhalten. Anlass war der tödliche Flugzeugabsturz des Chefs des Generalstabes der Luftwaffe Walther Wever drei Tage zuvor. Am 1. Mai 1939 wurde aus der I. bis III./KG 253 die I. bis III./KG 4. Der Ehrenname blieb erhalten. Eine IV. (Ergänzungs-) Gruppe kam am 18. Juni 1940 hinzu. Die Heimathorste waren für den Stab und die I. Gruppe in Gotha, für die II. Gruppe in Erfurt, für die III. Gruppe in Nordhausen und für die IV. (Ergänzungs-) Gruppe in Faßberg. Anfangs war das Geschwader mit der Heinkel He 111 ausgestattet. Im Sommer 1940 erhielt die III. Gruppe Junkers Ju 88, verließ aber im Oktober den Geschwaderverband als sie zum Kampfgeschwader 30 wechselte. Ab Dezember 1942 rüstete die I. Gruppe auf die Heinkel He 177 um. Im Oktober 1943 tauschte jeweils die I. Gruppe des Kampfgeschwaders 4 und 100 den Geschwaderverband. Die Geschwaderkennung war 5J.[1][2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. September 1939 bei Beginn des Angriffs auf Polen war das Geschwader der 2. Fliegerdivision in der Luftflotte 4 unterstellt.[3] Diese hatte die Aufgabe die Heeresverbände im Südabschnitt der Front zu unterstützen. Dabei nahm das Geschwader auch an Luftangriffen auf Warschau teil.[1]

Bei der Besetzung Norwegens im Rahmen des Unternehmens Weserübung stand das Geschwader unter dem Kommando des X. Fliegerkorps. Ab 9. April 1940 kämpfte es im süd- und mittelnorwegischen Raum.[1] Dabei versenkte eine Heinkel He 111 der II. Gruppe am 16. April 1940 den schwedischen Frachter Mertainen, als dieser versuchte von Narvik in Richtung Newcastle zu fahren.[4]

Mit Beginn des Westfeldzuges verlegte das gesamte Geschwader in den norddeutschen Raum und griff von dort aus Ziele in den Niederlanden an. Dazu war es in der Luftflotte 2 dem Fliegerkorps z.b.V. 2 unterstellt.[5] Am 11. Mai 1940 griff das Geschwader den Hafen von Rotterdam an und versenkte dabei die Passagierschiffe Statendam (28.291 BRT) und Veendam (15.450 BRT), sowie den Zerstörer Van Galen.[6] Dem allgemeinen Vormarsch des Heeres folgend griff es unterstützend in die Bodenkämpfe ein, oder griff Flugplätze an.[1]

Heinkel He 111 des Kampfgeschwader 4 "General Wever" bei einer Reparatur

Im Juli 1940 schulte der Geschwaderstab, die I. und II. Gruppe auf die Verwendung von Luftminen um.[1] Grund dafür war die bevorstehende Luftschlacht um England an der das Geschwader im Rahmen der 9. Fliegerdivision der Luftflotte 2 teilnahm.[7] Bei den anschließenden Angriffen auf die britische Insel war das Geschwader bei allen Großangriffen auf London beteiligt. Weitere Schwerpunkte waren Hull, Bristol, Liverpool und Belfast.[8]

Im Januar 1941 verlegte die 2. Staffel nach Sizilien. Dort diente sie innerhalb des X. Fliegerkorps als Minenstaffel. Unter anderen verminte sie mehrfach den Sueskanal und ab April griechische Gewässer.[8] Unter anderen sank, auf den ausgelegten Seeminen, am 4. und 5. Februar 1941 im Sueskanal, die Frachter Aghios Georgios und Ranee[9], sowie am 23. April 1942 vor Suez, das britische Motorschiff Jersey[10]

Als am 6. April 1941 der Balkanfeldzug begann, unterstand die II. Gruppe der Luftflotte 4.[11] Von Rumänien aus war sie am Luftangriff auf Belgrad beteiligt. In der weiteren Folge verlagerte sich die Kampftätigkeit weiter in den griechischen Raum. Auch verminten Flugzeuge des Geschwaders wieder den Suezkanal, die Zufahrt nach Alexandria und Iraklions.[8]

Zeitgleich verlegte die 4. Staffel in die irakische Hauptstadt Bagdad. Unter dem Kommando des Sonderstabes F bekämpfte sie britische Truppen die den Irak besetzt hielten.[8]

Beim Beginn des Angriffs auf die Sowjetunion war lediglich die II. Gruppe dem IV. Fliegerkorps der Luftflotte 4 im Südabschnitt der Ostfront unterstellt. Dort legte sie Minen im Schwarzen Meer vor Sewastopol und Nikolajew. Auf diesen Luftminen sanken am 22./23. Juni der Schlepper SP-12, die Dnepr, ein Schwimmkran und der Zerstörer Bystry. Weitere Kriegsschiffe wurden beschädigt.[12] Ab Mitte Juli waren auch die I. und die III. Gruppe an der Ostfront eingetroffen. Neben der Verminung der Ostseeinseln Oesel und Dagö nahm das Geschwader auch an den Luftangriffen auf Moskau teil.[8][13]

Im Jahr 1942 leisteten die I. und II. Gruppe Heeresunterstützung im Nord- und Mittelabschnitt der Ostfront. Am 4. und 5. April nahmen sie am Unternehmen Eisstoß teil. Zusammen mit Teilen der Sturzkampfgeschwader 1 und 2, des Kampfgeschwaders 1 und des Jagdgeschwaders 54 griffen sie Kriegsschiffe der Baltischen Flotte im Leningrader Hafen an. Dabei wurden beschädigt, das Schlachtschiff Oktjabrskaja Revoljuzija durch vier Bombentreffer, der Kreuzer Maksim Gorki durch sieben Treffer mittleren Kalibers, die Kreuzer Kirov und Petropavlovsk und der Zerstörer Silnyj durch je einen schweren Treffer, sowie der Zerstörer Grozjashchi, der Minenleger Marti und das Schulschiff Svir durch leichtere Treffer. Beschädigt wurden außerdem die Zerstörer Stoyki und Svirepy sowie die Unterseeboote M-79, P-2 und P-3.[10] Auch wurden wieder Mineneinsätze im Finnischen Meerbusen und der Kronstädter Buch geflogen. Von Oktober bis Dezember flog die III. Gruppe Versorgungseinsätze zur Unterstützung der deutschen Truppen in Nordafrika. Zum Jahreswechsel 1942/43 verlegte sie in den Südabschnitt der Ostfront um Versorgungsflüge in den Kessel von Stalingrad zu unternehmen.[14]

Die IV. (Ergänzungs-) Gruppe, stationiert auf französischen Plätzen wie Laon-Athies und Avord, deren primäre Aufgabe die Ausbildung neuer Besatzungen war, flog 1942 Einsätze bei der alliierten Landung bei Dieppe und beim Kanaldurchbruch der deutschen Schlachtschiffe Scharnhorst und Gneisenau.[14]

Im Jahr 1943 blieb das Geschwader im Süd- und Mittelabschnitt der Ostfront aktiv.[14] Der Stab, die II. und III. Gruppe nahmen ab 5. Juli 1943 am Unternehmen Zitadelle teil. Unter der Luftflotte 6 der 1. Fliegerdivision zugeteilt, unterstützten sie den nördlichen Angriffskeil beim letztendlich gescheiterten Angriff in Richtung Kursk.[15]

Auch 1944 war das Geschwader mit der I. bis III. Gruppe im Süd- und Mittelabschnitt der Ostfront zur Heeresunterstützung tätig. Im Juni war es beteiligt, im Rahmen der Operation Frantic, am Angriff auf den Flugplatz Poltawa in der Ukraine. Im Herbst bezog das Geschwader Flugplätze in Ungarn.(z.B. in Debrecen)[14]

Letzte Einsätze waren 1945 die Versorgung der eingeschlossenen Städte Budapest und Breslau, sowie Berlin.[16]

Kommandeure[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschwaderkommodore[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dienstgrad Name Zeit
Oberst Martin Fiebig 1. September 1939 bis 10. Mai 1940
Oberst Hans-Joachim Rath 30. Mai 1940 bis 1. Juni 1942
Oberstleutnant Dr. Gottlieb Wolff 16. Juni 1942 bis 11. Januar 1943
Oberstleutnant Hans-Joachim Schmidt 12. Januar 1943 bis 12. Mai 1943
Oberstleutnant Werner Klosinski 10. Mai 1943 bis Dezember 1944
Major Reinhard Graubner 4. Dezember 1944 bis 8. Mai 1945

Gruppenkommandeure[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

I. Gruppe
  • Oberstleutnant Nikolaus-Wolfgang Maier, 1. Mai 1939 bis 24. November 1939
  • Oberstleutnant Hans-Joachim Rath, 24. November 1939 bis 30. Mai 1940
  • Major Hans von Ploetz, 5. Juni 1940 bis 1. Junli 1940
  • Major Meissner, 9. Junli 40 bis 14. Dezember 1940
  • Major Schult, 14. Dezember 1940 bis 28. Januar 1941
  • Hauptmann Klaus Nöske, 28. Januar 1941 bis 18. Mai 1941
  • Major von Groddeck, 18. Mai 1941 bis 8. Juli 1941
  • Major Klaus Nöske, 8. Juli 1941 bis 31. Dezember 1941
  • Major Alewyn, 4. Januar 1942 bis 21. März 1942
  • Hauptmann Helmuth Boltze, 26. März 1942 bis 20. September 1942
  • Major Wolf Wetterer, 21. September 1942 bis 1. Juni 1943
  • Hauptmann Hans-Gotthelf von Kalckreuth, 1. Juni 1943 bis 21. Oktober 1943
  • Major Hansgeorg Bätcher, 21. Oktober 1943 bis 24. März 1944
  • Major Ernst Göpel, 24. März 1944 bis Februar 1945
  • Hauptmann Rolf Rannersmann, Februar 1945 bis 8. Mai 1945
II. Gruppe
  • Oberstleutnant Wolfgang Erdmann, 1. Mai 1939 bis 30. September 1939
  • Major Dietrich Freiherr von Massenbach, 1. Oktober 1939 bis Juni 1940
  • Oberstleutnant Dr. Gottlieb Wolff, 3. Juli 1940 bis 15. Juni 1942
  • Major Rolf Samson Himmelstjerna, Juli 1942 bis 23. September 1942
  • Major Karl von Knauer, 23. September 1942 bis 15. Oktober 1942
  • Oberstleutnant Heinz-Joachim Schmidt, 18. Oktober 1942 bis 11. Januar 1943
  • Major Reinhard Graubner, 30. Januar 1943 bis 1. Juli 1944
  • Major Carl-Otto Hesse, 1. Juli 1944 bis 8. Mai 1945
III. Gruppe
  • Major Evers, 1. Mai 1939 bis Dezember 1939
  • Major Neudörffer, Dezember 1939 bis April 1940
  • Major Erich Bloedorn, 19. Juni 1940 bis 15. Oktober 1940
  • Major Wolfgang Bühring, 3. Februar 1941 bis 25. November 1941
  • Hauptmann Hermann Kühl, 25. November 1941 bis 22. Juli 1942
  • Major Wolfgang Queisner, 31. Juli 1942 bis 5. September 1942
  • Major Werner Klosinski, 6. September 1942 bis 1. Mai 1943
  • Major Kurt Neumann, 20. Mai 1942 bis Februar 1944
  • Major Ernst Dieter von Tellemann, März 1944 bis Juni 1944
  • Major Reinhard Graubner, 2. Juli 1944 bis 4. Dezember 1944
  • Major Herbert von Kruska, 5. Dezember 1944 bis 8. Mai 1945
IV. Gruppe
  • Major Karl-Gerd Roth, 18. Juni 1940 bis 17. Juni 1943
  • Major Karl Alber, 19. Juni 1943 bis 15. August 1944

Bekannte Geschwaderangehörige[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kampfgeschwader 4 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Wolfgang Dierich, S. 105
  2. Die Traditionsgeschwader der Wehrmacht Bundesarchiv Online
  3. Horst Rohde: Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, Band 2, Die Errichtung der Hegemonie auf dem europäischen Kontinent, Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1979, ISBN 3-421-01935-5, S. 103
  4. Jürgen Rohwer, Gerhard Hümmelchen: Chronik des Seekrieges 1939–1945, April 1940. Abgerufen am 4. Februar 2017 (deutsch).
  5. Ulf Balke, S. 401–405.
  6. Jürgen Rohwer, Gerhard Hümmelchen: Chronik des Seekrieges 1939–1945, Mai 1940. Abgerufen am 11. Januar 2017 (deutsch).
  7. Ulf Balke, S. 408–413.
  8. a b c d e Wolfgang Dierich, S. 106
  9. Jürgen Rohwer, Gerhard Hümmelchen: Chronik des Seekrieges 1939–1945, Januar 1941. Abgerufen am 12. Januar 2017 (deutsch).
  10. a b Jürgen Rohwer, Gerhard Hümmelchen: Chronik des Seekrieges 1939–1945, April 1942. Abgerufen am 5. Januar 2017 (deutsch).
  11. Ulf Balke, S. 414–415.
  12. Jürgen Rohwer, Gerhard Hümmelchen: Chronik des Seekrieges 1939–1945, Juni 1941. Abgerufen am 5. Januar 2017 (deutsch).
  13. Horst Boog: Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, Band 4, Der Angriff auf die Sowjetunion, Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1983, ISBN 3-421-06098-3, S. 692
  14. a b c d Wolfgang Dierich, S. 107
  15. Karl-Heinz Frieser: Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, Band 8, Die Ostfront 1943/44, Deutsche Verlags-Anstalt, München 2007, ISBN 978-3-421-06235-2, S. 91
  16. Wolfgang Dierich, S. 108