Mitsubishi SpaceJet

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Mitsubishi SpaceJet
Erstflug des SpaceJets (MRJ)
Typ: Zweistrahliges Regionalverkehrsflugzeug
Entwurfsland:

JapanJapan Japan

Hersteller:

Mitsubishi Aircraft Corporation

Erstflug: 11. November 2015
Indienststellung: geplant 2020[1]
Stückzahl: 5[2]

Der Mitsubishi SpaceJet (japanisch 三菱スペースジェット Mitsubishi Supēsu Jetto; bis Juni 2019 Mitsubishi Regional Jet (kurz MRJ; jap. 国産初ジェット旅客機三菱リージョナルジェット kokusan hatsu jettoryokakuki mitsubishi rījonarujetto „Erstes inländisches Düsenverkehrsflugzeug Mitsubishi Regional Jet“)) ist ein zweistrahliges Regionalverkehrsflugzeug für 70 bis 96 Passagiere des japanischen Flugzeugherstellers Mitsubishi Aircraft Corporation, einem Gemeinschaftsunternehmen von Mitsubishi Heavy Industries, Toyota, Sumitomo und Mitsui.[3][4] Der Mitsubishi SpaceJet steht in Konkurrenz zu den Embraer E-Jets, dem Comac ARJ21 und dem Suchoi Superjet 100.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bordbesatzung nach dem Erstflug am 11. November 2015

Der Mitsubishi SpaceJet ist das erste in Japan entwickelte Passagierflugzeug seit der von 1962 bis 1974 gefertigten Turbopropmaschine NAMC YS-11.[5] Die Entwicklung des SpaceJet begann 2003 mit einer Studie im Auftrag des japanischen Wirtschaft- und Industrieministeriums METI für einen 30- bis 50-sitzigen Regionaljet. Der offizielle Programmstart des zwischenzeitlich auf 70 bis 90 Sitze vergrößerten „Mitsubishi Regional Jets“, erfolgte am 28. März 2008 nach einer Bestellung durch All Nippon Airways bei der im selben Jahr gegründeten Mitsubishi Aircraft Corp. (Mitac). Der Bau der ersten Maschine begann am 30. September 2010 mit der Fertigung des Höhenleitwerks. Der Erstflug wurde jedoch auf das zweite Quartal 2015 verschoben, die erste Auslieferung auf das erste Quartal 2018.[6] Der Rollout fand am 18. Oktober 2014 statt.[7]

Der Erstflug des ersten Prototyps mit dem Kennzeichen JA21MJ erfolgte am 11. November 2015 von 09:35 Uhr bis 11:02 Uhr (Ortszeit) und führte vom Flughafen Nagoya über die Ostküste Japans ein Stück über den Pazifik und anschließend wieder zurück zum Startflughafen. Bei dem Flug befanden sich die beiden Piloten Yoshiyuki Yasumura und Kazuo Toda sowie drei Test-Ingenieure an Bord. Über 3,2 Millionen Zuschauer verfolgten Start und Landung live über das Internet.[8][9]

Am 15. Oktober 2015 wurde mit dem Bau des ersten Serienflugzeuges begonnen, das 2018 an All Nippon Airways ausgeliefert werden sollte. Aufgrund der später eingetretenen Programmverzögerung wurde dieses Exemplar jedoch als Testflugzeug genutzt.[10]

Am 23. Januar 2017 gab Mitac bekannt, dass sich die Indienststellung aufgrund notwendiger Änderungen am elektrischen System um zwei Jahre von 2018 auf 2020 verzögern werde.[1] Laut dem Unternehmen wurden die Bestimmungen für die Lage der Kabel des Fly-by-wire-Systems im Flugzeug geändert, welche eine Zulassung durch die Behörden verhindert hätten.[11] Die neue Regelung ist die Folge eines Absturzes einer Boeing 747 im Jahr 1996, bei dem es zum Kurzschluss eines freiliegenden Kabels mit einem anderen metallischen Bauteil kam. Mitac habe nach eigener Aussage bei der Planung des Kabelsystems nicht ausreichend von der Bestimmung gewusst.[12] Im Januar 2018 waren die aufgeführten notwendigen Anpassungen fast abgeschlossen.[13]

Am 13. Juni 2019 verkündete Mitac, dass das Projekt von „Mitsubishi Regional Jet“ in „Mitsubishi SpaceJet“ umbenannt werde. Die bisherige Version MRJ90 wird fortan als M90 bezeichnet und soll später zu einer größeren M200 für etwa 100 Passagiere weiterentwickelt werden. Die kleinere MRJ70 wird umfassend überarbeitet und als M100 vermarktet.[14]

Am 24. Juni 2019 verkündeten Mitsubishi Heavy Industries (MHI) und Bombardier, dass MHI das gesamte Programm des Bombardier Canadair Regional Jet einschließlich Zulassungen, Verkaufs- und Serviceorganisation für eine bessere Infrastruktur zum Vertrieb des SpaceJets in Nordamerika übernehmen wird.[15]

Flugerprobung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Testprogramm soll etwa 3000 Flugstunden umfassen, von denen bis Ende 2017 1500 Stunden absolviert wurden.[16] Ein Großteil der Flugerprobung findet am Grant County International Airport in Moses Lake statt, wo die Mitsubishi Aircraft Corporation u. a. einen Hangar und ein Ingenieurszentrum mit 150 Angestellten gebaut hat. Vier Testflugzeuge wurden im Zeitraum von September 2016 bis April 2017 nach Moses Lake geflogen.[17]

Testflugzeuge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

M90
Reg Erstflug Aufgabenbereich Anmerkungen Bild
N/A N/A Bruchzelle für dynamische Belastungen „Fatigue Test Aircraft“
N/A N/A Bruchzelle für statische Belastungen „Static Test Aircraft“
JA21MJ 11. November 2015 Erstflug,
Ausdehnung des Flugbereichs
erstes Testflugzeug JA21MJ TAXI TEST.jpg
JA22MJ 31. Mai 2016 Funktionstests rotes Fensterband JA22MJ TAXI TEST.jpg
JA23MJ 22. November 2016 Flugeigenschaften, Avionik
schwarzes Fensterband (bis Juni 2017) JA23MJ FIRST FLIGHT.jpg
All-Nippon-Airways-Bemalung (Juni 2017 bis Juni 2019) Mitsubishi Aircraft Corporation, JA23MJ, Mitsubishi MRJ90STD (30416419778).jpg
SpaceJet-Bemalung (seit Juni 2019) Paris Air Show 2019, Le Bourget (SIAE1173).jpg
JA24MJ 25. September 2016 Kabine, Lärm, Vereisung Original-Bemalung
JA25MJ N/A Bodentests All-Nippon-Airways-Bemalung
JA26MJ N/A Testen des neuen Fly-By-Wire-Systems am Boden befindet sich in der Endmontage[18]
JA27MJ N/A Testen des neues Fly-By-Wire-Systems in der Luft
M100
Reg Erstflug Aufgabenbereich Anmerkungen
JA28MJ Zulassung des M100 befindet sich in der Endmontage

Konstruktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Mitsubishi SpaceJet ist das erste Flugzeug, für das der Getriebefan Pratt & Whitney PW1000G ausgewählt wurde.[19] Die Kastenholme der Tragflächen bestehen gegenüber der ursprünglichen Planung nicht aus Verbundwerkstoffen, sondern aus Aluminiumlegierungen. Das Cockpit ist mit dem Pro-Line-Fusion System von Rockwell Collins mit vier 36 × 28 cm großen Bildschirmen ausgerüstet. Die Steuerung des Flugzeuges erfolgt durch ein Fly-By-Wire System.

Varianten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Modell der Variante M90 (damals MRJ90) auf der ILA 2010

Nach fast 2 Jahrzehnten Entwicklungszeit und mehrjähriger Verzögerung bei der Markteinführung wurde im Juni 2019 das bisherige Projekt Mitsubishi Regional Jet umbenannt in Mitsubishi SpaceJet. Mitac, wie auch Embraer mit der E175-E2, hatten fälschlich damit gerechnet, dass in den USA die Scope Clauses gelockert werden würden. Die gängigsten Beschränkungen (Startgewicht max. 39 t, max. 76 Passagiere) hätte die MRJ90 nicht einhalten bzw. die MRJ70 nur in enger 1-Klassenbestuhlung ausschöpfen können. Mehr als 70 % der festen Bestellungen und 85 % der Optionen kamen aber aus den USA und fallen unter diese Bestimmungen. Daraufhin hatte Mitac die Entwürfe überarbeitet und als SpaceJet M90, M100 und M200 neu vorgestellt.[20]

Die geplante MRJ70 sollte 2022 auf den Markt kommen und wird jetzt ersetzt durch die M100. Die MRJ70 war geplant für 76 Passagiere.

Die M90 (ehemals MRJ90) ist im Zulassungsverfahren am weitesten fortgeschritten und außerhalb der USA gut einsetzbar; sie soll unverändert 2020 zugelassen und anschließend geliefert werden. Aus ihr soll später die Variante M200 (ehemals MRJ100X) für ca. 100 Passagiere entwickelt werden.

Die M100 ist eine um 1,1 m verlängerte M70, zusätzlich wird die Kabine zu Lasten des Frachtraums um weitere 0,5 m verlängert, um Platz für zwei zusätzliche Sitzreihen zu schaffen. Unter den Beschränkungen der Scope Clauses kann so die maximal zulässige Sitzplatzzahl auch in einer 3-Klassenbestuhlung angeboten werden. An den Fluggastraum schließen vorne und hinten zunächst die Ausgänge an, erst danach folgen Galley und Toiletten, so ist eine platzsparende und flexiblere Gestaltung der Kabine möglich. Die Toiletten sind ausreichend geräumig, um auch Rollstuhlfahrern einfachen Zugang zu gewähren. Die Gepäckfächer über den Sitzplätzen sind vergrößert, um für jeden Fluggast einen 58 × 37 × 25 cm großen Rollkoffer unterbringen zu können. Der Fluggast erspart sich so das Einchecken des Gepäcks, die Airline das Handling des Fluggepäcks und der Laderaum kann weitgehend für Fracht genutzt werden. Die Tragflächen sind kürzer und Dank kleinerer Winglets auch leichter. Die reduzierte Spannweite erlaubt, den Flughafen von Aspen anzufliegen. Es wird mehr Leichtbaumaterial (CFK und Lithium-Aluminium-Legierungen) verwendet als an der M90 und im weiteren Entwicklungsprozess soll an einigen Strukturteilen (z. B. Flügelkasten) noch bis zu 15 % Gewicht eingespart werden. Dadurch wird eine mit 76 Passagieren voll besetzte M100 bei Beachten der Scope-Beschränkungen noch eine Reichweite von 2800 Kilometern haben.[21]

Bestellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Datum Fluggesellschaft Bestellungen Optionen Anmerkungen
27. März 2008 JapanJapan All Nippon Airways[22] 015 010 Auslieferung geplant ab 2020
17. Juli 2012 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten SkyWest Airlines[23] 100 100 Auslieferung frühestens ab 2021
14. Juli 2014 MyanmarMyanmar Air Mandalay[24] 006 004
28. August 2014 JapanJapan J-Air[25] 032 0 Auslieferung geplant ab 2023
16. Februar 2016 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Aerolease Aviation[26] 010 010 Auslieferung geplant ab 2020
12. Juli 2016 SchwedenSchweden Rockton[27] 010 010 Auslieferung geplant ab 2022
Gesamt 173 134

Stornierungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bestelldatum Fluggesellschaft Bestellungen Optionen Anmerkungen
16. Juni 2011 HongkongHongkong ANI Group Holdings[28] 05 lediglich Absichtserklärung, im Mai 2013 storniert[29]
14. Juli 2014 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Eastern Air Lines[30] 20 20 im Januar 2018 vom Nachfolgeunternehmen Swift Air storniert[31]
27. Dezember 2010 Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Trans States Airlines[32] 50 50 im Oktober 2019 aufgrund der Programmverzögerungen storniert[33]
Gesamt 75 40

Technische Daten[14][Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kenngröße M90 (MRJ 90) M100
Erstflug 11. November 2015 ?
Indienststellung ca. 2020 ca. 2024
Länge 35,8 m 34,5 m
Flügelspannweite 29,2 m 27,8 m
Höhe 10,3 m
Rumpfbreite 2,96 m
Kabinenbreite 2,76 m
Kabinenhöhe 2,02 m
Passagierkapazität 76–92 max. 88
84 @ 79 cm
USA: 76 (12 @ 91 cm, 12 @ 84 cm, 52 @ 76 cm)
Frachtvolumen 18,2 m3 13,6 m3
Leermasse 21.700 kg N/A
Treibstoffkapazität 12.100 l
max. Startmasse (MTOM) 42.800 kg 42.000 kg
USA: 39.008 kg
max. Landemasse 38.000 kg 36.200 kg
Triebwerkstypen 2 × Pratt & Whitney PW1217G
Schubkraft 2 × 78,2 kN / 17.600 lbf
Maximale Geschwindigkeit Mach 0,82
Reisegeschwindigkeit Mach 0,78
Dienstgipfelhöhe 11.900 m
max. Reichweite 3.770 km 3.540 km
USA: 2800 km
Startstrecke 1.740 m 1.760 m
USA: 1.550 m
Landestrecke 1.480 m 1.550 m

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Mitsubishi SpaceJet – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Mitsubishi Aircraft verschiebt Start erneut, NZZ, 24. Januar 2017 und http://www.flythemrj.com/news/date/news_170123.html abgerufen am 23. Januar 2017
  2. Mitsubishi MRJ darf zum Erstflug starten
  3. China Economic Net „Toyota to sink $67.2 mln in Mitsubishi passenger jet“ (23. Mai 2008)
  4. Flight International 28 October 2014, S. 39 (englisch), abgerufen am 2. Juni 2015
  5. spiegel.de: Neuer Passagierjet „Made in Japan“: Jungfernflug geglückt. Abgerufen am 11. November 2015.
  6. aero.de: Mitsubishi verschiebt MRJ-Erstflug. Abgerufen am 21. Oktober 2019.
  7. Flight International 28 October 2014, S. 38 (englisch), abgerufen am 2. Juni 2015
  8. FAZ.net: Luftfahrt-Industrie: Japans neues Passagierflugzeug hebt zum Jungfernflug ab. 11. November 2015, abgerufen am 11. November 2015.
  9. MRJ,初飛行成功 離陸の瞬間「飛びたいと言っているようだった」 bei aviationwire.jp (japanisch), abgerufen am 11. November 2015
  10. MRJ Newsletter Vol. 6 (englisch), abgerufen am 11. November 2015
  11. Pressekonferenz von Mitsubishi Heavy Industries am 23. Januar 2017 (japanisch), abgerufen am 30. Januar 2017
  12. Japan jet may not make money, but aims to revive dormant industry (englisch), abgerufen am 28. April 2017
  13. MRJ Program Nears Completion Of Redesign (englisch), abgerufen am 27. Januar 2018
  14. a b cdn.hubspot.net – Introducing Mitsubishi SpaceJet, abgerufen am 15. Juni 2019
  15. Mitsubishi übernimmt Regionaljetgeschäft von Bombardier vom 26. Juni 2019 (abgerufen am 17. September 2019)
  16. 2017: A Year of Progress for the MRJ (englisch), abgerufen am 27. Januar 2018
  17. MRJ,3号機が米国到着 4機で飛行試験,5号機は設計変更用に (japanisch), abgerufen am 28. April 2017
  18. MRJ,パリ航空ショーで地上展示へ (japanisch), abgerufen am 28. April 2017
  19. Flight International: „Pratt & Whitney Geared Turbofan engine selected to power Mitsubishi Regional Jet“ (10. September 2007)
  20. Mitac: The Mitsubishi SpaceJet Family. Abgerufen am 21. Oktober 2019.
  21. Leehamnews.com: How Mitsubishi Aircraft morphed the MRJ70 into the M100 SpaceJet. 13. Juni 2019, abgerufen am 21. Oktober 2019.
  22. All Nippon Airways: „ANA Selects Mitsubishi Regional Jet“ (27. März 2008)
  23. SkyWest Firms Order For 100 Mitsubishi Regional Jets
  24. Air Mandalay Signs Definitive Agreement for Purchase of up to Ten MRJ Aircraft (englisch), abgerufen am 13. Juli 2016
  25. E190 and MRJ to form J-Air’s core fleet (englisch), abgerufen am 8. Juni 2016
  26. Aerolease Aviation signs LOI with Mitsubishi Aircraft for purchase of up to 20 MRJ (englisch), abgerufen am 13. Juli 2016
  27. Quelle, abgerufen am 12. Juli 2016
  28. Paris 2011: Mitsubishi Lands Third Customer for MRJ, abgerufen am 27. Januar 2018
  29. Mitsubishi and ANI cancel MOU for MRJs, abgerufen am 27. Januar 2018
  30. Eastern Air Lines bestätigt MRJ-Kauf, abgerufen am 27. Januar 2018
  31. Eastern Air Lines cancels order for 20 MRJs, abgerufen am 27. Januar 2018
  32. SkyWest, Trans States continue waiting out MRJ delays (englisch), abgerufen am 8. Juni 2016
  33. mitsubishiaircraft.com – Mitsubishi Aircraft Corporation Statement: Cancellation of Trans States Holdings Contract (englisch), abgerufen am 31. Oktober 2019