Luftlandebrigade 26

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Luftlandebrigade 26
„Saarland“
— LLBrig 26 —
X
Verbandsabzeichen der Luftlandebrigade 26 „Saarland“
Verbandsabzeichen
Aktiv 1958 bis 31. März 2015
Land DeutschlandDeutschland Deutschland
Streitkräfte Bundeswehr
Teilstreitkraft Bundeswehr Logo Heer with lettering.svg Heer
Typ Brigade der Eingreifkräfte
Unterstellte
Truppenteile

StKp LLBrig 26.png Stab/ Stabskompanie
LLAufklKp 260.jpg LuftlandeaufklärungsKp 260
LLPiKp 260.jpg Luftlandepionierkompanie 260
Fallschirmjägerbataillon 261 Fallschirmjägerbataillon 261
Luftlandeunterstützungsbataillon 262 LuftlandeunterstützungsBtl 262
Wappen Fallschirmjägerbataillon 263 Fallschirmjägerbataillon 263
internes Verbandsabzeichen LuftlandeaufklärungsKp 310
internes Verbandsabzeichen Luftlandepionierkompanie 270

Stärke ~ 3500
Unterstellung Division Spezielle Operationen (Bundeswehr).svg Division Schnelle Kräfte
Sitz des Stabes Saarlouis
Spitzname Saarlandbrigade
Auszeichnungen Flag of Saarland.svg Fahnenband
Saarland (2008)
Kommandeur
Letzter Kommandeur Oberst Stefan Geilen

Die Luftlandebrigade 26Saarland“ mit Sitz des Brigadestabes in Saarlouis war ein etwa 3.500 Mann starker Verband der Division Schnelle Kräfte. Die Brigade wurde auch gemäß ihrer fast vollständigen Stationierung im Saarland als „Saarlandbrigade“ bezeichnet. Weitere Truppenteile lagen in Rheinland-Pfalz. Die Luftlandebrigade 26 gehörte zum größten Teil zu den Eingreifkräften der Bundeswehr, der Verband stellte daher den überwiegenden Anteil an Fallschirmjägern und Luftlandetruppen der Eingreifkräfte des Heeres. Das Brigademotto lautete: „Einsatzbereit – jederzeit – weltweit“. Die Brigade grüßte mit „Glück ab“.

Aufgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Brigade führte die Fallschirmjägerbataillone 261 und 263 sowie das Luftlandeunterstützungsbataillon 262 und war als Teil der Eingreifkräfte befähigt, innerhalb von 24 bis 72 Stunden einen luftbeweglichen Gefechtsverband „spezielle Operationen“ aus den Truppenteilen der Brigade zu stellen. Dazu arbeitete die Brigade ggf. mit Spezialkräften bei Schutz- und Evakuierungsoperationen. Weiterhin war die Brigade befähigt, begrenzte Anfangsoperationen zum Schaffen von Voraussetzungen für den Einsatz anderer Kräfte durch Nehmen und Halten von Schlüsselgelände durchzuführen. Die Brigade führte außerdem spezialisierte Kräfte bei Operationen in der Tiefe gegen Einrichtungen, Kräfte und Mittel der Führung und Logistik des Gegners.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Angehörige des Fallschirmjägerbataillons 261 1993 in Somalia
Abordnung der Brigade in Paris

Die Brigade wurde 1958 als Luftlandekampfgruppe B9 in Eßlingen am Neckar aufgestellt, verlegte im selben Jahr nach Sigmaringen und wurde in Luftlandebrigade 26 umbenannt. 1959 erfolgte die Umbenennung in Fallschirmjägerbrigade 26, die 1972 wieder in Luftlandebrigade 26 rückbenannt wurde. 1972 verlegte der Stab nach Saarlouis, so dass die Brigade vollständig im Saarland stationiert war. 1991 wurde der Brigade daher der Namenszusatz „Saarland“ verliehen. Mit der Verlegung des Fallschirmjägerbataillon 263 von Saarlouis nach Zweibrücken hat die Brigade auch eine „Außenstelle“ in Rheinland-Pfalz.

Als Soldatenmord von Lebach ging ein im Jahre 1969 begangener Überfall mit der Ermordung der Wachsoldaten des Munitionsdepots der Graf-Haeseler-Kaserne (Lebach) in die bundesdeutsche Geschichte ein. Die getötete Wache waren die Gefreiten Dieter Horn und Ewald Marx, der Obergefreite Arno Bales und der Unteroffizier Erwin Poh.

1991 stellte die Brigade Kräfte für die humanitäre Hilfsaktion „Operation Kurdenhilfe“ im Iran und war 1992/1993 an der „Sanitätsdienstlichen Unterstützung der Vereinten Nationen in Kambodscha“ beteiligt. Im Jahre 1993 war die Brigade Leitverband für das erste Kontingent des Somalia-Einsatzes.

Seit 1995 befinden sich Soldaten aller Brigadeteile im Wechsel fast ununterbrochen auf dem Balkan im Einsatz. Am 14. März 1997 führte der spätere Brigadegeneral Henning Glawatz, seinerzeit noch Oberst und Kommandeur der Luftlandebrigade 26 Saarland, mit Kräften die im Rajlovac/Bosnien stationiert waren die Operation Libelle zur Evakuierung deutscher und ausländischer Staatsbürger aus der albanischen Hauptstadt Tirana durch.

2002/2003 führte der Brigadestab mit unterstellten Truppenteilen als Leitverband die Multinationale Brigade in Kabul der Internationalen Schutztruppe in Afghanistan (ISAF). 2006 nahmen Teile der Brigade am Auslandseinsatz in der Demokratischen Republik Kongo (EUFOR RD CONGO) teil.

30 Angehörige des zur Brigade gehörenden Fallschirmjägerbataillons 261 nahmen am 14. Juli 2007 an der traditionellen Militärparade aus Anlass des französischen Nationalfeiertags teil, an der erstmals Soldaten aus allen anderen EU-Staaten vertreten waren. Ab dem 16. Juli 2007 nahm für 5 Tage ein Fallschirmjägerzug, eingebunden in eine russische Kompanie in Pskow (Bleskau)/Russland an einer Luftlandeübung mit Gefechtsschießen teil. Gleichzeitig besuchte ein russischer Zug das Fallschirmjägerbataillon 263 in Zweibrücken.

2012 wurde das letzte Mal im Saarland ausgebildet. Auf Grund des Stationierungskonzepts 2011 wurde die Ausbildung der Rekruten an den Stützpunkt in Zweibrücken verlegt. Die letzte Übung des Fallschirmjägerbataillons 261 fand vom 16. bis 19. September 2012 am Stausee Losheim statt.[1]

Am 26. November 2014 wurden der Brigade die Luftlandepionierkompanie 270 und die Luftlandeaufklärungskompanie 310 der aufgelösten Luftlandebrigade 31 unterstellt.

Im Zuge der Umsetzung des Realisierungsplans „HEER2011“ wurde die Luftlandebrigade 26 am 1. April 2015 zur Luftlandebrigade 1 umgegliedert.[2]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1994 stand die Ausbildungskompanie des LLBtl 263 (2./263) wegen der dort herrschenden Ausbildungsmethoden im Fokus der saarländischen Presse.[3]
  • Im Jahr 2006 waren Soldaten der Saarlandbrigade in den Skandal um vermeintliche Totenschändungen in Afghanistan verwickelt.
  • In der Kaserne des Fallschirmjägerbataillons 263 in Zweibrücken wurde 2006 wegen obszöner Handlungen und entwürdigenden Behandlungen im Beisein des Kompaniechefs während einer "Uffz-Feier" staatsanwaltschaftlich ermittelt.[4][5]

Gliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gliederung der Luftlandebrigade
Altes Verbandsabzeichen der Brigade

Die Luftlandebrigade 26 gliederte sich wie folgt:

Verbandsabzeichen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Verbandsabzeichen der Division Schnelle Kräfte sowie die Verbandsabzeichen der unterstellten Brigaden zeigt als Symbol der Luftlandekräfte einen goldenen Adler im Sturzflug auf blauem Grund. Als Hinweis auf die Spezialkräfte der Division ist auf dem Wappen unter dem Adler ein nach oben zeigender schwarzer Pfeil abgebildet. Der Adler ist so auch im Barettabzeichen der Fallschirmjägertruppe abgebildet. Die rote Paspelierung weist auf die Stellung als 2. Brigade der Division hin.

Auch das alte Verbandsabzeichen aus der Zeit der Unterstellung unter die 1. Luftlandedivision war aus demselben Grund rot umrandet. Es zeigte einen entfalteten Fallschirm in Schattenfarbe auf blauen Grund mit „eingehängtem“ nach unten deutenden Pfeil. Die Symbolik bezieht sich auf die Luftlandeaufgaben des Verbandes und taucht vereinfacht auch in Form des taktischen Zeichens der NATO-Fallschirmjägertruppen auf.

Kommandeure[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kommandeure der Brigade waren (Dienstgrad bei Kommandoübernahme):

Nr. Name Beginn der Berufung Ende der Berufung
17 Oberst Stefan Geilen 4. Dezember 2014 31. März 2015
16 Oberst Andreas Hannemann[6] 1. Februar 2012 4. Dezember 2014
15 Oberst Eberhard Zorn 14. Januar 2010 31. Januar 2012
14 Oberst Volker Bescht 29. August 2005 14. Januar 2010
13 Oberst Hans-Werner Fritz 2003 29. August 2005
12 Oberst Manfred Schlenker (2000) (2002)
11 Oberst Henning Glawatz (1996) (1999)
10 Oberst Hans-Heinrich Dieter 1. April 1994 (1995)
9 Oberst Helmut Harff 1. April 1990 31. März 1994
8 Oberst Fritz Eckert 1. April 1983 31. März 1990
7 Oberst Herbert Hagenbruck April 1976 31. März 1983
6 Oberst Hans Kubis September 1973 März 1976
5 Oberst Helmut Liebeskind Oktober 1970 September 1973
4 Oberst Heinrich Schwiethal Oktober 1968 September 1970
3 Oberst Karl-Albert Keerl April 1967 Oktober 1968
2 Oberst Hans-Werner Voss Oktober 1963 April 1967
1 Oberst Erich Timm Oktober 1958 September 1963

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Sören Sünkler: Die Spezialverbände der Bundeswehr. Stuttgart: Motorbuch Verlag 2007. ISBN 3-613-02592-2
  • Sören Sünkler: K-ISOM 1. Ausgabe 2008, Artikel LLBrig. 26, Sept.-Okt. 2008, KOMMANDO- International Special Operations Magazine ISSN 1866-9360.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Mit der Badehose ins letzte Gefecht. In: Saarbrücker Zeitung. 18. September 2012, S. B1.
  2. LLBrig 26: Seedorfer Fallschirmjäger ab April 2015 im neuen Auftrag. www.deutschesheer.de, 1. April 2015, abgerufen am 1. April 2015.
  3. Scans einiger Presseartikel der Saarbrücker Zeitung
  4. Obst in den Po und Paddel drauf. In: stern. 21. Juni 2006, abgerufen am 12. Februar 2016.
  5. Urteil im "Dörrobst"-Prozess. In: RP Online. 11. Juni 2008, abgerufen am 12. Februar 2016.
  6. Personalveränderungen in militärischen und zivilen Spitzenstellen. In: www.bmvg.de. 31. Januar 2012, abgerufen am 31. Januar 2012 (PDF; 32 kB, deutsch).

Koordinaten: 49° 18′ 48″ N, 6° 44′ 3″ O