Napalm

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Napalm-Angriff im Vietnamkrieg

Napalm ist eine Brandwaffe mit dem Hauptbestandteil Benzin, das mit Hilfe von Zusatzstoffen geliert wird. So wird erreicht, dass Napalm als zähflüssige, klebrige Masse am Ziel haftet und eine starke Brandwirkung entwickelt.

Wirkung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits kleine Spritzer brennenden Napalms verursachen schwere und schlecht heilende Verbrennungen auf der Haut. Wegen seiner hydrophoben Eigenschaften kann Napalm zudem nur schlecht mit Wasser gelöscht oder von der Haut abgewaschen werden. Auch bei einem nicht direkten Treffer wirkt Napalm äußerst zerstörerisch gegen Lebewesen und hitzeempfindliches Material. Je nach Zusammensetzung erreicht es eine Verbrennungstemperatur von 800 bis 1200 °C.

Napalmbomben, die häufigste Einsatzform des Brandstoffes, sind mit Napalm befüllte Metallkanister. Zünder an beiden Enden lösen beim Aufschlag kleine Explosivladungen aus, wodurch der Kanisterinhalt über eine große Fläche verteilt wird. Napalm kann auch mit Hilfe von Flammenwerfern eingesetzt werden.

Zusammensetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Prinzip einer anhaftenden, langsam brennenden Brandmasse wurde erstmals im frühen Mittelalter in Form des Griechischen Feuers verwirklicht. In der Neuzeit wurden die ersten Versuche zu Beginn des Zweiten Weltkrieges mit einer Mischung aus Benzin, Schmierseife und Aluminiumpulver durchgeführt. Auch Mischungen aus Benzin und Gummi wurden erprobt. Die eigentliche Rezeptur für Napalm wurde 1942 an der Harvard-Universität von Louis Frederick Fieser entwickelt.[1]

Napalm gehört zu den Brandstoffen auf Ölbasis. Es gibt zwei Sorten:

  • Herkömmliches Napalm: ölbasierter Brandsatz mit Aluminiumseifen als Verdickungsmittel (Oil-based incendiary agents of the Al-soap type)
  • Napalm-B: ölbasierter Brandsatz mit Kunststoff-Polymeren als Verdickungsmittel (Oil-based incendiary agents of the polymer type)

Herkömmliches Napalm besteht zum Großteil aus Benzin oder Petroleum. Durch Beimischung eines Verdickungsmittels, meist Aluminiumseifen (Al(OH) (OOCR) (OOCR')) der Naphthensäure und Palmitinsäure, entsteht eine transparente, zähflüssige und klebrige Substanz, das nach den Anfangssilben dieser beiden Säuren benannte Napalm-Gel. Die Konzentration des Verdicker-Pulvers im Benzin beeinflusst die Viskosität und Brenneigenschaften. Napalm in Flammenwerfern enthält deshalb Verdickungsmittel in geringerer Menge.

Die Aluminiumseifen können einfach z. B. aus Aluminiumhydroxid, Naphthensäure und Palmitinsäure hergestellt werden. Naphthensäuren sind ein technisches Gemisch aus alkylierten Cyclopentan- und Cyclohexansäuren, die durch alkalische Extraktion von Erdöl und Ansäuern der erhaltenen Lösung gewonnen werden. Palmitinsäure kann durch Verseifung von z. B. Kokosöl erzeugt werden und ist in Form ihres Natriumsalzes als Kernseife bekannt.

Die Verdickungsmittel (Thickener) tragen in den Streitkräften der Vereinigten Staaten die Codebezeichnung M1, M2 und M4 und sind durch folgende Standards charakterisiert:

M1 Thickener
Incendiary Oil, MIL-T-589A, 26. August 1953
M1 Thickener ist ein Gemisch aus Aluminiumseifen, in welchen die gebundenen Fettsäuren zu ca. 50 % aus Kokosnussöl, 25 % aus Naphthensäuren und 25 % aus Ölsäure entstammen. M1 Thickener ist ein weißes bis hellbraunes Pulver und wurde in Fässer mit 45,4 kg (100 pound) oder Kanister mit 2,4 kg (5 1/4 pound) abgepackt.
M2 Thickener
Incendiary Oil, MIL-T-0903025B, 13. April 1954
M2 Thickener ist ein weißes Pulver von ähnlicher Zusammensetzung wie M1, jedoch enthält es entgastes Siliciumdioxid als Trennmittel (Antiagglomerant). Ein Trennmittel verhindert das Zusammenbacken eines Pulvers.
M4 Thickener
M4 Thickener
Incendiary Oil, MIL-T-50009A, 22. Mai 1959
M4 Thickener ist ein feines Pulver aus Aluminiumoktoat (Octal; Hydroxylaluminium-bis(2-ethylhexanoat)) und einem Trennmittel. Aluminiumoktoat ist ein Aluminiumsalz der Isooctansäure. Als Trennmittel diente ein Zusatz von 2 % Santocel C oder Attzorb clay.

Napalm-B, eine später entwickelte Variante des Napalms, besteht aus Polystyrol, Benzol und niedrigsiedendem Benzin. Bei Napalm-B wirkt Polystyrol zugleich als brennbares Verdickungsmittel. Napalm-B bietet längere Brennzeiten bis zehn Minuten (konventionelles Napalm nur 15 bis 30 Sekunden), erhöhte Zerstörungswirkung und ist weniger leicht entzündlich. Napalm B ist zähflüssiger als andere Gelbrandstoffe, wodurch die Haftwirkung an Zieloberflächen verbessert und der Feuerballeffekt reduziert wird. Es brennt heißer als herkömmliches Napalm und entwickelt bei der Verbrennung einen charakteristischen Geruch.

Bezeichnung Verbrennungstemp. Lösemittel Verdicker und Zusätze Anwendung
Napalm NP-1 800…1000 °C 91…98 % Benzin 4…8 % M-1 oder 2…4 % M-4 Brandbomben, Brandbehälter, Flammenwerfer
Napalm NP-2 800…1000 °C 91…96 % Benzin oder Kerosin 3…6 % M-2 Brandbomben, Brandbehälter, Flammenwerfer
Napalm NP-3 800…1000 °C 89…90 % Benzin oder Kerosin 3…4 % M-1 oder M-4 Brandgranaten
Napalm IM > 1000 °C 89…90 % Benzin 10…11 % eines Gemisches aus 5 % i-Butylmethacrylat (oder Naturkautschuk), 2 % Stearinsäure und 2 % Calciumoxid Brandbomben
Napalm B bis 1200 °C 25 % Benzin, 25 % Benzol 50 % Polystyrol Brandbomben
Pyrogel PT-1 bis 1600 °C 30…60 % Benzin 3…5 % i-Butylmethacrylat, 10 % Magnesiumpulver, 3 % Kerosin sowie Erdölrückstände, Asphalt, Aktivkohle und Natriumnitrat Brandbomben, Brandbehälter, Brandgranaten
Pyrogel PT-2 1600…2000 °C 60 % Benzin 5 % i-Butylmethacrylat, 10 % Magnesiumpulver, 3 % Kerosin sowie Asphalt, Bariumnitrat Brandbomben, Brandbehälter, Brandgranaten
Pyrogel PT-V 60 % Benzin 5 % Polybutadien, 6 % Natriumnitrat, 28 % Magnesiumpulver und etwas p-Aminophenol Brandbomben

Durch den Einsatz von Naturkautschuk oder Polymethacrylaten als Verdicker wird eine besonders starke Haftung erzielt. Der Zusatz von Magnesiumpulver erhöht die Verbrennungstemperatur und fördert (im Vergleich zu Aluminiumpulver) das Umherspritzen der Mischung. Pyrogel (PT) haftet auch auf nassen und schneebedeckten Oberflächen. Ebenso eignet sich Pyrogel zum Einsatz bei Temperaturen von bis zu −30 C°.[2]

Nach einem neueren US-Patent wurde Kerosin auch mit Hydroxylaluminium-bis(2-ethylhexanoat) [30745-55-2] und einem nichtionischen Tensid oder Wasser geliert.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2. Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Europa[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Napalm-Einsatz am 15. April 1945 in Europa

Der erste belegte Kriegseinsatz von Napalm erfolgte im Juli 1943, im Rahmen der Operation Husky bei der Landung auf Sizilien. Dort setzten U.S.-Truppen Napalm mit dem M1A1-Flammenwerfer ein.[3] Der erste großangelegte Luftangriff mit Napalmbomben erfolgte am 9. Oktober 1943 auf das Montagewerk von Focke-Wulf bei Marienburg. Dabei kamen AN-M47-Bomben befüllt mit Napalm und Weißem Phosphor zum Einsatz.[4] Die Fabrik wurde bei diesem Angriff nahezu komplett zerstört. Der nächste belegte Luftangriff mit Napalm erfolgte am 14. Oktober 1943 bei einem Bombenangriff auf die Kugellagerwerke in Schweinfurt. Bei diesem Angriff kamen wiederum mit Napalm und Weißem Phosphor befüllte AN-M47-Bomben zum Einsatz.[5] Danach wurde Napalm auf dem europäischen Kriegsschauplatz wiederholt durch Jagdbomber zur Luftnahunterstützung eingesetzt. Ein weiterer belegter Großeinsatz (mit Brandbomben vom Typ AN-M76 mit dem Verdickungsmittel PT-1 (Pyrogel)) wurde von den US Army Air Forces (USAAF) über Berlin am 6. März 1944 durchgeführt.[6] Weiter sah der Einsatz am 14. Juli 1944 durch De Havilland D.H.98 Mosquito FB Mk.VI-Jagdbomber der Royal Air Force gegen die 17. SS-Panzergrenadier-Division „Götz von Berlichingen“ in Bonneuil-Matours, als Vergeltungsangriff wegen der Ermordung von u. a. 33 britischen Kriegsgefangenen (Soldaten des Special Air Service), den Einsatz von Bomben des gleichen Typs vor.[7] Ebenso wurde Napalm am 15. April 1945 von der USAAF über der Hafenstadt Royan an der französischen Atlantikküste angewendet.[8][9] Hierzu waren Zusatztankbehälter von Jagdbombern mit napalmähnlichen Stoffen („jellied gasoline“) befüllt und großflächig aus B-24-Bombern abgeworfen worden. Royan und die Region um den U-Boot-Stützpunkt La Rochelle wurden noch bis April 1945, kurz vor der deutschen Kapitulation, von deutschen Truppenresten weitab des damaligen Frontverlaufes gehalten.

Pazifischer Raum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der erste belegte Einsatz von Napalm durch die Vereinigten Staaten gegen japanische Truppen erfolgte im Dezember 1943 bei der Schlacht um Arawe. Bei den Kämpfen auf der Insel Pilelo setzten U.S.-Truppen wiederum den mit Napalm befüllten M1A1-Flammenwerfer ein. Ebenso erfolgten bei diesen Kämpfen Luftangriffe mit improvisierten Napalmbomben.[10] Der erste großangelegte Luftangriff mit Napalmbomben erfolgte im Rahmen des Island Hopping am 15. Februar 1944. Zwischen dem 15. und 26. Februar warfen U.S.-Bomber der 7. Luftflotte erstmals Napalm-Streumunition vom Typ AN-M69 auf Ziele der Pazifikinsel Pohnpei ab.[11] Danach kam Napalm bei der Bombardierung von Tinian Town (heute San Jose) während der Schlacht um Tinian am 23. Juli 1944 zum Einsatz. Weitere Einsätze erfolgten bei der Schlacht um Peleliu im September 1944 sowie bei der Schlacht um Iwojima. Vom 31. Januar bis zum 15. Februar 1945 warfen Bomber vom Typ B-24 Liberator 1111 Napalmtanks auf japanische Stellungen auf Iwojima ab.[12]

Anfang 1945 standen genügend Napalmbomben für die Angriffe auf die Städte auf den japanischen Hauptinseln bereit. Für diese Angriffe sollte die Napalm-Streumunition vom Typ AN-M69 und AN-M74 zum Einsatz kommen. Diese Kleinbomben wogen 2,8–3,7 kg und enthielten 1,0–1,18 kg Napalm.[13] Die Kleinbomben wurden in Streubomben und Streubehältern abgeworfen. Die Serie verheerender Napalm-Angriffe auf die japanischen Städte begann Anfang 1945. Den Auftakt bildete am 4. Februar der Angriff auf Kōbe. Danach wurden die Städte Osaka, Kōbe, Yokohama, Tokio, Kawasaki und Nagoya wiederholt mit Napalm bombardiert. In der Nacht vom 9./10. März unternahm die 21. US Air Force einen weiteren Luftangriff gegen Tokio. 334 B-29-Bomber warfen rund 1500 Tonnen Napalmbomben auf die japanische Hauptstadt ab. 41 km² Stadtgebiet wurden vollkommen zerstört. Nach japanischen Angaben wurden 267.171 Häuser Opfer der Flammen. 1.008.000 Menschen wurden obdachlos. Offiziell werden die Verluste mit 83.793 Toten und 40.918 Verletzten angegeben (vgl. Luftangriffe auf Tokio). Bis im Juni 1945 wurden auf die japanischen Großstädte über 34.355 Tonnen Napalmbomben abgeworfen, die insgesamt über 82 km² Stadtgebiet in Schutt und Asche legten.[13] Die Vereinigten Staaten produzierten während des Zweiten Weltkrieges über 36.287 Tonnen Napalm.[14]

Koreakrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Korea 1951

Der nächste großangelegte Einsatz von Napalm erfolgte während des Koreakrieges. Bereits im ersten Kriegsjahr wurden 30 Millionen Liter Napalm eingesetzt. Laut Jörg Friedrich kam im ganzen Krieg eine Menge von 32.357 Tonnen Napalm zum Einsatz.[15] Die Standorte Chongsong, Chinbo und Kusu-dong wurden mit Napalm nahezu vollständig zerstört. Ebenso wurden auch die Städte Pjöngjang, Hoeryong und Hŭngnam mehrmals mit Napalm bombardiert. Die Bilanz der Bombenschäden, die den Waffenstillstandsverhandlungen zugrunde lag, besagt, dass 18 der 22 größten Städte zumindest zur Hälfte zerstört worden waren. So wurden beispielsweise die beiden großen Industriestädte Hamhŭng und Hungnam zu etwa 80 Prozent zerstört, Sinŭiju zu 100 Prozent und Pjöngjang zu 75 Prozent.[16] Die Luftangriffe auf die Städte wurden durch Bomber vom Typ B-29 und A-26 durchgeführt. Wiederum wurde das Napalm mittels Streubomben zum Einsatz gebracht. Überwiegend wurde Napalm-Streumunition vom Typ AN-M69 und AN-M74 verwendet. Auch die Bomben vom Typ AN-M47 und AN-M76, welche ein Gemisch aus Napalm, Phosphor und Magnesium enthielten, kamen zum Einsatz. Der massivste Napalmangriff während des Koreakrieges erfolgte gegen die Stadt Sinŭiju. Am 10. November 1950 warfen 79 amerikanische B-29-Bomber insgesamt 550 Tonnen Brandbomben auf den Industriestandort ab. Die 85.000 abgeworfenen AN-M69-Napalmbomben verursachten enorme Verluste unter der Bevölkerung und zerstörten die Stadt nahezu vollständig.[17] Gegen taktische Ziele kamen vorzugsweise Napalmkanister zum Einsatz. Es existierten verschiedene Kanister mit einem Fassungsvermögen von 270 bis 870 Liter. Diese wurden von Jagdbombern meist im Tiefflug abgeworfen. So eingesetzt konnte ein Kanister mit 624 Litern Napalm beim Aufschlag eine Fläche von rund 23 × 90 Metern (25 × 100 squareyards / 2500 yd²) in Brand setzen.

Vietnamkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Flammenwerfer auf einem „Zippo Monitor“ in Vietnam

Im Vietnamkrieg wurde Napalm im bisher größten Umfang eingesetzt. Die US-Streitkräfte setzten während dieses Konfliktes nahezu 400.000 Tonnen Napalm ein. Der Einsatz erfolgte meist durch Jagdbomber im Tiefflug gegen Flächenziele. Wiederum wurde Napalm in Kanistern abgeworfen. Am häufigsten kamen die Kanister vom Typ BLU-10 (125 Liter), BLU-11 (245 Liter), BLU-23 (254 Liter), BLU-27 (380 Liter) und BLU-32 (254 Liter) zum Einsatz, wobei eine BLU-10 – grob abgeschätzt – eine Fläche von rund 500 yd² (etwa 10 × 40 Meter), die BLU-11, BLU-23 und BLU-32 1000 yd² (ca. 14 × 60 Meter) und die BLU-1 bzw. die BLU-27 eine Fläche von etwa 1500 yd² (ca. 18 × 70 Meter) in Brand setzen konnte. Gegen Ende des Vietnamkrieges wurden die Napalmkanister aber zusehends durch Streubomben mit Splitterwirkung ersetzt.[18]

Weitere Einsätze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während des Griechischen Bürgerkriegs setzten die Griechischen Streitkräfte ab 1948 Napalm gegen die Demokratische Armee Griechenlands ein.[19]

Indochina 1953

Frankreich setzte im Indochinakrieg ab 1951 Napalm gegen die Việt Minh ein.[20] Weiter setzte Frankreich ab 1954 Napalm im Algerienkrieg und 1961 in Tunesien ein.[21]

Das Vereinigte Königreich setzte von 1952 bis 1960 im Mau-Mau-Krieg in Kenia Napalm ein.[22]

Die Israelischen Verteidigungsstreitkräfte setzten 1956 während der Sueskrise Napalm gegen Ägypten ein.[23] Weiter setzte Israel im Sechstagekrieg 1967, im Abnutzungskrieg 1969 und 1973 im Jom-Kippur-Krieg Napalm ein.[23][24]

Während der Kubanischen Revolution setzte Kuba 1958 bei der Operation Verano Napalm gegen die Bewegung des 26. Juli von Fidel Castro ein.[25]

Portugal setzte von 1961 bis 1962 Napalm gegen Aufständische in Angola ein.[22]

1962 setzte Ägypten im jemenitischen Bürgerkrieg Napalm ein.[22]

Während des Zypernkonflikts bombardierte 1964 die Türkei Städte und Dörfer in Zypern, in denen sich sowohl Zivilisten als auch Soldaten befanden, mit Napalm.[26] Dies führte zu diplomatischen Spannungen und einem militärischen Kräftespiel mit Griechenland. Weiter bombardierte die Türkei 1974 ein Fahrzeug der United Nations Peacekeeping Force in Cyprus mit Napalm. Drei österreichischen Blauhelmsoldaten verbrannten in dem Fahrzeug.[20]

Peru setzte 1965 gegen Aufständische Napalm ein.[23]

Bolivien setzte 1967 gegen Aufständische Napalm ein.[23]

Internationale Aufmerksamkeit erlangten die massiven Napalmeinsätze der nigerianischen Regierung im Nigerdelta während des Biafra-Kriegs von 1967 bis 1970. Dabei wurden die Flächenbombardierungen mit Brandmitteln auch gezielt dazu eingesetzt, Zivilisten zu töten.

Der Irak setzte 1969 und 1974 Napalm gegen die Kurden im eigenen Land ein.[27]

Im Zweiten Indisch-Pakistanischen Krieg 1965 als auch im Konflikt von 1971 setzten beide Staaten Napalm ein.[28]

Brasilien setzte von 1970 bis 1974 Napalm gegen aufständische Maoisten im Amazonasbecken ein.[27]

Die Empfangs-, Wahrheits- und Versöhnungskommission von Osttimor (CAVR) dokumentierte 2006 Berichte vom Einsatz von Napalm durch Indonesien in Osttimor während der Besatzungszeit (1975–1999).[29] Indonesien bestritt in einer Stellungnahme, überhaupt die Möglichkeit gehabt zu haben, Napalm einzusetzen, allerdings belegen 2015 freigegebene Unterlagen des australischen Geheimdienstes sowohl die Kapazitäten, als auch die Pläne zum Napalmeinsatz durch Indonesien.[30][31]

Ebenfalls in großen Mengen eingesetzt wurde Napalm während des Ersten Golfkrieges, sowohl vom Irak als auch vom Iran. Der Irak setzte es dabei auch gegen aufständische Kurden im eigenen Land ein.[32]

Während der Sowjetischen Intervention in Afghanistan setzten die Sowjetischen Streitkräfte von 1975 bis 1989 wiederholt Napalm ein.[33]

Die USA setzten 1990/1991 im Zweiten Golfkrieg, im Irakkrieg 2003 sowie im Krieg gegen den Terrorismus in Afghanistan Napalm und napalmähnliche Stoffe ein.[34]

Kriegs- und völkerrechtliche Einordnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da Napalm extrem schlecht verheilende Brandwunden und große Schmerzen verursacht, fällt es nach einigen neueren Interpretationen unter die übermäßiges Leid verursachenden geächteten Waffen des Artikels 23 der Haager Landkriegsordnung.[35] Der Gebrauch von Brandwaffen gegen die Zivilbevölkerung wurde durch Protokoll III der Konvention der Vereinten Nationen zur Ächtung unmenschlicher Waffen im Jahre 1980 verboten.[36]

Die Vereinigten Staaten haben nach eigenen Angaben ihre Bestände an Napalm im Jahr 2001 zerstört. Die USAF setzte während des Irakkrieges 2003 die Brandbombe Mk-77 gegen die Republikanische Garde ein.[37] Laut Verteidigungsministerium der Vereinigten Staaten enthält die Mk-77 ein Gemisch mit Kerosin und sei nicht als Napalm zu klassifizieren. Die verwendeten Substanzen seien zwar bemerkenswert ähnlich, jedoch verursache die auf Kerosin basierende Substanz weniger Umweltschäden. Ähnliche Brandbomben basieren auch auf Phosphor-Brandsätzen, die ebenfalls im Irak getestet wurden.

Am 21. Januar 2009 ratifizierten die Vereinigten Staaten unter Vorbehalt[38] das Protokoll III.

Im Jahr 2012 beteiligte sich die Bundesrepublik Deutschland an einer Initiative der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa und des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen zur Unterstützung der serbischen Regierung bei der Vernichtung von Napalmpulver sowie von Munition, die den giftigen Weißen Phosphor enthält. Mit dem deutschen Beitrag wurden 110 Tonnen Napalmpulver vernichtet.[39]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Leo P. Brophy, Wyndham D. Miles, Rexmond C. Cochrane: The Chemical Warfare Service: From Labratory to Field. Center of Military History, United States Army, Washington D.C., 1988 (PDF).
  • Louis Frederick Fieser u. a.: Napalm. In: Industrial and Engineering Chemistry. Band 38, 1946, S. 768–773, doi:10.1021/ie50440a010.
  • Leo Finkelstein: Rheological properties of incendiary gels. In: The Journal of physical and colloid chemistry. Band 52, 1948, S. 1460–1470, doi:10.1021/j150465a004.
  • Karol J. Mysels: Napalm. Mixture of Aluminum Disoaps. In: Industrial and Engineering Chemistry. Band 41, 1949, S. 1435–1438, doi:10.1021/ie50475a033.
  • Robert M. Neer: Napalm. Harvard University Press, 2013, ISBN 0-674-07545-5 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  • Description of the Cleveland plant of Ferro Chem. Co. for production of napalm. In: Chemical engineering. Band 58, 1951, ISSN 0009-2460, 11, S. 162–163.
  • A.P. 2,763,621 (12/7/1951; 9/18/1956) to Pfister Chemical Works Inc.
  • Hans-Joachim Töpfer: Brandmittel. Lehrbrief 1: Charakteristik der Brandmittel. Militärverlag der DDR, Berlin 1981. (Zur Verwendung in der NVA.)
  • Robert M. Neer: Napalm. An American Biography, Harvard University Press 2013. ISBN 978-0-674-07301-2
  • Paul McCue: SAS Operation Bulbasket: Behind the Lines in Occupied France. Pen and Sword Books Ltd., Barnsley, S. Yorks, UK 2009, ISBN 978-1-84884-193-2, S. 232.
  • Kleber, B.E. and Birdsell, D. [1966]: The Chemical Warfare Service: Chemicals in Combat (en) (=  United States Army in World War II / The Technical Services), Band CMH Pub 10-3. Center of Military History, United States Army, Washington, USA, S. 697.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Napalm – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Napalm – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Louis F. Fieser und die Geschichte der Napalm-Entwicklung. In: Wissenschaft & Frieden, abgerufen am 23. Januar 2015.
  2. ЗБ-500. In: airwar.ru. Abgerufen am 7. Januar 2015 (russisch).
  3. Robert M. Neer: Napalm. 2013, S. 137+139.
  4. Robert M. Neer: Napalm. 2013, S. 141.
  5. Leo P. Brophy, Wyndham D. Miles, Rexmond C. Cochrane: The Chemical Warfare Service: From Labratory to Field. 1988, S 170+171.
  6. Kleber u. Birdsell, S. 158.
  7. McCue, P., S. 104.
  8. The Zinn reader: writings on disobedience and democracy Howard Zinn S. 267 ff. & 276 (Online in der Google-Buchsuche)
  9. USAAF Chronology abgerufen am 29. Dezember 2017
  10. Robert M. Neer: Napalm. 2013, S. 139+140.
  11. Robert M. Neer: Napalm. 2013, S. 140.
  12. Richard Harwood A CLOSE ENCOUNTER: The Marine Landing on Tinian abgerufen am 29. Dezember 2017
  13. a b Summary Technical Report of Division 11, National Defense Research Committee (NDRC), Volume 3: Fire Warfare, Incendiaries and Flame Throwers, Washington D.C. 1946, Seiten 8–94.
  14. Who Made That Firebomb? Blog von Alex Wellerstein, abgerufen am 6. November 2014.
  15. Jörg Friedrich: Yalu. An den Ufern des dritten Weltkrieges. Propyläen Verlag, München 10/2007, ISBN 978-3-549-07338-4
  16. Crane Conrad: American Airpower Strategy in Korea 1950-1953, University Press of Kansas 2000
  17. Cumings, Bruce: Napalm über Nordkorea. In: Le Monde diplomatique. Nr. 7536, 10. Dezember 2004, S. 5–7 (monde-diplomatique.de).
  18. Robert F. Dorr und Chris Bishop: Vietnam Air War Debrief: The Story of the Aircraft, the Battles, and the Pilots who Fought. Airtime Pub 1996, ISBN 1-874023-78-6
  19. Robert M. Neer: Napalm. 2013, S. 196.
  20. a b Robert M. Neer: Napalm. 2013, S. 214.
  21. Robert M. Neer: Napalm. 2013, S. 215.
  22. a b c Robert M. Neer: Napalm. 2013, S. 216.
  23. a b c d Robert M. Neer: Napalm. 2013, S. 212.
  24. Robert M. Neer: Napalm. 2013, S. 190.
  25. Robert M. Neer: Napalm. 2013, S. 211.
  26. Robert M. Neer: Napalm. 2013, S. 213.
  27. a b Robert M. Neer: Napalm. 2013, S. 217.
  28. Robert M. Neer: Napalm. 2013, S. 216+217.
  29. „Chapter: Violations of the Laws of War“ (Memento vom 5. September 2014 im Internet Archive) (PDF; 534 kB) aus dem „Chega!“-Report der CAVR (englisch).
  30. David Webster: A crime against humanity confirmed: Indonesian use of napalm against East Timorese civilians, 1983. In: davidwebster.wordpress.com, 11. Mai 2015, abgerufen am 13. Mai 2015.
  31. Philip Dorling: Australia knew about Indonesia's napalm plans in Timor Leste. In: Sydney Morning Herald, abgerufen am 13. Mai 2015 (englisch).
  32. Napalm. In: GlobalSecurity.org. Abgerufen am 11. Februar 2010.
  33. Robert M. Neer: Napalm. 2013, S. 391+392.
  34. Robert M. Neer: Napalm. 2013, S. 383+384.
  35. Wenn Hitze unter die Haut geht Bericht auf Bundesheer.at Folge 306, Ausgabe 6/2008 abgerufen am 29. Dezember 2017
  36. Protocol on Prohibitions or Restrictions on the Use of Incendiary Weapons (Protocol III). Geneva, 10 October 1980 abgerufen am 29. Dezember 2017
  37. Ben Cubby Napalm by another name: Pentagon denial goes up in flames vom 9. August 2003 abgerufen am 29. Dezember 2017
  38. Protocol on Prohibitions or Restrictions on the Use of Incendiary Weapons (Protocol III). Geneva, 10 October 1980. abgerufen am 29. Dezember 2017
  39. Auswärtiges Amt finanziert Vernichtung von Napalm in Serbien auf landespresseportal.de vom 6. Juli 2012 abgerufen am 29. Dezember 2017