Kottbusser Tor

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Kottbusser Tor
Kotti
Coat of arms of Berlin.svg
Platz in Berlin
Kottbusser Tor
Panorama des Kottbusser Tors in Abendstimmung
Basisdaten
Ort Berlin
Ortsteil Kreuzberg
Einmündende Straßen
Kottbusser Straße,
Skalitzer Straße,
Reichenberger Straße,
Adalbertstraße,
Admiralstraße,
Dresdener Straße
Bauwerke U-Bahnhof Kottbusser Tor,
Zentrum Kreuzberg
Nutzung
Nutzergruppen Fußgänger, Radfahrer, Straßenverkehr, ÖPNV

Kottbusser Tor ist die Bezeichnung für eine platzartige Straßenkreuzung und einen U-Bahnhof im Berliner Ortsteil Kreuzberg (Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg). Der Platz und der U-Bahnhof werden im Berliner Volksmund auch „Kotti“ genannt. Er ist das Zentrum der nordöstlichen Hälfte Kreuzbergs, des historischen SO 36.

Namensgebung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Benannt ist der Platz nach einem Stadttor der Berliner Akzisemauer, das sich im 18. und 19. Jahrhundert bis zu deren Abriss in den 1860er Jahren an dieser Stelle befand und in Richtung Cottbus aus Berlin herausführte.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kottbusser Tor 1807

Das „Cottbusser Thor“ wird in einem von Neander von Petersheiden im Jahr 1799 veröffentlichten Adressbuch konkret dargestellt, und zwar lief in Alt-Berlin die Dresdner Straße über das Köpnicker Feld auf das Stadttor zu. Es wurde flankiert von einem bewohnten Einnehmer-Haus (Zollhaus) und einer Thor-Wacht.[1] Die Schreibweisen für das Tor änderten sich mit der Zeit mehrfach, unter anderem von Cottbusserthor[2] über Cottbusser Thor, Cottbuser Tor,[3] Kottbuser Tor,[4] Cottbuser Tor,[5] Kottbuser Tor[6] zu Kottbusser Tor im Jahr 1930[7]. Seitdem wurde die Schreibweise nicht mehr verändert, obwohl die namensgebende Stadt sich mit „C“ schreibt.

Als postalische Adresse kam der Verkehrsknoten im Adressbuch (zwischen 1799 bis 1943) nicht vor, im 19. Jahrhundert gab es aber die Adresse Vor dem Kottbusserthor.[8] Vor der Neubebauung ab den 1950er Jahren mündeten die Admiralstraße und die Reichenberger Straße in die Cottbusser Straße noch südlich vor der Skalitzer Straße.[9] Die an den Platz von allen Seiten heranführende Bebauung entstand im Wesentlichen zwischen 1850 und 1900. Nach 1945 mussten zerstörte Wohnhäuser abgerissen und durch neue ersetzt werden, wodurch die Mehrfachkreuzung zu einem Kreisverkehrsplatz umgestaltet wurde. Die hier bis in die 1970er Jahre entstandenen Wohntrakte nahmen die Rundung auf oder unterstreichen sie. Der Platz ist nicht amtlich gewidmet und weist auch keine Hausnummern auf. Seinen nicht-amtlichen Namen erhielt er deshalb entweder auf Grund seiner Geschichte oder durch den nahegelegenen U-Bahnhof.

Verkehrsknotenpunkt Kottbusser Tor[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schematische Karte des Kottbusser Tors
Hochbahnhof Kottbusser Tor der U-Bahnlinie 1 bei Nacht, von der Adalbertstraße gesehen

Das Kottbusser Tor bildet einen zentralen Verkehrsknotenpunkt in Kreuzberg. Nach Süden verlaufen die breite Kottbusser Straße – im weiteren Verlauf Kottbusser Damm – nach Neukölln Richtung Hermannplatz und die Admiralstraße Richtung Südstern als verkehrsberuhigte Zone und noch südlicher als Fußgängerbereich. Von Ost nach West wird der „Kotti“ von der Skalitzer Straße durchquert (ebenfalls vierspurig). Die Reichenberger Straße verläuft in Nordwest-Südost-Richtung. Nach Norden führt die schmalere Adalbertstraße, die nach der Maueröffnung schnell zu einer belebten Verkehrsstraße Richtung Berlin-Mitte wurde. Nur noch zu Fuß erreichbar ist im Norden die Dresdener Straße als Verlängerung der Kottbusser Straße.

Mitte der 1950er Jahre, als das Berliner Stadtzentrum noch zahlreiche Kriegsruinen aufwies, wurden schnell neue Wohnhäuser benötigt. Der Senat von Berlin ließ in Übereinstimmung mit dem Kreuzberger Bezirksamt und im Geist der Zeit zahlreiche Gründerzeitbauten abreißen und beauftragte namhafte Architekten mit der Planung von Neubauten. So entstand auf der Südseite des Platzes in dem Dreieck zwischen Kottbusser Straße und Admiralstraße die Hochhausbebauung von Wassili Luckhardt.[10] 1962 bis 1964 folgte ein Wohn- und Geschäftshaus für die Orbis Verwaltungs-Gesellschaft an der Ecke von Skalitzer Straße und Reichenberger Straße. Augenfällig ist vor allem das langgestreckte, von 1969 bis 1974 erbaute Neue Kreuzberger Zentrum (NKZ) an der Nordseite des Platzes, das die Adalbertstraße überspannt und die Dresdener Straße im Süden begrenzt. Verantwortliche Architekten waren Wolfgang Jokisch und Johannes Uhl,[11] nach einer Rahmenplanung von Werner Düttmann. Der Grund für diese nach Norden hin abschirmende Wirkung lag in der Autobahnplanung der 1960er Jahre, wonach nördlich des NKZ am Oranienplatz ein Autobahnkreuz zwischen den nie realisierten Autobahnen A 102 und A 106 vorgesehen war.[12]

U-Bahnhof Kottbusser Tor der U-Bahnlinie 8

Direkt auf dem runden Platz des Kottbusser Tores befindet sich der gleichnamige Umsteigebahnhof der Hoch- und U-Bahn. Der Hochbahnhof der Linie U1 dominiert die gesamte Platzanlage und ist zugleich Erkennungszeichen. Unterhalb des Bahnhofs liegt der U-Bahnhof der Linie U8. Während die Hochbahn bereits seit 1902 den Platz quert, fährt die Linie U8 (seinerzeit: Linie D) erst seit 1928 zum Kottbusser Tor.

Kottbusser Tor als sozialer Brennpunkt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zentrum Kreuzberg am Kottbusser Tor

Straßenkämpfe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gebiet um das Kottbusser Tor mit dem benachbarten Wassertorplatz ist – wie der gesamte Kiez – ein sozialer Brennpunkt. Bereits am 5. Januar 1980 wurde Celalettin Kesim[13] bei einem Überfall von türkischen Faschisten und religiösen Fundamentalisten am Kottbusser Tor ermordet. Anfang der 1990er Jahre wurde am Tatort eine von Hanefi Yeter geschaffene Gedenkstele errichtet. Hinzu kamen die Maikrawalle und die Aktionen der Jugendgang 36 Boys.

Der Berliner Senat wies das Quartier ab den 2010er Jahren rund um das Kottbusser Tor mit dem Zentrum Kreuzberg als eines von 17 Gebieten mit besonderem Entwicklungsbedarf aus.[14] Verschiedene Maßnahmen des Bezirksamts und von Anwohnerinitiativen – wie dem Myfest – führten dazu, dass Ausschreitungen in den vergangenen Jahren erheblich reduziert werden konnten. Als eine Ursache der Probleme wird der hohe Anteil von Personen mit Migrationshintergrund angesehen, der etwa 70 Prozent beträgt (Stand 2014).[12]

Drogenprobleme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rund um den Platz hat sich auch eine größere Drogenszene etabliert. Zur Verbesserung der Situation sowohl der Drogenabhängigen als auch der dort wohnenden Bürger gab es zwischen 2004 und Mitte 2009 in der Dresdener Straße einen öffentlichen Drogenkonsumraum (auch Druckraum oder Fixerstube genannt), der vom Aids- und Suchthilfeträger Fixpunkt betrieben wurde.[15][16] Bis zur Wiedereröffnung einer solchen Fixerstube halfen zwei Kleinbusse direkt am Kottbusser Tor den Abhängigen.[17][18] Im Sommer 2011 wurde ein neuer Druckraum auch gegen Proteste einer von Anwohnern gegründeten Bürgerinitiative in einer stillgelegten Schule wiedereröffnet.[19][20][21] Der Kreuzberger Gesundheitsstadtrat Knut Mildner-Spindler verlegte die Fixerstube im Dezember 2011 in die nahegelegene Reichenberger Straße. Wesentliche Verbesserungen sind nicht eingetreten, so gab es im Jahr 2012 beispielsweise noch 20 bekannte Drogenabhängige und Händler rund um das Quartier, die Zahl der Drogendelikte stieg um rund 100 Prozent.[22] Der Platz gehört immer noch zu den Hauptumschlagsplätzen für harte Drogen in der Stadt.[23]

Organisierte Kriminalität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen 2013 und 2015 vervielfachten sich Diebstähle im Bereich des Kottbusser Tores auf 775 angezeigte Fälle. Die Zahl der Raubüberfälle stieg von 2014 auf 2015 um 50 Prozent. 55 Verdächtige hat die Polizei 2015 festgenommen, bei denen es sich überwiegend um Migranten handelte. Die Täter arbeiten häufig mit dem Antanztrick, um vor allem Wertsachen zu stehlen. Bei Gegenwehr kommt es auch zur Gewaltanwendung, dabei verschwimmen die Grenzen zwischen Diebstahl, Raub, Körperverletzung und Missbrauch. Sexuelle Übergriffe auf Frauen sind ebenfalls beobachtet und angezeigt worden.[24][25]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kottbusser Tor (Berlin-Kreuzberg) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dresdner Straße (Forts.). In: Karl Neander von Petersheiden: Anschauliche Tabellen, 1799, Straßendarstellungen und Bewohner, S. 20. „Cottbusser Thor“.
  2. Cottbusserthor. In: Carl Ludwig von Oesfeld: Grundriß der königl. Residenzstädte: Berlin. 1789.
  3. Cottbuser Tor. In: Pierer’s Conversationslexikon. 6. Auflage. Berlin 1875.
  4. Kottbuser Tor. In: Beilage zum Berliner Adressbuch. Verlag Julius Straube, 1893.
  5. Cottbuser Tor: In Pharus Plan Berlin. Pharus Verlag, 1921.
  6. Kottbuser Tor. In: Sanwald Plan Berlin. Karl Sanwald, 1926.
  7. Kottbusser Damm, ~Straße, ~Ufer. In: Berliner Adreßbuch, 1930, IV, S. 175 (Ein Kottbusser Tor als Platz oder Straße wird nicht angegeben).
  8. Kottbusserthor (v.d.). In: Allgemeiner Wohnungsanzeiger für Berlin, Charlottenburg und Umgebungen, 1850, Teil 2, S. 77.
  9. Straßenbild Cottbusser. In: Berliner Adreßbuch, 1925, IV, S. 178.
  10. Kreuzberger Chronik: Das vergessene Hochhaus
  11. Zentrum Kreuzberg (Neues Kreuzberger Zentrum – NKZ). In: Bezirkslexikon des Luisenstädtischen Bildungsvereins
  12. a b Anne Lena Mösken: Ein Häuschen in Kreuzberg. In: Berliner Zeitung, 22./23. November 2014, Magazin S. 1/2.
  13. Aus Liebe zu Allah. In: Jungle World
  14. QM Wassertorplatz. Senatsverwaltung für Stadtentwicklung; abgerufen am 25. November 2014.
  15. Andreas Molitor: Der Kotti kommt vom Tropf. In: Die Zeit, Nr. 28/2003
  16. Wer ist der Kotti? In: Der Tagesspiegel, 8. März 2009.
  17. Kreuzberger Druckraum schließt. In: Der Tagesspiegel, 11. Juni 2009.
  18. Aneli Huettner: Drogen am Kotti – denn sie sind ja da … Video auf youtube vom 27. Juli 2009; abgerufen am 25. Nov. 2014.
  19. Druckraum für Drogenabhängige, Platz für Trinker. In: Berliner Morgenpost, 24. Juli 2010.
  20. Fixerstube in Kreuzberg. Beitrag in der Sendung Deutschland heute vom 19. November 2009 im Deutschlandfunk.
  21. Neue Fixerstube am Kottbusser Tor. In: B.Z., 19. Januar 2011
  22. Die Parallelwelt der Junkies vom Kottbusser Tor. welt.de, 15. Februar 2012; abgerufen am 25. November 2014.
  23. Ohne Waffe läuft am Kottbusser Tor nichts mehr. Der neue Bahnhof Zoo heißt Kottbusser Tor. In: B.Z., 16. August 2008
  24. Hannes Heine: Selbst für Kreuzberg zu krass. In: Der Tagesspiegel, 18. Februar 2016
  25. 24 Stunden Kottbusser Tor. In: Zitty, 17. März 2016
  26. issuu.com

Koordinaten: 52° 29′ 57″ N, 13° 25′ 5″ O