Oberreichenbach (Schwarzwald)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Oberreichenbach
Oberreichenbach (Schwarzwald)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Oberreichenbach hervorgehoben

Koordinaten: 48° 44′ N, 8° 40′ O

Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Karlsruhe
Landkreis: Calw
Höhe: 626 m ü. NHN
Fläche: 35,99 km2
Einwohner: 2836 (31. Dez. 2019)[1]
Bevölkerungsdichte: 79 Einwohner je km2
Postleitzahl: 75394
Vorwahlen: 07051, 07053, 07084
Kfz-Kennzeichen: CW
Gemeindeschlüssel: 08 2 35 055
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Schulstraße 3
75394 Oberreichenbach
Website: www.oberreichenbach.de
Bürgermeister: Karlheinz Kistner
Lage der Gemeinde Oberreichenbach im Landkreis Calw
OstelsheimEnzkreisLandkreis KarlsruheLandkreis KarlsruheLandkreis BöblingenLandkreis TübingenLandkreis RastattLandkreis FreudenstadtPforzheimBad HerrenalbDobelHöfen an der EnzUnterreichenbachSchömberg (Landkreis Calw)Oberreichenbach (Schwarzwald)Bad LiebenzellAlthengstettCalwBad Teinach-ZavelsteinBad WildbadEnzklösterleNeuweilerSimmersfeldAltensteigRohrdorf (Landkreis Calw)EgenhausenHaiterbachNagoldWildberg (Schwarzwald)EbhausenNeubulachGechingenOstelsheimSimmozheimSimmozheimKarte
Über dieses Bild

Oberreichenbach ist eine Gemeinde im nördlichen Schwarzwald. Sie gehört zum baden-württembergischen Landkreis Calw.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde liegt naturräumlich auf der Enz-Nagold-Platte zwischen 588 und 745 Meter Höhe, etwa jeweils 6 km von der Kreisstadt Calw und Bad Liebenzell entfernt. Sie gehört zur Region Nordschwarzwald. Mehr als 70 % des Gemeindegebiets sind bewaldet. Der Ortsname stammt von dem unweit entspringenden Reichenbach, der nach dem Übertritt in die Gemarkung Hirsau Schweinbach heißt.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es grenzen die Gebiete der Gemeinden

an das Gemeindegebiet von Oberreichenbach an.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Gemeinde Oberreichenbach gehören die folgenden ehemaligen Gemeinden mit ihren Teilorten:

  • Oberreichenbach mit Weiler Siehdichfür
  • Igelsloch mit Gehöft Unterkollbach
  • Oberkollbach
  • Würzbach mit Weiler Naislach

Ehemalige Ortschaften:

Schutzgebiete[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Oberreichenbach gibt es zwei Naturschutzgebiete, den Waldmoor-Torfstich und die Hesel-, Brand- und Kohlmisse. Der Westen der Gemarkung gehört zum Landschaftsschutzgebiet Großes und Kleines Enztal mit Seitentälern, im Osten hat die Gemeinde Anteil am Landschaftsschutzgebiet Schweinbachtal. Zudem befinden sich auf dem Gemeindegebiet mehrere Teilgebiete des FFH-Gebiets Kleinenztal und Schwarzwaldrandplatten. Oberreichenbach liegt im Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Überblick[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprünglich gehörte Oberreichenbach den Grafen von Calw. 1303 kam der Ort an das Kloster Hirsau und blieb dort als Vogtei bis ins 18. Jahrhundert.

In der ehemaligen Gemeinde Würzbach liegt die Wüstung Oberwürzbach, einem im 11./12. Jahrhundert gegründeten Waldhufendorf, das im 14./15. Jahrhundert aufgegeben wurde.[4]

Verwaltungszugehörigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Neugliederung des jungen Königreichs Württemberg am Beginn des 19. Jahrhunderts wurde Oberreichenbach dem Oberamt Calw zugeordnet, ebenso Oberkollbach und Würzbach. Igelsloch hingegen kam 1809 zum Oberamt Neuenbürg.

Die in Oberkollbach aufgegangene Ortschaft Eberspiel war von 1835 bis 1838 eine selbstständige Gemeinde.

Bei der Kreisreform während der NS-Zeit in Württemberg gelangten alle Gemeinden der heutigen Gemarkung 1938 zum Landkreis Calw. 1945 wurde das Gebiet Teil der Französischen Besatzungszone und kam somit zum Nachkriegsland Württemberg-Hohenzollern, welches 1952 im Land Baden-Württemberg aufging.

Gemeindereform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zuge der Gemeindereform in Baden-Württemberg 1974/75 wurden am 1. Dezember 1974 die Gemeinden Oberkollbach und Igelsloch nach Oberreichenbach eingemeindet. Die heutige Gemeinde entstand am 1. Januar 1975 durch Vereinigung von Oberreichenbach und Würzbach.[5]

Religionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die evangelischen Bewohner des Hauptorts Oberreichenbach gehören mit denen von Calw-Altburg zur evangelischen Kirchengemeinde Altburg & Oberreichenbach[6] im Kirchenbezirk Calw-Nagold. Die evangelischen Bewohner der Teilorte Igelsloch (mit Siehdichfür), Oberkollbach und Würzbach (mit Naislach) gehören seit der letzten Änderung im Jahr 2015 zur gemeinsamen Kirchengemeinde Würzbach & Oberkollbach/Igelsloch,[7] Das gemeinsame Pfarramt wurde nach einer kurzen Übergangszeit zum Jahresbeginn 2020 wieder von Würzbach nach Oberkollbach zurückverlegt.[8]

Neben den evangelischen Gemeinden gibt es in Oberkollbach auch eine evangelisch-methodistische Kirche[9] und in Oberreichenbach eine Neuapostolische Gemeinde.[10]

Die katholischen Einwohner gehören zur Seelsorgeeinheit Calw-Bad Liebenzell.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verwaltungsgemeinschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Oberreichbach gehört zur vereinbarten Verwaltungsgemeinschaft Calw / Oberreichenbach.

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat in Oberreichenbach hat 12 Mitglieder. Die Kommunalwahl am 29. Mai 2019 führte zu folgendem vorläufigen Endergebnis. Die Wahlbeteiligung lag bei 69,4 % (2014: 58,0 %). Der Gemeinderat besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.

Parteien und Wählergemeinschaften %
2019
Sitze
2019
%
2014
Sitze
2014
Kommunalwahl 2019 Oberreichenbach[11][12]
Wahlbeteiligung: 69,4 % (2014: 58,0 %)
 %
50
40
30
20
10
0
48,8 %
30,1 %
13,2 %
8,0 %
Bürgerliste
Mehr Bürgernähe
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2014
 %p
 15
 10
   5
   0
  -5
-10
-15
-20
-25
± 0,0 %p
−21,1 %p
+13,2 %p
+8,0 %p
Bürgerliste
Mehr Bürgernähe
Bürgerliste 48,8 6 48,8 6
FW 30,1 3 51,2 6
Mehr Bürgernähe 13,2 2 0,0 0
SPD 8,0 1 0,0 0
gesamt 100,0 12 100,0 12
Wahlbeteiligung 69,4 % 58,0 %
Name Partei Stimmenzahl[13]
Stefan Elsäßer Bürgerliste 1.695
Rüdiger Pfrommer Bürgerliste 1.262
Sören Hayer Bürgerliste 1.170
Andreas Pfrommer Bürgerliste 1.061
Joachim Pfeiffle Freie Wähler 1.041
Christian Reichle Freie Wähler 1.011
Nadine Tscheuschner Bürgerliste 987
Verena Greger Freie Wähler 697
Thomas Krauß Mehr Bürgernähe 684
Jonathan Kraft Bürgerliste 668
Jan-Ove Metzler SPD 664
Oliver Schmucker Mehr Bürgernähe 601

Kreistag[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kreistag des Landkreis Calw wird von den Wahlberechtigten im Landkreis auf fünf Jahre gewählt. Oberreichenbach stellt den Wahlbezirk 5 dar. Der Wahlbezirk stellt ordentlich ein Mitglied, welches seit der letzten Kreistagswahl am 25. Mai 2019 mit 1.736 Stimmen erneut der Oberreichenbacher Bürgermeister Karlheinz Kistner ist. Über die Gesamtzahl der Stimmen im Landkreis Calw erhielt mit 1.532 Stimmen Hans-Jochen Burkhardt als weiterer Bürger Oberreichenbachs einen Ausgleichsitz.[14]

Bei der letzten Kreistagswahl vom 25. Mai 2019 erreichte der Oberreichenbach eine Wahlbeteiligung von 69,0 % mit folgenden Ergebnissen:

Parteien und Wählergemeinschaften %
2019
Sitze
2019
Ergebnis Kreistagswahl 2019 Oberreichenbach[15]
Wahlbeteiligung: 69,0 %
 %
50
40
30
20
10
0
40,8 %
22,2 %
11,3 %
9,9 %
9,6 %
6,2 %
FW Freie Wählervereinigung 40,8 1
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 22,2 -
FDP Freie Demokratische Partei 11,3 -
GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen 9,9 -
AfD Alternative für Deutschland 9,6 -
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 6,2 -
gesamt 100,0 1
Wahlbeteiligung 69,0 %

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum ersten Bürgermeister der 1975 neu gebildeten Gemeinde wurde Dietmar Greif gewählt, der das Amt am 1. April 1976 übernahm.[16] Zu seinem Nachfolger wurde 2008 Karlheinz Kistner gewählt, der zuvor Bauamtsleiter im benachbarten Schömberg war.[17] Im Januar 2016 wurde Kistner mit 86,8 Prozent der Stimmen wiedergewählt, bei einer Wahlbeteiligung von 49,8 Prozent.[18]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: Geteilt durch einen erniedrigten blauen Wellenbalken; oben in Gold (Gelb) vier bewurzelte grüne Tannen, unten in zwei Reihen von Gold (Gelb) und Rot geschacht (zehn Plätze). Die vier Tannen stehen für die vier Ortsteile und den Schwarzwald. Das Schach von Gold und Rot ist das Wappen der Herrschaft Zavelstein, zu der Würzbach einst gehörte.[19]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Im Hauptort Oberreichenbach gibt es seit 1970 die evangelische Lukaskirche in Zeltform mit später angebautem Gemeindehaus. Der Stuttgarter Künstler Adolf Valentin Saile schuf für den Neubau das Tauffenster mit dem Motiv des Tauf- und Missionsauftrags Christi sowie ein Wandmosaik zum Gleichnis vom verlorenen Sohn.
  • In Oberkollbach wurde 1952 von Architekt Hermann Hornbacher die Johanniskirche gebaut. Das Chorfenster mit Lebensstationen Jesu bis zu Kreuzigung und Auferstehung entwarf und fertigte ebenfalls Adolf Valentin Saile.
  • Die Leonhardskirche Igelsloch scheint schon vor dem 13. Jahrhundert ihren Ursprung gehabt zu haben. Sie wurde 1420 erstmals erwähnt und 1954 umgebaut. Dabei erhielt sie ein farbiges Chorfenster vom Stuttgarter Glaskünstler Wolf-Dieter Kohler.
  • Die ursprünglich spätgotische Nikolauskirche Würzbach aus dem Jahre 1411 wurde 1860 erneuert.

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Oberreichenbach befindet sich der ehemalige Atomschutzbunker der baden-württembergischen Landesregierung, der seit 1994 von einem staatsnah arbeitenden privatwirtschaftlichen Unternehmen (COMback GmbH) als Hochsicherheits-Rechenzentrum für EDV-Ausfallvorsorge genutzt wird.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben der COMback GmbH ist die Firma Elektro Groß das einzig größere Unternehmen in Oberreichenbach direkt. Außerdem gibt es noch Frisörsalons, Restaurants und Tankstellen. In den Ortsteilen Oberkollbach und Würzbach befinden sich ebenfalls einige Geschäfte, darunter auch kleinere Kaufhäuser.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Direkt in Oberreichenbach befindet sich ein Kindergarten. Zwei weitere sind in den Teilorten Oberkollbach und Würzbach zu finden. Seit 2019 gibt es in Würzbach außerdem einen Waldkindergarten.[20] Eine Grundschule mit neuer Sporthalle ist ebenfalls im Ortsteil Würzbach zu finden.[21]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Otto Mezger (1875–1934), Apotheker, Chemiker und Kriminalist, in Naislach geboren
  • Raik Dittrich (* 1968), Biathlet
  • Frank Hölzle (* 1968), Ordinarius für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karl Greiner, Ortschronik der Gemeinde Oberreichenbach
  • Helga Hagenlocher-Lörcher: Ortsgeschichte Oberreichenbach: 1303–2003. Geiger-Verlag, Horb 2003, ISBN 3-89570-871-2
  • Hans Büxenstein: Igelsloch und Unterkollbach – Eine 800-jährige Schicksalsgemeinschaft. Herausgeber Albert Silberberger. Eigenverlag, 1989

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Oberreichenbach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg – Bevölkerung nach Nationalität und Geschlecht am 31. Dezember 2019 (CSV-Datei) (Hilfe dazu).
  2. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2. S. 499–500
  3. Daten- und Kartendienst der LUBW
  4. Wüstung Oberwürzbach: Forschungen in einer abgegangenen Siedlung im Nordschwarzwald. Universität Tübingen, Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters
  5. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 488 f.
  6. Website der Evangelischen Kirchengemeinde Altburg & Oberreichenbach
  7. Website der Evangelischen Kirchengemeinde Würzbach
  8. Felix Biermayer: Oberreichenbach. Neuer alter Pfarrer ist eingesetzt. In: Schwarzwälder Bote. 28. Januar 2020, abgerufen am 11. Januar 2021.
  9. Website der Evangelisch-methodistischen Kirche Calw
  10. Website der neuapostolischen Kirche Calw
  11. Ergebnisse der Kommunalwahl 2019 für Oberreichenbach
  12. Ergebnisse der Kommunalwahl 2014 für Oberreichenbach
  13. Gemeinderäte für Oberreichenbach
  14. [=oberreichenbach&no_cache=1 Wahlergebnisse 2019] der Kreistagswahlen für Oberreichenbach
  15. Wahlergebnisse 2019 der Kreistagswahlen für Oberreichenbach
  16. Hans Schabert: Bürgermeister-Wahltermine kein Zufall. In: Schwarzwälder Bote. 6. Oktober 2015, abgerufen am 11. Januar 2021.
  17. Steffi Stocker: Oberreichenbach. Nicht nur ebene Wege führen ans Ziel. In: Schwarzwälder Bote. 19. Januar 2016, abgerufen am 11. Januar 2021.
  18. Alfred Verstl: Oberreichenbach. Großer Vertrauensbeweis für Kistner. In: Schwarzwälder Bote. 1. Februar 2016, abgerufen am 11. Januar 2021.
  19. Oberreichenbach und seine Geschichte, Abschnitt „Wappen“. Webseite der Gemeinde. Abgerufen am 16. Januar 2021
  20. Kinderbetreuung in Oberreichenbach Webseite der Gemeinde. Abgerufen am 2. Februar 2021
  21. Grundschule in Oberreichenbach-Würzbach Webseite der Gemeinde. Abgerufen am 2. Februar 2021