Payback (Bonusprogramm)

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Payback (englisch „Rückzahlung“) ist ein in Deutschland seit März 2000 bestehendes Bonussystem bzw. eine Kundenkarte und eine eingetragene Marke der Betreiberfirma Payback GmbH. Durch die Datenerhebung in einer Vielzahl von Geschäften unterschiedlicher Branchen bei der Verwendung der Karte wird mittels Data-Mining das Kaufverhalten der Kartenbesitzer detailliert analysiert.[1] Damit unterscheidet sich ein System wie Payback von unternehmensgebundenen, einzelnen Kundenkarten.

Funktionsweise aus Sicht der Verbraucher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im stationären Handel: Die Karte wird während des Einkaufens beim Bezahlvorgang an der Kasse vorgelegt. Payback-Kundennummer, Datum, Filiale, Umsatz und von manchen Payback-Partnern auch Warengruppencodes werden an Payback übermittelt. Auf die Kaufsumme erhält der Kunde einen nach Unternehmen unterschiedlichen Bonus als Gegenleistung für seine Daten in Form von Punkten auf sein Punktekonto gutgeschrieben. „Punktesammeln“ bezeichnet im Folgenden diesen Tauschhandel.

Online: Bei Official Online Partnern (wie Expedia.de oder design3000) ist das Punktesammeln im Buchungsprozess direkt integriert, bei anderen Partnern wie Zalando muss der Kunde seinen Einkauf über die www.payback.de starten.

Mobil: Bei Einkäufen über die Payback mobile App können Kunden zum Beispiel bei iTunes, Fressnapf, Tchibo und Sixt Punkte bekommen. Coupons sind direkt über die App aktivierbar, Papiercoupons sind nicht mehr nötig.

Ein Payback-Punkt hat einen nominellen Gegenwert von einem Cent (0,01 €). Es werden Punkte im Wert von 0,5 bis 4 % der Kaufsumme vergeben. Mit Coupons kann der Kunde die Punkte vervielfachen. Sobald auf einem Payback-Konto 200 Punkte gesammelt wurden, können diese gegen Prämien, Warengutscheine oder Bargeld ab 2 Euro eingelöst, für weitere Rabatte eingesetzt, gegen Lufthansa-Bonusmeilen („Miles & More“ - Meilen-Abo [2]) eingetauscht oder an unterschiedliche Hilfsprojekte in der „Payback-Spendenwelt“ gespendet werden.

Nicht eingelöste Punkte, die älter als 36 Monate sind, verfallen bei der Standardkartenvariante zum 30. September eines Kalenderjahres.[3]

Funktionsweise aus Sicht der Partnerunternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für den Händler entstehen Kosten in Form von Zahlungen an Payback sowie für die Technik zur Erfassung und Übertragung der Daten und die Integration in die bestehenden Kassensysteme.

Als Vorteil erhofft sich der Händler, dass Kunden die eine Payback-Karte haben, bevorzugt bei ihm einkaufen, um Punkte zu sammeln, statt bei seinen Konkurrenten. Auch kann er Payback-Coupons erstellen, um damit Werbeaktionen zu unterstützen und die Aufmerksamkeit der Kunden auf bestimmte Warengruppen oder Termine zu richten. Zudem erhalten die Partnerunternehmen Zugriff auf die durch das Data Mining gewonnen Informationen zum Kundenverhalten, nicht nur von seinen Kunden, sondern von allen Kunden aller Payback-Partner.

Kartenausgabe und Partnerunternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Karten werden in der Regel in Zusammenarbeit mit einem der „Official-Partner“ ausgegeben, es gibt jedoch auch neutrale Payback-Karten. Die jeweiligen Karten haben ein individuelles Design, aber bei jedem Partner und bei allen Servicediensten die gleiche Funktionalität.

Zusätzlich zur „Payback-Bonuskarte“ gibt es auf Antrag die „Visa-Karte“ (ehemals „Payback-Premium-Karte“), für welche ab dem zweiten Jahr von den Kunden zusätzlich zur Offenlegung seines Kaufverhaltens eine Jahresgebühr erhoben wird, sowohl mit echter Kreditkartenfunktion, als auch als Prepaid-Kreditkarte. Die Debitkarte „Plus-Karte“ wurde 2009 als kostenlose „Maestro-Karte“ in Partnerschaft mit Mastercard neu aufgelegt.[4] Die „Maestro-Karte“ wurde durch den Rückzug der WestLB als Herausgeber im Herbst 2012 aus der Vermarktung genommen. Diese drei Zahlkarten werden seit Ende 2012 von der BW-Bank betreut. Durch den neuen Eigentümer American Express wurde im November 2012 die neue dunkelblaue „Payback American Express Karte“ als Kreditkarte in das Angebot aufgenommen.[5] Allen Zahlkarten ist gemeinsam, dass es sowohl bei den Partnerunternehmen, als auch zusätzlich auf die monatlichen Umsätze Punkte gibt. Mit den Zahlkarten gibt es keinen Punkteverfall, sofern im Zeitraum von 36 Monaten wenigstens ein Bonuspunkt gesammelt wird.

Partner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt mehr als 40 stationäre Partner und über 600 Online-Partner.

Offizielle Payback-Partner sind:

Zusätzlich gibt es seit 2008 bundesweit Akzeptanz-Apotheken, die auch am Payback-Programm teilnehmen, jedoch nicht zur Linda-Apothekengruppe gehören. Grundsätzlich nehmen nicht alle Filialen eines Partners automatisch am Payback-Programm teil, sondern nur die, die sich dazu bereit erklärt haben, die Kosten des Payback-Unternehmens mitzutragen, oder vom eigenen Konzern in Eigenregie geführt werden. Insbesondere betrifft dies die RTK-Reisebüros, aber auch z. B. einige Aral-Tankstellen.[6]

Online-Partner sind unter anderem Conrad Electronic, eBay, REWE und Zalando. Bei den Online-Partnern können Karteninhaber meist jedoch nur dann Punkte sammeln, wenn sie sich über die offizielle Homepage von Payback bei den Shops einloggen und bestellen.

Die Gesellschaft bietet seit 2010 eine Mobile App für Smartphones an. Von 2012 bis März 2014 konnte man in der sogenannten „Payback Likes Lounge“ auf Facebook weitere Bonuspunkte sammeln. Dadurch wird zusätzlich eine Verbindung des Kartenprofils zum Nutzerprofil des Karteninhabers bei Facebook hergestellt, was Payback das Erfassen zusätzlicher, tiefergehender persönlicher Daten ermöglicht, beispielsweise die Bekanntschaftsbeziehungen der Karteninhaber untereinander.

Ehemalige Partner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Juwelier Christ und die Schuhhandelskette Görtz haben ihre Verträge mit Payback nicht verlängert.[7]

Die Baumarktkette Obi und die Autovermietung Europcar stiegen 2007 bzw. 2011 als Payback-Partner aus.[8][9]

Amazon hat seine Partnerschaft zum 1. Juli 2014 eingestellt.[10]

Unternehmen und Geschäftszahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Logo der Management Holding

Payback hat sein Programm im März 2000 mit Hilfe der Metro AG gestartet. Das Unternehmen Payback hat seinen Sitz in München und beschäftigte 2013 bis zu 500 Mitarbeiter weltweit.[11][12] Die im Jahr 2013 über die Payback-Karte abgewickelten Umsätze der Partner betrugen rund 15,2 Milliarden Euro. Mehr als 20 Millionen aktive Kunden sind bei Payback in Deutschland verzeichnet. Payback verschickt nach eigenen Angaben im Jahr 200 Millionen Direktmailings, 550 Millionen E-Mail-Newsletter und die mobile Payback App wurde über 3 Millionen Mal heruntergeladen.

Die Payback GmbH gehört zur Loyalty Partner Gruppe.[13] American Express übernahm im Jahr 2011 Loyalty Partner für rund 500 Millionen Euro.[14][15]

Seit September 2009 ist Payback auch in Polen aktiv. Im Juni 2010 hat Loyalty Partner die Mehrheit am indischen Marktführer „i-mint“ übernommen, ein Jahr später wurde aus „i-mint“ „Payback India“. Im Jahr 2013 startete Payback Mexico, ein rein digitales Programm.[16] Seit 2014 ist Payback auch in Italien aktiv.

Im Februar 2011 wurde bekannt, dass das Unternehmen seine Geschäftsfelder um die Bereiche Online und Couponing ausbaut. Durch die strategische Entscheidung tritt Payback in direkte Konkurrenz zu bekannten Gutschein-Plattformen wie Groupon, Dailydeal und kaufda. An deutschen Standorten wurden 2011 ca. 150 Mitarbeiter beschäftigt.[17] Zu Paybacks Konkurrenten auf dem deutschen Markt für Kundenbindungsprogramme gehört die DeutschlandCard.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Datenschutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Karte ist vor allem bei Verbraucherschutzverbänden datenschutzpolitisch umstritten. Die Karte ermögliche den gläsernen Kunden; so ließen sich aus den gesammelten Daten Rückschlüsse auf den Lebenswandel des Kunden ziehen und der Erfolg von Werbung messen. Im Jahr 2000 wurde Payback mit dem Negativpreis Big Brother Award ausgezeichnet.[18]

Im Jahr 2001 verbot das Landgericht München I nach einer Klage des Berliner Verbraucherschutzvereins unter Androhung eines Ordnungsgeldes in Höhe von bis zu 500.000 DM oder Ordnungshaft bis zu sechs Monaten die weitere Verwendung der in den Payback-Antragsformularen enthaltenen zentralen Einwilligungsklauseln.[19] Payback gestaltete daraufhin alle Teilnehmerformulare neu.

Der Bundesgerichtshof verbot 2008 nach einer Klage des Bundesverbands der Verbraucherzentralen eine Klausel im Payback-Anmeldeformular insoweit, als dem Kunden Werbung per SMS und E-Mail zugeschickt werden durfte. Grund war, dass dem Unternehmen die gesetzlich vorgeschriebene ausdrückliche Zustimmung des Kunden fehlte. Die Klauseln zur Datennutzung für Werbung per Post, zur Marktforschung sowie die Verwendung von Geburtsdatum und Rabattdaten hielt das Gericht für zulässig.[20]

Kundenanmeldeformulare werden teilweise von dem Unternehmen GHP Far East in Vietnam erfasst.[21]

Im Mai 2012 wurde das Unternehmen vom TÜV überprüft. Es wurde bestätigt, dass Payback über einen „TÜV-zertifizierten Datenschutz“ verfügt und mit den Daten, die durch die Teilnahme am Payback-Programm erhoben werden, verantwortungsvoll und nach den Vorgaben des Bundesdatenschutzgesetzes umgeht.[22]

Geringer Nutzen für die Verbraucher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen sind die möglichen Einsparungen minimal – oftmals weniger als ein Prozent, häufig auch nur ein halbes Prozent. Auch sei es bei Prämien mit Zuzahlung oftmals so, dass das gewünschte Produkt bei anderen Anbietern günstiger ist als die Zuzahlung.

Das Verbrauchermagazin Stiftung Warentest hat im Dezember 2015 mit Hilfe eines Vergleichstests ermittelt, dass sogenannte Cashback-Portale höhere Rabatte bei Online-Käufen anbieten als Payback und ähnliche Bonuskarten.[23]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Maximilian von Demandowsky: Data-Mining: Firmen sagen Ehescheidungen voraus. In: Zeit online. Abgerufen am 19. Juni 2014.
  2. Payback Meilen-Abo
  3. Payback-Website – Fragen und Antworten: Punkteverfall
  4. Loyalty Partner: Pressemeldung zur WestLB
  5. Loyalty Partner: Pressemeldung zur Payback American Express
  6. Aral: Fragen und Antworten zu Payback
  7. LOYALTY-PROGRAMME: Bonuskarten werden neu gemischt Der Handel, 29. Juli 2009
  8. Obi steigt aus Rückschlag für Payback, Handelsblatt, 29. Januar 2007
  9. Payback verliert Europcar / Deutschlandcard gewinnt Schülerhilfe Horizont.at, 3. März 2011
  10. Goodbye Amazon
  11. Alexander Rittweger, Joachim Bellinghoven, Martin Hollenhorst, Burkhard Graßmann, Steve Gray: Payback GmbH (vormals: Loyalty Partner GmbH). München. Jahresabschluss zum 31. Dezember 2007. Stand: 14. Mai 2008. URL: https://www.ebundesanzeiger.de/ (abgerufen am 25. April 2009)
  12. Claus-Peter Schrack, Nina Purtscher: Payback GmbH – Daten & Fakten (Memento vom 14. März 2009 im Internet Archive) Abgerufen am 4. Oktober 2015.
  13. : LP Holding GmbH. München. Konzernabschluss zum 31. Dezember 2007. Stand: 14. Mai 2008. URL: https://www.ebundesanzeiger.de/ (abgerufen am 25. April 2009)
  14. Loyalty Partner: Pressemitteilung zum Kauf durch American Express (engl.)
  15. Reuters: American Express übernimmt Payback-Betreiber Loyality (herausgegeben am 17. Dezember 2010)
  16. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatPAYBACK set to conquer Mexico. 12. September 2012, abgerufen am 27. Juni 2014.
  17. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatRedaktion Internet World Business: Payback baut das mobile Couponing-Geschäft aus. 23. Februar 2011, abgerufen am 24. Februar 2011.
  18. Bigbrother Awards 2000: Preisträger der Kategorie „Business und Finanzen“
  19. LG München I, Urteil vom 1. Februar 2001, 12 O 13009/00
  20. Bundesgerichtshof, Urteil vom 16. Juli 2008, VIII ZR 348/06
  21. FR-Interview mit Claus-Peter Schrack vom 16. Juli 2008
  22. Selbstaussage des Unternehmens, abgerufen am 10. März 2014[1]
  23. Stiftung Warentest Webseite – Cashback schlägt Payback