Merheim

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Dieser Artikel behandelt den rechtsrheinischen Kölner Stadtteil. Für den bis 1952 gleichnamigen linksrheinischen Stadtteil siehe Weidenpesch.
Wappen von Merheim
Wappen von Köln
Merheim
Stadtteil 806 von Köln
Lage von Merheim im Stadtbezirk Köln-Kalk
Koordinaten 50° 56′ 59″ N, 7° 3′ 0″ OKoordinaten: 50° 56′ 59″ N, 7° 3′ 0″ O
Fläche 3,806 km²
Einwohner 11.224 (31. Dez. 2016)
Bevölkerungsdichte 2949 Einwohner/km²
Eingemeindung 1. Apr. 1914
Postleitzahl 51109
Vorwahl 0221
Stadtbezirk Kalk (8)
Verkehrsanbindung
Autobahn A4
Bundesstraße B55
Stadtbahnlinie 1
Buslinien 157 158
Quelle: Kölner Stadtteilinformationen – Zahlen 2015

Merheim ist ein rechtsrheinischer Stadtteil in Köln im Stadtbezirk Kalk.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Merheim grenzt im Nordosten an den Stadtteil Dellbrück, im Osten an den Stadtteil Brück, im Süden an den Stadtteil Neubrück im Südwesten an Ostheim, im Westen an Höhenberg und im Norden an Holweide.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Name und Ersterwähnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausschnitt Karte Köln und Umgebung Anfang 19. Jahrhundert
Gasthof „Em ahle Kohberg“
Luftaufnahme des Neubaugebiets „Merheimer Gärten“

Der Name Merheim leitet sich (ähnlich Heumar) von Mar/Mer ab, was eine sumpfige Stelle bezeichnet. Hier tritt in einer der vielen späteiszeitlichen Rheinrinnen, die die Niederterrasse durchziehen, Grundwasser der höhergelegenen Mittelterrasse aus[1]. Der Bestandteil Heim deutet auf eine Gründung in der älteren Rodeperiode (ab dem 6. Jahrhundert). Urkundlich wurde der Ort erstmals 1003 erwähnt, als Erzbischof Heribert von Köln dem Peterstift in Köln drei Gutshöfe schenkte. Einer dieser Höfe lag in Merheim.[2]

Bürgermeisterei Merheim[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch eine Verwaltungsreform im französisch besetzten Rheinland im Jahre 1808 und die damit verbundene Auflösung des Amtes Porz wurde aus dem ehemaligen Bergischen Botenamt Merheim im Großherzogtum Berg die Mairie (Bürgermeisterei) Merheim im Arrondissement Mülheim, aus dem 1815 der Kreis Mülheim am Rhein gebildet wurde. Zur Bürgermeisterei gehörten die Orte Brück, Dellbrück, Höhenberg, Holweide, Ostheim, Rath, Dünnwald, Flittard, Höhenhaus und Stammheim.

Nachdem die französischen Truppen im Jahre 1813 die rechtsrheinischen Gebiete aufgegeben hatten, kam das Gebiet 1815 zur Rheinprovinz und unter die Herrschaft des Königreichs Preußen. Teile des Kreises Mülheim wurden 1914 zusammen mit der Stadt Mülheim am Rhein in die Stadt Köln eingemeindet.

Das große preußische Zollgebiet mit seinem freien Handel verhalf dem Ort zu großem Wohlstand. Eine Redensart aus dieser Zeit lautet:

„Merheim und Hand sind die reichsten Gemeinden im Bergischen Land!“

Die Bürgermeisterei wurde mit der Eingemeindung in die Stadt Köln im Jahre 1914 aufgelöst. Da es in der Folge mit dem linksrheinischen Merheim häufig zu Verwechslungen kam, wurde dieser Kölner Ortsteil 1952 in Weidenpesch umbenannt.[3]

Entwicklung des Ortes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Ortszentrum lag ursprünglich rund um die Kirche St. Gereon zwischen der Fußfallstraße und der Abshofstraße, wo sich auch das Bürgermeisteramt befand. Am östlichen Ende der damaligen Hauptstraße, der Rüdigerstraße, befand sich ein großer Viehmarkt. Der im bergischen Fachwerkstil im Jahre 1665 errichtete Marktgasthof existiert noch heute und ist die älteste Gastwirtschaft im rechtsrheinischen Köln. Sie trägt seit 1937 den Namen Em ahle Kohberg, was vermutlich auf eine kluge Werbeidee der damaligen Wirtsleute Bering zurückzuführen ist, die den Gasthof nach einer Textzeile des bekannten, im Jahre 1930 entstandenen Heimatliedes von Willi Ostermann „Och wat wor dat fröher schön doch en Colonia, wenn d’r Franz mem Nies nohm Ahle Kohberch jing“, benannten.[4]

Mit dem Bau der Vorortbahn von Köln nach Brück im Jahre 1906 erhielt auch Merheim eine eigene Haltestelle. Durch den guten Verkehrsanschluss wurde auch der südliche Teil des Ortes attraktiv. In diesem Bereich entstand 1910 die Maschinenfabrik Krauss und kurze Zeit später die Firma Schwarze. Ab 1929 wurde auf einem ehemaligen Exerzierplatz, der Merheimer Heide, ein 150 Hektar großer öffentlicher Landschaftspark, angelegt. In den 1930er-Jahren wurde die Merheimer Heide durch den Bau der Reichsautobahn (heute: A 3) verkleinert und von Merheim abgetrennt, jedoch war der Ortskern weiterhin mit der Merheimer Heide durch Brücken verbunden. Im Norden führte die Straße "Schlagbaumsweg" von der Ortssiedlung "Schlagbaumsweg" am nördlichen Rand der Merheimer Heide und am "ländlichen Reiterverein" vorbei nach Buchheim. Im Süden war der südliche Rand der Merheimer Heide über die Olpener Straße mit Höhenberg, und in der Mitte, in Höhe "Bevingsweg", war die Merheimer Heide mit dem Zentrum über eine Fußgänger-holzbrücke über die A3 verbunden. In dieser Zeit verlagerte sich das Ortszentrum nach und nach zur Olpener Straße.

Nach dem Zweiten Weltkrieg siedelte sich im Süden des Ortes die Arzneimittelfabrik Dr. Madaus & Co an, da das alte Firmengelände in Radebeul/Sachsen von den Sowjets enteignet worden war. Auch entstand auf dem Gelände des ehemaligen Fliegerhorstes Ostheim das unter anderem durch die Schwerstverbranntenstation landesweit bekannte Klinikum Köln-Merheim.

Durch den Bau der A 4 am Anfang der 1970er-Jahre wurde der nördliche Teil des Ortes vom übrigen Merheim etwas abgegrenzt. Die dort bereits vorhandenen Kiesgruben wurden, nachdem der Abbau von Kies nicht mehr weitergeführt wurde, als Mülldeponie aufgefüllt. Auf diesem zugeschütteten Kiesgruben/Mülldeponie-Gelände wurde ein Heizkraftwerk der GEW und der Betriebshof Merheim der Kölner Verkehrsbetriebe gebaut. Der Bau des Straßenbahn-Betriebshofes erwies sich als sehr schwierig, da das ehemalige Kiesgrubengelände sehr instabil war und absackte.

Durch den Wegzug der 1989 umfirmierten Madaus AG im Jahre 1998 entstand eine große Industriebrache, auf der zurzeit das Wohngebiet Merheimer Gärten entsteht.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1808–1810 Kaspar Düppes
  • 1810–1813 Jakob Ringen
  • 1813–1820 Bernhard Abshof
  • 1820–1846 Martin Josef Faßbender
  • 1846–1877 Balthasar Bensberg
  • 1878–1914 Johann Bensberg

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: „Rot-silbern geschachter Schild, belegt mit oben angeschobenem blauem Turnierkragen, überdeckt von einer blauen Vierung, darin ein aus dem linken Rand wachsender, mit Sackärmeln goldengekleideter Arm, einen goldenen Ring haltend.“

Mit diesem Wappen und der Legende S(igillum) Ionnis de Meyrhem Milit(is) siegelt 1353 der Ritter Johann (von Löwenburg gen.) von Merheim. Der rot-silberne geschachte Schild ist das Wappen der Edelherren von Sponheim, der Turnierkragen das Beizeichen der jüngeren Linie derselben, die sich nach ihrem Sitz Löwenberg benennt. Dieses Wappen der Edelherren von Löwenberg des Stammes von Sponheim wird gemindert durch die aufgelegte Vierung mit dem Arm, deren Farben hier frei ergänzt wurden. Diese Minderung des Adelswappens kann einmal bedeuten, dass Johann ein nichtehelicher Spross der Löwenberger war, wie Ernst von Oidtman - der beste Kenner rheinischer Adelsgenealogien - angibt. Zum anderen finden sich derartige Wappenminderungen bei Burgmannen, die nur in Dienst von Edelherren stehen, aber nicht mit diesen verwandt sind. (Das schließt nicht aus, dass auch ein Bastardsohn als Burgmann im Dienst seiner väterlichen Verwandtschaft stehen kann). Wie die Dinge im vorliegenden Fall stehen, lässt sich - nur anhand des Wappens - ohne weitere Information nicht klären.

Das Wappen wurde vom Merheimer Geschichtsverein in Auftrag gegeben. Gestaltet wurde es vom Heraldiker Lothar Müller-Westphal aus Düren.

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfarrkirche St. Gereon
Hauptartikel: St. Gereon (Köln-Merheim)

Die katholische Pfarrkirche St. Gereon gehörte zum Kölner Gereonsstift. Aufgefundene Grabsteine lassen auf eine erste merowingische Kirche schließen, die als Eigenkirche mit dem Fronhof verbunden war. Später entstand ein romanischer Bau, der mehrfach erweitert wurde. Nach dem Einsturz der Kirche 1818 wurde nach Plänen von Johann Peter Weyer bis 1821 der heutige Kirchenbau errichtet. Dieser Bau wurde 1907 nochmals von Heinrich Renard umgestaltet. Im Zweiten Weltkrieg musste der ursprüngliche spitze Kirchturm aufgrund seiner Lage in der Einflugschneise zum Fliegerhorst Ostheim verkürzt werden. Zu Beginn der 70er Jahre wurde der Innenraum nach den Vorgaben des Zweiten Vatikanisches Konzils umgestaltet.

In den Jahren 1996 und 1997 wurde die Kirche umfangreich saniert. Dabei wurden die in den 70er Jahren ummauerten Marmorsäulen wieder freigelegt. Im Jahre 1997 wurde aus St. Gereon die Christmette am Heiligen Abend deutschlandweit im ARD-Fernsehen übertragen.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Frohnhof, Von-Eltz-Platz 1
  • Kath. Pfarrkirche St. Gereon, Von-Eltz-Platz 6
  • Em ahle Kohberg (älteste Gaststätte Kölns rrh.), Ostmerheimer Straße 455
  • Kalker Friedhof, Kratzweg
  • Kath. Grundschule Fußfallstraße (erbaut 1959[5], unter Denkmalschutz stehend, Anbau mit Schulbaupreis NRW 2008 [6] und Deutschem Fassadenpreis 2008 [7] ausgezeichnet.), Fußfallstr. 55
  • Liste der Baudenkmäler im Kölner Stadtteil Merheim

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Schützengesellschaft Köln-Merheim von 1933.
  • Fußballverein TSV 07 Merheim e.V.
  • Karnevalsgesellschaft Merheimer-Musketiere von 2002 e.V.
  • Karnevalsgesellschaft Merheimer Funken Anno 1984 e.V.
  • Bürgerverein Bürgerverein Köln-Merheim e.V.
  • Karnevalsverein De raderdollen Merheimer von 2001
  • Kleingärtnerverein Vor St. Gereon e.V.
  • FMK Fördergemeinschaft Merheimer Karnevalszug von 1979 "für uns Pänz"

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johann Bendel, Heimatbuch des Landkreises Mülheim am Rhein, Geschichte und Beschreibung, Sagen und Erzählungen. Köln-Mülheim 1925.
  • Stefan Pohl, Georg Mölich: Das rechtsrheinische Köln: Seine Geschichte von der Antike bis zur Gegenwart. Winand, Köln 1994.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Köln-Merheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Karl H. Hermes: das Bergische Land zwischen Rhein und westfälischer Grenze in Kölner Bucht, Sammlung Geographischer Führer Nr. 6 , Berlin/Stuttgart 1972, S. 249
  2. Christoph Jacob Kremer. In: Akademische Beiträge zur gülch- bergischen Geschichte. Unter: Abschnitt Urkunden, Urkunde VIII vom 19. Wonnemonat (Mai) 1003. 1781, Mannheim, Hrsg. A. Lamey, S. [230]11. Onlinefassung
  3. Wolfram Hagspiel: Köln. Denkmälerverzeichnis. 12.5 Köln, Stadtbezirke 5 und 6 (Nippes und Chorweiler). J. P. Bachem Verlag, Köln 1982, ISBN 3-7616-0644-3, S. 152.
  4. Bernd Imgrund: Em Ahle Kohberg - Viehmärkte und das Ostermann-Lied In: 111 Kölner Kneipen, die man kennen muss. Emons 2012, ISBN 978-3-89705-838-5; S. 54
  5. Bild vom Originalzustand
  6. katholischen Grundschule Fußfallstraße bei baukunst-nrw
  7. Webseite Fassadenpreis