London Spy

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Seriendaten
Originaltitel London Spy
Produktionsland Vereinigtes Königreich, Vereinigte Staaten
Originalsprache Englisch
Jahr 2015
Produktions-
unternehmen
Working Title Films,
BBC America,
NBCUniversal,
BBC
Länge 60 Minuten
Episoden 5 in 1 Staffel
Genre Thriller
Regie Jakob Verbruggen
Drehbuch Tom Rob Smith
Produktion Guy Heeley
Musik David Holmes,
Keefus Ciancia
Kamera Laurie Rose
Erstausstrahlung 9. November – 7. Dezember 2015 (UK) auf BBC Two
Deutschsprachige
Erstausstrahlung
9. Mai 2016 auf Netflix
Besetzung

London Spy ist eine britisch-amerikanische Thriller-Miniserie, die von Tom Rob Smith entwickelt wurde. Die Handlung dreht sich um einen jungen Briten, der dem angeblichen Unfalltod seines Partners nachspürt und dabei Verstrickungen ins Milieu der Geheimdienste aufdeckt. Die Erstausstrahlung sendete BBC Two in 5 Folgen vom 9. November bis zum 12. Dezember 2015. Die deutschsprachige Erstausstrahlung erfolgte am 9. Mai 2016 bei Netflix.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach einer durchfeierten Nacht und noch unter Drogeneinfluss stehend lernt der Londoner Lagerarbeiter Danny einen morgendlichen Jogger namens Alex kennen. Die beiden Männer freunden sich an und beginnen eine Liebesbeziehung. Für den hochintelligenten, aber einsamen Alex ist Danny der erste Mensch, dem er wirklich nahekommt. Danny wiederum hat eine wilde Vergangenheit mit zahlreichen Sexualpartnern hinter sich, ist aber gerade darum umso überzeugter, in Alex den Richtigen gefunden zu haben. Von einem Tag auf den anderen verschwindet Alex. Danny findet seinen toten Freund verschlossen in einer Kiste im Dachboden seines Appartements, das zu einem BDSM-Folterstudio umgebaut ist. Er ruft die Polizei, verschweigt ihnen allerdings einen mit einem Zahlenschloss versehenen Zylinder, den er vor ihrem Eintreffen gefunden und verschluckt hat.

Auf dem Polizeirevier erfährt Danny, dass Alex ihm seinen wahren Namen Alistair verschwiegen hat, und dass er nicht wie behauptet ein Waise ist, sondern seine Eltern noch leben. Alex’ Tod wird als Unfall bei sado-masochistischen Sexspielen mit Atemkontrolle dargestellt. Danny hält diese Version für inszeniert, da Alex sexuelle Unerfahrenheit nicht gespielt sein konnte. Er wendet sich an die Presse, doch diese veröffentlicht nicht seine Mordtheorie, sondern berichtet über seine Drogenvergangenheit, woraufhin er seinen Job verliert. Nur sein väterlicher Freund Scottie unterstützt Danny bei der Suche nach der Wahrheit über Alex’ Tod. Er enthüllt, dass Alex für den MI6, den britischen Auslandsgeheimdienst, gearbeitet hat. Scottie selbst war einst Geheimagent beim MI6, ehe er wegen seiner Homosexualität aus dem Dienst gedrängt und in einen Suizidversuch getrieben wurde.

Danny erhält die Einladung zu einem Paar, das behauptet, Alistairs Eltern zu sein. Er durchschaut jedoch, dass auch diese Begegnung inszeniert ist. Daraufhin lädt ihn Frances Turner, die Frau von Charles Turner, eines hochrangigen Geheimdienstmitarbeiters im Ruhestand, auf ihr Anwesen ein und bekennt, dass sie Alistairs wahre Mutter ist. Laut ihrer Aussage war ihr Sohn weder schwul noch jungfräulich, sondern konnte nur jedem Gegenüber seine Wünsche an ihn vorspiegeln. Als Danny ihr abermals nicht glaubt, warnt sie ihn davor, weitere Unruhe zu stiften. Inzwischen wird Danny von der Polizei für Alex’ Tod verantwortlich gemacht. Bei einer Blutentnahme wird er vorsätzlich mit HIV infiziert.

Danny, der nicht zur offiziellen Beerdigung von Alex eingeladen wird, hält am Strand seine eigene Abschiedszeremonie für Alex ab. Er erinnert sich, dass sie füreinander „der Eine“ sein wollten. Als er daraufhin das Codeschloss auf „0000001“ einstellt, öffnet es sich und gibt einen USB-Stick frei. Gemeinsam mit Scottie sucht er Alex’ Professor auf, der den Inhalt des Sticks entschlüsselt: Alex hat an einem auf der menschlichen Mimik basierenden Lügendetektor gearbeitet. Als dies publik wurde, geriet er ins Visier diverser Geheimdienste, da alle Herrschaftssysteme auf dem Einsatz von Lügen basieren. Später am Tag findet Danny Scottie erhängt an einem Baum im Park. Auf sich alleine gestellt informiert er zahlreiche Zeitungen, doch werden seine E-Mails und Briefe alle als unzustellbar retourniert oder gelöscht. Statt dessen tauchen unvermittelt Dannys Eltern bei ihm auf, von denen er sich schon vor Jahren entfremdet hat, und suchen unter dem Vorwand, sein Vater läge im Sterben, eine Versöhnung. Auch diese Begegnung erweist sich als Scharade. Dannys Eltern wurden unter Druck gesetzt, um den Inhalt des Zylinderschlosses zu zerstören.

Danny sucht noch einmal Frances Turner auf, und erfährt von ihr endlich die Wahrheit: Alex war der Sohn ihres Dienstmädchens, den sie in ihre Obhut übernahm, als sie seine Intelligenz erkannte. Sie förderte den Jungen, den sie Alistair nannte, und vereinsamte ihn zugleich. In ihm zog sie jenen intelligenten Spion auf, der sie einst hätte sein wollen, was ihr als Frau jedoch versagt blieb, und der ihr dümmlicher Gatte niemals war. Die Entwicklung des Lügendetektors war eine sentimentale Spielerei ihres Sohnes, die den MI5, den britischen Inlandsgeheimdienst, auf den Plan rief. Alex wurde in eine Kiste eingesperrt und verhört, bis Frances ihm das Versprechen abrang, nicht an seiner Erfindung weiterzuarbeiten und mit sämtlichen sozialen Kontakten zu brechen, um in den USA eine neue Existenz zu beginnen. Doch Alex’ eigener Detektor entlarvte seine Zugeständnisse als Lügen, woraufhin das MI5 ihn in der Kiste ersticken ließ und anschließend die Todesumstände inszenierte.

Danny bittet Frances, sich mit dieser Geschichte an die Öffentlichkeit zu wenden, wo ihre Worte als Mutter ein anderes Gewicht hätten als seine. Frances verweigert sich dem Wunsch zuerst, doch als ihr Dienstmädchen, Alex’ wahre Mutter, ein Zeichen setzt und den Irrgarten des Anwesens niederbrennt, schließt sie sich Alex an. Sie will die Verantwortlichen für Alex’ Tod ausräuchern, auch wenn sie keine Chance haben werden.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kritiken in der britischen Presse zur Erstausstrahlung auf BBC Two umfassten ein breites Spektrum. Mark Lawson nominierte London Spy im Guardian als eine der besten Serien des Jahres 2015.[1] Sein Kollege Gabriel Tate beklagte sich zwar über das unplausible Ende, dennoch biete die Serie „vieles, das Vergnügen bereitet, vor allem vom brillanten Ben Whishaw“.[2] Benji Wilson nannte die Serie im Daily Telegraph „wundervoll und ärgerlich im gleichen Maße“ und fragte, ob es jemals eine Fernsehserie gegeben habe, die im gleichen Maße frustrierend gewesen sei: London Spy habe fünf Wochen hindurch „schwindelerregende Höhen“ und „groteske Tiefen“ erreicht, mal „vollkommen fesselnd“ mit Szenen von „erstaunlicher Brillanz“, dann wieder „höllisch schwülstig“ und „zügellos“. Das potentiell großartige Skript hätte nach einer beherzten Überarbeitung verlangt.[3]

A. A. Gill beschrieb in der Sunday Times eine „ungewöhnliche, unerklärlich fesselnde Story“. Sie biete „eine Figurenzeichnung von großer Tiefe in einem Plot, der nichts anderes ist als eine Serie von Rätseln, die rätselhaft präsentiert werden.“[4] Für Jack Searle lebte London Spy hauptsächlich „in der Lücke zwischen der Handlung und seiner Botschaft – zwischen dem, worum es geht, und dem, worum es wirklich geht. Es geht wirklich um Selbsterkenntnis und darum, wie Liebende versuchen, einander kennenzulernen, während sie über sich lügen.“[5]

Im Daily Mail beschwerte sich Christopher Stevens, dass es bereits genug „Schwulendrama“ in der BBC gäbe: „Es ist schon beinahe unmöglich, den Fernseher einzuschalten, ohne zwei Männer nackt ineinander verschlungen“ zu sehen.[6] Daraufhin berichtete die Huffington Post von kritischen Leserkommentaren, die Stevens entgegneten, es handle sich nicht um „ein schwules Spionagedrama“, sondern „ein Spionagedrama, bei dem einige der Figuren zufälligerweise schwul“ seien.[7]

Für Sabine Horst in epd Film ist London Spy „bescheidener“ als die zeitgleich entstandene BBC-Spionageserie The Night Manager. Die Inszenierung spreche „vom insistenten Score bis zu den glühenden Dunkeltönen immerzu von Gefühlen – Liebe, Trauer, Empörung.“ Intuition und sein von der „Erinnerung an viele fucks“ geprägtes Körpergefühl lassen „Danny die Inszenierung rund um den Mord an seinem Liebhaber durchschauen und den entscheidenden »Code« knacken“. Horst zieht das Fazit: „So löst die Serie ein Genre, das vom Kalkül und der Rechnung auf the greater good geprägt ist, in dem der Einzelne nichts zählt, vom Subjekt her auf.“[8]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Mark Lawson: Best TV of 2015: No 5 – London Spy. In: The Guardian vom 13. Dezember 2015.
  2. „a somewhat daft and implausible ending, but there was still much to enjoy, mostly from the brilliant Ben Whishaw.“ Zitiert nach: Gabriel Tate: London Spy recap: episode five – the end of lying. In: The Guardian vom 7. Dezember 2015.
  3. „wonderful and infuriating in equal measure […] Has there ever been a television series that's frustrated as much as London Spy (BBC 2)? Over five weeks this contemporary thriller has scaled giddy heights and then plumbed ludicrous depths, gone from being completely gripping to turgid as hell, thrown up single scenes of startling brilliance then followed them with some preposterous self-indulgence […] London Spy's potentially great script was in desperate need of some doughty editing.“ Zitiert nach: Benji Wilson: London Spy, episode 5, review: 'frustrating'. In: The Daily Telegraph vom 8. Dezember 2015.
  4. „This is a strange, inexplicably compelling story. […] It is a characterisation of great depth, in a plot that is nothing more than a series of enigmas, presented enigmatically.“ Zitiert nach: A. A. Gill: Frank's patter does little to flatter him. In: The Sunday Times vom 6. Dezember 2015.
  5. London Spy has lived in the gap between plot and subtext – between what it's about, and what it's really about. It's really about self-knowledge, and how lovers try to know each other while lying about themselves.“ Zitiert nach: Jack Searle: Is the final episode of London Spy doomed to let us down?. In: The Guardian vom 7. Dezember 2015.
  6. „Believe it or not, BBC execs reckon there is not enough gay drama on the Beeb [...] You might think that it's become impossible to switch the telly on without seeing two men locked in a naked clinch, or in drag, or snogging.“ Zitiert nach: Christopher Stevens: No plot but lots of disco dancing! It's the Beeb's new gay spy drama. In: Daily Mail vom 10. November 2015.
  7. „It's not a gay spy drama, it's a spy drama and some of the characters happen to be gay.“ Zitiert nach: Aubrey Allegretti: Daily Mail TV Review Of 'London Spy' Laments The Number Of BBC 'Gay Dramas', Sparks Reader Backlash. In: The Huffington Post vom 10. November 2015.
  8. Sabine Horst: Serien-Tipp: »The Night Manager« und »London Spy«. In: epd Film vom 25. März 2016.