Lehnerz

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Lehnerz
Stadt Fulda
Koordinaten: 50° 34′ 24″ N, 9° 41′ 58″ O
Höhe: 336 (330–367) m ü. NHN
Fläche: 6,67 km²[1]
Einwohner: 1704 (31. Dez. 2015)[2]
Bevölkerungsdichte: 256 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. August 1972
Postleitzahl: 36039
Vorwahl: 0661

Lehnerz ist ein Stadtteil der osthessischen Stadt Fulda.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausdehnung und Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lehnerz liegt etwa 3,3 km (Luftlinie) nordöstlich der Fuldaer Innenstadt auf dem Nordwesthang des Rauschenberges (471,3 m ü. NHN), auf etwa 300 bis 360 m Höhe (Ortskern 334 m); auf dem zum Großteil zur südsüdöstlich benachbarten Gemeinde Petersberg gehörenden Rauschenberg steht ein Aussichtsturm. Westlich der Ortschaft fließt der kleine Lehnerzbach. Das nördlich von Lehnerz gelegene und zu dessen 6,67 km² großer Gemarkung gehörende Gebiet heißt Im Grund und wird vom Lehnerzgraben durchflossen. Nordwestlich von Im Grund liegt als Südflanke des Fulda-Haune-Tafellands der Lehnerzberg. Zur Gemarkung von Lehnerz gehört auch ein etwa 3 km² großes Gebiet im Michelsrombacher Wald (Staatsforst Fulda-Nord), das durch einen schmalen Korridor mit dem Rest der Gemarkung verbunden ist. Der höchste Punkt der Gemarkung befindet sich auf dem Mühlberg (435,2 m) dessen Südausläufer der Hummelskopf mit dem Fernmeldeturm Hummelskopf ist, und der tiefste liegt Im Grund (297 m).

Nachbarortschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachbarortschaften sind im Norden der Stadtteil Dietershan, im Nordosten Steinau, etwa im Osten Almendorf und Stöckels, im Südsüdosten der Kernort der Gemeinde Petersberg, im Südwesten das innerstädtische Viertel Nordend und im Westen der Stadtteil Niesig.

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Klima in Lehnerz ist etwas kühler und niederschlagsreicher als das von Fulda. Im Jahresschnitt ist es 8,0 °C warm und es regnet 736,7 mm. Der kälteste Monat ist der Januar mit −0,3 °C, der wärmste der Juli mit 17,0 °C (Mittel 1971–2000). Der niederschlagsärmste Monat ist der Februar mit 43,9 mm, der niederschlagsreichste der Juli mit 79,0 mm (Mittel 1971–2000). Die Sonne scheint an 1455,4 Stunden im Jahr. Der sonnenscheinärmste Monat ist der Dezember mit 29,5 Stunden, der sonnenscheinreichste ist der Juli mit 205,9 Stunden. Damit scheint die Sonne in Lehnerz rund 100 Stunden länger als in der Innenstadt von Fulda. Das liegt maßgeblich daran, dass Lehnerz erhöht liegt und dort fast immer die Sonne scheint, wenn es in der Innenstadt Nebel gibt. Dieser Unterschied wird vor allem in den Wintermonaten deutlich.[3]

Monatsmittelwerte für Lehnerz, 1971 bis 2000
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Temperatur (°C) -0,3 0,4 3,8 7,0 11,9 14,6 17,0 16,3 12,7 8,1 3,6 0,9 Ø 8
Niederschlag (mm) 54,7 43,9 56,0 52,9 63,3 76,7 79,0 62,6 55,0 58,4 63,5 70,7 Σ 736,7
Sonnenstunden (h/d) 1,3 2,4 3,5 5,3 6,3 6,1 6,6 6,3 4,4 3,1 1,5 1,0 Ø 4
T
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m
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Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
N
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g
54,7
43,9
56,0
52,9
63,3
76,7
79,0
62,6
55,0
58,4
63,5
70,7
  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Quelle: Klimaatlas Hessen

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lehnerz war bis 1972 eine selbständige Gemeinde. Wahrzeichen sind die 1977 geweihte neue Kirche und die 1887 erbaute Grillenburg, die heute ein Restaurant mit Hotel beherbergt. Sie liegt auf dem sogenannten „Esparküppel“. Vor der Grillenburg befand sich ein barocker Pavillon auf dem Hügel. Der Leipziger Hof, heute eine Gaststätte, liegt an der Leipziger Straße, einer ehemaligen Handelsstraße zwischen Frankfurt und Leipzig. An dieser stand der „Weiße Turm“. Der ehemalige Wartturm ist heute nicht mehr erhalten.

Erstmals ist Lehnerz in einem Erbkaufbrief aus dem Jahr 1541 als „Lenters“ = Hof des Lentrich oder des Caspar Ledenther erwähnt. Von 1802 bis 1957 gehörte es zur Dompfarrei, von 1957 bis 1963 war es eine Lokalkaplanei, von 1963 bis 1976 eine Pfarrkuratie und seit 1976 ist es eine eigene Pfarrei. Die erste Kirche wurde 1923 auf dem heutigen Parkplatz zwischen Schule und Leipziger Hof erbaut und von 1926 bis 1928 ausgebaut. Nach dem Bau einer neuen Kirche in den Jahren 1976/77 wurde die alte Kirche abgerissen. Der Friedhof, der auf einer kleinen, bebauten Anhöhe am Nordostrand von Lehnerz liegt, wurde in den 1950er Jahren angelegt. Der 1953 verstorbene ehemalige Bürgermeister Ferdinand Reinhard war die erste Person, die auf dem Friedhof begraben wurde. Auf dem Gelände befinden sich die Friedhofshalle (1981/82) und die Marienkapelle (erbaut in den 1950er Jahren). Davor wurden die Lehnerzer am Frauenberg begraben.

Der letzte Richtplatz der Stadt Fulda befand sich am „Rabenstein“, etwa 200 Meter östlich des heutigen Friedhofs. Die letzte Hinrichtung fand am 21. November 1856 statt. Ein antiker Grabhügel aus der Bronzezeit befindet sich nordöstlich des Dorfes.

Am 1. August 1972 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Lehnerz in die Stadt Fulda eingegliedert.[4]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr 1789 1826 1834 1840 1845 1846 1852 1858 1864 1871 1875 1885 1895 1900 1905 1910 1925 1939 1946 1950 1956 1961 1969 1979 2010
Einwohner[5] 10[6] 88 99 104 96 107 120 96 122 95 109 121 116 116 149 178 243 309 470 496 761 1104 1716 1792 1645

Im Jahr 1845 existierten 13 Gebäude mit 96 Einwohnern, im Jahr 1900 waren es 16 Gebäude mit 116 Einwohnern und im Jahr 1969 waren es 133 Gebäude mit 225 Wohnungen und 1716 Einwohnern.

Laut Statistikstelle der Stadt Fulda weist Lehnerz im Jahr 2010 bei einer Einwohnerzahl von 1645 eine Bevölkerungsdichte von 246 Einwohnern pro Quadratkilometer auf. Diese liegt unter dem Durchschnitt für die Stadt Fulda, der bei rund 650 Einwohnern pro Quadratkilometer liegt. Dabei muss aber berücksichtigt werden, dass lediglich ein kleiner Teil (rund 0,5 km²) im äußersten Süden des Gemeindegebiets besiedelt ist.[7]

Demografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lehnerz gilt als überaltert. Nur 17 % der Wohnbevölkerung sind unter 18 Jahren alt, während aber 20 % über 65 Jahre alt sind. 6 % sind sogar 80 Jahre oder älter. Der Großteil der Lehnerzer Bevölkerung (63 %) ist zwischen 18 und 64 Jahren alt.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Juni 1970 wurde der Gemeinde Lehnerz ein Wappen mit folgender Blasonierung verliehen: Der gespaltene Schild zeigt vorne in Silber ein schwarzes Kreuz und hinten in rot auf grünem Dreiberg einen weißen, gezinnten Turm.[8]

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der TSV 1965 Lehnerz e. V. ist der Sportverein des Stadtteils. Er betreut mit seinen 530 Mitgliedern etwa 150 junge Menschen in der Fußballabteilung sowie 220 in der Turnabteilung und arbeitet damit für den Breitensport. Er fördert gleichzeitig das Gemeinschaftsleben innerhalb des Stadtteils. Überregional erfolgreich ist die Fußball-Abteilung, die in der Saison 2012/13 den Aufstieg in die Hessenliga schaffte.

Die Freiwillige Feuerwehr ist seit über 75 Jahren im Ort etabliert. Im Jahr 2005 ist sie zusammen mit der Freiwilligen Feuerwehr Fulda-Niesig in den Feuerwehrstützpunkt Fulda-Nord eingezogen. Seither besteht die Einsatzabteilung aus 60 Feuerwehrangehörigen und einer Jugendfeuerwehr mit 20 Jugendlichen.

Infrastruktur und Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Lehnerz gibt es einige Gaststätten, eine Kirche, einen Friedhof, eine Bank, mehrere Lebensmittelläden, einen Floristen, mehrere Bäcker und Arztpraxen. Die Bundesstraße 27 führt westlich an der Ortschaft vorbei und unterquert an der Anschlussstelle Fulda-Nord die Bundesautobahn 7. Lehnerz ist durch die Stadtbuslinien 6 BronnzellMarbach an die Fuldaer Kernstadt angeschlossen.

Die Verkehrssysteme von Lehnerz sind häufig wegen unzureichendem Ausbau überlastet. Vor allem der Berufsverkehr in Richtung Rhön und in den nördlichen Kreisteil führt durch Lehnerz. So fahren auf den drei Lehnerzer Hauptstraßen (nach Norden, Süden, Osten und Westen) durchschnittlich 18.000 Fahrzeuge pro Tag. Zudem liegt Lehnerz zwischen zwei Hauptverkehrsachsen, B 27 und A 7 (beide in Nord-Süd-Richtung). Diese nutzen dort zusammen noch einmal rund 68.000 Autos am Tag. Lärmschutzwälle sind nicht vorhanden. Die Lärmbelastung ist während der Hauptverkehrszeiten fast überall im Dorf deutlich über den EU-Grenzwerten.[9]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Flächen der Stadtteile im Internetauftritt der Stadt Fulda, abgerufen im Juni 2016.
  2. Bevölkerung der Stadtteile in Internetauftritt der Stadt Fulda, abgerufen im Juni 2016.
  3. Klimaatlas Hessen
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland, Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 387.
  5. LAGIS und Stadt Fulda
  6. LAGIS: 7 Nachbarn und 3 Beisassen
  7. Website der Stadt Fulda, Buchenblätter (30. September 1978)
  8. Genehmigung eines Wappens durch den Hessischen Minister des Innern vom 1. Juni 1970 (StAnz. S. 1259), S. 15 der PDF-Datei 5,43 MB
  9. Hessisches Ministerium für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz: Luftreinhalteplan Fulda. Abgerufen im 31. Juli 2011 (PDF; 5,9 MB).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]