Pingsheim

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Pingsheim
Gemeinde Nörvenich
Inoffizielles Ortswappen
Koordinaten: 50° 48′ 1″ N, 6° 41′ 35″ O
Höhe: 122 m ü. NHN
Fläche: 4,3 km²
Einwohner: 668 (31. Dez. 2020)[1]
Bevölkerungsdichte: 155 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1969
Eingemeindet nach: Erftstadt
Postleitzahl: 52388
Vorwahl: 02235
Karte
Ortsplan
Pingsheim Ortskern
Pingsheim Ortskern

Pingsheim ist der östlichste Gemeindeteil von Nörvenich. Er liegt im Kreis Düren in Nordrhein-Westfalen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsname soll auf einen römischen Waldnamen (Pinetum, Fichtenwald) zurückgehen. Möglicherweise ist die Vorsilbe Binis auch ein Personenname. Erstmals erwähnt wurde der Ort in einer Urkunde von 1022.[2] Erzbischof Heribert schenkte der Kölner Abtei Groß St. Martin „das Kirchlein zu Pingsheim im Zülpichgau“. Es blieb der Abtei genau wie der dazugehörende Zehnthof bis zu deren Auflösung 1802 verbunden.

Der Pingsheimer Frieden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 14. Oktober 1279 wurde in Pingsheim der Pingsheimer Frieden geschlossen. Nach langwierigen und meist kriegerisch ausgetragenen Streitigkeiten zwischen der Witwe des Grafen von Jülich und seinem Nachfolger einerseits und dem Kölner Erzbischof Siegfried von Westerburg andererseits kam es zwischen den beiden Parteien zu einem Friedensvertrag, der in Pingsheim abgeschlossen wurde und allgemein als „Friede von Pingsheim“ bezeichnet wird.

Vermutlich hat die Grenzlage des Dorfes die beiden Mächte bewogen, Pingsheim als Verhandlungsort zu wählen. Der westliche Ortsteil gehörte zu Jülich, der östliche zum Amt Lechenich des Erzstifts Köln. Grenzlinie war die heutige Alfons-Keever-Straße. Der Überlieferung zufolge war der Schauplatz des Vertragsabschlusses die Pfarrkirche Pingsheim. Tatsächlich trafen sich die Kontrahenten auf der jetzigen Alfons-Keever-Straße, denn deren Mitte war die Grenze zwischen Kurköln und Jülich-Berg.

Die verwickelte Vorgeschichte und die ohne sachkundigen Kommentar etwas schwer verständlichen vertraglichen Vereinbarungen sind sorgfältig und ausführlich von Heinrich Heesel in dem 1979 herausgegebenen Werk „Der Friede zu Pingsheim am 14. Oktober 1279 und seine Vorgeschichte“ dargestellt worden. Die zur Verhandlung stehenden Streitpunkte haben alle mit Rechten in und um Zülpich zu tun. Unter anderem wird vereinbart, dass die Grafen von Jülich auf die Vogteirechte, auf die Gerichtsfolge auf dem Schievelberg und auf die Zinsen und Rechte, welche das Hofgut Palenz betrafen, zu Gunsten des Erzbischofs verzichten. Dem Erzbischof wird erlaubt, die Stadt nach freiem Willen zu befestigen und das Schloss in Zülpich auszubauen. Schon 1291 muss der Erzbischof die Vogteirechte wieder an den Jülicher Grafen abgeben.

Das Pingsheimer Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An den Pingsheimer Frieden erinnert das 2003 geschaffene inoffizielle Wappen. Auf der einen Seite steht der Jülicher Löwe, auf der anderen das Kreuz des Kurfürstentums Köln. Beide Seiten sind durch das rote Band (Dorfstraße) getrennt. Über Jülich und Köln fliegt die Friedenstaube.

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Juli 1969 wurde Pingsheim zunächst nach Erftstadt eingemeindet.[3] Im Rahmen des sogenannten Köln-Gesetzes wurde der Ort am 1. Januar 1975 nach Nörvenich umgegliedert.[4]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Pingsheim seit 1828:

Jahr Einwohner Jahr Einwohner
1828 319 1946 461
1843 372 1950 486
1864 439 1956 452
1871 410 1961 428
1885 420 1967 432
1890 414 1975 420
1895 418 1985 441
1900 407 1995 609
1910 424 2005 711
1919 434 2010 677
1925 460 2015 670
1933 439 2020 668
1939 391

Die Geschichte Pingsheims ist ausführlich dargestellt auf den Webseiten der Ortsgemeinschaft.

Bürgermeister (1846 bis 1969)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1846–1848 Brendgen
  • 1869–1882 Bulich
  • 1884–1893 Ambrosius Bulich
  • 1900–1904 Ambrosius Bulich
  • 1904–1912 Ambrosius Bulich
  • 1926 Ambrosius Bulich
  • 1929 Ambrosius Bulich
  • 1930 Carl Bulich
  • 1933 J. F. Münch
  • 1945 Christian Kalscheuer
  • 1945 Pfarrer Alfons Keever
  • 1945–1948 Theodor Zaudig
  • 1948–1969 Edmund Forsbach

Baudenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im ÖPNV verbinden die AVV-Buslinien 212, 230 und 232 des Rurtalbus den Ort mit Nörvenich, Sievernich, Lechenich und der Kreisstadt Düren. Bis zum 31. Dezember 2019 wurde die Linie 212 von der Dürener Kreisbahn, die Linie 230 vom BVR Busverkehr Rheinland betrieben.

Linie Verlauf
212 Nörvenich Alter Bf – Nörvenich Schlosspark – Oberbolheim – Rath – Wissersheim – Pingsheim – Herrig – Lechenich
230 Düren Bf/ZOB – StadtCenter – Gneisenaustraße – Binsfeld (→ Rommelsheim) – Frauwüllesheim – Isweiler – Kelz – (Vettweiß –) Gladbach – Poll – Dorweiler – Pingsheim
232 Sievernich – Disternich – Müddersheim – Gladbach – Poll – Dorweiler – Pingsheim – Herrig – Lechenich

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf Kreisebene errang Pingsheim 2014 beim Wettbewerb Unser Dorf hat Zukunft eine Bronzemedaille.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Pingsheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Einwohnerzahlen der Gemeinde Nörvenich nach der Fortschreibung des Einwohnermeldeamtes. (PDF) In: noervenich.de. Gemeinde Nörvenich, 31. Dezember 2020, abgerufen am 26. Januar 2021.
  2. Anmerkung: Heribert starb 1021. In der Urkunde Nr. 4 aus dem Bestand Pfarrarchiv Groß St. Martin im Historischen Archiv des Erzbistums Köln ist das Jahr 1022 angegeben. In einer Kurzfassung in Oediger: Regesten der Erzbischöfe von Köln im Mittelalter ist das Jahr 1022 mit einem Fragezeichen versehen. In der Fußnote wird vermutet, dass die Urkunde die Neufassung einer älteren verlorenen Urkunde ist
  3. Martin Bünermann: Die Gemeinden des ersten Neugliederungsprogramms in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1970, DNB 456219528, S. 86.
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 307.