Michael

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Michael ist ein männlicher Vorname und Familienname.

Herkunft und Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name Michael, hebräisch מִיכָאֵל mîḵāʾēl, setzt sich aus den Elementen מִי „wer“[1], כְּ־ kə- „wie“[2] und dem אֵל ʾēl zusammen und bedeutet: „Wer ist wie Gott?“[3] Mit dieser Frage wird das Erstaunen über das Wesen Gottes, das alle bisherigen Erfahrungen qualitativ übersteigt, zu Ausdruck gebracht.[4]

Im Alten Testament tragen neun verschiedene Männer diesen Namen.[3] Darüber hinaus taucht im Buch Daniel, später auch im Judasbrief und der Offenbarung der Erzengel Michael auf. Die Idee, Engelsgestalten durch die Vergabe von Eigennamen zu individualisieren haben die Juden wohl im babylonischen Exil adaptiert.[4]

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits in der Perserzeit war der Name Michael sehr beliebt.[4]

Mit dem Christentum breitete er sich in der Welt aus.

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland fand der Name einer Theorie zufolge erste Popularität durch die byzantinische Gattin des deutschen Kaisers Otto II., Theophanu, die selber ab 985 sieben Jahre lang als deutsche Kaiserin herrschte. Der Name war im byzantinischen Reich beliebt, ihn trugen neun Kaiser des byzantinischen Reiches, Michael I. bis Michael IX. von Byzanz.[5]

Im Mittelalter war der Name in der Zählung von 1323–48 noch nicht unter den beliebtesten zehn Vornamen in Süddeutschland (am Beispiel Bamberg), in der Zählung 1481–97 war er auf Platz 8 der beliebtesten Vornamen in Bamberg, nicht aber in Norddeutschland.[6] Aus genealogischen Statistiken in Europa lässt sich ableiten, dass der Vorname um das Jahr 1600 und kurz danach ein kleines Hoch in der Beliebtheit hatte (Spitze 0,2 % aller Vornamen im Jahr 1611), danach bis Ende der 1930er Jahre eine relativ stetige Häufigkeit von 0,05–0,1 % hatte.[7]

Ab Ende des 19. Jahrhunderts liegen in Deutschland relativ zuverlässige Namensstatistiken vor.[8] Demnach war Michael im Jahrzehnt 1890–1899 auf dem 53. Platz der Beliebtheit. In den beiden Jahrzehnten 1900 bis 1920 war Michael nicht mehr unter den häufigsten achtzig bzw. neunzig Vornamen, lag in den 1920er Jahren auf Platz 90 und in den 1930er Jahren auf Platz 81.

1941 taucht der Name das erste Mal auf der Liste der häufigsten 35 männlichen Vornamen in Deutschland auf, und zwar auf Platz 27, stieg dann kontinuierlich über Platz 20 (1942/43) und Platz 17 (1944) auf Platz 14 im Jahr 1945. Dieser Anstieg in der Zeit des Nationalsozialismus fand trotz der offiziellen Ablehnung hebräischer und anderer fremdländischer Vornamen statt.[9] Andererseits hieß auch ein 1929 veröffentlichter Roman des späteren Propagandaministers Joseph Goebbels nach seinem Helden Michael.

Die Beliebtheit des Vornamens Michael stieg weiter: 1948 auf Platz 12[10], 1950 auf Platz 7[11] und damit das erste Mal unter den zehn beliebtesten Vornamen. 1955 war der Vorname dann auf Platz 1[12], und blieb bis 1973 unter den drei beliebtesten Vornamen in Deutschland. Platz 1 erreichte er 1955, 1956, 1959, 1971, 1972 und 1973.[13] Im Jahr 1974 kam er nur mehr auf Platz 6, erreichte zwischen 1975 und 1984 schwankende Werte zwischen Platz 2 und Platz 11, bevor er ab 1985 nicht mehr unter den beliebtesten zehn Vornamen landete. 1985 bis 1988 war er noch unter den ersten fünfzehn zu finden, 1990 dann nur noch auf Platz 30. Ab 1992 findet er sich nicht mehr unter den 35 beliebtesten Vornamen. 2005 liegt er auf Platz 72, 2007 auf Platz 92, 2010 auf Platz 100.[14]

Im Jahr 2021 lag Michael nach leichtem Auf und Ab wieder auf Rang 100 in den Hitlisten.[15] Als Zweitname erfreut er sich nach wie vor großer Beliebtheit. Auf der Liste der häufigsten Folgenamen lag er auf Rang 8 und wird etwa doppelt so häufig als Zweitname wie als Rufname vergeben.[16]

USA[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie die ab 1941 gestiegene Popularität des Vornamens in Deutschland mit der parallel dazu gestiegenen Beliebtheit des Namens in den USA in Zusammenhang steht, ist unklar. Hier lag der Name, ganz ähnlich wie in Deutschland, im Jahr 1880 noch auf Platz 51, 1930 auf Platz 54, stieg dann aber ab 1936 in der Beliebtheit langsam an. 1940 lag er in den USA auf Platz 18, 1943 auf Platz 10, und 1946 auf Platz 7. Von 1953 bis zum Jahr 2010 lag der Vorname in den USA immer auf einem der ersten drei Plätze, von 1954 bis 1998 sogar 45 Jahre lang auf Platz 1[17], dann noch einmal von 1999 bis 2008 auf Platz 2. Erst 2011 rutschte der Vorname auch in den USA auf Platz 6, 2012 auf Platz 8. In der Stadt New York lag der Vorname 2012 bei schwarzen Jungen auf Platz 6, bei weißen Jungen noch immer auf Platz 3.

International[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Irland hat sich Michael unter den beliebtesten Jungennamen etabliert. Im Jahr 2021 belegte er Rang 11 der Hitlisten.[18] Auch in Israel wird der Name nach wie vor häufig vergeben und lag im Jahr 2019 auf Rang 19 der Vornamenscharts.[19]

In Tschechien hält sich der Name relativ beständig um Rang 40 der Hitlisten. Im Jahr 2016 stand er auf Rang 38.[20]

Dagegen sank die Beliebtheit des Namens in Italien in den vergangenen 20 Jahren, jedoch nur leicht, sodass Michael dort auf Rang 81 lag.[21]

Auch wenn die Popularität des Namens in den vergangenen Jahren merklich sank, gehört Michael in Österreich[22], Kanada[23], Australien[24] und Neuseeland[25] immer noch zu den 100 beliebtesten Jungennamen.

Auch im Vereinigten Königreich ist der Name nach wie vor ein Teil der Top 100. Für die drei Landteile in Großbritannien zeigt sich ein ähnliches Bild: Die Beliebtheit sank relativ beständig seit den 1990er Jahren. In England und Wales von Rang 22 im Jahr 1996 auf Rang 74 im Jahr 2020[26], in Schottland für den gleichen Zeitraum von Rang 11 auf Rang 65.[27] In Nordirland war der Name länger beliebt. Erst in der zweiten Hälfte der 2010er Jahre wurde er merklich seltener vergeben. Im Jahr 2021 belegte er Rang 55 der Hitliste (vgl. Rang 16 im Jahr 2015).[28]

Varianten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Männliche Varianten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verwandte Namen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weibliche Varianten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verwandte Namen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Namenstage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Römisch-Katholische Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anglikanische und evangelische Kirchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Orthodoxe Kirchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Patron[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Erzengel Michael gilt als Schutzpatron des israelitischen wie des deutschen Volkes und der katholischen Kirche. Zahlreiche Heiligtümer und Kirchen sind ihm geweiht; diese sind unter Michaeliskirche aufgelistet. Er fungiert auch als Schutzheiliger für zahlreiche Berufsgattungen wie Apotheker, Bäcker, Kaufleute oder Polizeibeamte. Als Anführer der himmlischen Heerscharen ist er auch der Schutzpatron der Fallschirmjäger aller Nationen.

Erzengel Michael, Schweriner Schloss

Bekannte Namensträger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorname[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wikipedia-Datenbank enthält, Stand Juli 2020, mehr als 8000 Namensträger mit dem Vornamen Michael.[29] Eine Liste aller Namensträger mit diesem Vornamen kann über die Wikipedia-Namenssuche ermittelt werden.[30]

Künstlername[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michael (* 1978), deutscher Reality-TV-Show-Teilnehmer
  • Michael Hartl (* 1949), der männliche Teil des Moderatoren- und Gesangsduos Marianne und Michael
  • Michael Holm (* 1943), deutscher Schlagersänger, Songwriter, Texter, Musiker und Musikproduzent
  • George Michael (1963–2016), britischer Sänger
  • Marion Michael (1940–2007), deutsche Schauspielerin

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wiktionary: Michael – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wilhelm Gesenius: Hebräisches und aramäisches Handwörterbuch über das Alte Testament. 18. Auflage. Springer-Verlag, Berlin/Heidelberg 2013, ISBN 978-3-642-25680-6, S. 665.
  2. Wilhelm Gesenius: Hebräisches und aramäisches Handwörterbuch über das Alte Testament. 18. Auflage. Springer-Verlag, Berlin/Heidelberg 2013, ISBN 978-3-642-25680-6, S. 519.
  3. a b Wilhelm Gesenius: Hebräisches und aramäisches Handwörterbuch über das Alte Testament. 18. Auflage. Springer-Verlag, Berlin/Heidelberg 2013, ISBN 978-3-642-25680-6, S. 667.
  4. a b c Donata Dörfel: Michael. In: WiBiLex. Deutsche Bibelgesellschaft, 1. Mai 2010, abgerufen am 4. Juni 2022.
  5. siehe auch: Wilfried Seibicke. Historisches Deutsches Vornamenbuch (mit Belegen ab ca. 1400), Bd. 3, Berlin und New York 2000
  6. dtv-Atlas Deutsche Namenkunde, S. 108 A
  7. Beliebtheit des Vornamens Michael. In: de.geneanet.org. Abgerufen am 23. Februar 2016.
  8. Knud Bielefeld: Statistik Michael. In: beliebte-vornamen.de. Abgerufen am 23. Februar 2016.
  9. Knud Bielefeld: Richtlinien über die Führung der Vornamen von 1938. In: beliebte-vornamen.de. Abgerufen am 23. Februar 2016.
  10. Die beliebtesten Vornamen des Jahres 1948. In: Beliebte Vornamen. Knud Bielefeld, abgerufen am 4. Juni 2022 (deutsch).
  11. Die beliebtesten Vornamen des Jahres 1950. In: Beliebte Vornamen. Knud Bielefeld, abgerufen am 4. Juni 2022 (deutsch).
  12. Die beliebtesten Vornamen des Jahres 1955. In: Beliebte Vornamen. Knud Bielefeld, abgerufen am 4. Juni 2022 (deutsch).
  13. Michael. In: Beliebte Vornamen. Knud Bielefeld, abgerufen am 4. Juni 2022 (deutsch).
  14. Vornamens-Hitlisten. In: Beliebte Vornamen. Knud Bielefeld, abgerufen am 4. Juni 2022 (deutsch).
  15. Deutschlands beliebteste Namen des Jahres 2021 – Top 500. In: Beliebte Vornamen. Knud Bielefeld, abgerufen am 4. Juni 2022 (deutsch).
  16. Ausführliche Auswertung: Vornamen 2021. In: GfdS. Gesellschaft für deutsche Sprache e. V., 6. Mai 2022, abgerufen am 4. Juni 2022.
  17. Popular Names in 2014. In: ssa.gov. Abgerufen am 23. Februar 2016 (englisch).
  18. Popularity in Ireland. In: Behind the Name. Mike Campbell, abgerufen am 4. Juni 2022.
  19. Popularity in Israel. In: Behind the Name. Mike Campbell, abgerufen am 4. Juni 2022.
  20. Popularity in the Czech Republic. In: Behind the Name. Mike Campbell, abgerufen am 4. Juni 2022.
  21. Popularity in Italy. In: Behind the Name. Mike Campbell, abgerufen am 4. Juni 2022.
  22. Popularity in Austria. In: Behind the Name. Mike Campbell, abgerufen am 4. Juni 2022.
  23. Popularity in Canada. In: Behind the Name. Mike Campbell, abgerufen am 4. Juni 2022.
  24. Popularity in Australia. In: Behind the Name. Mike Campbell, abgerufen am 4. Juni 2022.
  25. Popularity in New Zealand. In: Behind the Name. Mike Campbell, abgerufen am 4. Juni 2022.
  26. Popularity in England and Wales. In: Behind the Name. Mike Campbell, abgerufen am 23. Februar 2016 (englisch).
  27. Popularity in Scotland. In: Behind the Name. Mike Campbell, abgerufen am 4. Juni 2022.
  28. Popularity in Northern Ireland. In: Behind the Name. Mike Campbell, abgerufen am 4. Juni 2022.
  29. Michael - Wikipedia-Personensuche. Abgerufen am 19. Juli 2020.
  30. Wikipedia-Personensuche. Abgerufen am 20. August 2019 (Vorname=Michael).