Bottenhorn

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Bottenhorn
Gemeinde Bad Endbach
Koordinaten: 50° 47′ 33″ N, 8° 28′ 47″ O
Höhe: 485 (485–541,2) m ü. NHN
Fläche: 8,62 km²[1]
Einwohner: 1155 (Mai 2011)[2]
Bevölkerungsdichte: 134 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1974
Postleitzahl: 35080
Vorwahl: 06464
Bottenhorn inmitten der Hochflächen mit dem Sendeturm auf der Angelburg im Hintergrund

Bottenhorn (mundartlich Boddehern) ist ein Ortsteil der Gemeinde Bad Endbach im mittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf.

Ortsvorsteher ist Thomas Kramer.

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsteil Bottenhorn der Gemeinde Bad Endbach liegt im Gladenbacher Bergland (östlicher Ausläufer des Westerwaldes, der sich hier überschneidet mit dem Südausläufer des Rothaargebirges) in einer wechselhaften Mittelgebirgslandschaft, im Naturpark Lahn-Dill-Bergland, zwischen den Städten Dillenburg und Marburg, nördlich von Wetzlar, also mitten im Hessischen Hinterland. Mit einer Ortskernhöhe von 485 m ü. NN ist Bottenhorn nach Hülshof die zweithöchstgelegene Ortschaft des Landkreises Marburg-Biedenkopf.

Naturräumlich wird das Plateau rund um Bottenhorn, das sich vom 552 m hohen Daubhaus nördlich von Gladenbach bis zum Nordrand des Schelder Waldes (Angelburg (Berg) 609 m ü. NN) zieht, als Bottenhorner Hochflächen (über 50 km² groß) bezeichnet. Diese Hochflächen, entstanden im Tertiär, sind eine der ältesten Landoberflächen des Rheinischen Schiefergebirges.

Im Ort kreuzen sich die Landstraßen 3049 und 3288

Ev. Kirche
ehm. Backhaus u. Rathaus
Bottenhorn, Sonntagstracht, ehem. Obergericht Amt Blankenstein, Aquarell von Ferdinand Justi

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chronik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bottenhorn ist der älteste Ort dieses Gebietes. Er dürfte seinen hydrographischen Voraussetzungen nach in der Zeit seiner Entstehung zum Perfgau gehört haben. Eine ursprüngliche Trennung vom Gericht Gladenbach könnte der Flurname „Scheid“, östlich Bottenhorn, andeuten.[3]

Versammlungsplatz fränkischer Heere 778

Einer Sage nach sollen sich die fränkischen Heere auf der „Bottenhorner Hochfläche“ gesammelt haben, bevor sie über die Heerstraße (frühmittelalterlicher Höhenweg auf der Wasserscheide Perf/Dautphe verlaufend, Beginn: Gemeindegrenze Bottenhorn/Holzhausen) nach Norden gegen die Sachsen (Sachsenkriege Karls des Großen) zogen, insbesondere vor der großen Schlacht bei Laisa und Battenfeld 778.

Anlass für diese sagenhafte Deutung gab wohl die zentrale Lage auf einer Hochebene, auf der ehemals bedeutende Altstraßen von allen Seiten zusammenliefen[4]. Über die große Hochebene verlief der Strang der alten Ost-West Fernhandelsstraße, der Messestraße Leipzig-Köln-Antwerpen, Brabanter Straße genannt. Bei der Angelburg kreuzte sie mit dem von Süden, aus Richtung Gießen, auf der Aar-Salzböde-Wasserscheide verlaufenden Westfalenweg. Dort mündeten auch die von Herborn kommende „Hohe Straße“ und etwas weiter nördlich bei Hirzenhain die „Rheinstraße“ aus Richtung Dillenburg.

Es standen hier ausreichend Weideflächen mit kleinen Bächen und Quellen für die Versorgung der Reit- und Zugtiere für die Rast zur Verfügung. Insgesamt gesehen ein idealer Versammlungsort für ein großes, mehrere Tausend Reiter und Fußsoldaten umfassendes Heer.

In jeder Sage steckt ein Körnchen Wahrheit.

Hochwertiges Eisenerzvorkommen

Außerdem gab es nördlich von Rachelshausen, am Rande der Hochebene, in Spalten des Diabas ein hochwertiges Eisenerzvorkommen (Hämatit) mit bis zu 70 % Eisengehalt, was für die Waffenherstellung von Bedeutung gewesen sein dürfte.

Ersterwähnung

Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung von Bottenhorn stammt aus dem Jahr 1253. Der Name Budehorn steht in einer Kirchenakte, die eine Aufstellung über die Laaspher Pfarrgüter zum Inhalt hat.

Weitere Erwähnungen:[1]

  • 1304 Botinhorne
  • 1324 Buttinhorn
  • 1491 Bettehorn
  • 1502 Bottenhorn

Beschreibung 1830

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Bottenhorn:

„Bottenhorn (L. Bez. Gladenbach) evangel. Filialdorf; liegt 2 St. von Gladenbach in einer rauhen Gegend, hat 94 Häuser und 552 Einw., die alle evangelisch sind, ferner 1 Kapelle und 1 Mahlmühle. Der Ort gehörte im 15. Jahrhundert zum Gladenbacher Kirchengebiete.“[5]

Kirchengebäude

Gebietsreform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum 1. Juli 1974 wurden im Zuge der Gebietsreform in Hessen kraft Landesgesetz die bis dahin selbständigen Gemeinden Bad Endbach, Bottenhorn, Dernbach, Hartenrod und Hülshof zur erweiterten Großgemeinde mit dem Namen Bad Endbach zusammengeschlossen.[6][7] Für alle ehemals eigenständigen Gemeinden von Bad Endbach wurden Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.[8] Zuvor hatte der Kreistag einen freiwilligen Zusammenschluss von Bottenhorn, Hülshof und Dernbach abgelehnt und Bottenhorn hatte sich bereits gegen die Bildung einer Großgemeinde Gansbachtal mit der neuen Gemeinde Angelburg ausgesprochen.[9]

Territorialgeschichte und Verwaltung im Überblick[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Bottenhorn lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[1][10][11]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerzahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quelle: Historisches Ortslexikon[1]
• 1501: 019 Männer
• 1577: 038 Hausgesesse
• 1630: 035 Hausgesesse; 4 zweispännige, 17 einspännige Ackerleute, 14 Einläuftige
• 1742: 080 Haushalte
• 1791: 385 Einwohner[16]
• 1800: 385 Einwohner[17]
• 1806: 451 Einwohner, 76 Häuser[14]
• 1829: 552 Einwohner, 94 Häuser[5]
Bottenhorn: Einwohnerzahlen von 1791 bis 2011
Jahr  Einwohner
1791
  
385
1800
  
385
1806
  
451
1829
  
552
1834
  
630
1840
  
644
1846
  
657
1852
  
677
1858
  
673
1864
  
558
1871
  
550
1875
  
693
1885
  
723
1895
  
797
1905
  
796
1910
  
833
1925
  
976
1939
  
1.038
1946
  
1.403
1950
  
1.355
1956
  
1.267
1961
  
1.284
1967
  
1.340
1980
  
?
1990
  
?
2000
  
?
2011
  
1.155
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: LAGIS[1]; Zensus 2011[2]

Einwohnerstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Bottenhorn 1155 Einwohner. Darunter waren 27 (2,3 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 204 Einwohner unter 18 Jahren, 456 zwischen 18 und 49, 249 zwischen 50 und 64 und 146 Einwohner waren älter.[2] Die Einwohner lebten in 471 Haushalten. Davon waren 102 Singlehaushalte, 144 Paare ohne Kinder und 171 Paare mit Kindern, sowie 48 Alleinerziehende und 3 Wohngemeinschaften. In 84 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 303 Haushaltungen lebten keine Senioren.[2]

Religionszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quelle: Historisches Ortslexikon[1]
• 1830: 0552 evangelische (= 100 %) Einwohner
• 1885: 0721 evangelische (= 90,46 %), 2 katholische (= 0,25 %) Einwohner
• 1961: 1147 evangelische (= 89,33 %), 129 römisch-katholische (= 10,05 %) Einwohner

Erwerbstätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

• 1867: Erwerbspersonen: 211 Landwirtschaft[1]
• 1961: Erwerbspersonen: 222 Land- und Forstwirtschaft, 344 produzierendes Gewerbe, 48 Handel und Verkehr, 44 Dienstleistungen und Sonstiges.[1]

Flugplatz Bottenhorn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Innerhalb der Gemeinde gibt es einen Flugplatz mit einer 525 m langen Gras-Landebahn. Er ist als Sonderlandeplatz ausgewiesen und besitzt den ICAO-Code EDGT. Betreiber ist die Luftsportgemeinschaft Bottenhorn e. V.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Bottenhorn – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g h Bottenhorn, Landkreis Marburg-Biedenkopf. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 22. Mai 2017). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. a b c d Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. (PDF; 1,1 MB) In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt, S. 24 und 64;.
  3. Ulrich Lennarz, Die Territorialgeschichte des hessischen Hinterlandes, Hrsg. Hessisches Landesamt für geschichtliche Landeskunde, N.G. Elwertsche Verlagsbuchhandlung Marburg 1973, S. 31
  4. Ulrich Lennarz, Die Territorialgeschichte des hessischen Hinterlandes, Hrsg. Hessisches Landesamt für geschichtliche Landeskunde, N.G. Elwertsche Verlagsbuchhandlung Marburg 1973, Karte Nr. 6, Alte Straßen
  5. a b Georg Wilhelm Justin Wagner: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Oberhessen. Band 3. Carl Wilhelm Leske, Darmstadt August 1830, OCLC 312528126, S. 34 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  6. Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Biedenkopf und Marburg und der Stadt Marburg (Lahn) (GVBl. II 330-27) vom 12. März 1974. In: Der Hessische Minister des Innern (Hrsg.): Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1974 Nr. 9, S. 154, § 18 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 3,0 MB]).
  7. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 351.
  8. Hauptsatzung. (PDF; 27 kB) § 5. In: Webauftritt. Gemeinde Bad Endbach, abgerufen im Oktober 2020.
  9. VRM Mittelhessen GmbH & Co KG: Vor 50 Jahren: Die Geburt von "Angelburg". 31. März 2022, abgerufen am 31. März 2022.
  10. Michael Rademacher: Land Hessen. Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006. In: treemagic.org.
  11. Grossherzogliche Centralstelle für die Landesstatistik (Hrsg.): Beiträge zur Statistik des Großherzogtums Hessen. Band 13. G. Jonghause’s Hofbuchhandlung, Darmstadt 1872, OCLC 162730471, S. 12 ff. (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  12. Wilhelm von der Nahmer: Handbuch des Rheinischen Particular-Rechts: Entwickelung der Territorial- und Verfassungsverhältnisse der deutschen Staaten an beiden Ufern des Rheins : vom ersten Beginnen der französischen Revolution bis in die neueste Zeit. Band 3. Sauerländer, Frankfurt am Main 1832, OCLC 165696316, S. 7 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  13. a b Grossherzogliche Centralstelle für die Landesstatistik (Hrsg.): Beiträge zur Statistik des Großherzogtums Hessen. Band 13. G. Jonghause’s Hofbuchhandlung, Darmstadt 1872, OCLC 162730471, S. 27 ff., § 40 Punkt 6c) (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  14. a b Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1806. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1806, S. 244 (Online in der HathiTrust digital library).
  15. Neuste Länder und Völkerkunde. Ein geographisches Lesebuch für alle Stände. Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und die freien Städte. Band 22. Weimar 1821, S. 416 (online bei Google Books).
  16. Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1791. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1791, S. 189 (Online in der HathiTrust digital library).
  17. Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1800. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1800, S. 201 (Online in der HathiTrust digital library).