Miłomłyn

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Miłomłyn
Wappen von Miłomłyn
Miłomłyn (Polen)
Miłomłyn
Miłomłyn
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Ermland-Masuren
Powiat: Ostróda
Fläche: 12,40 km²
Geographische Lage: 53° 45′ N, 19° 51′ OKoordinaten: 53° 45′ 0″ N, 19° 51′ 0″ O
Einwohner: 2440
(30. Jun. 2015)[1]
Postleitzahl: 14-140
Telefonvorwahl: (+48) 89
Kfz-Kennzeichen: NOS
Wirtschaft und Verkehr
Straße: E 77 WarschauDanzig
Nächster int. Flughafen: Danzig
Sołectwo
Gmina
Gminatyp: Stadt- und Landgemeinde
Gminagliederung: 30 Ortschaften
13 Schulzenämter
Fläche: 160,91 km²
Einwohner: 5048
(30. Jun. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 31 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 2815073
Verwaltung (Stand: 2015)
Bürgermeister: Stanisław Siwkowski[2]
Adresse: ul. Twarda 12
14-140 Miłomłyn
Webpräsenz: www.milomlyn.pl



Miłomłyn [mʲi'wɔmwɨn] (deutsch Liebemühl) ist eine Stadt in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kleinstadt liegt im Oberland der historischen Region Ostpreußen im Osten der Eylauer Seenplatte, südlich des Eylingsees, etwa 65 Kilometer südöstlich von Elbing (Elbląg) und 50 Kilometer westlich von Allenstein (Olsztyn).

Die Stadt wird von der Europastraße 77 DanzigWarschau durchquert. Der früher vorhandene Anschluss an die Bahnlinie Mohrungen-Osterode (MorągOstróda) ist stillgelegt und abgebaut. Mit dem Berting-, Röthloff- und Drewenzsee befinden sich weitere größere Seen in der Nähe, und der Oberländische Kanal verzweigt sich hier nach Norden Richtung Elbing und nach Westen zum Geserichsee (Jeziorak). Hier endet auch das Flüsschen Liebe, das dem Ort seinen deutschen Namen Liebemühl gab. Östlich erstrecken sich ausgedehnte Waldgebiete, zu denen auch der unmittelbar an der Ortsgrenze beginnende früher so genannte Prinzwald gehört.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Liebemühl südöstlich von Elbing und westlich von Allenstein auf einer Landkarte von 1908.
Stadtkirche (bis 1945 evangelisch)
Schloss Karnitten

Die Ritter des Deutschen Ordens nutzten vermutlich schon Ende des 13. Jahrhunderts die geschützte Halbinsel zwischen dem Fluss Liebe und dem Eylingsee zur Errichtung einer Wassermühle, die sie durch Befestigungen sicherten. Zur Förderung der Besiedlung des Sassen genannten Umlandes wurden im ersten Viertel des 14. Jahrhunderts nahe der Mühle eine Ordensburg errichtet und eine Siedlung angelegt. Deren rasche Entwicklung veranlasste den Christburger Komtur Walter Kerskoff, dem zu dieser Zeit „Lyebemole“ genannten Ort 1334 nach Kulmer Recht das Stadtrecht zu verleihen. Die Stadt wurde mit einer wehrhaften Befestigung versehen, in die 1431 die Pfarrkirche mit einbezogen wurde. Während des Dreizehnjährigen Krieges (1454–1466) zwischen dem sich gegen finanzielle Unterdrückung wehrenden Preußischen Bund und dem Orden verharrte die Burgbesatzung auf Seiten des Ordens, während die Stadtbewohner sich dem Bund anschlossen. Bei der letzten militärischen Auseinandersetzung des Ordens gegen Polen, im Reiterkrieg von 1519 bis 1525, wurde Liebemühl während einer kurzzeitigen Besetzung durch polnische Truppen zerstört.

Nach der Säkularisierung des Ordensstaates und seiner Umwandlung in das Herzogtum Preußen im Jahre 1525 wurde die Stadt dem Oberländischen Kreis unterstellt und erhielt den Sitz eines Hauptamtes. 1567 überließ der preußische Herzog Albrecht das Schloss und die Einkünfte aus der Stadt für zwanzig Jahre den evangelischen Bischöfen von Pomesanien. In dieser Zeitspanne residierten die Bischöfe George Venediger und Wigand auf dem Liebemühler Schloss. Beide Bischöfe wurden in der Liebemühler Kirche beigesetzt. Im Oktober 1628 wurde Liebemühl durch schwedische Truppen, die während des 1. polnisch-schwedischen Krieges (1617–1629) durch das Land zogen, so stark zerstört, dass die Stadt über längere Zeit wüst lag.

Erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts normalisierte sich das Leben wieder. Als im Zuge der preußischen Kreisreform von 1752 der Oberländische Kreis aufgeteilt wurde, kam Liebemühl in den Kreis Mohrungen, behielt aber den Sitz des Hauptamtes. 1782 hatte die Stadt 1100 Einwohner, die hauptsächlich von der Land- und Forstwirtschaft lebten. Nach einer erneuten Verwaltungsreform wurde Liebemühl 1815 dem Kreis Osterode zugeordnet. Am 1. November 1835 war die die Stadt durchquerende spätere Reichsstraße 130 von Elbing nach Osterode fertiggestellt. Mit dem Oberländischen Kanal erhielt Liebemühl ab 1860 Anschluss an einen weiteren wirtschaftlich wichtigen Verkehrsweg.

Mit den Eisenbahnstrecken ElbingOsterode (ab 1893) und WormdittOsterode (ab 1902) wurde das die Stadt berührende Verkehrswegnetz komplettiert. Dies veranlasste mehrere Industriebetriebe zur Ansiedlung, und so waren zur Jahrhundertwende Schiffbaubetriebe, Ziegeleien und Holzverarbeitung ansässig. Innerhalb von 100 Jahren hatte sich die Einwohnerzahl verdoppelt, und betrug 1880 2234. Davon waren 97 Prozent evangelischer Konfession.

Am 11. Juli 1920 wurden die Einwohner Liebemühls gezwungen, sich im Rahmen der durch den Versailler Vertrag angeordneten Volksabstimmung zwischen der Zugehörigkeit zu Ostpreußen oder Polen zu entscheiden. Die überwiegende Mehrheit entschied sich für den Verbleib bei Deutschland. Die Stadt rückte dadurch an die Grenze zum Polnischen Korridor und verlor damit ihr westliches Hinterland. Durch den Zuzug ehemaliger Bewohner der für die Einrichtung des Polnischen Korridors verlorengegangenen westpreußischen Gebiete erhöhte sich die Einwohnerzahl bis 1939 noch einmal auf 2.439. Von ihnen arbeiteten 1036 in der Industrie und im Handel, 446 waren in der Land- und Forstwirtschaft beschäftigt, und in Handel und Verkehr waren 427 Einwohner tätig.

Bis 1945 gehörte Liebemühl zum Landkreis Osterode im Regierungsbezirk Allenstein der Provinz Ostpreußen des Deutschen Reichs.

Gegen Ensde des Zweiten Weltkriegs wurde Liebemühl im Januar 1945 von der Roten Armee eingenommen und besetzt. Nach Kriegsende wurde Liebemühl zusammen mit der südlichen Hälfte Ostpreußens unter polnische Verwaltung gestellt. Anschließend setzte der Zuzug polnischer Zivilisten ein, die sich der Behausungen und Anwesen der eingesessenen deutschen Stadtbewohner bemächtigten und die Einwohner daraus verdrängten. Die Stadt erhielt den polnischen Namen Miłomłyn. Soweit die deutschen Einheimischen nicht geflohen waren, wurden sie von der ab Herbst 1945 regierenden polnischen Verwaltung vertrieben.

Die Stadt verlor ihre Stadtrechte und konnte sie erst zum 1. Januar 1998 wiedererlangen.

Bevölkerungsentwicklung
Jahr Einwohner Anmerkungen
1782 ca. 1.100 [3]
1831 1.222 Deutsche[4]
1875 2.254 [5]
1880 2,234 [5]
1890 2.150 darunter 35 Katholiken und 24 Juden[5]
1933 2.300 [5]
1939 2.439 [5]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Städtepartnerschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit August 2005 besteht eine Städtepartnerschaft mit der deutschen Stadt Klötze und seit dem 20. Oktober 2006 mit Bezdonys in Litauen.

Gmina Miłomłyn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Gemeinde Miłomłyn gehören außerdem die folgenden kleineren Ortschaften:

Polnischer Name Deutscher Name
(bis 1945)
Polnischer Name Deutscher Name
(bis 1945)
Polnischer Name Deutscher Name
(bis 1945)
Bagieńsko Baginsken
1938-1945 Bürgersee
Kukła Althütte Rogowo Hornsberg
Boguszewo Bogunschöwen
1938-1945 Ilgenhöh
Ligi Liegen Skarpa Skerpen
Bynowo Bienau Liksajny Nickelshagen Skułty Skulten
Dębinka Schönaich Liwa Bieberswalde Tarda Tharden
Faltyjanki Faltianken Lubień Grünort Wielimowo Wilmsdorf
Gil Mały Klein Gehlfeld Majdany Małe Klein Altenhagen Winiec Winkenhagen
Gil Wielki Groß Gehlfeld Majdany Wielkie Groß Altenhagen Wólka Majdańska Charlottenhof
Glimy
(bis 1996 Gliny)
"Schießstand" Malinnik Amalienruh Zalewo Sallewen
Kamieńczyk Holstein Miłomłyn Liebemühl Zatoka Leśna Thorchen
Karnitki Klein Karnitten Ostrów Wielki Groß Werder Ziemaki Goldsberg
Karnity Groß Karnitten Piławki Pillauken

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil I: Topographie von Ost-Preussen. Königsberg/Leipzig 1785, S. 24, Nr. 6).
  • August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde. Königsberg 1835, S. 435, S. Nr. 40.
  • Chronik der Stadt Liebemühl 1800–1922. Rautenberg, Leer 1979.
  • Der Kreis Osterode in Bildern I+II. Rautenberg, Leer 1984–1887.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2015. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (ZIP-Ordner mit XLS-Dateien; 7,82 MiB), abgerufen am 28. Mai 2016.
  2. Website der Gemeinde, Burmistrz, abgerufen am 14. April 2015
  3. Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil I: Topographie von Ost-Preussen. Königsberg/Leipzig 1785, S. 24, Nr. 6).
  4. August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde. Königsberg 1835, S. 435, S. Nr. 40.
  5. a b c d e http://www.verwaltungsgeschichte.de/osterode.html#ew33ostrliebe