Mittelhessische Landheegen

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Die Mittelhessische Landheegen [1] sind zwei Landwehren im Westen und Süden des Landkreises Marburg-Biedenkopf. Sie bilden dort bis heute die Kreisgrenzen.

Wall der Innenheege an der Gemarkungsgrenze zwischen Römershausen und Wommelshausen (Bad Endbach)

Die „Innenheege“ ist 29 km lang und wurde 1297 bis 1307 angelegt, die „Außenheege“ ist 16 km lang und wurde 1359 bis 1374 angelegt; sie schließt an die Innenheege an.

Die Heegen waren eine Grenzsicherung. Sie waren ein von der Landgrafschaft Hessen angelegtes, gegen die in den gleichen Raum drängenden Grafen von Nassau (Haus Nassau) gerichtetes Verteidigungswerk. Das in langen Kämpfen von Hessen gewonnene Gebiet des Amtes Blankenstein sollte dadurch gegen weitere Übergriffe der Nassauer und ihrer Verbündeten (u.a. das Bistum Mainz) gesichert werden. Die Innenheege schützte das „Untergericht“ (heute Stadt Gladenbach) des ehemaligen Amtes Blankenstein, sowie das Gericht Lohra und den Bezirk Fronhausen (Lahn). Die Außenheege sicherte nach dem Ende der „100jährigen Dernbacher Fehde“ das „Obergericht“, heute deckungsgleich mit der Gemeinde Bad Endbach.

Verlauf[Bearbeiten]

Hinweisschild auf die Außenheege an der Gemarkungsgrenze zwischen Schlierbach und Wallenfels

Die Innenheege begann bei dem Berg Allerburg, nördlich der Ortschaft Rachelshausen (Gemeinde Gladenbach), umschloss westlich die Gemeinden Gladenbach, Lohra und Fronhausen (meist entlang den heutigen Gemeindegrenzen ) und endete auf der Gemarkungsgrenze zwischen Fronhausen und der Ortschaft Odenhausen, Ortsteil Röderheide (Gemeinde Lollar), an der Lahn. Die Außenheege hatte ihren Anfang auf dem Kreuzberg nördlich von Bottenhorn (Gemeinde Bad Endbach), verlief danach parallel zur Grenze der ehemaligen Grafschaft/Herzogtum Nassau, heutige Kreisgrenze zum Lahn-Dill-Kreis, sparte die Ortschaft Günterod aus (gehörte ursprünglich zur Grafschaft Solms) und führte weiter über die Zollbuche, bis sie bei den Schneebergen östlich Oberweidbach (Gemeinde Bischoffen) wieder auf die Innenheege traf.

Im Bereich der Endbacher Platte, östlich Günterod, hatte die Außenheege einen sackförmigen Anhang, der nahezu die gesamte Gemarkung Bischoffen umschloss. Er sperrte mit einem Zollschlag an der Grenze zur Grafschaft Nassau (zwischen Bischoffen und Offenbach bei der Gellenbach-Mühle) die neue, im Aartal verlaufende, Trasse der bedeutenden Köln-Leipziger-Fernhandelsstraße.

Die Heege, in Katasterplänen auch „Landheege“ oder „Herrenheege“ genannt, bestand aus einem Gebück aus untereinander verflochtenen Hainbuchen sowie Dornen und war zwischen 30 und 50 m breit. Auf weiten Strecken war sie außerdem noch mit einem Wall mit Graben versehen. Sie nutzte dabei auch natürliche Geländebesonderheiten, wie Kanten und Felsen, und bezog kleine Hügel als Aussichtspunkte mit ein. Entlang der Verteidigerseite war ein Reit- und Kontrollweg angelegt. In das System waren Landwarten und Burgen integriert, die sich untereinander mit optischen Signalen (Fahnen, Rauch, Spiegeln, Fackeln) verständigten.

Die Trassen der ehemaligen Außen- und der Innenheege haben bis heute den Verlauf der Kreisgrenze des Landkreises Marburg-Biedenkopf, sowohl zum westlichen Lahn-Dill-Kreis, als auch zum südlichen Landkreis Gießen festgelegt. Konkret trifft dies zu auf die Westgrenzen der Gemeinden Bad Endbach, Gladenbach und ein Teilstück der Gemeinde Lohra zum Lahn-Dill-Kreis, sowie auf den weiteren Verlauf der Südgrenzen der Gemeinden Lohra und Fronhausen zum Landkreis Gießen.

Im 15. und 16. Jahrhundert wurden die Heegen im mittelhessischen Raum aufgegeben und das Holz zum größten Teil zu Holzkohle verkohlt.

Weitere Heegen in der Region[Bearbeiten]

Heegen der Grafschaften Solms und Nassau[Bearbeiten]

Auch die Grafschaften Solms und Nassau hatten ihre Herrschaftsgebiete durch Heegen voneinander getrennt, wie die Heege auf der „Hörre“ belegt, die bei Edingen an der Dill begann und an die Außenheege bei Bad Endbach-Hartenrod anschloss. Unterhalten wurde diese Heege von beiden Anrainern.

Heege der Mark Dautphe[Bearbeiten]

Die Mark Dautphe, welche 791 erstmals genannt wird, bildete wirtschaftlich, als Cent beziehungsweise Centgericht auch politisch und rechtlich, eine Einheit. Deren Heege verlief vom Daubhaus zwischen Holzhausen und Runzhausen zur Lahnwehr am Hünstein bei Holzhausen, von dort über den Lämp-Berg, den Streichenberg und über die Hohe Höll zwischen Allendorf und Damshausen, überquerte westlich von Kernbach die Lahn, stieg auf zu den Wichtelhäusern am Wollenberg. Weiterhin folgte die Heege dem so genannten Lützeler Gebirge bis zur Sackpfeife, drehte zum so genannten Wieschen, dann über den Hainpracht, überquerte wiederum die Lahn bei Ludwigshütte, , den Burgberg bei Hommertshausen, den Bolzeberg und die Hölle, und wieder zum Daubhaus. Bis Ende des 15. Jahrhunderts stellte die Westgrenze der Heege auch die westliche Begrenzung des landgräflich-hessischen Hoheitsbereich dar.[2]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Friedrich Uhlhorn, Grenzbildungen in Hessen, Die Entwicklung der Westgrenze des Kreises Biedenkopf, Veröffentlichungen der Akademie für Raumforschung und Landesplanung, Band 48, S. 51-65, Gebr. Jänecke Verlag Hannover 1969
  • Karl Huth: Dautphe: Herz einer geschichtlichen Kulturlandschaft. Vorstand der Gemeinde Dautphe 1973

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Horst W. Müller, Die mittelhessischen Landheegen, Heegen legten bereits im 14. Jahrhundert Bad Endbachs Außengrenzen fest, Hinterländer Geschichtsblätter, 89 Jahrgang, Nr. 4, Dezember 2010, Biedenkopf
  2. Karl Huth 1973, S. 9 f