LGV Bordeaux–Toulouse

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LGV Bordeaux–Toulouse
Streckenlänge: 222 km
Stromsystem: 25 kV 50 Hz ~
Höchstgeschwindigkeit: 350 km/h

Die LGV Bordeaux–Toulouse ist eine geplante, gut 220 Kilometer lange Schnellfahrstrecke in Frankreich. Sie ist für TGV-Züge vorgesehen und erfüllt zwei Funktionen: Zum einen wird sie als Verlängerung der LGV Atlantique und der in Bau befindlichen LGV Sud Europe Atlantique die Regionalhauptstadt Toulouse per durchgehendem Hochgeschwindigkeitsverkehr an Paris anbinden. Zum anderen stellt sie den ersten Abschnitt einer Querverbindung zwischen Atlantik und Mittelmeer dar. Zwischenhalte sind in Agen und Montauban geplant. Die LGV Bordeaux–Toulouse soll mit bis zu 350 km/h befahrbar sein, als Reisegeschwindigkeit sind 320 km/h vorgesehen. Die Fahrtzeit für die Gesamtstrecke zwischen Paris und Toulouse wird sich um knapp zwei Stunden auf dann drei Stunden und sieben Minuten verkürzen. Der Baubeginn ist für das Jahr 2017 vorgesehen, die Bauzeit wird auf fünf bis sieben Jahre veranschlagt.[1] Zusammen mit der parallel zu errichtenden LGV Bordeaux–Espagne bildet die neue Strecke die Grands Projets ferroviaires du Sud-Ouest. Nach 57 km gemeinsamer Trasse trennen sich beide Strecken in der Nähe des Ortes Bernos-Beaulac im Süden des Départements Gironde.

Kosten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Baukosten werden zurzeit auf vier Milliarden Euro veranschlagt. Das Alternativprojekt einer Modernisierung der bestehenden Trasse hätte zwar nur 780 Millionen Euro gekostet, wird aber aufgrund der geringen Fahrzeitverkürzung um nur zehn Minuten von der französischen Netzgesellschaft Réseau Ferré de France (RFF) abgelehnt.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorbereitungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Jahren 2002 bis 2004 war die Hochgeschwindigkeitsstrecke Objekt offizieller Studien. Diese kamen zu folgenden Ergebnissen:

Im zweiten Halbjahr 2005 fanden öffentliche Anhörungen zum Projekt statt. Grundlage war ein zehn Kilometer breiter Korridor, innerhalb dessen die Trasse liegen würde. Auf Basis der Ergebnisse beschloss der Vorstand des RFF am 13. April 2006 die Konkretisierung des Projektes. Montauban soll über einen neu zu bauenden Bahnhof bedient werden, für Agen wurden zwei Varianten untersucht. Favorisiert wird die südlich der Garonne verlaufende Trasse, die einen Tunnel beinhaltet. [1]

Am 21. Mai 2007 einigten sich die Gebietskörperschaften der Region Midi-Pyrénées über die Aufteilung ihres Kostenbeitrages. Am 11. Januar 2010 veröffentlichte RFF die auf einen Kilometer präzisierte Trassenführung.[3] Dem Widerstand, der sich seither unter den betroffenen Anliegern regt, werden kaum Erfolgsaussichten eingeräumt.[2] Auch die regionalen Politiker der französischen Grünen stimmen dem Projekt zähneknirschend zu, da es als das kleinere Übel gegenüber einem Ausbau des überlasteten Flughafens Toulouse-Blagnac angesehen wird.[2] Am 9. Januar 2012 verabschiedete der Lenkungsausschuss, der sich aus den Repräsentanten der Regionen Midi-Pyrénées und Aquitaine, den betroffenen nationalen Ministern und dem Präsidenten des RFF zusammensetzt, die endgültige Trassenführung.[1]

Geplante Weiterführung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im April 2010 gab RFF Vorstudien für eine Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Toulouse und Narbonne in Auftrag [4]. Zusammen mit der geplanten LGV Languedoc-Roussillon wäre damit eine Querverbindung zwischen Atlantik und Mittelmeer hergestellt.

Weblink und Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c GPSO-Newsletter Nr. 13, Januar 2012 (französisch) (PDF; 2,2 MB)
  2. a b c Frédéric Potet: Le TGV, il ne passera pas par chez moi. In: Le Monde Magazine No. 36 vom 22. Mai 2010, S. 31ff.
  3. Offizielle Webseite des Projektes (französisch)
  4. Meldung der Dépêche du Midi vom 8. April 2010