Agen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Agen (Begriffsklärung) aufgeführt.
Agen
Wappen von Agen
Agen (Frankreich)
Agen
Region Aquitanien
Département Lot-et-Garonne (Präfektur)
Arrondissement Agen
Kanton Chef-lieu von 5 Kantonen
Gemeindeverband Communauté d’agglomération d’Agen
Koordinaten 44° 12′ N, 0° 37′ OKoordinaten: 44° 12′ N, 0° 37′ O
Höhe 37–162 m
Fläche 11,49 km²
Einwohner 34.344 (1. Jan. 2013)
Bevölkerungsdichte 2.989 Einw./km²
Postleitzahl 47000
INSEE-Code
Website http://www.ville-agen.fr/

Agen [aˈʒɛ̃] ist eine Stadt in der französischen Region Aquitanien. Mit 34.344 Einwohnern (1. Januar 2013), die sich Agenais oder Agenois nennen, ist sie die größte Stadt im Département Lot-et-Garonne.

Die Stadt ist Sitz der Präfektur des Départements. Die Präfektur verwaltet auch das Arrondissement Agen, welches aus zwölf Kantonen besteht. Agen ist Hauptort (frz.: chef-lieu) der Kantone Agen-Centre, Agen-Nord, Agen-Nord-Est, Agen-Ouest und Agen-Sud-Est.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Agen liegt an der Garonne sowie am parallel verlaufenden Canal latéral à la Garonne (deutsch: Garonne-Seitenkanal), der hier mit einer imposanten Kanalbrücke den Fluss überquert. Die Stadt liegt auch an der Autoroute A62 zwischen Toulouse (115 km) im Südosten und Bordeaux (140 km) im Nordwesten.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Antike[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gegend von Agen war wahrscheinlich bereits seit der Jungsteinzeit besiedelt. Der Ort war um 200 v. Chr. eine keltische Siedlung der Nitiobrogen, die von den Kelten Aginnum (oder Agennum) genannt wurde. 107 v. Chr. war sie vielleicht Schauplatz der Schlacht bei Agen, in der ein römisches Heer unter dem Konsul Lucius Cassius Longinus eine Niederlage gegen die Tiguriner einstecken musste;[1] möglicherweise fand diese militärische Auseinandersetzung aber auch in der Nähe des Genfersees statt.[2] Um 56 v. Chr. wurde die Siedlung im Zuge des Gallischen Krieges von Julius Cäsar erobert.

Ursprünglich befand sich das keltische Oppidum auf der im Norden Agens gelegenen, Ermitage genannten Anhöhe, doch verlegten es die Nitiobrogen während der römischen Epoche in die Ebene, wo die Garonne mit ihrem Nebenfluss Masse eine dreieckige Fläche umschloss. Mit der Einrichtung der Civitas Aginnensis in Aquitanien durch Kaiser Augustus ging ihr Reich definitiv zu Ende. Die kaiserzeitliche prosperierende Siedlung lag nach neueren Ausgrabungen nicht wie lange angenommen nur im Süden der heutigen Stadt, sondern erstreckte sich auch bis in den Norden des modernen Agen. Aus der römischen Ära blieben u. a. Reste von Tempeln der Diana und des Jupiter sowie eines Amphitheaters bestehen, ferner Altäre, Statuen, Mosaiken und Inschriften.[3]

Der heilige Caprasius soll der erste christliche Bischof von Agen gewesen sein und ebenso wie der heilige Fides unter Kaiser Diokletian 303 n. Chr. in Agen das Martyrium erlitten haben. Im 4. Jahrhundert wurde das Bistum Agen gegründet. Damals war die Stadt die zweitbedeutendste der Provinz Aquitania secunda. Um 407 fielen die Vandalen im Agenais ein, das sich danach seit etwa 418 fast ein Jahrhundert lang im Besitz der Westgoten befand.

Mittelalter und Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

509 eroberte Chlodwig Agen, das nun folglich an die Merowinger fiel. 843, 853 und 922 wurde es von den Normannen angegriffen. Seit dem 12. Jahrhundert besaß die Stadt eine gewisse Autonomie und manche wiederholt bestätigten Freiheiten und Privilegien. Die Bürger wurden ziemlich unabhängig von ihrem Bischof, obwohl dieser zusammen mit dem König nominell ihr Oberherr war. Die Stadt wurde von Konsuln, allerdings eher oligarchisch als demokratisch, verwaltet. Während der Kriege gegen die Katharer Anfang des 13. Jahrhunderts wechselte Agen mehrmals den Besitzer. Arnaud IV. de Rovinha, der von 1209-28 als Bischof von Agen amtierte, war ein eifriger Unterstützer Simon de Montforts. Als Folge des Kriegs wurden die Katharer als Häretiker von einem in Agen neu errichteten Inquisitionstribunal grausam verfolgt.

Im 13. und 14. Jahrhundert war die Stadt zwischen Engländern und Franzosen heftig umstritten. In der Anfangsphase des Hundertjährigen Krieges kam sie 1360 durch den Vertrag von Brétigny an die Engländer, wurde aber nach dessen Bruch zweimal erobert und wieder zurückerobert. 1372 richtete der Herzog von Anjou hier sein Hauptquartier ein. Zwar verlor er die Stadt im nächsten Jahr, konnte sie aber bereits 1374 wieder einnehmen. Während danach ein Teil der Städte und Burgen des Agenais zeitweise unter englischer Herrschaft stand, blieb Agen bis zum Ende des Krieges (1453) fast dauernd in französischer Hand. 1453 zogen sich die Engländer schließlich komplett aus dem Agenais zurück.

1463 suchte eine Pestepidemie Agen heim. 1481 und 1514 kam es zu Bürgerrevolten, da die Regierung der Stadt allein in den Händen der Konsuln lag, die ihre Macht oft missbrauchten. Diese Tumulte wurden unterdrückt, und noch lange übten nur Angehörige der Oberschicht die Verwaltung der Kommune aus.

Zwar fand die Reformation auch in Agen Anhänger, doch blieb die Stadt insgesamt entschieden katholisch und stand damit im Gegensatz zum benachbarten Nérac, das eine Hochburg der Hugenotten war. Diese bemächtigten sich Agens 1562 und 1569, wurden aber beide Male von Blaise de Monluc vertrieben, der in seinen letzten Jahren bis zu seinem Tod (1577) in der Gegend kämpfte. Vom König von Navarra, dem späteren Heinrich IV. militärisch besetzt, wurde Agen 1578 Biron übergeben und stand für die nächsten zehn Jahre unter Kontrolle dieses Marschalls sowie jener seines Nachfolgers Matignon. 1589 traten die Bürger Agens auf die Seite der Heiligen Liga und erkannten den Kardinal von Bourbon als französischen König an. Sie mussten gegen ihren auf der Seite des Königs von Navarra stehenden Seneschall Saint-Chamarand kämpfen, der bei einem Angriff auf die Stadt 1591 fiel. Erst 1594 erkannten sie Heinrich IV. als König an.

Während des Aufstands von Nérac und weiteren Städten 1621 blieb Agen König Ludwig XIII. treu. 1628 und 1631 traten hier erneut Pestepidemien auf. Die Einführung der Salzsteuer führte 1635 zu Unruhen. Der Ausbruch der Französischen Revolution (1789) wurde in Agen enthusiastisch aufgenommen und es wurde nun Hauptstadt des Départements Lot-et-Garonne.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das Musée Municipal des Beaux Arts (städtische Museum der Schönen Künste) mit Gemälden von Goya, darunter El Globo, Sisleys Septembermorgen, eine von Corots schönsten Landschaften, Der Teich von Avray, sowie Werken von Francis Picabia und Gustave Caillebotte. Kleinod der Sammlung ist die Vénus du mas aus Marmor, eine 1876 in der Nähe entdeckte Statue aus dem 1. Jahrhundert v. Chr.
  • Die Kanalbrücke von Agen (580 Meter lang, 23 Bögen), erbaut von Jean-Baptiste de Baudre in den Jahren 1839 bis 1842.
  • Das Theater Ducourneau vom Architekten Guillaume Tronchet, fertiggestellt 1906.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Umgebung der Stadt ist durch riesige Plantagen mit Pflaumenbäumen gekennzeichnet. Kreuzritter brachten die Frucht im 11. Jahrhundert aus dem Vorderen Orient nach Frankreich. Die Mönche im nahe gelegenen Tal des Lot waren die ersten, die die Pflaumen trockneten und als Dörrobst verkauften. Heute verlassen jährlich rund 35.000 Tonnen Dörrpflaumen die Fabriken von Agen.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Agen ist die Hochburg des französischen Rugby-Sports.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • DeutschlandDeutschland Dinslaken, Deutschland, seit 23. März 1975

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Agen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Caesar. De bello Gallico 1, 7, 4; 1, 12, 7; 1, 14, 7; Titus Livius, Ab urbe condita librorum periochae 65; u. a.
  2. So Friedrich Münzer: Cassius 62. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band III,2, Stuttgart 1899, Sp. 1738.
  3. M. Klefstad-Sillonville: Aginnum (Agen), Lot-et-Garonne, France. In: Richard Stillwell u. a. (Hrsg.): The Princeton Encyclopedia of Classical Sites. Princeton University Press, Princeton, N.J. 1976, ISBN 0-691-03542-3.