My Beautiful Dark Twisted Fantasy

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My Beautiful Dark Twisted Fantasy
Studioalbum von Kanye West
Veröffentlichung 19. November 2010
Label Roc-a-Fella Records
Def Jam Recordings
Format CD, LP
Genre Hip-Hop, Pop-Rap
Anzahl der Titel 13
Laufzeit 68:42

Produktion

Studios

Chronologie
808s & Heartbreak
(2008)
My Beautiful Dark Twisted Fantasy Watch the Throne
(2011)

My Beautiful Dark Twisted Fantasy ist das fünfte Studioalbum des US-amerikanischen Rappers Kanye West. Es erschien in Deutschland am 19. November 2010 auf Roc-A-Fella und Def Jam und wird dem Genre Hip-Hop zugerechnet. Das Album wurde 2009 und 2010 größtenteils auf Hawaii aufgenommen.

Das Album stieg in der ersten Woche mit 497.100 Kopien auf Platz eins in die US-Charts ein.[1] In Deutschland kam My Beautiful Dark Twisted Fantasy bis auf Platz 19 der Album-Charts.[2]

Musikstil[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach einem stark elektronisch und gefühlsbetontem 808s & Heartbreak, das in seiner Ästhetik stark dem „Trend hinterher“ war,[3] steuerte West mit seinem fünften Album wieder zurück auf den Stil der ersten drei Alben der geplanten College-Tetralogie (The College Dropout, Late Registration, Graduation) und kombiniert diesen zu opulenteren Songs mit komplexen Strukturen und Arrangements.[4] Das Album behandelt Themen wie Dekadenz, Prunk, Eskapismus, Sex, Wohlstand, Liebe und Selbstverherrlichung sowie Selbstzweifel.[5]

Der erste Titel beginnt mit Nicki Minaj, die mit britischem Akzent ein Teil von Roald Dahls Cinderella vorträgt.[6] Für „All of the Lights“, rekrutierte West Alicia Keys, John Legend, The-Dream, Fergie, Kid Cudi, Elton John, Ryan Leslie, Charlie Wilson, Tony Williams, Elly Jackson und Rihanna als zusätzliche Sänger. Elly Jackson sagte dazu in einem Interview: „Er gab mir all diese Strophen, die ich mit anderen Künstler zusammen singen sollte und wollte dann seine Favoriten von der ganzen Welt übereinander legen um eine einzigartige Textur in seine Songs zu bekommen.“[7] Die zweite Single „Runaway“ hat ein Klavier-Motiv, das aus einer Serie von halben und ganzen Noten besteht.[8] Der Inhalt des Songs ist größtenteils Selbstkritik an West selbst.[9][10] „Lost in the World“ verwendet Teile von Bon Ivers „Woods“[11] und geht in den letzten Titel „Who Will Survive in America“ über. Letzterer Titel ist die Coda des Albums. Er basiert auf Teilen von Gil Scott-Herons „Comment No. 1“.[12]

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Aufnahmen des Albums fanden größtenteils in Honolulu (Hawaii) statt. Zusätzliche Aufnahmen wurden in den Glenwood Place Studios in Burbank (Kalifornien), den Electric Lady Studios und den Platinum Sound Recording in New York gemacht. Berichten zufolge beliefen sich die Kosten für die Aufnahmen auf drei Millionen US-Dollar.[13] Über den Aufnahmeprozess sagte West später, er habe sich „in Hawaii versteckt und seine Lieblingsproduzenten zu sich geholt“, um an seiner Platte zu arbeiten und ihn zu inspirieren. Künstler die an diesem „Rap Camp“,[14] wie West es nannte, teilnahmen waren unter anderem Raekwon, The RZA, Pusha T, Rick Ross, Charlie Wilson, Big Sean, Prynce Cy Hi, Swizz Beatz,[15] Dwele, Nicki Minaj,[16] T.I.,[17][18] Drake, Common, Jay Z, Eminem, Lil Wayne,[19] John Legend, Fergie, Rihanna, The-Dream, Ryan Leslie, Elton John,[20] M. I. A.,[21] Justin Vernon, Seal, Beyoncé,[22] Kid Cudi, Mos Def, Santigold, Alicia Keys, Elly Jackson,[23] und Tony Williams.[24] Produzenten, die mit West am Album arbeiteten, waren Q-Tip, The RZA, DJ Premier,[25] Madlib,[26] und Pete Rock.[27][28]

Im Studio in Hawaii, in dem auch die Aufnahmen zu 808s & Heartbreak entstanden, waren während Wests gesamten Aufenthaltes drei Räume gebucht.[14] So arbeitete West parallel an verschiedenen Songs in mehreren Räumen.[14] Complex-Berichten zufolge wurden die Songs Tag und Nacht gemischt. Die Aufnahmen begannen immer abends, West habe auch oft im Studio geschlafen[14] Die Vorbereitung auf die Aufnahmen war von Künstler zu Künstler verschieden, so spielten viele Basketball,[14] Kid Cudi rauchte Marihuana und RZA betrieb Kraftsport.[14][29]

Cover[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der amerikanische Künstler George Condo gestaltete das Album-Cover. Gemälde von George Condo erzielten bei Kunstauktionen Preise von über 1 Mio. US-Dollar.[30]

Titelliste[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Album enthält in der Standardversion 13 Titel und erschien zusätzlich als „iTunes Bonus Version“, DVD-Edition, Vinyl und „Collector’s Package“ mit signiertem Poster und Runaway-Film-DVD.[31]

# Titel Gastbeiträge Produzent Länge
1 Dark Fantasy The RZA, Kanye West, No I.D., Jeff Bhasker (Co.), Mike Dean (Co.) 4:41
2 Gorgeous Raekwon & Kid Cudi Kanye West, No I.D., Mike Dean 5:58
3 Power S1, Kanye West, Jeff Bhasker (Co.), Mike Dean (Co.), Andrew Dawson (Co.) 4:52
4 All of the Lights (Interlude) 1:02
5 All of the Lights Rihanna & Kid Cudi Kanye West, Jeff Bhasker (Co.) 5:00
6 Monster Jay Z, Bon Iver, Rick Ross & Nicki Minaj Kanye West, Mike Dean (Co.), Plain Pat (Co.) 6:19
7 So Appalled RZA, Jay-Z, Prynce Cy Hi, Pusha T & Swizz Beatz Kanye West, No I.D., Mike Dean (co.) 6:38
8 Devil in a New Dress Rick Ross Bink!, Mike Dean (co.) 5:52
9 Runaway Pusha T Kanye West, Emile (co.), Jeff Bhasker (co.), Mike Dean (co.) 9:08
10 Hell of a Life Kanye West, Mike Caren (co.), No I.D. (co.) 5:28
11 Blame Game John Legend Kanye West, DJ Frank E, Mike Dean (add.) 7:50
12 Lost in the World Bon Iver Kanye West, Jeff Bhasker (co.) 4:17
13 Who Will Survive in America Kanye West, Jeff Bhasker (co.) 1:38

Zusätzlicher Song der iTunes Bonus Version:

# Titel Gastbeiträge Produzent Länge
1 See Me Now Big Sean, Beyoncé & Charlie Wilson Kanye West, No I.D., Lex Luger 6:04

Zusätzlich auf der DVD-Edition:

  1. Runaway (Kurzfilm)

Charterfolge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zum 29. Januar 2011 schaffte es „My Beautiful Dark Twisted Fantasy“ in die Albumcharts von 16 Ländern und stand auf Platz eins in den USA und den „World Album Charts“.[32]

Album[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Titel Chartplatzierungen[32] Anmerkung
DE AT CH UK US
2010 My Beautiful Dark Twisted Fantasy 19 10 16 1

Singles[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Titel Chartplatzierungen[32] Anmerkung
DE AT CH UK US
2010 Power 36 22 Erstveröffentlichung: 28. Mai 2010
(feat. Dwele)
2010 Monster 18 Erstveröffentlichung: 21. September 2010
(feat. Jay Z, Rick Ross, Bon Iver & Nicki Minaj)
2010 Runaway 56 56 12 Erstveröffentlichung: 4. Oktober 2010
(feat. Pusha T)
2011 All of the Lights 68 46 17 19 Erstveröffentlichung: 18. Januar 2011
(feat. Rihanna & Kid Cudi)

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quelle Bewertung
Allmusic [33]
Rolling Stone [34]
The Guardian [35]
The Guardian [36]
Pitchfork Media [37]
Spin [38]
New Musical Express [39]
Musikexpress [40]
Laut.de [41]
Juice [42]

My Beautiful Dark Twisted Fantasy wurde von Kritikern durchweg mit Lob überschüttet. So schrieb die FAZ, das Album überzeuge „auf Albumlänge. […] Es dürfte das Album des Jahres sein.“ Kanye West sei ein „Idealtypus, Kritiker und Protagonist der kapitalistischen Rap-Welt, der Gordon Gekko des Hip Hop. […] ‚My Beautiful Dark Twisted Fantasy‘ ist ein Meisterwerk geworden. Ein Befreiungsschlag. Mit abgeklärt aggressivem Gebaren reklamiert West den Platz an der Spitze.“[3] Spiegel Online meinte, das Album sei „schamlos überladen, so unverstellt prahlerisch und gleichzeitig so rührend in seinem kindlichen Heischen nach Anerkennung und Liebe, dass man es einfach nicht hassen kann. Es ist grotesk und hässlich, aber auch wunderschön. Und ja, Kanye West ist ein Vollidiot und ein krankhafter Narziß. Aber er ist eben auch ein Genie.“[43]

„Das ist kein normales Album. Noch auf dem Vorgänger 808s & Heartbreak hatte Kanye West dem Elektropop seiner Zeit Störgeräusche und eine Wagenladung Autotune verpasst. Das war nice, aber irgendwie auch langweilig. Jetzt hat er den Zeitgeist aufgegeben und den Größenwahn als Möglichkeit der totalen künstlerischen Unabhängigkeit entdeckt. Und dabei echte Klassiker produziert. [...] Aber alle, die die Augen verdrehen und den Kopf schütteln, müssen, wenn sie ganz ehrlich sind, anerkennen: Kanye hat mit My Beautiful Dark Twisted Fantasy ein Meisterwerk geschaffen und dem HipHop wieder beigebracht hat, Kunst zu sein. Ohne Kanyes Wahnsinn wäre das nicht möglich gewesen.“

Lili Ruge[44]

Metacritic aggregiert basierend auf 45 englischsprachigen Kritiken einen Metascore von 94 von 100 möglichen Punkten, womit es die höchste Durchschnittswertung des Jahres erzielte und auch zu den bestaufgenommenen Alben des neuen Jahrtausends gezählt werden kann.[45][46]

Die Musikzeitschrift Rolling Stone bewertete My Beautiful Dark Twisted Fantasy mit der seltenen Höchstwertung von 5 Sternen und meinte, Kanye West „lasse alle anderen im Radio lächerlich bescheiden klingen. Er stelle allerdings auch den Hörer in Frage: Kanye West denkt, man sei ein Idiot, wenn man sich mit einem Künstler zufrieden gibt, der weniger Enthusiasmus hat als er. Und das bedeutet fast jeder.“[47] Das Album wurde von der Zeitschrift auf den ersten Platz der 30 besten Alben des Jahres 2010 gewählt.[48] Darüber hinaus belegt es Platz 353 der 500 besten Alben aller Zeiten.[49]

Der New Musical Express wählte My Beautiful Dark Twisted Fantasy auf Platz 24 der 500 besten Alben aller Zeiten.[50]

In der noch nicht endgültigen Auswahl der 100 besten Alben der 2010er Jahre von Pitchfork Media erreichte das Album Platz 1 (Stand: August 2014).[51]

In einer 2013 veröffentlichten Liste der US-amerikanischen Zeitschrift Entertainment Weekly belegt das Album Platz 8 der 100 besten Alben aller Zeiten.[52]

Das deutsche Magazin Musikexpress führt es auf Platz 5 der 50 besten Alben des neuen Jahrtausends.[53]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. US Verkaufszahlen: Kanye West, Nicki Minaj, Rihanna, Ne-Yo (vom 2. Dezember 2010, von: Lena Kruse)
  2. Reunion erfolgreich: Take That auf Platz eins der Charts
  3. a b CD der Woche; Das wiedergewonnene Imperium. In: FAZ
  4. allmusic: Review
  5. Consumer Guide: My Beautiful Dark Twisted Fantasy (Memento vom 1. Dezember 2010 auf WebCite)
  6. Review: LA Times
  7. Kanye’s ‘All Of The Lights’: A Vocal Breakdown. MTV am 26. November 2010
  8. Review: The New Yorker
  9. crawdaddy: Review My Beautiful Dark Twisted Fantasy
  10. Kanye West admits he’s a douchebag, debuts 'Runaway' to close VMAs: Watch here. Entertainment Weekly
  11. New Music: Kanye West Samples Bon Iver, Gil Scott-Heron On “Lost In The World”
  12. NME: Review
  13. Def Jam Records Has Reportedly Drei Millionen für West-Album
  14. a b c d e f Complex-Interview mit Kanye West
  15. Kanye West Calls Off This Week’s G.O.O.D Friday
  16. Exclusive: Kanye West Enlists Nicki Minaj for New Album
  17. DJ Toomp Praises Kanye’s New Album x T.I. Confirmed As Guest
  18. T.I. Recorded Six Tracks With Kanye
  19. We Don’t Believe You: Kanye West – Good Ass Job (Tracklist)
  20. Kanye West’s Biggest Collaboration Yet
  21. M.I.A. The Latest Artist To Go Into The Studio With Kanye West
  22. MIA announces collaboration for Kanye West album 'Dark Twisted Fantasy'
  23. Kanye West Adds M.I.A., La Roux And Alicia Keys To Album
  24. G.O.O.D. Music's Tony Williams Talks Studio Sessions With Kanye
  25. Kanye West’s Next Album To Drop In June
  26. Madlib Says Kanye West Requested Beats For "Good Ass Job"
  27. Pete Rock Calls Kanye West "Hip-Hop", Confirms Working W/ Him In Hawaii
  28. Kanye West – Take One for the Team (ft. Pusha T, Cyhi Da Prince, Keri Hilson)
  29. Kanye West’s Studio Arrangement Analyzed In Complex Cover Story
  30. Kanye West gave Kim Kardashian a dark, twisted Birkin Bag for Christmas. In: National Post, 27. Dezember 2013. Abgerufen im 29. Dezember 2013. 
  31. Albumversionen, Island Defjam
  32. a b c Chartquellen: acharts: Kanye West
  33. Review von Andy Kellman auf allmusic.com (abgerufen am 1. Mai 2018)
  34. Review von Rob Sheffield auf rollingstone.com (abgerufen am 1. Mai 2018)
  35. Review von Alex Macpherson auf theguardian.com (abgerufen am 1. Mai 2018)
  36. Review von Kitty Empire auf theguardian.com (abgerufen am 1. Mai 2018)
  37. Review von Ryan Dombal auf pitchfork.com (abgerufen am 1. Mai 2018)
  38. Review von Chris Martins auf spin.com (abgerufen am 1. Mai 2018)
  39. Review von Chris Mandle auf nme.com (abgerufen am 1. Mai 2018)
  40. Review von Thomas Weiland auf musikexpress.de (abgerufen am 1. Mai 2018)
  41. Review von David Hilzendegen auf laut.de (abgerufen am 1. Mai 2018)
  42. Juice Magazin: 6-Kronen–Alben auf genius.com (abgerufen am 1. Mai 2018)
  43. Die wichtigsten CDs der Woche. Spiegel Online
  44. BR Ruhmeshalle: My Beautiful Dark Twisted Fantasy auf br.de (abgerufen am 1. Mai 2018)
  45. metacritic.com
  46. The Best Albums of 2010. metacritic.com, 11. Januar 2011
  47. Rolling Stone: Album Review
  48. Rolling Stone: 30 Best Albums of 2010
  49. 500 Greatest Albums of All Time auf rollingstone.com (abgerufen am 1. Mai 2018)
  50. The 500 Greatest Albums Of All Time auf nme.com (abgerufen am 1. Mai 2018)
  51. The 100 Best Albums of the Decade (so far) auf pitchfork.com (abgerufen am 1. Mai 2018)
  52. ‘Entertainment Weekly’ Top 100 Albums Of All Time List
  53. 2000-2015: Die 50 besten Alben des neuen Jahrtausends auf musikexpress.de