Legio IIII Flavia Felix

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Signum der Legio IIII Flavia Felix (vereinfachte Darstellung)

Die Legio IIII Flavia Felix (auch: Legio IV Flavia Felix) war eine Legion der römischen Armee. Sie wurde im Jahre 70 von Kaiser Vespasian aufgestellt und bestand bis ins frühe 5. Jahrhundert. Ihren Beinamen Flavia Felix („glückliche flavische“), verdankt sie dem Sieg der Familie Vespasians, der Flavier, im Bürgerkrieg von 69 n. Chr. (Vierkaiserjahr). Als Symbol führte die Legion einen Löwen.

Geschichte der Legion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Flavische Dynastie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Römische Befestigungsanlagen in Singidunum

Die Legion wurde im Jahre 70 von Kaiser Vespasian aufgestellt und bestand vor allem aus Mitgliedern der aufgelösten Legio IV Macedonica.[1] Die Legion wurde zunächst in Burnum (Kistanje) in der Provinz Dalmatia stationiert, wo sie die Legio XI Claudia ablöste.[2] Domitian (81–96) siedelte zu Beginn seiner Herrschaft Veteranen der Legionen I Italica, III Augusta, IV Macedonica, V Macedonica, V Alaudae, IIII Flavia und VII Claudia in der neugegründeten Stadt Scupi (Skopje) an.[3] Um 85 wurde sie von Domitian in seinem Feldzug gegen die Daker eingesetzt.[2] Unter dem Feldherrn Lucius Tettius Iulianus nahm die Legion im Jahr 88 an der Schlacht von Tapae teil.[4] Nach dem Krieg wurde die Legion möglicherweise für einige Zeit zur Legio VII Claudia nach Viminatium verlegt, bevor sie im obermoesische Singidunum (Belgrad) stationiert wurde.[5]

Adoptivkaiser und Antoninische Dynastie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Provinz Dakien mit der Hauptstadt Colonia Ulpia Traiana Augusta Dacica Sarmizegetusa
Ziegelstempel der Legion aus einer kleinen mittelkaiserzeitlichen Siedlung am pannonischen Donauknie bei Visegrád-Lepence (Burgus Solva 23).

Im Jahr 101 brach die Legion von Singidunum auf und war unter dem Oberbefehl von Manius Laberius Maximus in Südwestdakien an Trajans erstem Dakerkrieg beteiligt.[6] Dann bildete sie mit der Legio XIII Gemina unter dem Militärstatthalter Gnaeus Pinarius Aemilius Cicatricula Pompeius Longinus die Besatzungsmacht des eroberten Gebietes. Ein Aufstand führte im Jahr 105 zum zweiten Dakerkrieg, der im Jahr 106 mit einem römischen Sieg und der Gründung der Provinz Dacia endete.[7]

Nach den Dakerkriegen wurde die Legion in Berzobis (Berzovia) stationiert und bewachte die Donausüdstraße und den Pass des Eisernen Tores.[8] In der Colonia Ulpia Traiana Augusta Dacica Sarmizegetusa war die Legion zwischen 108 und 117 mit dem Bau der Wehranlagen und öffentlicher Gebäude beschäftigt.[9] Vexillationen wurden auch in „Außenposten“ stationiert, um die aurariae Dacicae (dakischen Goldminen) z. B. bei Ampelum (Zlatna) und Bocșa zu überwachen. Mit dem Kürzel LEG IIII F F[10] gestempelte Ziegel weisen auf Bautätigkeiten an diesem Orten hin.[11] Die Legion ist auch als Besatzungseinheit für die Frühphase des Kastell Micia bekannt. Ein Zenturio, Quintus Licinius Macrinus, stiftete in Micia zwischen 101 und 117 einen Weihestein.[12]

Die Legio I Adiutrix wurde 115 wieder abgezogen.[13] In den Jahren 116 bis 119 führten sarmatische Angriffe dazu, dass einige exponierte Randgebiete Dakiens aufgegeben wurden.[14] Im Jahr 119 wurde die Legio IIII Flavia Felix von Kaiser Hadrian abgezogen und wieder nach Singidunum verlegt.[8] Im weiteren Verlauf des 2. und 3. Jahrhunderts scheint die Hauptlast der Kämpfe auf der Legio II Adiutrix und den zahlreichen Auxiliartruppen gelegen zu haben, während die Flavia Felix als Reserve diente. Bei diesen Gelegenheiten bildeten Vexillationen der Flavia Felix die Garnison in der niederpannonischen Provinzhauptstadt Aquincum (Budapest), in der das Stammlager der II Adiutrix lag.[15]

Die Legion wurde für den Partherkrieg des Lucius Verus (162–166) in den Osten des Reiches verlegt[16] und nahm in der Zeit Kaiser Mark Aurels (161–180) an den Markomannenkriegen (166–180) im Donauraum teil.[17]

Severer und Soldatenkaiser[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dolabra mit der Gravur LEG IIII S A, gefunden beim Harzhornereignis in Niedersachsen

Als 193 der pannonische Statthalter Septimius Severus zum Kaiser ausgerufen wurden, schloss sich die Flavia Felix wohl umgehend seiner Sache an. Septimius ließ zu Ehren der Legion Münzen prägen.[18] Um das Jahr 200 wurden Veteranen der Legionen IIII Flavia Felix und Legio VII Claudia in Naissus (Niš) angesiedelt.[19] Inschriften in Apameia am Orontes aus dem frühen 3. Jahrhundert deuten auf den Einsatz einer Vexillation gegen die Parther und/oder Sassaniden hin.[20]

Während des 3. Jahrhunderts wurde es üblich, einem Legionsnamen als besondere Auszeichnung den Herrschernamen anzufügen. Im frühen 3. Jahrhundert trug die Legion nach Caracalla (eigentlich Antoninus) den Namen Legio IIII Flavia Antoniniana.[21] Severus Alexander (222–235) verlieh der Legion die Namen Legio IIII Flavia Alexandriana[22] bzw. Legio IIII Flavia Severiana Alexandriana.[23] Unter Maximinus Thrax (235–238) führte die Legion ab 236 den Namen Legio IIII Flavia Maximiniana[24] und unter Gordian III. (238–244) Legio IIII Flavia Felix Gordiana.[25] Eine Pionieraxt (dolabra), die durch die Inschrift LEG IIII S A der vierten Legion zugewiesen werden kann, wurde 2010 beim Harzhornereignis entdeckt; dies ist ein Indiz für die Teilnahme der Einheit (oder Teilen von ihr) an einem großen Germanienfeldzug vermutlich im Jahr 235.

Philippus Arabs (244–249) erhob die Polis Flavia Neapolis 244 zur Colonia Sergia Neapolis und siedelte dort Veteranen der Legio IIII Flavia Felix an.[26] Welche Rolle die Legion 249 im Machtkampf zwischen Philippus Arabs und Decius spielte, ist umstritten, doch zählten zumindest die IIII Flavia und VII Claudia wohl zu Decius’ frühen Unterstützern.[27]

In Mailand geprägter Antoninian des Gallienus
GALLIENVS AVG
LEG IIII FL VI P VI F

Um 260 ließ Gallienus, vermutlich im Zusammenhang mit einem Alemanneneinfall in Italien, zu Ehren der Legion Münzen prägen.[28] Er verlieh ihr auch den Beinamen Galliena[29] und den Titel VI Pia VI Fidelis („zum sechstenmal pflichtbewusst und zum sechstenmal treu“).

Die Grabinschrift eines primipilaris protector der Legio IIII Flavia deutet darauf hin, dass Teile der Legion zur Feldarmee (Comitatenses) ausgegliedert wurden, da diese Dienststellung im Grenzheer (Limitanei) nicht vorkam.[30] Eine Vexillation aus Legionären der Legion scheint sich in Gallien Verdienste erworben zu haben, da Victorinus (269–271) Münzen mit der Aufschrift LEG(io) IIII FLAVIA (Felix) P(ia) F(idelis) („pflichtbewußt und treu“) prägen ließ.[31]

Spätantike[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Antoninianus, unter Carausius geprägt. Auf der Rückseite sind der Löwe, das Symbol der Legion und die Inschrift (LEG IIII FL).

Die Legion existierte noch in der Spätantike. Eine Vexillation der Legio IIII Flavia Felix war vermutlich zwischen 285 und 290 für einen Feldzug Maximians gegen die aufständische Bagauden Galliens oder zur Bekämpfung von Piraten dem Carausius unterstellt worden.[32] Die „gallische“ Vexillation schloss sich vermutlich um 310 Konstantin dem Großen an.[33]

Diokletian konnte 297/298 durch das Zusammenziehen starker Truppenkontingente, zu denen auch eine Vexillation der Legio IIII Flavia Felix gehörte, eine Erhebung in Ägypten niederschlagen.[34] Anführer dieser Rebellion waren ein gewisser Lucius Domitius Domitianus und ein Mann namens Achilleus. Alexandria kapitulierte wohl im Frühjahr 298. Dann begab er sich wieder an die persische Grenze. Eine Vexillation aus Legionären der Legio XI Claudia, Legio VII Claudia, Legio IIII Flavia Felix, Legio I Italica und Legio I Illyricorum baute unter Diokletian (284–305) in Arabia Petraea (Syrien, Jordanien) eine rund 550 km lange Straße, welche die Kastelle Bostra, Basianis (Qasr al-Azraq), Amata und Dumata (Jawf) verband.[35]

Im frühen 5. Jahrhundert war die Quarta Flavia mit ihrem Praefectus legionis in Singidunum stationiert und unterstand als Limitanei (Grenzheer) dem Dux Moesiae primae.[36] Danach verlieren sich die Spuren der Legion.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Legio IIII Flavia Felix – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Barbara Levick: Vespasian. Routledge, London/New York 1999, ISBN 0-415-16618-7, S. 152.
  2. a b John J. Wilkes: Army and Society in Roman Dalmatia. In: Géza Alföldy, Brian Dobson, Werner Eck (Hrsg.): Kaiser, Heer und Gesellschaft in der römischen Kaiserzeit. Steiner, Stuttgart 2000, ISBN 3-515-07654-9, S. 327.
  3. M. Mirkovic: Einheimische Bevölkerung und römische Städte in der Provinz Obermösien. In: Hildegard Temporini (Hrsg.): Aufstieg und Niedergang der römischen Welt. (ANRW), Teil II, Band 6, Politische Geschichte (Provinzen und Randvölker: Lateinischer Donau-Balkanraum). de Gruyter, Berlin/New York 1977, ISBN 3-11-006735-8, S. 831.
  4. Graham Webster: The Roman Imperial Army of the first and second centuries A.D. University of Oklahoma Press, 1998, ISBN 0-8061-3000-8, S. 52.
  5. András Mócsy: Pannonia and Upper Moesia. A history of the middle Danube provinces of the Roman empire. Routledge, London 1974, ISBN 0-7100-7714-9, S. 82.
  6. E. G. Hardy: Studies in Roman History. 1906, S. 224–225. (Nachdruck von 1906)
  7. Ioan Piso: An der Nordgrenze des Römischen Reiches (= Heidelberger Althistorische Beiträge und Epigraphische Studien Band 41) Steiner, Stuttgart 2005, ISBN 3-515-08729-X, S. 360.
  8. a b Ioana Adina Oltean: Dacia: landscape, colonisation and romanisation. Routledge, London 2007, ISBN 978-0-415-41252-0, S. 56.
  9. Heinrich Beck, Dieter Geuenich, Heiko Steuer (Hrsg.): Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Bd. 26. de Gruyter, Berlin/New York 2004, ISBN 3-11-017734-X, S. 516.
  10. AE 1988, 961.
  11. Alfred Michael Hirt: Imperial Mines and Quarries in the Roman World: Organizational Aspects 27 BC–AD 235. Oxford University Press, Oxford 2010, ISBN 978-0-19-957287-8, S. 76, 195.
  12. CIL 03, 1353
  13. Yann Le Bohec: Die römische Armee von Augustus zu Konstantin dem Großen. Steiner, Stuttgart 1993, ISBN 3-515-06300-5, S. 194.
  14. Edward N. Luttwak: The Grand Strategy of the Roman Empire. From the First Century A.D. to the Third. Johns Hopkins University Press, Baltimore 1979, ISBN 0-8018-2158-4, S. 101.
  15. András Mócsy: Pannonia and Upper Moesia. A history of the middle Danube provinces of the Roman empire. Routledge, London 1974, ISBN 0-7100-7714-9, S. 99.
  16. Franz Altheim: Niedergang der alten Welt Band 2: Imperium Romanum, Klostermann, Frankfurt 1952, S. 45.
  17. Marcelo Tilman Schmitt: Die römische Außenpolitik des 2. Jahrhunderts n. Chr. Friedenssicherung oder Expansion?. Steiner, Stuttgart 1997, ISBN 3-515-07106-7, S. 176–177.
  18. Yann Le Bohec: Die römische Armee von Augustus zu Konstantin d. Gr. Steiner, Stuttgart 1993, ISBN 3-515-06300-5, S. 217.
  19. Miroslava Mirkovic: Einheimische Bevölkerung und römische Städte in der Provinz Obermösien. In: Hildegard Temporini (Hrsg.): Aufstieg und Niedergang der römischen Welt. (ANRW), Teil II, Band 6. Politische Geschichte (Provinzen und Randvölker: Lateinischer Donau-Balkanraum). de Gruyter, Berlin/New York 1977, ISBN 3-11-006735-8, S. 839.
  20. Nigel Pollard: Soldiers, cities, and civilians in Roman Syria. University of Michigan Press, Ann Arbor 2000, ISBN 0-472-11155-8, S. 264–265.
  21. AE 1984, 790.
  22. CIL 3, 14555.
  23. CIL 3, 8173.
  24. AE 1952, 186.
  25. CIL 3, 8154.
  26. Werner Eck: Rom und Judaea: fünf Vorträge zur römischen Herrschaft in Palaestina. Tübingen 2007, ISBN 978-3-16-149460-4, S. 230–233.
  27. Christian Körner: Philippus Arabs. de Gruyter, Berlin/New York 2002, ISBN 3-11-017205-4, S. 292–293.
  28. Yann Le Bohec: Die römische Armee von Augustus zu Konstantin d. Gr. Steiner, Stuttgart 1993, ISBN 3-515-06300-5, S. 225.
  29. CIL 3, 8148.
  30. Paul Erdkamp (Hrsg.): A companion to the Roman army. Wiley-Blackwell, 2007, ISBN 978-1-4051-2153-8, S. 461.
  31. Henry Fynes Clinton: The Civil and Literary Chronology of Rome and Constantinople, from the Death of Augustus to the Death of Justin II. Volume 2 Appendix, Cambridge University Press, Cambridge 2010, ISBN 978-1-108-01248-5, S. 59.
  32. P. J. Casey: Carausius and Allectus: the British usurpers. Routledge, London 1994, ISBN 0-7134-7170-0, S. 82–83.
  33. Oliver Schmitt: Constantin der Große (275–337). Kohlhammer, Stuttgart u. a. 2007, ISBN 978-3-17-018307-0, S. 143 und 296.
  34. Samuel Thomas Parker: The Roman Frontier in Central Jordan. Final Report on the Limes Arabicus Project, 1980–1989 (=Dumbarton Oaks Studies 40). Harvard University Press, 2006, ISBN 0-88402-298-6, S. 544.
  35. AE 1987, 964; Gary Keith Young: Rome's eastern trade: international commerce and imperial policy, 31 BC–AD 305. Routledge, London 2001, ISBN 0-415-24219-3, S. 123–124.
  36. Notitia dignitatum Or. XLI.