Müddersheim

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Koordinaten: 50° 45′ 9″ N, 6° 39′ 49″ O

Müddersheim
Gemeinde Vettweiß
Wappen der ehemalige Gemeinde Müddersheim
Höhe: 141 m ü. NN
Fläche: 6,26 km²
Einwohner: 735 (31. Dez. 2016)[1]
Bevölkerungsdichte: 117 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1972
Postleitzahl: 52391
Vorwahl: 02424
Müddersheim (Nordrhein-Westfalen)
Müddersheim

Lage von Müddersheim in Nordrhein-Westfalen

Müddersheim ist ein Ortsteil der Gemeinde Vettweiß im Kreis Düren in Nordrhein-Westfalen.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort liegt nordöstlich von Vettweiß auf dem Steilhang des Neffelbaches, einer tektonischen Setzung in der Zülpicher Börde. Nachbarorte sind Disternich und Gladbach.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blasonierung lautet: „In Silber ein gezahntes rotes Windmühlenkreuz; im schwarzen Schildhaupt ein silbernes Kreuz“.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorratsgefäß 5000 v. Christus

Bereits in den Jahren 1955 und 1959 wurde westlich des Dorfes Hinweise auf eine jungsteinzeitliche Siedlung der bandkeramischen Kultur nachgegangen. Eines der dort freigelegten Gefäße, die in die Zeit zwischen 5500 und 4900 v. Chr. datiert worden waren, gehörte beispielsweise zu den großen keramischen Vorratsbehältern, die ein Zeichen einer sesshaft gewordenen Bevölkerung angesehen werden.

Auch die zahlreichen Spuren ausgedehnten römischer Siedlungsflächen und die entsprechenden Funde ließen auf eine sehr frühe Besiedlung schließen. Eine außerdem gefundene Anzahl von Matronensteinen in Müddersheim zeigt eine gewisse Siedlungskontinuität, die in die nachrömische Zeit übergeht.

Fränkische Zeit und Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsname ist abgeleitet von dem fränkischen Herrennamen Modirih. Erstmals wird Müddersheim im Jahre 1057 als Muotersheim erwähnt. Erzbischof Anno II. von Köln bekundet in einer Urkunde, dass die Königin Richeza von Polen von ihm, neben einer Reihe anderer Güter, auch die Nutznießung der Villa Moedesheim erhalten habe.

Müddersheim war jahrhundertelang eine eigene Herrlichkeit.

18., 19. und 20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alte Ziegelei

Im Zweiten Weltkrieg war Müddersheim nach der Evakuierung von Düren Sitz der Kreisverwaltung.

Am 1. Juli 1969 wurden Disternich, Gladbach, Lüxheim und Sievernich eingegliedert.[2] Am 1. Januar 1972 kam Müddersheim im Rahmen des Aachen-Gesetzes zur neuen Gemeinde Vettweiß.[3]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Direkt am Ort vorbei führt die alte römische Heerstraße von Zülpich nach Neuss. Dem Verlauf der Heerstraße folgt heute die B 477. Durchgangsverkehr gibt es im Ort nicht.

Busse der Dürener Kreisbahn binden heute den Ort durch die Linie 208 an den öffentlichen Personennahverkehr an. Ab 1908 fuhr am Ort entlang die Kleinbahn und Straßenbahn von Düren über Nörvenich nach Zülpich und Embken. Der Verkehr wurde 1960 eingestellt.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort ist landwirtschaftlich geprägt. Es gibt einige kleinere Gewerbebetriebe im Ort.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche

1074 wird die Kirche erstmals als Besitz des Stiftes St. Kunibert in Köln erwähnt. Der Kölner Baumeister Nikolaus Krakamp war auch überregional tätig. 1764 errichtete er für die Familie des Freiherrn von Geyr, für die er schon 1754 ein repräsentatives Wohnhaus an der Kölner Breitestraße gebaut hatte, die Kirche St. Amandus.[4]

Die Pfarrkirche St. Amandus (benannt nach dem Heiligen Amand) wurde 1777/78[5] von der heute noch existierenden Bauunternehmung Zervos aus Liblar mit den Ziegeln der ortsansässigen Ziegelei erbaut. Sie hat eine reichhaltige Rokoko-Ausstattung. 1865 erhielt die Kirche eine mechanische Schleifladenorgel mit 15 Registern aus der Werkstatt der Geschwister Kalscheuer aus Nörvenich. Die Orgel ist eine der wenigen noch aus dieser Werkstatt erhaltenen Instrumente.

Direkt an der B 477 befindet sich an einer der Ortszufahrten die markante Antonius-Kapelle mit einem kostbaren schmiedeeisernen Gitter aus dem Jahre 1669.

Burg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Einfahrt zur Burg Müddersheim
Vorburg mit Park

Die rechteckige Wasserburg wurde zwischen 1716 und 1720 durch Rudolf Adolf, Reichsfreiherr Geyr von Schweppenburg, auf älteren Fundamenten errichtet. Das freistehende, zweigeschossige Herrenhaus ist ein sandsteingegliederter, nahezu quadratischer Backsteinbau mit hofseitigem Mittelrisalit und Freitreppe. Ein Park umgibt die Burg, die durch eine ausgedehnte Anlage ergänzt wird.

Die Burg befindet sich heute noch im Besitz der Freiherren Geyr von Schweppenburg und wird landwirtschaftlich genutzt. Im Volksmund wird der Burgenbesitzer einfach nur „Baron“ genannt.

Siehe auch: Burg Müddersheim

Schulen, Kindergarten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In die seit 1767 bestehende Grundschule werden die Kinder aus den Nachbarorten mit Schulbussen gebracht, die Hauptschüler fahren nach Vettweiß. Weiterführende Schulen gibt es in Düren und Zülpich.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Direkt neben der Bundesstraße 477 steht noch die Ruine des Müddersheimer Ziegelwerk St. Antonius. Im Jahre 2004 musste der Kreis Düren vom Gelände der alten Ziegelei 212.500 Altreifen entsorgen. Nach dem Kauf der Ziegelei im Jahr 2006 wurden baufällige Teile abgerissen und die noch zu gebrauchenden Hallen als Lagerfläche umgebaut. Das alte Wohnhaus wurde ebenfalls komplett renoviert und ist wieder bewohnt. Die alte Tongrube wandelte sich zu einem See und wurde jahrelang von einem Angelverein befischt bis er 1994 unter Naturschutz gestellt wurde. 2008 wurde der See erneut von einem Angelverein gepachtet.
  • Am Ortseingang direkt an der Wasserburg befindet sich die Bannmühle von 1628. Dort wohnt Gisela Keiner. Am anderen Ortsende liegt eine Tongrube. Diese Tongrube war aber nur ein halbes Jahr in Benutzung, da dort schlechter Ton abgebaut worden war. Im Moment (2010) wird sie als Kieslager benutzt.
  • Die Bürgerhalle im Ort wird von der IG Ortsvereine Müddersheim e.V. verwaltet.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Vogts: Das Kölner Wohnhaus bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts. Köln 1966. (Erweiterte Neuauflage der Arbeit von 1914)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Müddersheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.vettweiss.de/unsere_gemeinde/content/einwohnerzahlen.php
  2. Martin Bünermann: Die Gemeinden des ersten Neugliederungsprogramms in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1970, S. 98.
  3. Martin Bünermann, Heinz Köstering: Die Gemeinden und Kreise nach der kommunalen Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1975, ISBN 3-555-30092-X.
  4. Hans Vogts, Das Kölner Wohnhaus bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts. Band II, S. 229 ff
  5. Gemeinde Vettweiss – Unsere Gemeinde – Müddersheim. Abgerufen am 18. Oktober 2012.