Suchoi Superjet 100

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Suchoi Superjet 100
Superjet-100-95-RA-97003-UUBW.jpg
Ein Suchoi Superjet 100-95
Typ: Zweistrahliges Regionalverkehrsflugzeug
Entwurfsland:

RusslandRussland Russland

Hersteller: Suchoi Civil Aircraft
Erstflug: 19. Mai 2008
Indienststellung: 19. April 2011
Produktionszeit:

Seit 2010 in Serienproduktion

Stückzahl: 180[1] (Stand: Januar 2019)[2]

Der Suchoi Superjet 100 (SSJ 100; zuvor Russian Regional Jet, RRJ) des russischen Flugzeugherstellers Suchoi ist ein zweistrahliges Regionalverkehrsflugzeug in Tiefdeckerausführung. Das Projekt wird von Suchoi zusammen mit zahlreichen westlichen Partnern und dem Vertriebspartner Alenia umgesetzt. In seiner Erscheinung und Auslegung ähnelt der SSJ stark den Embraer E-Jets sowie der Airbus A220, ferner der gescheiterten Dornier 728 sowie der 1995 außer Dienst gestellten Dassault Mercure.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den 1990er Jahren erstellte Suchoi Marktstudien, die den Hersteller dazu veranlassten, erstmals die Entwicklung und Produktion eines größeren Zivilflugzeugs in Erwägung zu ziehen. Bis dahin hatte Suchoi vornehmlich Militärflugzeuge und Kunstflugmaschinen wie die Su-26 hergestellt. Im Jahr 2000 wurde die Sukhoi Civil Aircraft Company (russisch Graschdanskije samoljoty SuchowoSCAC) gegründet. Die Studien zeigten einen Bedarf an einem Flugzeug mit einer Kapazität von unter 100 Plätzen bei einer Reichweite bis zu 4.500 km, wobei sie das Marktvolumen dieser Art Regionalverkehrsflugzeuge auf eine ungefähre Stückzahl von 250 Maschinen im russischen Binnenmarkt und 550 Maschinen auf internationalen Märkten schätzten.

Im Juli 2002 schrieb Rosawiokosmos einen Wettbewerb für eine neue Regionaljet-Familie mit 50 bis 90 Sitzen aus, die der RRJ am 12. März 2003 gegen die Mjassischtschew M-60-70 und die Tupolew Tu-414 gewann. Die Studien liefen zunächst unter der Bezeichnung RRJ (RRJ steht dabei für Russian Regional Jet – russisch Российский Региональный Самолёт für Flugzeug für den russischen Regionalverkehr) und sahen eine Flugzeugfamilie mit drei Modellen vor. Diese wurden als RRJ-60, RRJ-75 und RRJ-95 bezeichnet, wobei die Zahl in der Typbezeichnung die geplante durchschnittliche Passagierkapazität angab.

Frühzeitig wurde entschieden, einen wesentlich breiteren Rumpf als sonst in dieser Flugzeugklasse üblich zu entwerfen – die Rumpfbreite sollte über jener der häufig als zu eng empfundenen Regionaljet-Modelle Bombardier Canadair Regional Jet und Embraer E-Jets liegen, jedoch unter der Breite der für Regionalmaschinen strukturell zu breiten und zu schweren gängigen Kurz- und Mittelstreckenflugzeuge wie A320-Familie und Boeing 737. Der Rumpf wird in Russland produziert[3] während 80 Prozent der Systeme von westlichen Zulieferern stammen.[4][5]

Ein Modell des Suchoi Superjet 100

Da das projektierte Flugzeug als erstes russisches von Anfang an auch für den westlichen Markt konzipiert war, wurde am 13. April 2001 ein Kooperationsvertrag mit dem amerikanischen Flugzeughersteller Boeing geschlossen. Dieser war anfangs auf eine gemeinsame Machbarkeitsstudie beschränkt, wurde jedoch am 13. März 2003 vertraglich zu einer Zusammenarbeit bei Verkauf, Marketing und Service ausgebaut. Boeing, selbst nicht im Regionalflugzeugbau tätig, wurde dabei vornehmlich als beratendes Unternehmen verpflichtet. Diese Stellung sollte Boeing laut Suchoi mindestens bis zum Ende der Flugerprobung innehaben. Dies war für ein russisches Flugzeug ein bisher einmaliger Vorgang.[6] Die westlichen Partner bei der Entwicklung wurden im Oktober 2003 ausgesucht. Im April 2003 setzte sich das PowerJet-SaM146-Triebwerk gegen das geplante PW800 von Pratt & Whitney Canada und Awiadwigatel durch.

Am 19. Juli 2004 wurde mit Siberian Airlines ein Erstkunde für 50 Maschinen gefunden, der jedoch später den Auftrag stornierte. Am 28. Oktober 2004 wurde der offizielle Programmstart von SCAC und Boeing bekanntgegeben. Die Teilefertigung begann im Februar 2005.[7] Ein Cockpit- und Kabinen-Mock-up wurde auf dem Aerosalon 2005 in Le Bourget ausgestellt. Suchoi rechnete im Jahr 2005 mit einem internationalen Gesamtmarkt für solche Flugzeuge von 5.500 Flugzeugen bis ins Jahr 2023 und hoffte, davon einen Anteil von 15 Prozent besetzen zu können.[8][9][10] Die konkrete Planung bei Suchoi im Jahr 2007 ging von einem Produktionsziel von mindestens 700 Flugzeugen aus, wovon sie 60 Prozent in Nordamerika und Europa zu verkaufen beabsichtigte.[9]

Als neuer Erstkunde bestellte am 23. Mai 2006 Aeroflot 30 Maschinen. Am 9. Juli 2006 lief erstmals das SaM146-Triebwerk in Rybinsk, dessen Erstflug fand am 6. Dezember 2007 an einer IL-76 statt.

Rollout 2007 in Komsomolsk

Auf der Farnborough International Airshow in Farnborough wurde das RRJ-Projekt am 17. Juli 2006 offiziell in englisch Sukhoi SuperJet 100 umbenannt.[11] Gleichzeitig wurde bekannt gegeben, dass die Entwicklung der ehemals als RRJ-60 bezeichneten Variante nicht weiterverfolgt würde, sondern man sich zunächst auf die größte Version, inzwischen „Superjet 100-95“ genannt, konzentriere. Laut Suchoi sollte die nächstkleinere Version Superjet 100-75 später folgen. Auch eine Streckung des SSJ 100 zum SSJ 100-110 sei möglich, allerdings besteht durch die Vereinbarung mit Boeing eine Beschränkung auf eine Kapazität von maximal 110 Passagieren in Ein-Klassen-Bestuhlung, um nicht in Konkurrenz zu den kleinen Varianten der Boeing 737 des US-Herstellers zu kommen. Der Listenpreis der SuperJet 100 läge bei etwa 36 Millionen US-Dollar.[12] Der russische Staat vergibt jedoch günstige Kredite zum Kauf des Flugzeugs durch ausländische Gesellschaften, dafür wurden im Jahr 2012 insgesamt 2,5 Milliarden Dollar bereitgestellt.[13] Aeroflot soll nach Angaben im Jahr 2013 seine Flugzeuge zu je knapp 17 Millionen Dollar bezogen haben, inklusive Service durch Suchoi.[14]

Die Entwicklungskosten veranschlagte Suchoi im Jahr 2007 auf zirka 1,4 Milliarden US-Dollar,[3] die von Suchoi selbst, aber auch durch staatliche Subventionen und Kreditgeber getragen wurden. 25 % des Anteils an der für das Programm zuständigen Suchoi-Tochter SCAC hielt dabei das italienische Unternehmen Alenia. Die Gewinnschwelle lag bei den 2007 angenommenen Entwicklungskosten bei einer Produktion von mindestens 300 Flugzeugen,[3] allerdings sei ein Anstieg der Amortisationsschwelle schon 2008 rein durch die absehbaren Verzögerungen absehbar gewesen.[15] Zusätzlich fiel ins Gewicht, dass für jedes an Aeroflot zu einem Spezialtarif verkaufte Flugzeug drei Superjets verkauft werden mussten.[14]

Vertrieb Am 10. September 2007 gründen Alenia und Suchoi das Gemeinschaftsunternehmen Superjet International (SJI) mit Sitz in Venedig, an dem Alenia einen Mehrheitsanteil von 51 Prozent hielt. Dieses ist für den Endausbau und Vertrieb des Superjet 100 auf den Märkten in Europa, Nord- und Südamerika, Afrika, Japan und Australien verantwortlich.[16] Zudem hatte die italienische Muttergesellschaft Finmeccanica 2009 eine Sperrminorität von knapp über 25 Prozent an Suchoi Civil erworben. Dieser Anteil schmolz durch das Nachschießen von Finanzmitteln von russischer Seite stetig und wurde im Januar 2017 abgestoßen.[17] Nachdem Alenia zu Leonardo umfirmiert worden war, reduzierte das Unternehmen im Frühjahr 2017 seinen Anteil an SJI auf 10 Prozent.[18]

Flugerprobung der Prototypen und Zulassungsverfahren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dreiseitenansicht

Die Endmontage des ersten Prototyps begann im März 2007. Die statischen Belastungstests begannen am 5. Juli 2007 in Schukowski. Der öffentliche Rollout fand am 26. September 2007 im sibirischen Komsomolsk statt.[19] Nachdem die Triebwerke im Februar 2008 eingebaut wurden, erfolgte der Erstflug im Mai 2008.

Am 19. Mai 2008 absolvierte der erste Superjet in Komsomolsk mit Cheftestpilot Alexander Jablonzew und Leonid Tschikunow am Steuer seinen Jungfernflug, wie von dem Unternehmen gegenüber der Nachrichtenagentur Interfax mitgeteilt wurde. Der Flug dauerte eine Stunde und fünf Minuten, wobei der Jet nur auf eine maximale Flughöhe von 1.200 m stieg und mit einer Geschwindigkeit von nur 333 km/h sehr vorsichtig geflogen wurde. Der Erstflug des zweiten Prototyps, der über zahlreiche Software-Modifikationen verfügte, folgte am 24. Dezember 2008, die Starts des dritten und vierten Prototyps fanden am 25. Juli 2009 und 4. Februar 2010 statt. Der ursprünglich für Ende 2008 geplante Auslieferungstermin der ersten Maschine an Aeroflot konnte nicht eingehalten werden.

Die russische Zulassung war zunächst für das erste Quartal 2010 vorgesehen, die europäische sollte etwa sechs Monate später die EASA erteilen.[20] Probleme bereitete die Beantragung eines Typzertifikats für die USA, da die zuständige Flugsicherheitsbehörde FAA die Interessensbekundung einer US-Fluggesellschaft für den Typ einforderte. Die für Delta Air Lines tätige Pinnacle Airlines bekundete später ihr Interesse, womit Suchoi auch die US-Zulassung für den Superjet 100 beantragen konnte.[21] Im Januar 2011 wurde der Superjet durch die russische Aufsichtsbehörde IAC AR für den regulären Betrieb zugelassen.[22]

Während Anfang Juni 2010 bereits Tests erfolgreich bestanden wurden, die den zuverlässigen Betrieb des Flugzeugtyps bei nassen Start- und Landebahnen nachweisen konnten, wurde das 7.100 Stunden lange Testprogramm am Triebwerk SaM146 erfolgreich abgeschlossen und der Antrieb von der EASA zugelassen.[23][24]

Ende Oktober 2010 erwog die russische Fluglinie Aeroflot Strafsanktionen gegen den Hersteller wegen der verzögerten Auslieferung und weil die vertraglich vereinbarten Flugsimulatoren nicht rechtzeitig zur Verfügung stünden.[25]

Ende 2015 zertifizierte die russische Aufsichtsbehörde den Sukhoi Superjet B100 mit stärkeren SaM146-Triebwerken,[26] welche einerseits die benötigte Startstrecke um 10 % kürzen und andererseits die Anforderungen von Landungen in Höhen von mehr als 3300 m ü. M. erfüllen. Im Juni 2017 erfolgte die Zulassung des B100 durch die EASA (die separat notwendige Zulassung für den London City Airport ist noch ausstehend).[27] Es handelt sich um dieselben Triebwerke, die auch in der Langstreckenvariante verbaut werden.[26]

Übergang zur Serienfertigung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die russische Flugaufsichtsbehörde erteilte die Zulassung offiziell am 3. Februar 2011. Ein Jahr später, am 3. Februar 2012, folgte die Zulassung durch die EASA.[28][29] Am 19. April 2011 wurde die erste Serienmaschine (Seriennummer SN97007), die am 4. November 2010 zu ihrem Erstflug startete, offiziell an die armenische Fluggesellschaft Armavia übergeben, welche die Maschine auf den Namen Juri Gagarin taufte.[30] Der erste Linienflug mit 90 Personen an Bord fand am 21. April 2011 vom armenischen Flughafen Swartnoz nach Moskau-Scheremetjewo statt.[31] Suchoi begann nun mit dem Hochfahren der Serienfertigung, wobei zu diesem Zeitpunkt 17 Flugzeuge in der Serienfertigung waren, davon fünf in der Endfertigung.[32]

Aeroflot führte den ersten Passagierflug am 16. Juni 2011 durch, er führte vom Flughafen Moskau-Scheremetjewo nach St. Petersburg.[33] Im Dezember 2011 waren für Aeroflot bereits drei Flugzeuge im Einsatz, im September 2014 derer neun. Für die Beschaffung erhielt Aeroflot ein staatliches Darlehen über 250 Millionen Dollar.[34]

Im Jahr 2015 wurden insgesamt 25 Flugzeuge ausgeliefert,[35] Ende 2016 waren noch 31 Bestellungen und 36 Optionen offen und die erste Aeroflot-Bestellung von 30 Maschinen abgeschlossen.[36] Russland hatte sich im Jahr 2013 zum Ziel gesetzt, dass bis 2025 über 20 Prozent der Flotten der großen Fluggesellschaften aus Flugzeugen russischer Produktion bestehen sollten. Dafür wurde alleine für die Sparte Flugzeuge eine staatliche Unterstützung von 241 Milliarden Rubel für diesen Zeitraum zur Verfügung gestellt, wobei der knapp dreifache Gesamtaufwand 2017 um 80 Milliarden Rubel gekürzt wurde,[37] Ende 2017 befanden sich 109 Flugzeuge des Typs im Einsatz[38] und eine weitere Aeroflot Bestellung von 20 Flugzeugen war vereinbart worden.[36] Im September 2018 erfolgte eine weitere Aeroflot-Bestellung von 100 zusätzlichen Flugzeugen und gleichzeitig wurde Aeroflot die Fünfzigste, nach Wassili Dmitrijewitsch Polenow benannt, überreicht.[36] Nachdem die Produktion Ende 2017 bei ungefähr 153 Flugzeugen angelangt war[39], wurde die Produktion 2018 auf 23 Flugzeuge gedrosselt (34 Stück im 2017), da nicht genügend Triebwerke zur Verfügung standen, respektive diese prioritär für den Unterhalt der bestehenden Flotten benötigt wurden.[1]

Um Skaleneffekte besser auszunutzen, ließ Ende November 2018 die Muttergesellschaft OAK ihre Tochtergesellschaft Irkut die volle Kontrolle über SCAC, die zivile Produktionsfirma der Superjet von Suchoi, übernehmen. Im Zuge der Zusammenführung war laut internen Quellen absehbar, dass sich der Name des Jets wie auf dem Internetauftritt von OAK von Suchoi Superjet 100 zu Superjet 100 verändern würde.[40]

Superjet 100R und Frachtversion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Suchoi Civil Aircraft plant eine russifizierte Suchoi Superjet 100R. Dabei soll ein russisches Hilfstriebwerk und Trägheitsnavigationssystem verwendet werden, welches aktuell in beiden Fällen von der amerikanischen Honeywell International stammen. Auch soll ein rein russisches Triebwerk und zwar eine verkleinerte Awiadwigatel PD-14 (PD-10 genannt) zum Zuge kommen.[41] Die Kabine, das elektrische und das hydraulische System sowie andere Komponenten sollen in Zukunft in Russland gefertigt werden. Seit dem Inkrafttreten der verschärften US-Sanktionen gegenüber dem Iran (2018) bekundeten iranische Fluggesellschaften ihr Interesse an einem Flugzeug, welches nicht dem Verkaufsbeschränkungen der US-Regierung unterliegt.[42] Auch eine Frachtversion ist geplant, der in seiner Grössenklasse bis dato konkurrenzlos wäre.[43]

Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Cockpit der XA-PPY von Interjet

Der Suchoi Superjet verwendet ein Fly-by-wire-System zur Flugsteuerung inklusive der Cockpit-Controls von Liebherr-Aerospace. Der Superjet verfügt über ein modernes Cockpit mit Sidesticks und ein Electronic Flight Instrument System (EFIS), das vom Rüstungsunternehmen Thales Group geliefert wird.

Am 21. Dezember 2017 hob erstmals eine Superjet mit Winglets ab, Suchoi bezeichnet diese selber als Saberlets und verspricht Treibstoffeinsparungen von drei Prozent und verbesserte Start- und Landeeigenschaften. Die Saberlets sind optional und können auch nachträglich montiert werden.[44]

Technische Probleme
Im März 2012 wurden technische Probleme im Flugbetrieb bei Aeroflot bekannt. Nur drei Viertel der geplanten Flugstunden konnten laut der russischen Fluggesellschaft geflogen werden, hauptsächlich wegen fehlender Ersatzteile und der Unzuverlässigkeit einzelner Komponenten. So musste ein Flug abgebrochen werden, weil die Klappen des Bugfahrwerks beim Einfahren nicht schlossen.[45]

Im Februar 2013 wurde durch die russischen Aufsichtsbehörden die Betriebsgenehmigung für vier durch Aeroflot betriebene Superjet 100 vorläufig entzogen. Grund dafür waren mehrere technische Zwischenfälle.[46]

Im Dezember 2016 blieben 11 Superjet SSJ 100-95 von Interjet während der Hauptreisezeit über die Feiertage am Boden, dazu 6 Maschinen von Aeroflot und eine von IrAero. Bis Ende Januar sollten die Höhenleitwerke der Flugzeuge gemäß Verfügung der Rosawiazija kontrolliert und ein Befestigungsteil – wo nötig – ersetzt sein,[47][48] bei Interjet gingen 6 Flugzeuge am 6. Januar 2017 wieder in Dienst.[49]

Die tägliche Flugzeit der Jets im Jahr 2016 in Russland lag bei unter 4 Stunden, während die Flugzeuge von Interjet gut 2 Stunden mehr in der Luft waren. Im Durchschnitt ergab sich weltweit eine Tagesleistung von 4 Stunden. Ausländische Flugzeugtypen in Russland erreichten die doppelte Stundenzahl. Die russischen Betreiber beklagten sich über hohe Kosten und Schwierigkeiten bei den Ersatzteilen, welche auch für Verspätungen von Flügen verantwortlich waren.[50][51]

Struktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rumpf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anders als bei den Konkurrenzflugzeugen Bombardier Canadair Regional Jet und Embraer E-Jets verwendet der Suchoi Superjet ähnlich der Dornier 728 oder der Airbus A220 einen breiteren Rumpf und bringt dort eine 2+3-Bestuhlung unter. Die Kabine hat große Staufächer, die auch Rollkoffer aufnehmen können.

Fahrwerk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Goodrich unterstützte Suchoi bei der Entwicklung der Räder und der Bremssysteme des Fahrwerks; das Fahrwerk selbst wurde maßgeblich von Messier-Dowty entwickelt. Das Fahrwerk verfügt über Scheibenbremsen, die aus kohlenstofffaserverstärktem Kohlenstoff (CFC) gefertigt sind, und ein sogenanntes „Brake-by-Wire“-System, durch das mechanische Elemente ersetzt werden. Die Radfelgen bestehen aus Aluminium.

Internationale Beteiligungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Komponenten Zulieferer Herkunftsland
Fahrwerk Messier-Dowty Canada FrankreichFrankreich Frankreich / KanadaKanada Kanada
Fahrwerk / Räder / Bremsen Messier Dowty / Goodrich Corporation Vereinigte StaatenVereinigte Staaten USA
Haupttriebwerke PowerJet FrankreichFrankreich Frankreich / RusslandRussland Russland
Hydraulik / Leitungen Parker-Hannifin / Parker-Ermeto Vereinigte StaatenVereinigte Staaten USA / DeutschlandDeutschland Deutschland
Flugsteuerungssysteme Liebherr Aerospace DeutschlandDeutschland Deutschland
Systemsoftware Thales Group FrankreichFrankreich Frankreich
Cockpitsysteme / Hilfsgasturbine / Avionik Honeywell / Thales Group Vereinigte StaatenVereinigte Staaten USA / FrankreichFrankreich Frankreich
Feuerlöschsystem Autronics Vereinigte StaatenVereinigte Staaten USA
Elektrisches System Hamilton Sundstrand Vereinigte StaatenVereinigte Staaten USA
Motorschwingungssensoren[52] Vibro-Meter (Meggitt) SchweizSchweiz Schweiz
Vermarktung / Beratung Boeing Vereinigte StaatenVereinigte Staaten USA
Kapitalbeteiligung Alenia Aeronautica ItalienItalien Italien

Ziel des Superjet 100 war es von Beginn an, ein auch westlichen Standards entsprechendes, effizientes und konkurrenzfähiges Flugzeug zu entwickeln, das als erster Typ russischer Herkunft auch nennenswerte Verkäufe außerhalb der ehemaligen Sowjetrepubliken erreichen sollte. Aus diesem Grund wurden am Superjet 100 erstmals im größeren Maße westliche Hersteller beteiligt; der französische Triebwerkshersteller Snecma entwickelte zusammen mit NPO Saturn das Triebwerk, Alenia wurde unter anderem als Partner gewählt, weil dieses Unternehmen durch seine Infrastruktur und die Erfahrungen im Rahmen des ATR-Konsortiums in der Lage ist, weltweit einen 24-Stunden-Kundendienst anzubieten, wozu Suchoi allein nicht in der Lage wäre. Umgekehrt versprachen sich die westlichen Unternehmen durch den Superjet einen Zugang zum russischen Markt, dessen Bedarf an Neuflugzeugen als Ersatz für alternde Maschinen sowjetischer Bauart als sehr hoch eingeschätzt wurde.[53]

Bestellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Allgemein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der SSJ100 M. Wodopjanow von Aeroflot
SSJ100 der mexikanischen Interjet am Flughafen Campeche

Am 7. Dezember 2005 gab die russische Fluggesellschaft Aeroflot die Bestellung von 30 Maschinen des Typs RRJ 95 bekannt, die ab November 2008 ausgeliefert werden sollten. Tatsächlich begann die Auslieferung erst Mitte 2011. Als Triebwerk sind PowerJet SaM146 bestellt worden. Am 20. Februar 2006 orderte der saudi-arabische Konzern „Al Suweikat Trading“ für die Neugründung einer Fluggesellschaft im Königreich Bahrain 20 Maschinen dieses Typs. Bereits während der Entwicklung war man, um auch internationale Verkäufe zu sichern, in ständigem Kontakt mit den europäischen und den US-Behörden und bekam laufend Anregungen und Vorschläge von einem Beratungskomitee, zu dem unter anderem Air France/KLM, Alitalia, Brussels Airlines, Czech Airlines, Iberia, Lufthansa, SAS und Turkish Airlines zählten.[54] Erster westlicher Kunde war 2007 ItAli Airlines mit einem Auftrag über zehn Superjets, doch die Bestellung wurde gestrichen, kurz bevor die Fluggesellschaft 2011 ihren Betrieb einstellte.[55]

Im Januar 2011 bestellte die mexikanische Fluggesellschaft Interjet 15 Maschinen des Superjet 100.[56] und erhöhte diese Zahl im Juli 2012 auf 20 Maschinen. Die erste – mit einer Innenausstattung von SuperJet International versehene – Maschine wurde am 18. Juni 2013 während der Pariser Luftfahrtschau dem Kunden übergeben.[57]

Auf der Pariser Luftfahrtschau 2011 wurde mit dem indonesischen Charterunternehmen Sky Aviation[58] ein Vertrag über den Kauf von zwölf SSJ 100-95 unterzeichnet.[59] Das erste Exemplar wurde im Dezember 2012 an den Kunden übergeben.[60] Ebenfalls auf dieser Messe bestellte im Juni 2011 Blue Panorama Airlines acht Superjet 100-95 fest und platzierte vier Optionen. Im Oktober 2013 wurde berichtet, dass die finanziell angeschlagene Fluggesellschaft ihre Bestellung entweder deutlich verkleinern oder ganz stornieren werde.[61]

Mitte 2011 gab Suchoi bekannt, den Superjet 100 auch als Geschäftsreiseflugzeug (SBJ) anzubieten, dessen erstes Exemplar für 200 Mio. US-Dollar an den kasachischen Ableger der Schweizer Aviation-Gruppe Comlux ging.[35] Im August 2014 wurde bekannt gegeben, dass Suchoi 13 Superjet nach Indonesien (10) und Laos (3) verkaufen würde; zwei in Frage kommende Fluggesellschaften mit Superjet in Betrieb hatten jedoch den Betrieb zu diesem Zeitpunkt schon eingestellt gehabt oder standen vor der Betriebseinstellung.[62]

Für die russischen Staatsholdings gab es 2017 die Weisung, das Flugzeug bei der Beschaffung von VIP-Flugzeugen „in Erwägung zu ziehen“.[63] Am 10. September 2018 unterzeichnete Aeroflot einen weiteren Vertrag über die Lieferung von 100 SSJ100, die bis 2026 geliefert werden sollen.[64]

Tabellarische Auflistung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

(Stand: September 2018)

Kunden Bestellungen Optionen Flugzeugtyp Auslieferungen Zeitraum der Auslieferungen
RusslandRussland Aeroflot 0150 0 095B 050[65] seit 2011
RusslandRussland Yakutia 05 0 095B / 95LR 05[66] Dezember 2012 bis Oktober 2016 (vollständig übergeben)
MexikoMexiko Interjet 030 0 095B / 95LR 022[67] seit Juni 2013[57]
RusslandRussland MWD 01 0 095B 01[68] Dezember 2013 (übergeben)
RusslandRussland Gazpromavia 010 0 095LR 010 August 2013 bis Juli 2015 (vollständig übergeben)
SchweizSchweiz Comlux 02 02 0SBJ 01[69] seit Januar 2017 (wird durch die kasachische Tochtergesellschaft Comlux KZ betrieben)
RusslandRussland RusJet 01 0 095B (VIP) 01 2015 (übergeben)
KasachstanKasachstan Bek Air 07[70] 0 095LR 0 vsl. ab 2015
RusslandRussland MTschS 08 0 095B 02[71] seit Dezember 2015
ThailandThailand Royal Thai Air Force[72] 03 0 095B (VIP) 02[73] seit Juli 2016
RusslandRussland Russische Präsidialverwaltung 02 0 095B 02 (vollständig übergeben)
NepalNepal Bishwo Airways 05[74] 0 095B 0 Absichtserklärung[75]
RusslandRussland Yamal Airlines 025 0 095LR 016[76] seit Mai 2016
IrlandIrland CityJet 015 016 095B 06[77] (1 retourniert[78]) seit 24. Mai 2016 (Ab April 2017 Wetlease für Brussels Airlines für zwei Jahre, keine Verlängerung.)[79][80]
AgyptenÄgypten Air Leisure 04 06[81] 095LR 0 Absichtserklärung, Luftverkehrsbetreiberzeugnis der Airline wurde im Oktober 2018 entzogen
RusslandRussland IrAero 08 0 095B / 95LR 08[82] seit Juli 2016
KasachstanKasachstan KNB (Geheimdienst) 01 0 0SBJ 01[83] November 2016 (vollständig übergeben)
RusslandRussland Azimut 12 0 095LR 08[84] seit Juli 2017
SambiaSambia Sambia 01 0 095B (VIP) 0 sowie Gespräche über 4 Linienmaschinen[85]
IranIran Iran Airtour 020[86] 0 095R 0 vsl. ab 2020
IranIran Iran Aseman Airlines 020[87] 0 095R 0 vsl. ab 2020
RusslandRussland S7 Airlines 050 025 / 25[88] 075 0 vsl. ab 2022 (S7 Airlines ist Erstkunde der kleineren Version.)
MongoleiMongolei Aero Mongolia 02[89] 0 095B 0 Letter of Intent „bis Ende 2018“ zu unterschreiben
RusslandRussland Severstal Aircompany 06[90] 0 095B 0 vsl. ab 2018
Gesamt 00392 0074 00 00135
Passagierraum eines Suchoi Superjets 100 der Sky Aviation aus Indonesien mit Businessclass vorne (4 Sitze je Reihe) und Economy Class hinten (5 Sitze pro Reihe)

Die ursprünglich getätigten Bestellungen von Dalavia (2006),[34] der AiRUnion und der Malév (2009)[34] sind wegen der Insolvenzen der Unternehmen weggefallen. Gewisse Aufträge wären durch Bankkredite mit russischen Mitteln finanziert worden.[34]

Im Jahr 2011 war Armavia weltweiter Erstkunde, hat aber von zwei bestellten Flugzeugen eines retourniert und die Annahme des anderen verweigert.[91] An Moskovia Airlines wurden zwei von drei Superjets vor deren Insolvenz ausgeliefert.

Zwischenfälle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Am 9. Mai 2012 flog ein Superjet 100-95 (Kennzeichen 97004[92]) nahe Bogor, Indonesien während eines Demonstrationsfluges in einen Berg (s. Suchoi-Flug 36801).[93] Das Wrack wurde in den Morgenstunden des 10. Mai 2012 gefunden.[94] An Bord befanden sich 45 Menschen (41 Passagiere und 4 Mann Besatzung), darunter Ingenieure und Journalisten sowie Führungskräfte von Suchoi und anderen Unternehmen. Es gab keine Überlebenden.[93][95] Der im Dezember 2012 veröffentlichte endgültige Untersuchungsbericht gibt ausschließlich menschliches Versagen als Absturzursache an.[96][97]

Technische Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kenngröße SSJ 100-60 1) SSJ 100-75 SSJ 100-75LR SSJ 100-95 SSJ 100-95LR SSJ 100-110 SSJ 100-125 2)
Cockpitbesatzung 2
Passagiere 68 78 98 110 125
Länge 23,87 m 26,37 m 29,87 m 32,8 m 35,3 m
Spannweite 27,80 m
Flügelfläche 77 m²
Flügelstreckung 7,4
Rumpfdurchmesser 3,35 m
Rumpfhöhe 2,12 m
Höhe 10,28 m
Spurweite 5,74 m
Kabinenbreite 3,24 m
Kabinenhöhe 2,13 m
Kabinenlänge ? m ? m 20,42 m ? m ? m
max. Startmasse 35.790 kg 38.820 kg 42.300 kg 42.520 kg 45.900 kg k. A.
max. Landemasse 31.620 kg 34.960 kg 39.385 kg k. A.
Reisegeschwindigkeit Mach 0,8
Dienstgipfelhöhe 12.500 m
Reichweite
(mit maximaler Zuladung)
3.204 km 2.900 km 4.550 km 3.048 km 4.578 km k. A.
Startstrecke k. A. 1.515 m k. A. 1.731 m 2.052 m k. A.
Antrieb zwei PowerJet-SaM146-Mantelstromtriebwerke oder Awiadwigatel PD-14
  • 1) Projekt mittlerweile eingestellt
  • 2) befindet sich in der Konzeptionsphase

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Suchoi Superjet 100 – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Superjet 100 production rates reduced by third in 2018, rusaviainsider, 16. Januar 2019
  2. https://russianplanes.net/planelist/Sukhoi/SuperJet-100
  3. a b c „Wir haben eine kleine Revolution in Gang gesetzt“, Spiegel, 23. August 2007
  4. Erster Suchoi Superjet an Kunden übergeben, Handelsblatt, 20. April 2011
  5. Florian Willershausen: Himmlische Hoffnung, absatzwirtschaft.de, 2/2009, S. 22 ff
  6. FlugRevue September 2011, S. 32–36, Bewährungsprobe – Suchoi Superjet 100 im Liniendienst
  7. FlugRevue August 2008, S. 34–37, Start in den Erfolg? – Der Suchoi Superjet in der Flugerprobung
  8. Putin, Berlusconi Talk Gas in Sochi, Moscow Times, 30. August 2005
  9. a b Sukhoi plans to roll out first SuperJet-100s in 2008 – official, RIA 2. Juli 2007
  10. Крушение. Погосян обещал Путину, что Sukhoi Superjet 100 захватит 15 % мирового авиационного рынка. In: novayagazeta.ru. 13. Mai 2012, abgerufen am 20. Dezember 2018 (russisch, Titelübersetzung: „Wrack: Pogosjan [der Direktor von OAK] hat Putin versprochen, dass der Suchoi Superjet 100 15 % des weltweiten Luftfahrtmarktes erobern wird“).
  11. Russia’s new RRJ aircraft family renamed Sukhoi SuperJet-100 RIA Novosti 17. Juli 2006
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