Laineck

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Straßengabelung an der Bahnstation: Warmensteinacher Straße, Odinweg und Lainecker Straße

Laineck ist ein Stadtteil von Bayreuth.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ortschaft liegt im Nordosten der Stadt am Ausgang des Tals der (Warmen) Steinach.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laineck auf der Riediger-Karte von 1745
Siedlungshäuser von 1932/33 am Bühlweg

Laineck ist vermutlich älter als die Stadt Bayreuth selbst. Dennoch weist der Ort kaum nennenswerte bauliche Relikte auf, auch besaß er bis in die jüngere Vergangenheit keine eigene Kirche.[1] 1419 wurde der Ort als „Leneck“ im Lehenbuch des Burggrafen Johann III. erwähnt.[2] Von 1875 bis 1961 verdreifachte sich die Einwohnerzahl von 623 auf 1955.

1932/33 wurde am westlichen Ortsausgang das Kleinsiedlungsprojekt „Siedlung Laineck für Arbeiterfamilien“ mit Mitteln des Reichsheimstättengesetzes realisiert. Dort wurden, vorwiegend für Handwerkerfamilien, zu Doppelhäusern zusammengefasste Siedlungshäuschen mit Wohnflächen unter 65 Quadratmeter, noch ohne WC, errichtet.[3] Das Gelände für die Siedlung wurde 1933 aus der Gemeinde ausgegliedert und der Stadt Bayreuth zugeschlagen,[4] 1939 folgte der Bereich des damaligen Flugplatzes.[5]

Das Dorf Laineck sei eine reiche Gemeinde gewesen, schilderte Herbert Frosch, von 1966 bis 1972 Mitglied des letzten Gemeinderats. Viele Einwohner hätten in der Baumwollweberei im Ortsteil Friedrichsthal gearbeitet, was Laineck, trotz landwirtschaftlicher Nutzung im Bereich des Rodersbergs, sozialdemokratisch prägte. Zur Infrastruktur gehörten neben Schule, Bank und Post mehrere Geschäfte und Wirtshäuser. 1953 wurde der Ort an das Bayreuther Trinkwassernetz, 1968 an die Kläranlage der Stadt und deren Stadtbusnetz angeschlossen. Trotz dieser Verflechtungen votierten Anfang der 1970er Jahre fast alle der rund 2000 Lainecker Bürger gegen eine Eingemeindung nach Bayreuth.[6]

Dem Ergebnis der Abstimmung durch die Bürger folgend fasste der Gemeinderat im August 1971 einstimmig den Beschluss, gegen den Willen der Staatsregierung für die weitere Eigenständigkeit der Gemeinde Laineck im Landkreis Bayreuth einzustehen.[7] Alternativ wurde sogar über einen Anschluss an Bindlach nachgedacht.[6] Am 1. Mai 1972[8] wurde Laineck dennoch nach Bayreuth eingemeindet,[1] was unter anderem zur Umbenennung mehrerer Straßen führte. Allerdings hatten die Lainecker zäh verhandelt; so blieb die Feuerwehr eigenständig, die Dorfschule blieb erhalten und die Stadt übernahm die Finanzierung der im Bau befindlichen Schulturnhalle. Vor der Übernahme erhielt jeder Lainecker Bürger 5 DM aus der Gemeindekasse.[6]

Ende Dezember 1991 wurde zwischen der Stadt Bayreuth und der Energieversorgung Oberfranken (EVO) ein Partnerschaftsvertrag besiegelt, mit dem die Zuständigkeit für die Stromversorgung des gesamten Stadtgebiets auf die Stadtwerke übertragen wurde. Als letzte ehemals eigenständige Gemeinde wurde Laineck 1997, bis dahin von der EVO bzw. deren Vorgänger Bayerische Elektricitäts-Lieferungs-Gesellschaft AG (BELG) mit elektrischem Strom beliefert, in die Vereinbarung einbezogen.[9]

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schloss Laineck

Der Ort besteht aus den beiden Teilen Oberend und Unterend, die nördlich und südlich des Döhlauer Grabens lagen.[10] Dieser künstliche Kanal zweigt von der Steinach ab und versorgte den Brandenburger Weiher im nahegelegenen Sankt Georgen. Unterend gilt als das historische Ortszentrum, es hat seinen dörflichen Charakter weitgehend bewahrt.[10] Dort steht auch das seit dem 14. Jahrhundert belegte Schloss, ein einstiges Rittergut, das später als Armenhaus und Arbeiterwohnhaus diente und in dem derzeit ein Kindergarten untergebracht ist. Unweit davon lag die Untere Mühle, die 1967 abgerissen wurde. Westlich des Schlosses überwiegen Ein- und Mehrfamilienhäuser, die ab den 1950er Jahren entstanden, dort steht auch eine katholische Kirche. An der Straße nach Rodersberg befindet sich die Bohrung der Lohengrin Therme, wo 20.000 Jahre altes Heilwasser aus einer Tiefe von 1122 Metern gewonnen wird.

Am Südrand des Ortsteils befindet sich im Talboden die Walkmühle. Sie wurde bereits vor 1728 als Marmormühle angelegt und ist noch als Schneidmühle in Betrieb. Der 1896 eingerichtete Haltepunkt Laineck der Bahnstrecke Bayreuth–Warmensteinach liegt am Nordrand des Stadtteils. Aus dieser Zeit stammt ein Teil der Bebauung an der nahegelegenen Lainecker Straße, vorwiegend Wohnhäuser für Arbeiter der Flachsspinnerei in Friedrichsthal.

Oberend liegt hangaufwärts, es ist nicht eindeutig vom Stadtteil Friedrichsthal zu trennen. Dort beginnt die Straße Friedrichsthal, die Bahnstation Friedrichsthal liegt ebenfalls in Laineck-Oberend. An der Warmensteinacher Straße befinden sich das neue Feuerwehrhaus und die evangelische Kirche.

Aus Gründen des Lärmschutzes wurde die unmittelbar an der Siedlung Laineck gelegene A 9 auf einer Länge von ca. 325 Metern[11] nach den Plänen von Eberhard Schunck eingehaust.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Haltepunkt Laineck

Hauptachse und nördliche Begrenzung ist die Warmensteinacher Straße, die nach dem Bau der Umgehungsstraße ihre Funktion als Ausfallstraße ins Fichtelgebirge verloren hat. Die Bahnhaltepunkte Laineck und Friedrichsthal werden im Stundentakt von den Zügen der Relation Bayreuth–Weidenberg bedient. Die Stadtbusse der VGN-Linie 301 verkehren im angenäherten 20-Minuten-Takt mit Lücken von bis zu 38 Minuten.

Flugplatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nördlich der Bahnstrecke nach Warmensteinach befand sich an der Bindlacher Allee der Flugplatz Laineck, der am 2. August 1925 mit einem Flugtag eingeweiht wurde. Die 1930 bereits als „Flughafen“ bezeichnete Anlage weckte Hoffnungen, die Lage der Stadt abseits der Haupt-Eisenbahnstrecken zu verbessern. In genannten Jahr wurden 119 ankommende und 82 abgehende „Luftfahrgäste“ gezählt.

Seit 1929 beherbergte er die Propellermaschine der Bayreuther Fliegerin Lisl Schwab, die als Fallschirmspringerin nationale Berühmtheit erlangte. Zur fliegenden Bayreuther Prominenz gehörte auch der NS-Gauleiter und Kultusminister Hans Schemm, der 1935 dort beim Start tödlich verunglückte. Adolf Hitler landete als Festspielgast mit persönlichem Piloten in einer Ju 52, die während seiner Aufenthalte dort auf ihn wartete.

Mit dem Zweiten Weltkrieg endete die kurze Geschichte des Lainecker Flugplatzes. Das Gelände wurde zunächst für den Aufbau eines Flüchtlingslagers und später von der Bundeswehr (Markgrafenkaserne) genutzt. Die Flughalle wurde Anfang der 1960er Jahre abgerissen.[12] Der südliche Teil des ehemaligen Flugplatzes beherbergt das Gewerbegebiet Sankt Georgen Ost.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinrich Vogel (1912–1997), Politiker und Mitglied des Bayerischen Landtags

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Herbert Popp: Bayreuth - neu entdeckt, S. 235.
  2. Rosa und Volker Kohlheim: Bayreuth von A-Z, S. 92.
  3. Herbert Popp: Bayreuth - neu entdeckt, S. 242–244.
  4. Herbert Popp: Bayreuth - neu entdeckt, S. 56.
  5. Herbert Popp: Bayreuth - neu entdeckt, S. 58.
  6. a b c Als Laineck sich teuer verkaufte in: Nordbayerischer Kurier vom 10. Januar 2022, S. 8.
  7. Vor 50 Jahren. Laineck für Eigenständigkeit in: Nordbayerischer Kurier vom 27. August 2021, S. 8.
  8. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 600 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  9. Yvonne Arnhold, Stephan Fuchs: Bayreuth Chronik 1990. Gondrom, Bindlach 1990, ISBN 3-8112-0770-9, S. 14.
  10. a b Herbert Popp: Bayreuth - neu entdeckt, S. 239 f.
  11. abgemessen mit dem BayernViewer
  12. Heimat Kurier (Beilage des Nordbayerischen Kuriers) 4/2010, S. 10 f.

Koordinaten: 49° 57′ N, 11° 37′ O